Frauen, Migration und Arbeit: Ohne Rechte keine Perspektive

 

(Bonn, 8. Juni 2017) Sie ernten Früchte und Gemüse, reinigen Büros, verarbeiten Lebensmittel, arbeiten in Restaurants und putzen in Privathaushalten. Sie pflegen alte Menschen, betreuen Kinder und arbeiten in Gesundheitsberufen. Sie lehren an Universitäten, leiten Unternehmen, entwickeln Computerprogramme und leisten soziale Arbeit in vielen Bereichen. „Migrantinnen nehmen eine Schlüsselfunktion bei der Integration ihrer Kinder in den Zielländern ein. Sie sind in vielen Ländern dieser Welt ein unersetzlicher Teil des gesellschaftlichen und ökonomischen Lebens“, sagt Dr. Sabine Ferenschild, die Autorin einer neuen SÜDWIND-Studie zur Migration von Frauen.

Und doch steht die Arbeits- und Lebenssituation von migrierenden Frauen eher im Schatten der Diskussionen um Flucht und Migration, die sich in Deutschland zunehmend auf einen Angst- und Sicherheitsdiskurs beschränken. Sich gegen diese gefährliche Tendenz wehrend, richtet die vorliegende Studie den Blick auf die Migrationswege von Frauen, identifiziert wichtige Rahmenbedingungen und plädiert für eine Stärkung der Rechte von MigrantInnen.

Zwar sei die Bundesregierung in den letzten Jahren deutlich aktiver in der Migrationspolitik geworden, stellt die Studie fest, doch scheine manches eher eine tagespolitische Reaktion auf aktuelle Herausforderungen zu sein als eine systematische Erarbeitung eines schlüssigen Gesamtkonzepts zum Umgang mit Migration und Flucht, in dem auch die Bedürfnisse und Rechte von MigrantInnen Berücksichtigung finden. Für ein schlüssiges Gesamtkonzept sei die Verbesserung rechtlicher Rahmenbedingungen unumgänglich. Dies betreffe

  • zum einen die generelle Zielrichtung des deutschen Aufenthaltsrechts,
  • zum anderen die Problematik des Zugangs zu Arbeitsrechten für MigrantInnen, die sich nicht regulär in Deutschland aufhalten.

Die zweite Gruppe spielt laut der Studie eine wichtige Rolle in der politischen Debatte: „Welche Rechte ihnen zugestanden werden, daran entscheidet sich maßgeblich, ob Deutschland internationale Konventionen unterzeichnet oder nicht. Zwar hat Deutschland wie jeder andere Staat das souveräne Recht, darüber entscheiden zu können, wer einreisen, sich aufhalten und arbeiten darf. Doch die Ausgestaltung dieses Rechts wird zum Problem, wenn die ArbeitsmigrantInnen, die jenseits regulärer Migrationswege unterwegs sind, einfach vom Zugang zu Arbeitsrechten ausgenommen werden und auch keine Perspektiven bekommen, einen irregulären Aufenthalt zu legalisieren.“

Am Beispiel der Migration aus den Philippinen stellt die Studie eine erhebliche Verschwendung von Qualifikationen und Fähigkeiten fest, unter denen besonders gut ausgebildete Frauen leiden, die migrieren und im Zielland nicht entsprechend ihrer Qualifikationen beschäftigt werden. Das Fallbeispiel einer Filipina, die seit vielen Jahren als Hausangestellte in Deutschland arbeitet, obwohl sie auf den Philippinen ein Studium als Bauingenieurin erfolgreich absolviert hatte, macht diesen Kompetenzverlust besonders deutlich.

Sabine Ferenschild: „Da Deutschland im Jahr 2017 und 2018 zusammen mit Marokko den Vorsitz des jährlich stattfindenden Globalen Forums zu Migration und Entwicklung hat, wäre es an der Zeit, die Frage von Arbeitsrechten von MigrantInnen ganz oben auf die politische Agenda zu setzen.“