Profit mit Nachhaltigkeit?

 

Neue SÜDWIND-Studie zur Rolle der Privatwirtschaft in Entwicklungsländern

(Bonn, 3. Juli 2017) Kakaobauern und Kakaobäuerinnen in Westafrika, die von dem Erlös ihres angebauten Kakaos nicht leben können, Waldrodungen für Palmölplantagen in Indonesien oder unmenschliche Arbeitsbedingungen auf den Bananenplantagen in Lateinamerika: Zahlreiche Beispiele belegen, welch negative Auswirkungen das Streben der Privatwirtschaft nach andauernder Profitsteigerung verursachen kann. Gleichzeitig wirbt die Bundesregierung für mehr Investitionen von Privatbanken und Unternehmen aus Deutschland in arme Entwicklungsländer.

Wie kann unter der Zielsetzung von Profit- und Umsatzsteigerung garantiert werden, dass auch die ärmere Bevölkerung von Kooperationen zwischen Privatwirtschaft und Entwicklungszusammenarbeit profitiert? Mit der heute erschienenen Studie „Profit mit Nachhaltigkeit?“ weist SÜDWIND auf die Chancen und Risiken einer Kooperation mit der Privatwirtschaft zur Umsetzung der globalen Nachhaltigkeitsziele (SDG) der Agenda 2030 hin. „Ein stärkeres Engagement des Privatsektors ist angesichts der knappen Ressourcen für die öffentliche Entwicklungszusammenarbeit wichtig und notwendig“ meint Pedro Morazán, Verfasser der Studie. „Die Entwicklungspolitik sollte allerdings dieses Engagement nicht um jeden Preis erkaufen. Die Förderung von Privatinvestitionen darf nicht auf Kosten sozialer und ökologischer Zielsetzungen stattfinden.“

Der Privatsektor ist einer der Gewinner neoliberaler Globalisierung. Daraus erwächst eine strukturelle Verantwortung. Gerade in einer Zeit, in der globale Krisen Ungleichheiten zwischen reichen und armen Ländern verschärfen und die Kluft zwischen Arm und Reich auch in wohlhabenderen Ländern steigt, muss die Politik als regulierende Kraft gestärkt werden. Die Studie schlussfolgert:

„Der Privatsektor ist der Motor von dauerhaftem Wachstum. Um Wachstum allerdings auch inklusiv zu gestalten, bedarf es eines starken und zudem aktiven öffentlichen Sektors. Es wird in der Entwicklungspolitik viel darüber nachgedacht, wie das institutionelle Umfeld so gestaltet werden kann, dass Privatinvestitionen angezogen werden. […] Nicht nur die Schaffung von Arbeitsplätzen gerade auch für gering qualifizierte Arbeitskräfte ist von großer Bedeutung für die Entwicklung in den Ländern. Auch die Ausgestaltung dieser Arbeitsplätze mit Arbeitsbedingungen und einer Bezahlung, die ein menschenwürdiges Leben ermöglichen, sind wichtig, um gerade auch den vielen jungen Menschen eine Perspektive und Aufstiegschancen zu geben.“

Die SÜDWIND-Studie nimmt bestehende Instrumente kritisch unter die Lupe und formuliert Empfehlungen, wie die Privatwirtschaft eine konstruktive Rolle bei der Erreichung der globalen Nachhaltigkeitsziele spielen kann. Die Studie untersucht zunächst, wie groß der Bedarf an zusätzlichen Finanzressourcen ist und welche globalen Nachhaltigkeitsziele für eine privatwirtschaftliche Beteiligung von besonderer Relevanz sind. Darüber hinaus sollen aber auch Entwicklungspotenziale in den armen Ländern selbst identifiziert werden. Um diese zu stärken braucht es oft andere Rezepte als allein die Mobilisierung ausländischen Kapitals für Investitionen in den Entwicklungsländern.

Die Studie wurde von Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und von der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen gefördert.