Deutschland verfehlt Klimaschutzziel 2020

 

(Berlin, 7. September 2017) Die heute veröffentlichte Studie des Think-Tanks Agora Energiewende kommt zu dem Schluss, dass Deutschland das vor zehn Jahren von Bundeskanzlerin Angela Merkel verkündete Ziel, die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 40 Prozent abzusenken, noch wesentlich deutlicher verfehlen wird, als bisher angenommen. Die Treibhausgasemissionen im Jahr 2020 werden lediglich 30 bis 31 Prozent unter dem Niveau von 1990 liegen ‑ wenn nicht sofort weitere Maßnahmen eingeleitet werden. Das 40-Prozent-Ziel war 2007 von Bundeskanzlerin Angela Merkel verkündet und ist seither von allen Bundesregierungen immer wieder bekräftigt worden.

Oxfam Deutschlands Klima-Experte Jan Kowalzig kommentiert: „Seit Jahren ist bekannt, dass Deutschland sein Klimaschutzziel, die Treibhausgase bis 2020 um mindestens 40 Prozent zu reduzieren, zu verfehlen droht. Jetzt kommt raus: Die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit könnte noch viel größer ausfallen, als bisher angenommen. Das ist ein erbärmliches Zeugnis klimapolitischen Versagens einer Bundesregierung, die die vergangenen Jahre damit vergeudet hat, die erneuerbaren Energien auszubremsen und die Kohlekonzerne zu schützen, anstatt den Ausstieg aus der klimaschädlichen Kohlekraft einzuleiten.“

„Es ist höchste Zeit zum Handeln! Wir sind den Menschen in Risikogebieten des Klimawandels schuldig, Nägel mit Köpfen zu machen und umgehend eine ambitionierte Klimapolitik umzusetzen“, erklärt Sabine Minninger, Klimaexpertin von Brot für die Welt. Nachdem die jüngste Agora-Studie feststellt, dass Deutschland seine selbstgesteckten Klimaziele deutlich verfehlt, sollte der Ausstieg aus der Kohle sofort beschlossen werden, so Minninger. „Da gerade die ärmsten Menschen schon jetzt immens unter dem Klimawandel leiden, ist das weitere Hinauszögern ehrgeiziger Klimaziele nicht zu verantworten.“ Die verheerenden Überflutungen in Asien, bei denen 40 Millionen Menschen betroffen und 1.200 Menschen ums Leben gekommen sind, seien ein weiterer Beleg dafür, dass die negativen Auswirkungen des Klimawandels für Viele in armen Ländern bereits jetzt Realität ist. „Ohne den Kohleausstieg werden diese Katastrophen ungebremst zunehmen. Wir sind gegenüber den Menschen, die jetzt schon stark vom Klimawandel betroffen sind, verpflichtet, unsere in Paris gemachten Versprechen ohne Wenn und Aber einzuhalten“, fordert Minninger.

„Hier geht es nicht einfach nur um ein paar Prozentpunkte“ erläutert Jan Kowalzig von Oxfam. „Der Klimawandel zerstört schon heute die Lebensgrundlagen vieler Menschen in den armen Ländern. Dürren, Überschwemmungen und Stürme verschärfen weltweit Hunger und Armut. Reiche Länder wie Deutschland können sich nicht aus der Verantwortung stehlen. Ein derartiges Versagen, wie es beim 2020er Klimaschutzziel droht, ist nicht zu verantworten. Wenn sich die nächste Bundesregierung auch nur halbwegs dem Pariser Klimaschutzabkommen verpflichtet fühlt, muss sie gleich zu Beginn ihrer Arbeit ein Sofortprogramm für den Klimaschutz auflegen und den Ausstieg aus der Kohlekraft beherzt angehen, so dass die dreckigsten Kraftwerke zügig abgeschaltet werden und Deutschland in spätestens 15 bis 20 Jahren kohlefrei ist.“

 

Foto: Nata Uchava, Freiburg.