Fremd – Vertraut. Plädoyer für eine gemeinsame Kultur der Vielfalt

 

(Bonn, 11. September 2017) Mit „Fremd – Vertraut. Plädoyer für eine gemeinsame Kultur der Vielfalt“ legt die Evangelische Akademie im Rheinland einen neuen Band ihrer Reihe „Begegnungen“ vor. Im Mittelpunkt stehen die aktuellen Themen Integration und Heimat. Autor des Buches ist der Islam- und Politikwissenschaftler Jörgen Klußmann M.A. Er verantwortet an der Akademie als Studienleiter den Bereich „Politik“ mit dem Themenschwerpunkt „Zukunft multireligiös und friedlich denken“.

Klußmann will der leidigen Debatte um eine vermeintlich deutsche Leitkultur, einen neuen, internationalen und multireligiösen Impuls geben. Denn: „Die einzige deutsche Rechtskultur, von der wir uns leiten lassen sollten, ist das Grundgesetz. Doch für viele ist das zu abstrakt und mit Recht, denn was wir darüber hinaus benötigen, ist eine gemeinsame Kultur des Miteinanders in einer multireligiösen und multi-ethnischen Gesellschaft, die wir nun mal sind, ob wir es wollen oder nicht! Für viele ist das allein schon eine Vision, die zu weit geht, doch die Realität ist eine andere!“

Mit den Attentaten der jüngsten Vergangenheit kommen Terror und die Gefahr scheinbar immer näher und damit auch die Angst, konstatiert Klußmann. Diese Angst habe die politische Landschaft in Deutschland und Europa bereits verändert. Und:

„Angst führt zu Vertrauensverlust, und sie kann gezielt ausgenutzt und geschürt werden. Wenn wir aber zusammen leben, ob wir es wollen oder nicht, dann müssen sich alle an einem friedlichen Miteinander beteiligen – sowohl besorgte Bürger als auch verängstigte Migranten. Unser demokratischer Rechtsstaat erlaubt es uns als Zivilgesellschaft unsere Interessen, Meinungen und Ansprüche selbst, ohne den Einfluss des Staates, der Wirtschaft oder Militärs zu vertreten, zu verhandeln und sogar durchzusetzen. Diese Freiheit ist in der Welt nur wenigen Menschen gegeben!

Die aktuelle Lage der zunehmenden Migration in den Westen insgesamt begünstigt in hohem Maße eine Radikalisierung von großen Teilen der Bevölkerung und es gibt zahlreiche Propagandisten, die dies auszunutzen wissen. Wenn wir also nicht fähig sind, Ängste wahrzunehmen und zu relativieren und zu deeskalieren, dann wird sich die Lage weiter verschlechtern.“

In seinem Buch geht Jörgen Klußmann sowohl auf die Ängste, Widerstände und den Protest gegen die Migration als auch auf die Bedürfnislage der Migranten ein. Dabei versucht er, eine Brücke zwischen Einheimischen und Fremden zu bauen, in dem er vier grundlegende Fragen in den Vordergrund stellt:

  • Was ist uns fremd und was vertraut (und was hat das für Folgen)?
  • Warum verlassen Menschen ihre Heimat?
  • Warum mischen wir uns in die Angelegenheiten anderer ein?

Die Antworten zeigen immer wieder überraschende Gemeinsamkeiten. Klußmann widmet sich komplexen Themen wie dem Verhältnis von „Mann und Frau“, „Heimat“, „Volk“, aber auch scheinbar antiquierten Begriffen wie „Anstand und Ehre“ oder „Manieren und Höflichkeit“. Er vergleicht die verschiedenen kulturellen, sozialen und religiösen Entwicklungen, ohne sie von vorneherein zu bewerten. Dabei offenbaren sich immer wieder überraschende Gemeinsamkeiten.

Fazit: Plädoyer für neue, gemeinsame Regeln

In seinem Plädoyer für eine gemeinsame Kultur der Vielfalt fordert Klußmann die Leserinnen und Leser auf, nach neuen, gemeinsamen Regeln zu suchen: „Mir geht es darum, klar zu machen, dass wir neue Werte, Regeln und Gemeinsamkeiten brauchen. Aber diese neuen Werte können wir nur im Dialog, nicht in Abgrenzung von den anderen entwickeln“, unterstreicht er. Dabei sei es notwendig, sich auf die eigene Identität zu besinnen und dort nach den eigenen Wertmaßstäben, nach dem eigenen Grundethos zu forschen, um diese eigenen Werte dann in den Dialog mit den anderen einzubringen.