Umfrage: Deutsche wollen schärferes Vorgehen gegen Steuertricks

 

Transparenzplicht, Sanktionen, Steuersätze: Was Parteien gegen Steuervermeidung planen, ist für zwei Drittel der Befragten wichtig bei ihrer Wahlentscheidung

(Berlin, 28. August 2017) Eine breite Mehrheit der Deutschen erwartet von der künftigen Bundesregierung schärfere Maßnahmen gegen Steuertricks von Konzernen. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor, die das Meinungsforschungsinstitut Kantar EMNID im Auftrag von Oxfam Deutschland durchgeführt hat. Oxfam fordert die zur Bundestagswahl antretenden Parteien auf, sich klar zum Thema Steuervermeidung zu positionieren.

Kantar EMNID hat zwischen dem 10. und 16. August 2017 eine bundesweit repräsentative Stichprobe von 1001 Personen befragt. Vor allem geht es den Befragten um Transparenz:

  • 83 Prozent stimmten der Aussage zu: „International tätige Unternehmen sollten dazu verpflichtet werden, öffentlich zu machen, wo sie ihre Gewinne erzielen und welche Steuern sie darauf bezahlen.“
  • 72 Prozent finden, dass ein weltweiter Mindeststeuersatz für Konzerne eingeführt werden sollte, um der Steuervermeidung entgegenzuwirken.
  • 65 Prozent sind dafür, Steueroasen auf eine Schwarze Liste zu setzen und mit Sanktionen zu belegen.
  • Mit 67 Prozent gaben zwei Drittel der Befragten an, die Frage, ob Parteien konsequent gegen Steuervermeidung vorgehen, sei für ihre Wahlentscheidung wichtig.
  • Das übergeordnete Thema soziale Gerechtigkeit hat Einfluss auf die Wahlentscheidung von 88 Prozent der Befragten.

Tobias Hauschild, Experte für Steuergerechtigkeit bei Oxfam Deutschland, kommentiert: „Die Umfrage zeigt: Der Kampf gegen Steuervermeidung wird eines der großen Themen dieser Bundestagswahl. Was die Bundesregierung bisher getan hat, geht den Wählerinnen und Wählern nicht weit genug. Die Steuertrickserei internationaler Konzerne ist seit Jahren bekannt, Lösungsvorschläge liegen auf dem Tisch, und die Bundesregierung hat es vertändelt und vertrödelt, sie umzusetzen. Ein Beispiel: Auf der groß angekündigten Steueroasenliste der OECD steht bisher mit dem Inselstaat Trinidad und Tobago genau ein Land. Auf das Unwesen der Steueroasen hat das so gut wie keinen Einfluss. Die Parteien stehen in der Pflicht, jetzt darzulegen, wie sie dieses Problem im Fall einer Regierungsbeteiligung angehen wollen. Die Wähler und Wählerinnen wollen jetzt wissen, was sie in puncto Steuergerechtigkeit erwartet, wenn sie für eine Partei ihr Kreuzchen machen.“