Weltwirtschaftsforum: Ideologische Scheuklappen verhindern Lösungen

 

(Frankfurt am Main, 22. Januar 2018) Problem erkannt, Lösung verkannt. So lassen sich die vorab veröffentlichten Reports des ab Dienstag in Davos tagenden Weltwirtschaftsforums (WEF) laut dem globalisierungskritischen Netzwerk Attac zusammenfassen. „Zentrale globale Probleme wie die zunehmende soziale Ungleichheit und steigende Umweltrisiken werden zwar richtig benannt. Doch die ideologischen Scheuklappen der WEF-Autoren führen zu völlig widersinnigen Lösungsvorschlägen“, sagt Alfred Eibl vom bundesweiten Attac-Koordinierungskreis. „Statt die Notwendigkeit eines sozial-ökologischen Umbaus anzuerkennen, wollen sie die verheerenden Folgen des neoliberalen Wachstumswahns ausgerechnet mit noch mehr Wirtschaftswachstum bekämpfen. Das ist absurd.“

Dabei könnten die Analysen der Reports des World Economic Forums ansatzweise Attac-Papieren entnommen sein. So heißt es etwa im Vorwort des Global Competitiveness Reports: „[…] Die Wahrnehmung, dass die gegenwärtigen ökonomischen Herangehensweisen den Menschen und Gesellschaften nicht ausreichend dienen, gewinnt an Boden und befördert den Ruf nach neuen Modellen für einen menschen-zentrierten ökonomischen Fortschritt.“ Und weiter: „[…] Der Wert von Wirtschaftswachstum für die Gesellschaft wird zunehmend in Frage gestellt in Folge der damit verbundenen steigenden Ungleichheit, neuen Herausforderungen durch den technologischen Wandel und den komplexen Auswirkungen der Globalisierung beim Handel von Gütern, Dienstleistungen und Daten sowie den Wanderungsbewegungen von Menschen und Kapital.“

Auch die zu erwartenden Jobverluste durch die 4. Industrielle Revolution oder die monopolistische Unternehmenskonzentrationen beim E-Commerce (Amazon, Google, Microsoft) werden in den Reports als wichtige Probleme benannt. Zudem werfen sie die Frage auf, ob die steigenden Aktienkurse und Immobilienpreise eine wirtschaftliche Grundlage haben. Auch das Risiko einer erneuten Bankenkrise haben sie im Blick.

Zugleich schrecken die Autoren jedoch vor offensichtlichem Widersprüchen nicht zurück, kritisiert Attac. Während sie einerseits die zunehmende Ungleichheit beklagen, behaupten sie andererseits, die hinderlichsten Faktoren für Geschäftstätigkeit in Deutschland und Frankreich wären die Steuersätze. Für Österreich rückt gar die „restriktive Regulierung der Arbeitsbeziehungen“ als angeblich größter wirtschaftlicher Hemmschuh auf Platz eins.

Thomas Eberhardt-Köster, ebenfalls Mitglied im Attac-Koordinierungskreis: „In Davos gilt offenbar: Was in der Ideologie nicht sein darf, darf man auch nicht denken. Dabei werden alternative Lösungen immer drängender. Wenn wir ein stabiles Ökosystem als unsere natürliche Lebensgrundlage erhalten und zu einer Gesellschaft werden wollen, in der Gemeinwohl und individuelle Entfaltung sich gegenseitig bedingen, führt an einer sozial-ökologischen Transformation unserer Wirtschaftsweise kein Weg vorbei.“