Zur Grünen Woche in Berlin: „Wir haben es satt!“

 

(Verden/Aller, 9. Januar 2018) Aktion Agrar hat in den letzten Wochen ein neues Aktionsheft für für die Agrarwende zusammengestellt und ruft zur „Wir-haben-es-satt-Demo“ am Samstag, den 20. Januar in Berlin auf. „Essen ist politisch“ ist das diesjährige Motto des Massenprotests, der wieder von einer großen Zahl von Landwirt*innen in ihren Treckern angeführt wird. Und politisch wird es, denn an diesem Tag treffen sich Landwirtschaftsminister*innen der ganzen Welt in Berlin und die Agrarmesse „internationale Grüne Woche“ nimmt ihren Anfang. „Da gilt es, vielfältig und unüberhörbar Alarm zu schlagen,“ so das Team von Aktion Agrar. Es gelte, den politisch Verantwortlichen „laut und bunt zu sagen, wie wir uns die Landwirtschaft von morgen vorstellen!“.

Das Aktionsheft für für die Agrarwende rückt zwei Baustellen für die Agrarwende in den Fokus: den Sojaanbau zur Tierfütterung und die Lebensmittellieferungen von Amazon. 97 Prozent der weltweiten Sojaernte landet in Futtertrögen in den USA, in Europa und zunehmend in China. In Brasilien wächst Soja in gigantischen Monokulturen auf einer Fläche, die doppelt so groß ist wie Deutschland. Rücksichtslosen Waldrodungen folgen Monokulturen, häufig mit Gensoja und einem Total-Pestizid (wie Glyphosat) von Bayer, Monsanto und Co. In der Folge sterben Insekten und Vögel, die Artenvielfalt sinkt enorm, das Wasser wird vergiftet und Menschen erkranken.

Während in Europa maximal zwei Kilogramm Glyphosat pro Hektar ausgebracht werden dürfen und der Einsatz des Giftes hoch umstritten ist, werden in den Sojarepubliken Brasilien, Argentinien und Paraguay zehn bis zwölf Kilo pro Hektar versprüht. Der Großteil der Ernte wird dann exportiert und reist rund 10.000 Kilometer bis in den Futtertrog. Jährlich werden rund 4,5 Millionen Tonnen Soja für das Futter der Schweine, Hühner und Kühe in Deutschland herangeschafft. Knapp 80 Prozent der weltweiten Sojaernte ist gentechnisch verändert.

Zum zweiten Thema zitiert das Team von Aktion Agrar die Süddeutsche Zeitung: „Amazon fresh liefert vor allem eins: Die Daten der Kund*innen!“ In der analogen Welt sterben Innenstädte und Ortskerne aus, kleine Läden müssen riesigen Ladenketten weichen. Bis heute zahlt der Konzern in Deutschland kaum Steuern – er verrechnet seine Einnahmen über viele Tochterfirmen, unter anderem in Luxemburg. Das Wohl der eigenen Mitarbeiter*innen kümmert Amazon ebenfalls wenig. Mit Leiharbeiter*innen zu Spitzenzeiten wie während des Weihnachtsgeschäfts geht der Konzern besonders rücksichtslos um.

Durch die Millionen von Kund*innen, die Amazon mittlerweile an sich bindet, geraten viele kleine Händler*innen in Zugzwang, auf seiner Verkaufs-Plattform einzusteigen. Das kann sehr gefährlich werden, weil Amazon attraktive Produkte selbst handelt und Preise sogar mit automatischen Algorithmen zu drücken versteht.