Gelobtes Land? 4. Juni 2017

 

Den Kindern Israel hatte Gott im Alten Testament ein eigenes Land versprochen, das sie und ihre Tiere ernähren würde. In unseren Sprachgebrauch ist dafür der Begriff „gelobtes Land“ eingewandert.

Für wen ist welches Land das ersehnte, gelobte Land? Eine junge Familie in unserem Haus stammt aus der Ukraine. Sie leben in Ungarn, weil es hier für sie Arbeit gibt, und einer von ihnen etwas Ungarisch spricht. Er holt russische Gäste von Flughafen ab und bringt sie in ihre Hotels. Sie arbeitet in einem Hotel im Wellness-Bereich. Ihr Kind hat einen Ganztagskindergartenplatz. Für diese jungen Menschen ist Héviz das gelobte Land.

Ein ganz anderes Szenario: Sie ist Ungarin, spricht Deutsch und arbeitet als Gästebetreuerin in einem Hotel. Er, auch Ungar, arbeitet bei der Bank. Beide haben wir kennengelernt, weil sie den Multimedia-Abend über der Jakobsweg in der Kirche besuchten. Ihr zweites Ziel ist es, die große Wanderung nach Santiago de Compostela zu machen, ihr erstes Ziel ist es, nach Österreich und dann nach Deutschland auszuwandern, denn dort gibt es mehr mögliche Arbeitsplätze, die besser bezahlt werden. Sie möchte eine gesicherte Zukunft für sich.

Und dann gibt es da die Lehrerin in Deutschland, die genug vom Stress hat und etwas für sich tun will, sie liebäugelt mit dem Gedanken nach Héviz zu ziehen. Die Überlegungen sind schon recht konkret, Häuser wurden angeschaut und so weiter.

Gelobtes Land!? Für die beschriebenen Menschen bedeuten unterschiedliche Länder das Paradies.

Das gelobte Land ist ein Synonym für das, was für den einzelnen Menschen das Gewünschte, das Richtige ist, und das kann offensichtlich bei jedem ganz anders sein.