Multikulti, 15. September 2017

 

Ungarisch zu lernen, das ist schwer. Das sagen die Ungarn, die Deutsch gelernt haben, und das sagen die Deutschen, die Ungarisch lernen. Es ist keine ableitbare Sprache, hat kaum Verwandtschaft mit anderen Sprachen. Man sagt ihr eine Ähnlichkeit mit dem Finnischen nach, was wiederum die Finnen von sich weisen. Aber im Ungarischen findet sich ein Gemisch aller Sprachen, deutsche Wörter sowie aus aller Herren Länder. Eine richtige „Multikultisprache“: Das ist aber nicht nur das Thema der Sprache, nachdem in vielen Teilen Ungarn die Römer zu finden waren, sind unterschiedliche Bevölkerungsgruppen nach Ungarn gekommen.

Ein Teil von Héviz, Egregy, zum Beispiel: Dort befindet sich ein touristisch erschlossenes großes Weinanbaugebiet, es wurde im letzten und vorletzten Jahrhundert von Deutschen gerodet und urbar und zum Kulturland gemacht. Informationstafeln an den Weinbergen geben über dieses Stück Geschichte Auskunft. So lässt die Beschreibung dieses Gebietes verlauten, dass die Nachfahren dieser Deutschen Wert darauflegten, sehr gute Ungarn zu sein.

300 Kilometer weg von hier in Szentendre, nahe Budapest, waren es Serben, Deutsche genannt Donauschwaben, die aber aus allen Teilen Deutschlands, nicht nur aus Schwaben nach Ungarn gekommen waren, Menschen aus der Slowakei, die das Land Ende des 17., Anfang des 18. Jahrhunderts bevölkerten und einen schwunghaften Handel betrieben. Dieser Ort mit ungefähr 25.000 Einwohnern hat imposante Kirchen aufzuweisen, die an die unterschiedlichen Nationalitäten und Religionen erinnern. Eine mehr oder weniger friedliche Koexistenz unterschiedlichster Völker, vereint im Aufbau des Landes. Die eigene Religion konnte gelebt werden. Von sieben Kirchen Szentendres sind noch heute vier im Besitz der serbisch-orthodoxen Kirche, eine hat die römisch-katholische Kirche übernommen, dann folgen die reformierte Kirche und die griechisch-katholische Kirche.

International wird heute Szentendre durch die Touristenströme aus aller Welt bevölkert, vor allem angelockt durch den Ruf des Ortes als Künstlerkolonie. Anfang des 20. Jahrhunderts ließen sich Maler und Töpfer in diesem Ort nieder. Heute erinnern drei Museen an diese bewegte Zeit. Das Flair vergangener Zeiten hat sich Szentendre bewahrt, die Abendbeleuchtung des Städtchens besteht aus großen elektrifizierten, knallbunten Lampenschirmen.