„Wie Bitte?“

 

von Nata Uchava

Schier endlos läuft man Treppen hinauf und herunter. Eine hügelige Stadt am Meer, meist Sonnenschein, alte Häuser: Mit zauberhaften Gässchen und ausladend breiten Straßen vermag Porto jeden Besucher früher oder später zu faszinieren. Aber nicht alle sind gleich, es ist halt nicht immer so wie man es sich denkt.

Gegen Mitternacht noch unterwegs, höre ich plötzlich: „Diese Treppen sind zu alt, vollkommen unordentlich, benötigen dringende Reparatur …“ Zwei ältere Damen mit riesigen Cocktailgläsern in der Hand schwanken mir entgegen. „Es ist hier so gefährlich, wenn ich mir hier jetzt meine Knöchel bräche, würde ich wahrscheinlich schneller nach Augsburg kommen, als hier ein Notarzt auftaucht“, schallt mir schon von weitem in die Ohren.

Und am nächsten Morgen betrete ich einen Souvenirladen. Irgendwo muss eine Dame sitzen, sie ist sehr laut. Entweder streitet sie oder sie telefoniert. Ich entdecke eine Verkäuferin, die mit ihrem Tablet schimpft. Vermutlich schaut sie irgendeine Serie an und erregt sich über eine „böse“ Figur. Mit ihren zwei aufgesetzten Lesebrillen folgt sie der Handlung so gebannt, dass sie den Touristen im Laden kaum Aufmerksamkeit schenkt. Die sprechen verschiedene Sprachen, und auf Deutsch höre ich heraus: „Die Portugiesen sind doch eher einfache Menschen mit einfachen Vorstellungen, die wissen anscheinend gar nicht, wie so ein Laden funktioniert, deswegen ist dieses Land so arm und benötigt ständig von uns finanzielle Unterstützung …“ Unruhig verschiebt die Kundin Figuren auf einem Tisch hin und her, lässt sogar ein paar lustige Schlüsselanhänger herunterfallen. „Ja, eben“, stellt ihre Begleiterin mit skeptischem Gesichtsausdruck fest. „Für die ist Kundenberatung ein Fremdwort. Haben eben keine passende Fachausbildung wie bei uns.“ Rasch verlassen die beiden den Laden.

Auch für mich geht es weiter. Endlich der Strand, das Meer. Und viele Restaurants, die Meeresfrüchte, Fisch ‑ Lachs! ‑ zubereiten, vor den Gästen grillen. Nach langer Suche bekomme ich einen Platz, und bis meine Bestellung fertig wird, surfe ich kurz ins Internet. Direkt am Nebentisch wieder zwei Deutsche: „Wenn ich nicht solchen Durst hätte, würde ich nie hier hocken, diese ganze Straße riecht nach Fisch, wie grausam … arme Tiere …vielleicht wären sie noch lange am Leben gewesen …“ motzt eine, Sonnenbrille und lange dicke Jacke. „Die Menschen haben keinen Respekt vor diesen Tieren, braten sie direkt an der Straße, als ob die so einen Tod verdient hätten …“

Oho, das könnte interessant werden. Ich vergesse mein Internet, setze ein ernstes Gesicht auf. Die beiden fotografieren den Koch mit Fisch in der Hand, die Grills voller Fleisch, anscheinend um alles weiterzuverschicken. „Mega ungesund“, höre ich, „vor allem mega unhygienisch hier. Bei uns in Deutschland würden die Gesundheitsbehörden nie erlauben, so öffentlich am Strand etwas zuzubereiten.“ Wow, ich wusste nicht mal, dass es in Deutschland solche Strände wie hier in Porto gibt. Ich bin ganz still und höre weiter zu: „Die Menschen essen so schnell und so viel, unglaublich … Hauptsache es gibt Fleisch, keiner kümmert sich um die eigene Gesundheit, furchtbar,“ regt sich die mit deutschem Fußball-Trikot auf und kippt ein großes Glas Cola in sich hinein. „Ja, eben, ich habe sogar meiner Katze das Fleisch abgewöhnt …“

Mein Tintenfisch kommt, und ich verschlucke mich fast, als ich höre, dass die arme Katze mittlerweile so vegan ist wie ihre Besitzerin und am liebsten Tomaten und Avocado „isst“. Ganz klar: Der Tag hat sich gelohnt! Porto ist nicht nur eine wunderschöne, sondern durch die deutschen Touristen mit ihren speziellen Ansichten auch eine sehr unterhaltsame Stadt. Irgendwann lasse ich sogar mein Essen stehen. Sollte ich mir die vegane Katze irgendwo in Deutschland zum Vorbild nehmen?

Fotos: Nata Uchava, Freiburg.