Nichts ist essentiell vor dem Menschsein selbst und seiner Würde
Nichts ist essentiell vor dem Menschsein selbst und seiner Würde. Diese Würde rechtfertigt den Menschen, und Glaube heißt, sich in dieser Würde anzunehmen und fest zu machen. Die Quelle dieser Würde mag einer dann Gott nennen. Das ist keine Frage mehr oder weniger glaubhafter Geschichten. Es geht um den Entwurf der eigenen Existenz.
VON HELMUT FALKENSTÖRFER

Konfessionslos glücklich?
Konfessions- und Religionslosigkeit fordert Kirchen und Theologie heraus, sich mit ihr auseinanderzusetzen. Es geht um vornehmlich drei Fragen, nämlich: Kann man Christ sein (1) ohne Religion, (2) ohne den herkömmlichen Gottesbegriff zu teilen, (3) außerhalb der Institution Kirche? Zu jedem dieser Punkte wurden bereits Einwände formuliert, die hier beantwortet werden. VON HANS-MARTIN BARTH

Konfessionslose sind nicht automatisch Atheisten
In Europa sind die meisten Konfessionslosen laut der Religionssoziologin Linda Woodhead nicht strikt atheistisch eingestellt. Sie beobachtet einen Wertewandel von einem Ethos der Selbstaufopferung für höhere Zwecke zum Ethos der Selbstverwirklichung, die man sich selbst und auch anderen ermöglichen will. Unter christlich erzogenen Kindern hielten später nur etwa die Hälfte an ihrer Konfessionszugehörigkeit fest.

Investigativ-Journalist Hans Leyendecker ist Präsident für den Kirchentag 2019 in Dortmund
Hans Leyendecker wird Präsident des 37. Deutschen Evangelischen Kirchentages vom 19. bis 23. Juni 2019 in Dortmund. Er gilt als einer der profiliertesten investigativen Journalisten Deutschlands und deckte seit 1982 zahlreiche politische Affären im In- und Ausland auf. Vor vielen Jahren schon trat er zum evangelischen Glauben über.

Kirchentag: Kritik an Atomwaffenpolitik der Bundesregierung
Die Teilnehmenden des Evangelischen Kirchentags 2017 verurteilen die Blockadehaltung der Bundesregierung gegenüber den Verhandlungen um ein internationales Atomwaffenverbot. „Wir fordern die Bundesregierung auf, die ‚Nukleare Teilhabe‘ der Bundesrepublik Deutschland jetzt aufzugeben und die Lagerung von Kernwaffen auf deutschem Boden, wie beispielsweise im US-amerikanischen Atomwaffenlager in Büchel / Rheinland-Pfalz, zu verbieten“, heißt es in einer Resolution.

 
 

Portal zu evangelischer Sozialethik geht online
Der Arbeitsbereich Sozialethik in der Evangelischen Kirche im Rheinland und die Evangelische Akademie im Rheinland bündeln Informationen zur Sozialethik auf einer neuen Website. Hier lassen sich rasch und einfach Informationen zu Grundsatzfragen, aktuelle Beiträge oder Materialien recherchieren. Außerdem möchte das Portal Gespräche zu zentralen wirtschaftsethischen Themen anregen.

 

Rezensionen

Karl-Josef Kuschel: Die Bibel im Koran
Jahrhunderte lang hat man die Heiligen Schriften der drei Offenbarungsreligionen Judentum, Christentum und Islam nicht miteinander, sondern gegeneinander gelesen. Diese Haltung wahrheitsüberlegener Selbstzufriedenheit stiftet keinen Dialog. Dessen Grundvoraussetzung ist die Respektierung des Selbstverständnisses des jeweiligen Partners sowie die Bereitschaft und Fähigkeit, sich durch das andere Glaubenszeugnis in der Gotteserkenntnis bereichern, im Glauben vertiefen oder durch Gegenerkenntnisse infrage stellen zu lassen.

 

Walter Kardinal Kasper, Mouhanad Khorchide: Gottes Erster Name
„Barmherzigkeit“ ist ein Anknüpfungspunkt, ja eine Brücke für einen vertieften christlich-islamischen Dialog. Das Buch kann den Dialog zwischen Christen und Muslimen auf ganz unterschiedlichen Ebenen anregen und vertiefen helfen. Und das Konzept der Barmherzigkeit in die Lebenswirklichkeit übersetzen.

 
 

Wolfgang Huber: Glaubensfragen
In seiner evangelisch geprägten Sicht stellt der ehemalige Berliner Bischof und Ratsvorsitzende der EKD fünf Grundmotive des Glaubens dar. Diese „evangelische Orientierung“ ist hermeneutisch höchstsensibel auf der Höhe der Zeit und der zeitgenössischen Theologie. Präzise in der Problemdarlegung, prägnant in der Sprache und Konzeptorientierung.

 
 
 
 

 

Thema Politik

Stellungnahme des Rates der EKD zur Situation von Flüchtlingen
Der Rat der EKD warnt davor, die gegenwärtige Situation schlechter und instabiler zu reden, als sie ist. Die Stabilität der staatlichen Institutionen sei hoch. Ebenso hoch sei in der Bevölkerung die Bereitschaft, sich den enormen Herausforderungen zu stellen und sich auch persönlich zu engagieren.

Fremdenfeindlichkeit: Neutral bleiben ist keine Option für Christen!
Alle Menschen besitzen nach christlicher Überzeugung die gleiche Würde. Wo gegen Andere gehetzt wird, wo Menschen bedroht und die Grundlagen rechtsstaatlicher Demokratie angegriffen werden, ist neutral bleiben keine Option für Christen.

Kirchentagspräsidium zum Umgang mit Rechtspopulismus: Wer sich rassistisch äußert, wird nicht eingeladen
Angesichts der gegenwärtigen Diskussion über den Umgang mit Rechtspopulismus bekräftigt der Deutsche Evangelische Kirchentag seine Haltung: Das Präsidium stellt fest, dass Rassismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit auch in Zukunft keinen Platz bei ihren Veranstaltungen haben werden.

 

Thema 500 Jahre Reformation

Volker Leppin, „Die fremde Reformation“ (Rezension)
Allzu einheitliche Vorstellungen und strikte Modelle der bisherigen Geschichtsschreibung profilieren die Reformation auf Kosten einer Negativzeichnung des Mittelalters und reduzieren dessen Komplexität. Leppin betrachtet Luther konsequent in seinem spätmittelalterlichen Umfeld und gelangt damit zu überraschenden theologischen Erkenntnissen und historischen Ergebnissen. Der junge Luther war demnach einer von vielen mystischen Schriftstellern, seine Botschaft kein unvermittelter Bruch mit einem versteinerten Mittelalter.

Volker Reinhardt, „Luther der Ketzer“ (Rezension)
Volker Reinhardt zeigt, warum die Päpste das „Geschrei“ im fernen Deutschland oft nicht ernst nahmen und zeichnet ein erstaunlich neues Bild von dem Kampf und dem Konflikt der Mentalitäten und Interessen, der die Welt bis heute verändert hat. Luther erscheint dabei immer wieder als ein „Genie der Netzverknüpfung und der Mediennutzung“. Das Feindbild des Papsttums vergewisserte ihn zunehmend über seinen eigenen Standort, lieferte Selbstbestätigung und die nötigen Energien für den unausweichlichen Endkampf gegen den Antichrist.

Martin Luther: Der erste öffentliche Theologe
Die meisten reformatorischen Schriften wurden von einer örtlichen Druckerei produziert und in der näheren Region verbreitet. Die wenigsten nur wurden überregional bekannt – die Schriften Luthers einmal ausgenommen. Der Verlauf der Reformation war eine Folge ihrer publizistischen Voraussetzungen und Bedingungen. Reformation in Kursachsen verlief deshalb anders als in Nürnberg oder Straßburg, und wieder anders als in Württemberg oder Norddeutschland. VON MARTIN SCHUCK

Versöhnt miteinander: Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland veröffentlicht Wort zu 500 Jahre Reformation
Unter dem Titel „Versöhnt miteinander“ wird die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland auf ihrer Mitgliederversammlung im September 2016 ein Wort zu 500 Jahre Reformation veröffentlichen. Dieses Wort soll ökumenische Perspektiven für die Feierlichkeiten und das ökumenische Miteinander benennen.

Die Kirche und der rot-grüne Zeitgeist
Manch ein Prediger beglückt seine Gemeinde gerne immer wieder neu mit der einen oder anderen altbewährten Erkenntnis. Wer glaubt, eine Lanze für Luther und die Reformation brechen zu müssen, sollte nicht den „Zeitgeist“ bemühen. Die EKD plant, im Rahmen des Luther-Jubiläums am 14. September nächsten Jahres einen „ökumenischen Gottesdienst anlässlich des Festes der Kreuzerhöhung“ zu feiern. VON MICHAEL WILDBERGER

 

Thema Protestanten ohne Protest

Protestantismus ohne Protest
„Alle Beteiligten müssen tot und alle Quellen zugänglich sein, und dann brauchen wir immer noch viel Zeit, um alles zu durchdenken.“ Erst jetzt, mehr als 70 Jahre nach Kriegsende stellt sich die Evangelische Kirche der Pfalz ihrer Verstrickung in das NS-Regime.

Eine Landeskirche auf regimetreuem Kurs
Für die pfälzische Landeskirche waren in der NS-Zeit institutionelle Eigeninteressen leitend. Wenn kirchliche Interessen gefährdet waren, gab es seitens des Landeskirchenrates gelegentlich Einsprüche. Weniger wagte es die Kirchenleitung, für politisch und rassisch Verfolgte einzutreten. Die vertrauensvolle Kooperation mit dem Staat wollte man nicht gefährden.

„Der Kachelofen brannte tagelang“
Die Quellenlage zur NS-Kirchengeschichte der Pfalz ist gut. Bei der Beurteilung sind allerdings typische Asymmetrien zu beachten: Für die Zeit vor 1945 ist damit zu rechnen, dass regimekritische Äußerungen, Haltungen und Vorgänge höchstens mit größter Vorsicht verschriftlicht wurden. Nach 1945 hingen politisches Überleben und persönliche Identitätskonstruktionen davon ab, ob man seine Distanz zum Nationalsozialismus plausibel machen konnte.

Der Herr Christus und die braunen Herren
Zwischen 1933 und ihrer „kriegswirtschaftlich“ bedingten Einstellung 1941 erschienen in den Pfälzer Kirchenzeitungen jeden Sonntag Predigten, zusammen kommt man auf eine wöchentliche Leserschaft von rund einhunderttausend. Nicht eine Predigt hat zur Zerstörung von Synagogen und zur Demütigung, Verhöhnung und Folterung deutscher Bürger jüdischen Glaubens Stellung genommen. Es gab keinerlei Bedauern oder gar Kritik an Ungerechtigkeiten und Gewalttätigkeiten des Nazi-Regimes gegen politisch Unbotmäßige, gegen Gewerkschafter und kritische Intellektuelle.

 

Thema Spiritualität

Mystiker und Propheten
Mystiker erwecken im Menschen Wachsamkeit auf die Tiefendimension der religiösen Symbole. Propheten fordern die Gestaltung der Gesellschaft mit dem Leitmotiv Gerechtigkeit. Die festgefahrenen Strukturen der Religion können nicht die spirituellen Impulse des Mystikers und die geistige Kritik des Propheten aushalten. VON WALTER SCHMIDT

Protestantische Frömmigkeitskultur in Deutschland: Das Konzept der Konfession
Das Konzept der „Konfession“ war im Deutschland des 19. Jahrhunderts das entscheidende begriffliche Instrument zur Gleichstellung der christlichen Religionsparteien unterhalb der Oberhoheit des Staates. Die religiöse Lage innerhalb der heutigen deutschen Zivilgesellschaft spiegelt sich im Konzept der „Konfession“ nur noch teilweise wieder. Ethische und politische, selbst religiöse Überzeugungen zwischen Kirchenmitgliedern und Nichtmitgliedern unterscheiden sich kaum noch, Glaubensunterschiede zwischen Katholiken und Protestanten sind gering geworden. VON LUCIAN HÖLSCHER

Die Kommunikation des Evangeliums in der digitalen Gesellschaft
Mit ihrem Lesebuch zur EKD-Synode 2014 wollte die EKD offenbar vermeiden, dass Kirche wieder einmal als technologie- und fortschritts-feindlich erscheint, wie das ja in der Vergangenheit gelegentlich schon vorgekommen ist. Diese durchweg positive Bewertung der Möglichkeiten baut auch auf Hoffnung, dass es gelingen wird, nicht nur Entwicklungen zu beherrschen, sondern sie auch mit zu gestalten und davon zu profitieren, und sie nicht nur einfach hinzunehmen. VON WOLFGANG OSTERHAGE

Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen zur Gottesfrage heute
„Es gibt kein festes dogmatisches Regelwerk, wie der Glaube an Gott funktioniert.“ Diese Erkenntnis der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) eröffnet Wege zur innerchristlichen Ökumene und zum interreligiösen Dialog. VON MARC WITZENBACHER

Die Welt ist „Hülle Gottes“
Dietrich Bonhoeffers Begriff vom „religionslosen Christentum“.VON DANIEL BALDIG

Eine andere Kirche als die Großkirche
Aspekte franziskanischer Spiritualität. VON MARTIN BRÄUER

Wer bin ich?
Die paradoxe Erfahrung der Identität. VON WALTER SCHMIDT