Lars Christian Heinemann: Sinn – Geist – Symbol. Christian Danz, Werner Schüßler: Paul Tillich im Exil

 

Paul Tillich (1886-1965), deutsch-amerikanischer evangelischer Theologe und Religionsphilosoph, war ein Denker von internationaler Ausstrahlung und weltweitem Rang. Von seinen Schriften gehen wichtige Impulse für die theologischen, religionsphilosophischen und kulturtheoretischen Debatten aus. Die „Tillich Research“ reflektiert die internationale Forschung zu diesem namhften Theologen und Philosophen, die wissenschaftliche Erschließung seines Werks mit jeweils ganz unterschiedlichen Zugängen zu Rezeption und Interpretation sowie seiner facettenreichen Auswahl und Gewichtung der Themen.

Der Band 10 dieser Reihe stellt eine Dissertation der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg vom Jahr 2015 dar. Lars Heinemann, evangelischer Theologe aus Frankfurt am Main sucht in seiner gewichtigen Arbeit eine Entwicklung aufzunehmen, die die Tillich-Forschung in den vergangenen Jahrzehnten insgesamt verstärkt genommen hat: weg von der „Persönlichkeit Tillich“ zunehmend hin zur „Sache“, von einer der gedanklich faszinierendsten und progressivsten Theoriegestalten protestantischer Theologie des 20. Jahrhunderts hin zu der begrifflich-systematischen Arbeit an Sachfragen, hier an Tillichs Symboltheorie. „Das Symbol ist die Sprache der Religion“ – so lautet die These Tillichs. Seine Theorie des religiösen Symbols stellt den bedutendsten Beitrag evangelischer Theologie zum gegenwärtigen Symboldiskurs dar. Heinemann beleuchtet ihre Voraussetzungen, die systematische Gestalt sowie die religionstheoretischen Implikationen.

Der Band 12 von „Tillich Research“, herausgegeben von Christian Danz (Universität Wien) und Werner Schüßler (Universität Trier), versammelt die Beiträge des Dritten Internationalen Kongresses der Deutschen Paul-Tillich-Gesellschaft, der anlässlich des 50. Todestages von Tillich im Oktober 2015 an der Humboldt-Universität zu Berlin stattfand. Herausgeber sind die Präsidenten dieser Gesellschaft. Die Autoren des Bandes diskutieren und thematisieren erstmals den Einfluss der erzwungenen Exilerfahrung und das vielfältige Engagement in der Emigrantenszene auf die Gestaltung der Theologie und Philosophie Tillichs in den USA in interdisziplinärer Perspektive und verzahnen auf diese Weise gleichsam Exil- und Tillichforschung in ihrer ganzen Facettenbreite – und dies auf dem Hintergrund neuer Quellen. Tillich selbst rückte das Exil in den Horizont von alttestamentlichen Bildern: „Die Geschichte der Offenbarung, deren Mitte Christus ist, beginnt mit einer Emigration.“

Walter Schmidt.