Antifeminismus und Gender-Kritik
Frauen und Männer sind gesetzlich gleichgestellt und können im Prinzip entscheiden, wie sie leben wollen. Allerdings werden diese Errungenschaften mittlerweile von rechtspopulistischen und christlich-fundamentalistischen Kräften, aber auch aus der liberalen Mitte heraus zunehmend bekämpft oder infrage gestellt. „Gender raus! Zwölf Richtigstellungen zu Antifeminismus und Gender-Kritik“ bietet verständliche Argumente und Anregungen, wie antifeministische Behauptungen und Parolen entlarvt und richtiggestellt werden können.

 

Tag des Grundgesetzes 2017: Kampagne zur Volksabstimmung gestartet
Eine infratest dimap-Studie vom April 2017 besagt: Fast drei Viertel der Befragten (72 Prozent) sprechen sich für Volksabstimmungen auf Bundesebene aus. Die Befürwortung der Volksabstimmung ist gesellschaftlich übergreifend und unabhängig von Alter, Geschlecht, Beruf oder Nettoeinkommen. Die gesellschaftliche Stellung der Befragten spielt kaum eine Rolle, in den verschiedenen soziodemographischen Teilgruppen gibt es keine erheblichen Unterschiede.

 

Thema Gemeinnützigkeit von Attac

Finanzverwaltung behindert weiterhin Gemeinnützigkeit von Attac
Das Finanzamt Frankfurt legt dem kritischen zivilgesellschaftlichen Engagement von Attac weiterhin Steine in den Weg. Es versteht unter dem Satzungszweck „Volksbildung“ nur dann politische Bildung, wenn sie sich mit dem Status quo beschäftigt. Die Darstellung von Alternativen sei nicht gemeinnützig. Attac kann derzeit keine Spendenbescheinigungen ausstellen und wird in seinem gemeinnützigen Engagement für eine gerechte Gesellschaft und in seiner Bildungsarbeit stark eingeschränkt.

Attac: Schäuble-Ministerium behindert Gemeinnützigkeit
Laut Attac hat das Bundesfinanzministerium das Frankfurter Finanzamt angewiesen, den Rechtsstreit um die Gemeinnützigkeit von Attac weiterzuführen – trotz des Urteils des Hessischen Finanzgerichts vom Herbst, demzufolge das Engagement des globalisierungskritischen Netzwerkes gemeinnützig ist. Mit der Behauptung, Attac sei zu politisch, entzog das Frankfurter Finanzamt Attac im Frühjahr 2014 die Gemeinnützigkeit. Insbesondere der Einsatz für eine Finanztransaktionssteuer oder eine Vermögensabgabe diene keinem gemeinnützigen Zweck, hieß es zur Begründung.

Attac: Finanzamt ficht Urteil zur Gemeinnützigkeit an
„Die Betätigung gemeinnütziger Organisationen muss […] auch die politische Ebene tangieren können, ansonsten droht ein faktisches Leerlaufen ihres Engagements innerhalb unserer Zivilgesellschaft“, formuliert das Hessische Finanzgericht in Kassel und gibt damit der Klage von Attac gegen den Entzug der Gemeinnützigkeit durch das Frankfurter Finanzamt statt. Dieses hat Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision eingelegt. Damit kann Attac vorerst weiterhin keine Spendenbescheinigungen ausstellen.

 

Thema Resultate des G20-Gipfels im Juli 2017

Oxfam: G20-Beschlüsse helfen Menschen kaum
In einer differenzierten Analyse setzt sich die Nothilfe- und Entwicklungshilfeorganisation Oxfam mit den Beschlüssen des Hamburger G20-Gipfels vom Juli 2017 auseinander. Insgesamt herrscht Enttäuschung über verpasste Chancen vor. Oxfam kritisiert etwa die unzureichenden Beschlüsse der G20 in Handelsfragen, die nicht dazu beitragen werden, Märkte demokratischer und gerechter zu machen.

 

Misereor: G20-Gipfel hat lediglich Allgemeinplätze zum Erhalt des Status quo geliefert
Die G20 verabschiede mit dem „Hamburg Action Plan“ nur einen weiteren traditionellen Wachstumsplan, der keine Trendwende hin zu einer kohlenstofffreien Wirtschaft einleite, kritisiert Misereor. Handel und Investitionen erschienen als ungebremste Motoren des Wachstums, ohne dass von ökologischen, sozialen und menschenrechtlichen Leitplanken die Sprache sei. Viele offene Fragen blieben hinsichtlich der mit afrikanischen Staaten beschlossenen Investitionspartnerschaften.

 

Attac: „Die G20 gehört abgeschafft!“
Laut Attac wird die G20 ihren eigenen Ansprüchen nicht gerecht. Etwa bei ihrer Klimapolitik klafften die diplomatischen Formeln und die physische Realität der Klimaerwärmung meilenweit auseinander. Eine echte Regulierung der Finanzmärkte werde nicht mal mehr angestrebt. Wo die G20 etwas hinkriege, sei es gegen die Interessen der Mehrheit der Menschen rund um den Globus.

 


 

Direkte Demokratie: Bricht die SPD mit sozialdemokratischer Tradition?
Im Programmentwurf der SPD vom 15. Mai 2017 fehlt das Bekenntnis zur Einführung von Volksinitiativen, Volksbegehren und Volksentscheiden auf Bundesebene. „Gerade in den heutigen Zeiten des steigenden Vertrauensverlustes wäre die Ausweitung der Bürgermitbestimmung ein starkes Gegenmittel“, kommentiert Mehr Demokratie e.V.

Europäischer Gerichtshof erklärt „Stop TTIP“ für zulässig
Europäische Bürgerinitiativen dürfen sich zu laufenden Verhandlungen und nicht nur zu abgeschlossenen internationalen Verträgen äußern. Sie dürfen auch darauf zielen, einen Rechtsakt zu verhindern. Mit dieser Entscheidung widerspricht der Europäische Gerichtshof der Europäischen Kommission und stärkt die Europäische Bürgerinitiative als Instrument der partizipativen Demokratie.

Für eine sozialere und demokratischere EU
Knapp dreißig Wissenschaftler und Intellektuelle sowie Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kirche, Gewerkschaft und Zivilgesellschaft haben einen gemeinsamen Aufruf für einen deutsch-französischen Neuanfang veröffentlicht. Sie wollen zeigen, dass es in Deutschland Unterstützung für eine sozialere und demokratischere EU gibt.

DGB: Europa ist dabei, das Vertrauen der Menschen endgültig zu verspielen
Der DGB kritisiert die Pläne der Europäischen Kommission für die Zukunft des sozialen Europa. Der Brexit und auch der Einzug des Front National in die Stichwahlen um das Amt des französischen Staatspräsidenten seien deutliche Warnschüsse. Immer mehr Menschen zweifelten an dem europäischen Einigungsprojekt und stellten die Frage, welche konkreten Verbesserungen es für ihr Leben und ihre Arbeitssituation bringe.

„end of oil“ und die Formen von staatlicher Herrschaft
Das Ende des fossilen Zeitalters erzwingt von uns eine Änderung der etablierten Konfliktaustragsformen. In dem Maße, wie die öl-importierenden Industriestaaten Klimapolitik als Industriepolitik entschieden betreiben, wird sich das als Rückgang der Öleinnahmen bemerkbar machen. Zusätzliche Migrantenströme sind nur zu vermeiden, wenn parallel zum Rückgang der Finanzströme aus den Industriestaaten, als Gegenstrom zu den Erdölströmen, die Herrschaftskunst in diesen Staaten proportional steigt. DIE KOLUMNE VON HANS-JOCHEN LUHMANN

 

Presse- und Meinungsfreiheit

Whistleblower machen öffentlich, was öffentlich sein muss
Das Urteil im Berufungsprozess gegen die LuxLeaks-Whistleblower zeigt die dringende Notwendigkeit eines EU-weiten Schutzes für Whistleblower. Sie machen Skandale öffentlich, die der Gesellschaft schaden. Ohne volle Transparenz über bisher geheime Steuerdeals zwischen Staaten und Konzernen in der EU etwa ist die Gesellschaft auf Whistleblower und Leaks angewiesen.

Gesetzentwurf gegen Hasskommentare bedroht Presse- und Meinungsfreiheit
„Reporter ohne Grenzen“ stellt klar: Die Presse- und Meinungsfreiheit darf nur beschnitten werden, wenn unabhängige Gerichte zum Entschluss kommen, dass eine Äußerung nicht mit den allgemeinen Gesetzen vereinbar ist. Das Justizministerium vermengt Hate Speech und „Fake News“ – und verkennt damit, dass beide Phänomene gänzlich unterschiedlich behandelt werden sollten. Die Anordnung von drakonischen Bußgeldern und Löschfristen wird dazu führen, dass soziale Netzwerke im Zweifel gegen die freie Meinungsäußerung handeln werden, um Bußgeldern zu entgehen.

Gesetz gegen Hassbotschaften: Reporter ohne Grenzen warnt vor Schnellschuss
Die Androhung hoher Bußgelder birgt die Gefahr, dass soziale Netzwerke in Zukunft übermäßig Inhalte blockieren. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden dann auch journalistische Berichte gelöscht, deren Quellen nicht öffentlich zugänglich sind und deren Richtigkeit deshalb nicht bewiesen werden kann. Über die Rechtmäßigkeit von Meinungsäußerungen müssen unabhängige Gerichte entscheiden, keinesfalls darf diese Aufgabe an kommerzielle Unternehmen ausgelagert werden.

Brauchen wir eine Wahrheitsinstitution?
Menschen leben immer schon mit Informationen auch aus zweiter Hand und sind gut damit zurechtgekommen, selbst über deren Sinnhaftigkeit zu entscheiden. Das ändert sich auch nicht mit der gestiegenen Quantität und dem physischen Format von Meldungen. Es ist fatal zu glauben, dass wir unsere Freiheit dadurch verteidigen, indem wir einen Teil davon beschneiden.

Reporter ohne Grenzen: Trump muss Feindseligkeiten gegen Journalisten beenden
Die für das Weiße Haus zuständigen Korrespondenten der wichtigsten US-Medien haben in einem offenen Brief angekündigt, Lügen und Verzerrungen seitens Trumps und seiner Sprecher klar zu benennen. Im Wahlkampf wie auch in der Übergangszeit seit seinem Wahlsieg hat Trump in Wort und Tat deutlich gemacht, dass er nicht bereit ist, die Rolle der Medien als unabhängige Kontrollinstanz seines politischen Handelns anzuerkennen.

 

Referendum in der Türkei am 16. April 2017

Türkei: „Mehr Demokratie“ veröffentlicht Thesen zum Referendum am 16. April
Das Referendum in der Türkei am 16. April 2017 ist verpflichtend vorgeschrieben, weil die zur Verfassungsänderung notwendige Zweidrittelmehrheit im Parlament verfehlt wurde. Über diesen Schutzmechanismus könnten nun die Bürger dem ungezügelten Machtanspruch Erdogans einen Riegel vorschieben, erläutert der Fachverband „Mehr Demokratie“. Es drohe die Gefahr, dass die im Ausnahmezustand herrschenden Bedingungen zementiert werden.

Erdogan versucht, die türkische Community in Deutschland zu polarisieren
Der Münsteraner Soziologe Detlef Pollack rät, die deutsche Politik und Gesellschaft sollten sich nicht länger von der türkischen Regierung in eine Konfliktverschärfung hineintreiben lassen. „Wir sollten diese Spirale stoppen und demokratischer und toleranter auftreten als unser türkischer Partner.“ Veranstaltungsabsagen würden unter Deutschtürken als Demütigung empfunden und stärkten so den Willen zur politischen und kulturellen Selbstbehauptung.

Emnid-Umfrage unter Türkeistämmigen in Deutschland: Allgemeines Wohlbefinden und mangelnde soziale Anerkennung
Politik und Zivilgesellschaft sollten dringend mehr Kontakte zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen fördern. Die deutsche Mehrheit sollte mehr Verständnis für die spannungsreiche Lage der Türkeistämmigen – zwischen Herkunftsprägung und Anpassung – aufbringen. Die Türkeistämmigen wiederum sollten auf Vorbehalte nicht nur empört reagieren, sondern sich auch kritisch mit den gleichwohl anzutreffenden fundamentalistischen Tendenzen in den eigenen Reihen auseinandersetzen.

 

Thema Demokratie

Attac-Aktivisten stören Verleihung von Bonner Demokratiepreis an EU-Kommissarin Federica Mogherini
„Einen Demokratiepreis an eine EU-Kommissarin zu verleihen, die an der Kriegsfähigkeit der Europäischen Union arbeitet und den Tod von tausenden Flüchtlingen an den Grenzen der Festung Europa mit zu verantworten hat, ist ein ganz schlechter Karnevalsscherz.“ Aus Protest störten Aktivisten die Preisverleihung in Bonn.

Richter bestätigen Gemeinnützigkeit von Attac
Das Hessische Finanzgericht in Kassel hat am 10. November 2016 entschieden: Das politische Engagement des Netzwerkes attac gegen die neoliberale Globalisierung steht seiner Gemeinnützigkeit nicht entgegen. Laut attac hat das Gericht damit anerkannt, dass Zivilgesellschaft und Politik nicht unterschiedliche Sphären sind, sondern untrennbar zusammengehören.

t04Petition für mehr Transparenz von Lobbyismus und einen Stopp schneller Seitenwechsel
In einer Zeit, in der Populisten Stimmung gegen Europa machen, braucht die Europäische Demokratie mehr Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger. Nur wenn Politiker sich selbst scharfen Regeln unterwerfen, können sie dieses Vertrauen stärken. Der Maßstab solcher Regeln muss sein, dass Politiker allein dem Gemeinwohl dienen.

Kommentar zur Präsidentschaftswahl in den USA
Die USA haben zwei Kriege in Afghanistan und Irak verloren, die Löhne sind real niedriger als in den 1970er Jahren. Seit 2012 kamen auf jede weltweit durch Terror getötete Person mit US-Staatsbürgerschaft rund 1.000 getötete Personen mit US-Staatsbürgerschaft durch Schusswaffen in den USA, im Schnitt mehr als 31.000 Menschen jedes Jahr seit 1968. Falls Donald Trump seine Ankündigungen wahr macht, ist mit Folgenden zu rechnen …

Eine Herkulesaufgabe: Sicherstellung fairer demokratischer Wahlen in den USA
Bei der US-Präsidentschaftswahl haben beide großen Parteien kein Interesse an einer hohen Wahlbeteiligung unterprivilegierter Wähler, weil sie ansonsten auf deren politische Forderungen eingehen müssten. Die Ausgrenzung von Wählerschichten hat in den USA eine lange Tradition. Die OSZE wird die Wahl in den USA diesmal mit einem um den Faktor Fünf aufgestockten Personalbestand beobachten.

 

Thema Friedliches Miteinander

t04Rassismus in der Friedensbewegung: Gibt’s doch gar nicht! Oder?
Strukturelle Gewalt prägt unsere Gesellschaft: in Form von sozialer Ungerechtigkeit, Armut oder Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Hautfarbe, Herkunft, sexueller Orientierung oder anderen willkürlich gesetzten Zuordnungen. Friedensorganisationen müssen sich auch mit diesen Themen auseinandersetzen.

Attentäter: mehr Zurückhaltung bei der Formulierung psychischer Hintergründe!
In der Medienberichterstattung erscheint bei Attentätern sehr schnell die Erklärung „psychisch krank“, obwohl in der Regel die diagnostische Informationsgrundlage fehlt. Eine laienhafte Beschreibung von Persönlichkeiten durch interviewte Bekannte reicht nicht aus. Die vorschnelle und undifferenzierte Zuordnung von Gewalt und psychischer Krankheit erhält die bereits bestehende Stigmatisierung psychisch kranker Menschen aufrecht und steigert sie noch.

Nachhaltigkeitsstrategien müssen europäischer werden
Der bisherigen Nachhaltigkeitsarchitektur müssen neue Formen gesellschaftlicher Partizipation an die Seite gestellt werden. Das wäre auch ein deutliches Zeichen an europäische Regierungen, die die Zivilgesellschaft in ihren Ländern immer mehr einengen. TTIP hingegen droht ein großes Hindernis für die Umsetzung von global gerechter Nachhaltigkeit zu werden.

„Parteien haben die Religionspolitik vernachlässigt – AfD nutzt das aus“
Die Politik reagiert auf die wachsende Religionsvielfalt nur langsam und zögerlich. In der Kopftuchgesetzgebung hat sie Probleme verschärft statt sie zu lösen. Von einer systematischen und flächendeckenden Religionspolitik zur Sicherung der gleichen Religionsfreiheit etwa von Muslimen kann bisher nicht die Rede sein.

Integration: Syrer in Deutschland teilen die Sorgen der Mehrheitsgesellschaft
Angesichts der wachsenden Religionsvielfalt in Deutschland verlaufen Spannungslinien oft zwischen der Mehrheitsgesellschaft und religiösen oder ethnischen Minderheiten. Daher reicht es nicht aus, nur die Haltungen, Normvorstellungen und das Selbstbild der Mehrheitsgesellschaft zu erfassen. Vielmehr gilt es, auch die Haltungen, Deutungen, Wünsche und Abneigungen von Minderheiten sorgfältig zu analysieren. Politische und rechtliche Regelungen greifen nur in dem Maße, wie sie auf gesamtgesellschaftliche Unterstützung stoßen.

„Terror steht im Widerspruch zu Gottes Barmherzigkeit.“
Islamische Kulturzentren nehmen Stellung zu den Anschlägen in Paris: „Sie sind ein Anschlag auf die Menschlichkeit. Terror ist Keimzelle von Zerstörung und Vernichtung, von Hass und Zwietracht.“

Entwicklung des lokalen Friedens. Gewaltvermindernde Arbeit in Deutschland an einem Beispiel. VON DIETER LÜNSE.

Toleranz entwickeln
Im Projekt „Lebenswelten: Ich, Du, Wir“ erhalten Jugendliche die Möglichkeit, ihre interkulturelle Kompetenz sowie die gegenseitige Achtung und Toleranz voreinander zu stärken. Dabei setzen sie eigene Schwerpunkte. VON PHILIPP SCHLICHT

 

Thema Ernst Jünger

Zeigen, wer man ist: der Widerstand der Brüder Jünger
Im Gegenüber einer von Ernst Jünger beschriebenen ritterlichen Oberwelt und einer Unterwelt, in der “Gelichter“ sein Wesen treibt ist Demokratie keine Kategorie. Ihre Präsenz ist in diesem Kosmos kein Maßstab für akzeptabel und inakzeptabel, für Zustimmung und Ablehnung und damit für Grund zum Widerstand oder nicht. VON HELMUT FALKENSTÖRFER

Widerstand als Element der Politik
Ernst Jünger sah Widerstand als Funktion der Freiheit. Ein ursprüngliches Verhältnis zu Freiheit wird sich an gesellschaftlichen Zwängen reiben. Das kann im extremen Falle eine Diktatur sein. Es kann sich aber auch um die Zwänge der nach den Geboten der Technik durchorganisierten Gesellschaft handeln. VON HELMUT FALKENSTÖRFER

 

Informationstechnologie, Medien

Experten warnen vor Desinformation
Im Ausschuss für Kultur und Medien des Deutschen Bundestages haben Medienwissenschaftler festgestellt, dass das Misstrauen gegenüber den Medien während der Ukraine-Krise stark gestiegen sei. Relevante Teile des Publikums hätten sich innerlich von den Leitmedien entfernt. Deren Berichterstattung sei deutlich durch transatlantische Rücksichtnahmen eingefärbt gewesen.

Sammelwut und Allmachtsphantasien
Wie realistisch auch immer die Zielsetzungen beim zukünftigen Einsatz von IT-Systemen sein mögen: Das Menschenbild, das sich hinter einer durch Algorithmen gesteuerten Welt verbirgt, erinnert fatal an fehlgeschlagene Versuche aus der Vergangenheit, gesellschaftliche Veränderungen auf Basis „wissenschaftlicher“ Sozialtheorien herbeizuführen. (Teil II der Reihe „Das Öffentliche und das Private“) VON WOLFGANG OSTERHAGE.

Der Verlust unserer informatorischen Unschuld
Technische Möglichkeiten beeinflussen nicht nur deren Anwendungen innerhalb ihres eigenen technischen Kontextes, sondern führen zu oftmals radikalen gesellschaftlichen Veränderungen und damit zu neuen Verhaltensweisen auch des Individuums – bis hin zum Bedeutungswandel von Sprache. Offene und subtile Kontrollmechanismen und Steuerungsinstrumente bestimmen das Zusammenleben der Menschen. (Teil I der Reihe „Das Öffentliche und das Private“) VON WOLFGANG OSTERHAGE

EU investiert in Überwachung, nicht in langfristige Terrorprävention
Der Freiburger Soziologe Stefan Kaufmann stellt fest: „Die Europäische Union hat in ihrem Sicherheitsforschungsprogramm etwa 1,9 Milliarden Euro größtenteils in die Entwicklung von Kontroll- und Überwachungstechnologien investiert, kaum aber in die Entwicklung alternativer Formate.“

Die dunkle Seite der Digitaltechnik
Wenn das Verhalten technischer Systeme von einer nicht mehr überschaubaren Zahl von Softwareentwicklern bestimmt wird, ist es grundsätzlich unmöglich geworden, das Wissen um die in den Systemen steckenden Wirkungsgefüge im erforderlichen Umfang weiterzugeben. Wenn wir bedenken, wie stark bereits unser politischer, sozialer und wirtschaftlicher Alltag vom Funktionieren riesiger Digitalsysteme abhängt, haben wir allen Anlass, beunruhigt zu sein. VON SIEGFRIED WENDT

Medien schüren Zerrüttung im Ost-West-Konflikt um die Ukraine
Die Berichterstattung in den deutschen Medien zum Ost-West-Konflikt um die Ukraine dient nur noch der Bestätigung bestehender (kontroverser) Grundhaltungen um nicht zu sagen Vorurteile. Viele in Deutschland haben es konsequenterweise aufgegeben, die jüngsten Wendungen im Ukraine-Konflikt noch verstehen zu wollen. VON HANS-JOCHEN LUHMANN

 


 

Studie: Grünes Wissen ist zu wenig in den (berufsbildenden) Lehrplänen vertreten
Eine aktuelle UnternehmensGrün-Studie zeigt, welche neuen Anforderungen die Ausrichtung von Wirtschaftsunternehmen auf Nachhaltigkeit für Mitarbeitende mit sich bringt. Die notwendigen Kenntnisse müssten viel stärker in Berufsbildung und -orientierung verankert werden, fordern befragte Firmen. Der Übergang zur Green Economy macht die Transformation der konventionellen Wirtschaft hin zu effizienten, CO2-armen Produkten, Technologien und Dienstleistungen mit Hilfe technischer und sozialer Innovationen und Investitionen notwendig.

Das Nuklear-Abkommen mit Iran: Perspektiven für den Nahen Osten heute und unter dem Druck der Klimaherausforderung
Mit dem Durchsetzen der Klimapolitik und dem Abschied des Transportsektors von Erdöl-Derivaten als Treibstoff verlieren die USA das Interesse an einer Stabilisierung der Region am Golf. Kann das umstrittene Nuklear-Abkommen der USA und anderer Staaten mit dem Iran einen US-Präsidenten überleben, der sich im Wahlkampf offen ablehnend dazu geäußert hat? Kann dieses Abkommen auch das Ergebnis der Wahlen im Iran im Juni 2017 überleben?

Zivilgesellschaftliche Organisationen kritisieren Aufnahme der Gates-Stiftung in Weltgesundheitsversammlung
Dreißig internationale Organisationen aus den Bereichen Gesundheitspolitik, Verbraucherschutz und Menschenrechte äußern in einem offenen Brief an die WHO erhebliche Bedenken, die Bill and Melinda Gates Foundation in deren Verwaltungsgremium aufzunehmen. Die Gates-Stiftung hat große Teile ihres Vermögens in den Pharmasektor sowie in die Nahrungs- und Getränkeindustrie investiert. Dadurch entsteht ein erheblicher Interessenkonflikt.

Die Engführungen der Befreiungstheologie
Für Entwicklungsländer sind Rechtssicherheit, zuverlässige Verwaltung und ein wenigstens nicht ausuferndes Maß an Korruption ebenso wichtig wie die Handhabung des Kapitals. Das alles schafft man nicht mit Befreiungsschlägen, sondern in langer zäher Arbeit an der eigenen Gesellschaft. VON HELMUT FALKENSTÖRFER

Nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit
Umrisse einer zukunftsfähigen Entwicklungspolitik. VON WERNER GRAU

 


 

87 Prozent der Jugendlichen schätzen Religionsunterricht
Für die heute 16 bis 25-Jährigen sind politische und gesellschaftliche Aushandlungen zum Thema Migration nicht nur selbstverständlicher als älteren Generationen, sie beziehen zu grundsätzlichen Fragen auch anders Stellung. 70 Prozent sprechen sich für einen islamischen Religionsunterricht aus, 87 Prozent sprechen sich für einen Religionsunterricht überhaupt aus. Dies hat die Studie „Deutschland postmigrantisch II“ ermittelt. VON MICHAEL WILDBERGER