{"id":113,"date":"2019-04-29T13:23:36","date_gmt":"2019-04-29T11:23:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/?page_id=113"},"modified":"2020-09-06T14:06:54","modified_gmt":"2020-09-06T12:06:54","slug":"indischer-kleinstaat-komplett-auf-biologische-landwirtschaft-umgestiegen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/indischer-kleinstaat-komplett-auf-biologische-landwirtschaft-umgestiegen\/","title":{"rendered":"Indischer Kleinstaat komplett auf biologische Landwirtschaft umgestiegen"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Im indischen Kleinstaat Sikkim &#8211; etwa doppelt so gro\u00df wie das Saarland &#8211; ist seit 2014 der Import und der Verkauf aller chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel verboten; 2016 verk\u00fcndete Sikkim, komplett auf biologische Landwirtschaft umgestiegen zu sein. Diese Entwicklung in Indien l\u00e4sst sich nicht einfach auf Deutschland \u00fcbertragen: Die finanzielle Lage zu vieler Betriebe ist prek\u00e4r, und bei vielen, vermeintlich stabilen gr\u00f6\u00dferen Betrieben bestimmen l\u00e4ngst externe Kapitalgeber mit. Das Problem der Abh\u00e4ngigkeit von externen Investorinnen wird zunehmend bekannter; au\u00dferdem stehen Betriebe bei den Lieferantinnen von Saatgut, D\u00fcngemitteln und Pestiziden in der Schuld und verlieren Gestaltungsspielr\u00e4ume. Die Chance, es anders anzupacken, verdient allerdings durchaus mehr Aufmerksamkeit.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>(Verden, 18. April 2019)<\/strong> Weder das massive Insektensterben, noch der Aufschwung der Biobranche in Deutschland \u00e4ndern etwas daran, dass die Menge der hier ausgebrachten Pestizidwirkstoffe seit Jahren bei rund 30.000 Tonnen pro Jahr liegt. Doch von weit her kommen auch andere Nachrichten: Der indische Kleinstaat Sikkim \u2011 etwa doppelt so gro\u00df wie das Saarland \u2011 wirtschaftet bereits heute komplett pestizidfrei. 2003 begann der Umbauprozess, seit 2014 ist der Import und der Verkauf aller chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel verboten. 2016 verk\u00fcndete Sikkim, komplett auf biologische Landwirtschaft umgestiegen zu sein. 58.168 Hektar Land werden hier biologisch bewirtschaftet.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.aktion-agrar.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Studie_Adhra_Pradesh.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2019\/04\/Studie_Adhra_Pradesh-T.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-111\" width=\"320\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Nun soll Andhra Pradesh dem Beispiel folgen und dies stellt\neine ganz andere Gr\u00f6\u00dfenordnung dar: Mit 50 Millionen Einwohner*innen ist der im\nS\u00fcd-Osten gelegene Staat der achtgr\u00f6\u00dfte Indiens (zum Vergleich: in Deutschland\nleben 82 Millionen Menschen). \u201eZero-Budget-Natural-Farming\u201c hei\u00dft die Methode,\nmit der die Regierung des Bundesstaates bis 2024 alle insgesamt sechs Millionen\nB\u00e4uerinnen und Bauern erreichen und bis 2026 alle landwirtschaftlichen Fl\u00e4chen\nauf pestizidfrei umgestellt wissen m\u00f6chte. Und auch andere Bundesstaaten ziehen\nnach: Die Regierung von Kerala setzt etwa auf Verbote besonders giftiger\nPestizide.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Entwicklung in Indien l\u00e4sst sich allerdings nicht einfach\nauf Deutschland \u00fcbertragen. Subsistenzwirtschaft spielt in beiden L\u00e4ndern eine\nv\u00f6llig unterschiedliche Rolle. Tats\u00e4chlich hat ein Bauernhof in Deutschland mit\neiner Durchschnittsgr\u00f6\u00dfe von 60 Hektar wenig gemein mit einer kleinb\u00e4uerlichen\nLandwirtschaft, die in Andhra Pradesh im Durchschnitt einen Hektar\nbewirtschaftet. Landwirtschaft in Deutschland ist kapitalintensiv. Kostspielige\nMaschinen und Investitionen an Stall- und Lagergeb\u00e4uden bringen hohe Fixkosten\nmit sich. So stellen auf den ersten Blick f\u00fcr einen Hof in Deutschland der\nZukauf von Saatgut oder Pestiziden nicht die gr\u00f6\u00dften Ausgaben dar. Die\nDienstleistung der Saatgut-Zucht ist ebenso etabliert wie Beratung und Angebot\nunterschiedlichster Pflanzenschutz-Methoden.<\/p>\n\n\n\n<p>Da Wohl und Wehe der H\u00f6fe hierzulande aber eng verkn\u00fcpft ist\nmit stark schwankenden Preisen f\u00fcr die erzeugten Produkte, ist es durchaus ein\nThema, welche Kosten die Betriebsleitung \u00fcberhaupt reduzieren kann.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.aktion-agrar.de\/das-team\/\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" width=\"180\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2018\/05\/JuttaSundermann.jpg\" alt=\"\"><\/a><\/td><td width=\"75%\"><a href=\"http:\/\/www.attac.de\/startseite\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Attac<\/a>-Mitbegr\u00fcnderin Jutta Sundermann ist bei <a href=\"https:\/\/www.aktion-agrar.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">aktion agrar<\/a> f\u00fcr Kampagnen, Presse und Finanzen zust\u00e4ndig.<\/td><\/tr><tr><td><\/td><td><a href=\"https:\/\/www.aktion-agrar.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2018\/05\/Logoaktionagrar.png\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p>In Deutschland steht hinter der Diskussion bisher vor allem eine breite Bewegung f\u00fcr Verbraucher*innenrechte und Umweltschutz. Aber es gibt zumindest auch ein Grundbewusstsein dar\u00fcber, dass t\u00e4glich H\u00f6fe sterben. Zwischen 2013 und 2016 verschwanden allein 9.600 Betriebe von der Bildfl\u00e4che \u2013 das sind fast zehn pro Tag. Zu viele Bauern finden keine Nachfolge, weil die Arbeit nur wenigen attraktiv erscheint und der Preisdruck so extrem ist. Die finanzielle Lage zu vieler Betriebe ist prek\u00e4r, und bei vielen vermeintlich stabilen gr\u00f6\u00dferen Betrieben, bestimmen l\u00e4ngst externe Kapitalgeber mit. Das Problem der Abh\u00e4ngigkeit von externen Investor*innen wird zunehmend bekannter. Auch in Deutschland stehen Betriebe bei den Lieferant*innen von Saatgut, D\u00fcngemitteln und Pestiziden in der Schuld, auch hier verlieren sie ihre Gestaltungsspielr\u00e4ume. Die Chance, es anders anzupacken, verdient mehr Aufmerksamkeit.<\/p>\n\n\n\n^<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.aktion-agrar.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Studie_Adhra_Pradesh.pdf\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" title=\" \" width=\"180\" class=\"aligncenter wp-image-313\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2019\/04\/Studie_Adhra_Pradesh-T.jpg\" alt=\"\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Die Studie von aktion agrar zur Entwicklung in Indien steht <a href=\"https:\/\/www.aktion-agrar.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Studie_Adhra_Pradesh.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00fcber diesen Link zum Download als PDF<\/a> bereit.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im indischen Kleinstaat Sikkim &#8211; etwa doppelt so gro\u00df wie das Saarland &#8211; ist seit 2014 der Import und der Verkauf aller chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel verboten; 2016 verk\u00fcndete Sikkim, komplett auf biologische Landwirtschaft umgestiegen zu sein. 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