{"id":147,"date":"2019-08-01T12:27:48","date_gmt":"2019-08-01T10:27:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/?page_id=147"},"modified":"2020-09-06T13:47:07","modified_gmt":"2020-09-06T11:47:07","slug":"massenhafter-einsatz-von-reserveantibiotika-in-der-massentierhaltung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/massenhafter-einsatz-von-reserveantibiotika-in-der-massentierhaltung\/","title":{"rendered":"Massenhafter Einsatz von Reserveantibiotika in der Massentierhaltung"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Aus dem neuen Bericht des Bundesamtes f\u00fcr Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) geht hervor, dass zwei von f\u00fcnf Reserveantibiotika, die f\u00fcr Menschen bei Resistenzen lebensrettend sein k\u00f6nnen, im vergangenen Jahr massenhaft in Tierfabriken eingesetzt worden sind. Reserveantibiotika werden in der Humanmedizin ben\u00f6tigt, wenn andere Antibiotika bei Infektionen nicht mehr wirken. Insgesamt ist der Antibiotikaverbrauch bei Nutztieren im Jahr 2018 gerade einmal um den Anteil zur\u00fcckgegangen, um den auch die Fleischproduktion sank, n\u00e4mlich um 1,5 Prozent; kleinere Tierhaltungen und \u00f6kologische Betriebe setzen nach Beh\u00f6rdenangaben weniger h\u00e4ufig Antibiotika ein und das Fleisch weist erheblich geringere Belastungen mit Antibiotikaresistenzen auf.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>(Berlin, 31. Juli 2019)<\/strong> Zwei von f\u00fcnf Reserveantibiotika, die f\u00fcr Menschen bei Resistenzen lebensrettend sein k\u00f6nnen, sind im vergangenen Jahr massenhaft in Tierfabriken eingesetzt worden. Colistin ist mit 74 Tonnen mittlerweile eines der meistgenutzten Antibiotika in der Massentierhaltung, Makrolide sind mit 59 Tonnen im Vergleich zum Vorjahr sogar in steigenden Mengen verabreicht worden. Dies geht aus dem neuen Bericht des Bundesamtes f\u00fcr Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hervor. Reserveantibiotika werden in der Humanmedizin ben\u00f6tigt, wenn andere Antibiotika bei Infektionen nicht mehr wirken. Sie sind also eigentlich f\u00fcr Notf\u00e4lle gedacht.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2019\/08\/Antibiotika_Abgabemenge2018_Bundesamt-f\u00fcr-Verbraucherschutz-und-Lebensmittelsicherheit-T.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2019\/08\/Antibiotika_Abgabemenge2018_Bundesamt-f\u00fcr-Verbraucherschutz-und-Lebensmittelsicherheit-T-725x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-146\" width=\"320\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Germanwatch-Agrarexpertin Reinhild Benning warnt, dass in\nFolge des massenhaften Einsatzes das Risiko von Resistenzbildungen zunehme,\ndurch die die Notfall-Antibiotika f\u00fcr den Menschen unbrauchbar werden k\u00f6nnen.\n\u201eKonzerne haben die H\u00e4hnchen- und Putenfleischerzeugung mit Blick auf Zucht,\nHaltung und F\u00fctterung im Vergleich zu anderen Tierarten weitergehend\nindustrialisiert. Sie ben\u00f6tigen in diesem krankmachenden System Antibiotika in\nkonstant hohen Mengen. Andernfalls w\u00fcrden zu viele Tiere aus diesen\nTierfabriken den Schlachthof nicht lebend erreichen. W\u00e4hrend Schweine in Deutschland\n\u00fcberwiegend auf eigenst\u00e4ndigen Bauernh\u00f6fen gehalten werden und immerhin rund 40\nProzent weniger Antibiotika als noch im Jahr 2014 ben\u00f6tigten, ist bei H\u00e4hnchen\nund Puten der Antibiotikaverbrauch kaum gesunken.\u201c Bei Puten und H\u00fchnern werden\nzu \u00fcber 40 Prozent Reserveantibiotika eingesetzt. Insgesamt ist der\nAntibiotikaverbrauch bei Nutztieren im Jahr 2018 gerade einmal um den Anteil\nzur\u00fcckgegangen, um den auch die Fleischproduktion sank, n\u00e4mlich um 1,5 Prozent.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kleinere Tierhaltungen und \u00f6kologische Betriebe setzen nach\nBeh\u00f6rdenangaben weniger h\u00e4ufig Antibiotika ein und das Fleisch weist erheblich\ngeringere Belastungen mit Antibiotikaresistenzen auf. Benning: &#8222;Die\nBundesregierung ist auch wegen der mangelhaften gesetzlichen Regeln im\nTierschutz mitverantwortlich f\u00fcr systembedingte Massenerkrankungen und den\nhohen und gef\u00e4hrlichen Verbrauch an Reserveantibiotika. Es ist offensichtlich,\ndass die Gefl\u00fcgelindustrie die Risiken der industriellen Tierhaltung \u00fcberhaupt\nnicht im Griff hat \u2013 und dennoch l\u00e4sst Landwirtschaftsministerin Kl\u00f6ckner sie\nohne wirksame Tierschutzregeln und ohne Auflagen f\u00fcr besonders wichtige\nReserveantibiotika wie Colistin und Makrolide gew\u00e4hren.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>L\u00e4sst die Wirkung von\nStandard-Antibiotika m\u00f6glicherweise schon nach?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Ansicht von Germanwatch muss unverz\u00fcglich untersucht\nwerden, ob der hohe Verbrauch an Colistin und anderen Reserveantibiotika wie\nMakroliden m\u00f6glicherweise darauf hinweist, dass andere Antibiotika in\nTierfabriken schon nicht mehr zuverl\u00e4ssig wirken. \u201eDie andauernde k\u00f6rperliche\n\u00dcberforderung der Tiere darf nicht l\u00e4nger mit Antibiotikaeinsatz \u00fcbert\u00fcncht\nwerden\u201c, fordert Reinhild Benning. Germanwatch setzt sich ein f\u00fcr ein Verbot\nder f\u00fcr die Menschen so wichtigen Reserveantibiotika in Tierfabriken, eine\ngesetzliche Verdoppelung des Platzangebots je Tier in Mastbetrieben und die\nBeendigung der Hochleistungszucht. Zudem m\u00fcsse es hohe Festpreise f\u00fcr\nAntibiotika in der Tierhaltung geben, damit sich eine tierfreundlichere Haltung\nfinanziell eher lohnt als der massenhafte Einsatz von Antibiotika. Dar\u00fcber\nhinaus sollte die Bundesregierung endlich eine Kennzeichnungspflicht einf\u00fchren,\ndamit Verbraucherinnen und Verbraucher bessere Tierhaltungen auch erkennen und\ndurch Nachfrage belohnen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/germanwatch.org\/de\/users\/reinhildbenning\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" width=\"180\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\"Foto: germanwatch.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2019\/09\/Reinhild-Benning-1x1.jpg\" alt=\"\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Reinhild Benning ist Referentin f\u00fcr Landwirtschaft und Tierhaltung bei <a href=\"https:\/\/germanwatch.org\/de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Germanwatch e.V.<\/a><\/td><\/tr><tr><td><\/td><td><a href=\"https:\/\/germanwatch.org\/de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2019\/08\/logoGermanwatch.png\" alt=\"\" width=\"150\"><\/a><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Zur Datenerfassung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit dem Jahr 2011 muss die pharmazeutische Industrie erfassen, welche Mengen an Tierarzneimitteln, insbesondere Antibiotika, sie j\u00e4hrlich an Tier\u00e4rzte abgeben, und diese Daten an ein zentrales Register melden. Grundlage daf\u00fcr ist die DIMDI-Arzneimittelverordnung (DIMDI-AMV) vom 24. Februar 2010 Das Register wird beim <a href=\"https:\/\/www.dimdi.de\/dynamic\/de\/startseite\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Deutschen Institut f\u00fcr Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">Deutschen Institut f\u00fcr Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI<\/a>, ein Institut im Gesch\u00e4ftsbereich des Bundesministeriums f\u00fcr Gesundheit) in K\u00f6ln gef\u00fchrt. Das Bundesamt f\u00fcr Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Berlin nimmt die j\u00e4hrliche Auswertung der Daten vor.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus dem neuen Bericht des Bundesamtes f\u00fcr Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) geht hervor, dass zwei von f\u00fcnf Reserveantibiotika, die f\u00fcr Menschen bei Resistenzen lebensrettend sein k\u00f6nnen, im vergangenen Jahr massenhaft in Tierfabriken eingesetzt worden sind. Reserveantibiotika werden in der Humanmedizin ben\u00f6tigt, wenn andere Antibiotika bei Infektionen nicht mehr wirken. 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