{"id":195,"date":"2020-01-15T17:46:13","date_gmt":"2020-01-15T16:46:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/?page_id=195"},"modified":"2020-09-06T13:20:48","modified_gmt":"2020-09-06T11:20:48","slug":"grosse-unternehmen-der-agrarwirtschaft-tun-kaum-etwas-gegen-verletzung-von-menschenrechten","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/grosse-unternehmen-der-agrarwirtschaft-tun-kaum-etwas-gegen-verletzung-von-menschenrechten\/","title":{"rendered":"Gro\u00dfe Unternehmen der Agrarwirtschaft tun kaum etwas gegen Verletzung von Menschenrechten"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Germanwatch und MISEREOR haben die gr\u00f6\u00dften deutschen Unternehmen aus Gefl\u00fcgelfleisch-, Milch-, Futtermittel- und Agrarchemiebranche unter die Lupe genommen: Kein einziges der insgesamt 15 Unternehmen erf\u00fcllt ausreichend die Anforderungen der UN-Leitprinzipien f\u00fcr Wirtschaft und Menschenrechte. Au\u00dferdem gef\u00e4hrden Handelsabkommen der EU in L\u00e4ndern des globalen S\u00fcdens mitunter den Zugang von Kleinproduzenten zu M\u00e4rkten, Saatgut und Land. Germanwatch und MISEREOR warnen angesichts der massiven Probleme in Bezug auf den Schutz der Menschenrechte und des Regenwaldes in Brasilien und anderen lateinamerikanischen Staaten vor einer Ratifizierung des EU-Abkommens mit den Mercosur-Staaten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr>\n<img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-313\" title=\"Foto: Nata Uchava, Freiburg.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2020\/01\/NU-misereor-germanwatch-agrarindustrie.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\">\n<hr>\n&nbsp;\n\n\n\n<p><strong>(Berlin\/Aachen, 15. Januar 2020)<\/strong> Obwohl es in der Agrar- und Ern\u00e4hrungsindustrie weltweit h\u00e4ufig zu Menschenrechtsverletzungen kommt, handelt bisher kein einziges von 15 untersuchten gro\u00dfen Unternehmen aus Deutschland ausreichend, um die Wahrung dieser Rechte in seinen Gesch\u00e4ften sicherzustellen. Und obgleich im Ausland viele Menschenrechtsverletzungen unter Beteiligung deutscher Unternehmen dokumentiert sind, konnten Betroffene im Agrarbereich bisher noch nie eine Entsch\u00e4digungsklage vor deutschen Gerichten einreichen. Dies sind zwei zentrale Aussagen einer heute ver\u00f6ffentlichten Studie von Germanwatch und MISEREOR, die zudem auch Vers\u00e4umnisse in der Handelspolitik der Bundesregierung aufzeigt.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.germanwatch.org\/sites\/germanwatch.org\/files\/Bericht%202020%20Globale%20Agrarwirtschaft%20und%20Menschenrechte.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2020\/01\/Bericht-2020-Globale-Agrarwirtschaft-und-Menschenrechte-T.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-193\" width=\"320\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Die Organisationen haben darin die gr\u00f6\u00dften deutschen\nUnternehmen aus Gefl\u00fcgelfleisch-, Milch-, Futtermittel- und Agrarchemiebranche\nunter die Lupe genommen \u2011 mit bedr\u00fcckendem Ergebnis: \u201eKein einziges der\ninsgesamt 15 Unternehmen erf\u00fcllt ausreichend die Anforderungen der UN-Leitprinzipien\nf\u00fcr Wirtschaft und Menschenrechte\u201c, sagt Cornelia Heydenreich von Germanwatch,\nAutorin der Studie. \u201eDie Achtung der Menschenrechte ist bei den Gesch\u00e4ften\ndieser Unternehmen oft nicht sichergestellt.\u201c Armin Paasch von MISEREOR,\nebenfalls Autor der Studie, erg\u00e4nzt: \u201eDie Studie zeigt, wie wichtig ein\nLieferkettengesetz ist, das deutsche Unternehmen verbindlich zur\nmenschenrechtlichen Sorgfalt verpflichtet.\u201c Arbeitsminister Hubertus Heil und\nEntwicklungsminister Gerd M\u00fcller hatten j\u00fcngst ein Lieferkettengesetz\nangek\u00fcndigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Laut Studie bestehen vor allem f\u00fcr die untersuchten f\u00fcnf\nGefl\u00fcgelfleischproduzenten erhebliche menschenrechtliche Risiken:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Sojaanbau f\u00fcr Futtermittel f\u00fchre vielfach zu\nLandvertreibungen und zu giftigem Pestizideinsatz in S\u00fcdamerika.<\/li><li>Der massive Einsatz von Antibiotika in der\nTierhaltung verst\u00e4rke die Nachfrage in den Antibiotika-Produktionsl\u00e4ndern\nIndien und China. Dies erh\u00f6he das Risiko von Resistenzen dort.<\/li><li>Die Arbeitsbedingungen in deutschen\nSchlachtbetrieben seien zum Teil menschenverachtend.<\/li><li>Exporte von Gefl\u00fcgelteilen aus der EU bedrohten\nin Westafrika das wirtschaftliche \u00dcberleben einheimischer Produzenten und\ngef\u00e4hrdeten ihre Lebensgrundlage.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>\u201eAngesichts der bisher beobachteten\nMenschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit Gefl\u00fcgelfleisch ist es\nerschreckend, dass sich diese Branche laut unserer Untersuchung am wenigsten\nmit den menschenrechtlichen Risiken besch\u00e4ftigt\u201c, kritisiert Cornelia\nHeydenreich. Von den f\u00fcnf untersuchten Unternehmen haben sich drei Unternehmen \u2011\nRothk\u00f6tter, Sprehe und Heidemark \u2011 noch \u00fcberhaupt nicht \u00f6ffentlich dazu\nverpflichtet, die Menschenrechte zu achten. Auch die beiden anderen Unternehmen\n\u2011 PHW-Gruppe und Plukon \u2011 sehen allenfalls ihre Lieferanten in der Pflicht,\naber auch das nur mit Einschr\u00e4nkungen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/germanwatch.org\/de\/users\/corneliaheydenreich\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" width=\"180\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\"Foto: germanwatch.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2020\/01\/Cornelia-Heydenreich-germanwatch-K.jpg\" alt=\"\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Cornelia Heydenreich ist Teamleiterin Unternehmensverantwortung bei <a href=\"https:\/\/germanwatch.org\/de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Germanwatch e.V.<\/a><\/td><\/tr><tr><td><\/td><td><a href=\"https:\/\/germanwatch.org\/de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2019\/08\/logoGermanwatch.png\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p>Auch bei den anderen zehn untersuchten Unternehmen sehen die\nOrganisationen gro\u00dfen Verbesserungsbedarf. Nur ein einziges davon, Arla, hat\nlaut Studie bislang eine menschenrechtliche Folgenabsch\u00e4tzung durchgef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Kritisch bewertet die Untersuchung auch die Rolle der\nBundesregierung. In der Handelspolitik habe sie es bislang vers\u00e4umt,\nMenschenrechtsstandards wirkungsvoll zu verankern. \u201eHandelsabkommen der EU\ngef\u00e4hrden in L\u00e4ndern des globalen S\u00fcdens mitunter den Zugang von\nKleinproduzenten zu M\u00e4rkten, Saatgut und Land\u201c, kritisiert Armin Paasch\n(MISEREOR). \u201eDie Bundesregierung hatte zugesagt, sich in der EU f\u00fcr\nwirkungsvollere Nachhaltigkeitsfolgenabsch\u00e4tzungen und verbindliche\nMenschenrechtsstandards in Handelsabkommen einzusetzen, ist bislang aber\nunt\u00e4tig geblieben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/blog.misereor.de\/author\/arminpaasch\/\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" width=\"180\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\"Foto: MISEREOR.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2020\/01\/Armin-Paasch-T.jpg\" alt=\"\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Armin Paasch ist Referent f\u00fcr Wirtschaft und Menschenrechte bei <a href=\"https:\/\/misereor.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">MISEREOR<\/a>.<\/td><\/tr><tr><td><\/td><td><a href=\"https:\/\/blog.misereor.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2018\/05\/misereor_logo.png\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p>Germanwatch und MISEREOR warnen angesichts der massiven Probleme in Bezug auf den Schutz der Menschenrechte und des Regenwaldes in Brasilien und anderen lateinamerikanischen Staaten vor einer Ratifizierung des EU-Abkommens mit den Mercosur-Staaten, zumal in diesem Abkommen keine wirkungsvollen Schutzmechanismen verankert sind. Wie Fallbeispiele zeigen, tragen vermehrte Exporte etwa von Soja oder Zucker dazu bei, Landkonflikte im Amazonas weiter anzuheizen. Zugleich m\u00fcsse die Bundesregierung nun z\u00fcgig ein Lieferkettengesetz ausarbeiten und beschlie\u00dfen. Damit w\u00fcrde die Bundesregierung ihrer Zusage aus dem Koalitionsvertrag nachkommen, die dies f\u00fcr den Fall angek\u00fcndigt hatte, dass die Unternehmen ihre menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten nicht freiwillig wahrnehmen. Ein Monitoring im Auftrag der Bundesregierung war im Dezember zu dem Ergebnis gekommen, dass nur ein F\u00fcnftel der Unternehmen die Sorgfaltspflichten erf\u00fcllt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.germanwatch.org\/sites\/germanwatch.org\/files\/Bericht%202020%20Globale%20Agrarwirtschaft%20und%20Menschenrechte.pdf\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" title=\" \" width=\"180\" class=\"aligncenter wp-image-313\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2020\/01\/Bericht-2020-Globale-Agrarwirtschaft-und-Menschenrechte-T.jpg\" alt=\"\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Die Studie &#8222;Globale Agrarwirtschaft und Menschenrechte&#8220; steht <a href=\"https:\/\/www.germanwatch.org\/sites\/germanwatch.org\/files\/Bericht%202020%20Globale%20Agrarwirtschaft%20und%20Menschenrechte.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00fcber diesen Link zum Download als PDF-Datei<\/a> zur Verf\u00fcgung.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Germanwatch und MISEREOR haben die gr\u00f6\u00dften deutschen Unternehmen aus Gefl\u00fcgelfleisch-, Milch-, Futtermittel- und Agrarchemiebranche unter die Lupe genommen: Kein einziges der insgesamt 15 Unternehmen erf\u00fcllt ausreichend die Anforderungen der UN-Leitprinzipien f\u00fcr Wirtschaft und Menschenrechte. Au\u00dferdem gef\u00e4hrden Handelsabkommen der EU in L\u00e4ndern des globalen S\u00fcdens mitunter den Zugang von Kleinproduzenten zu M\u00e4rkten, Saatgut und Land. 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