{"id":242,"date":"2020-06-23T14:48:36","date_gmt":"2020-06-23T12:48:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/?page_id=242"},"modified":"2020-09-06T13:00:03","modified_gmt":"2020-09-06T11:00:03","slug":"streit-um-nutri-score-kloeckner-ministerium-nahm-einfluss-auf-wissenschaftliche-studie-zur-naehrwertkennzeichnung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/streit-um-nutri-score-kloeckner-ministerium-nahm-einfluss-auf-wissenschaftliche-studie-zur-naehrwertkennzeichnung\/","title":{"rendered":"Streit um Nutri-Score: Kl\u00f6ckner-Ministerium nahm Einfluss auf wissenschaftliche Studie zur N\u00e4hrwertkennzeichnung"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>foodwatch kritisiert Lobbyh\u00f6rigkeit und fragw\u00fcrdigen Umgang mit Wissenschaft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Das Bundesern\u00e4hrungsministerium lie\u00df eine wissenschaftliche Studie umschreiben, die der Lebensmittelampel Nutri-Score ein gutes Zeugnis ausgestellt hatte, wie ein Vergleich der Original-Studie des staatlichen Max-Rubner-Instituts mit der sp\u00e4ter vom Ern\u00e4hrungsministerium ver\u00f6ffentlichten Version nahelegt. Ein eigenes Kennzeichnungsmodell, den &#8222;Wegweiser Ern\u00e4hrung&#8220;, lie\u00df Ministerin Kl\u00f6ckner auf Grundlage des Modells der Lebensmittellobby entwickeln, wie interne Dokumente belegen. Die Verbraucherorganisation foodwatch kritisiert das Vorgehen von Julia Kl\u00f6ckner als politische Instrumentalisierung der wissenschaftlichen Arbeit eines Forschungsinstituts und bewusste Irref\u00fchrung der \u00d6ffentlichkeit.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr>\n<img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-313\" title=\"Grafik: Nata Uchava, Michael Wildberger.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2020\/06\/200623-NU-foodwatch.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\">\n<hr>\n&nbsp;\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>(Berlin, 23. Juni 2020)<\/strong> Das Bundesern\u00e4hrungsministerium von Julia Kl\u00f6ckner lie\u00df eine wissenschaftliche Studie umschreiben, die der Lebensmittelampel Nutri-Score ein gutes Zeugnis ausstellte. Dies legt ein <a aria-label=\"Vergleich der Original-Studie des staatlichen Max-Rubner-Instituts (MRI) mit der sp\u00e4ter vom Ern\u00e4hrungsministerium ver\u00f6ffentlichten Version (opens in a new tab)\" rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.foodwatch.org\/fileadmin\/-DE\/Themen\/Ampel\/Dokumente\/Vergleich_MRI_Studien.pdf\" target=\"_blank\" class=\"rank-math-link\">Vergleich der Original-Studie des staatlichen Max-Rubner-Instituts (MRI) mit der sp\u00e4ter vom Ern\u00e4hrungsministerium ver\u00f6ffentlichten Version<\/a> nahe. W\u00e4hrend die urspr\u00fcngliche MRI-Studie den Nutri-Score als \u201egrunds\u00e4tzlich vorteilhaft\u201c f\u00fcr eine N\u00e4hrwertkennzeichnung (NWK) bewertet, hei\u00dft es im Fazit der f\u00fcr das Ministerium \u00fcberarbeiteten Version, dass \u201ekeines der NWK-Modelle uneingeschr\u00e4nkt empfohlen werden\u201c k\u00f6nne. Ein eigenes Kennzeichnungsmodell, den \u201eWegweiser Ern\u00e4hrung\u201c, lie\u00df Kl\u00f6ckner dann auf Grundlage des Modells der Lebensmittellobby entwickeln, wie interne Dokumente belegen. Die Verbraucherorganisation foodwatch kritisierte das Vorgehen von Julia Kl\u00f6ckner als politische Instrumentalisierung der wissenschaftlichen Arbeit eines Forschungsinstituts und bewusste Irref\u00fchrung der \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.foodwatch.org\/fileadmin\/-DE\/Themen\/Ampel\/Dokumente\/Vergleich_MRI_Studien.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2020\/06\/Vergleich_MRI_Studien-T.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-239\" width=\"320\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWer wissenschaftliche Studien umschreiben l\u00e4sst und ihre Ver\u00f6ffentlichung zu verhindern versucht, macht keine Politik auf Basis von Wissenschaft und Fakten, wie die Ern\u00e4hrungsministerin gerne betont. Bei Frau Kl\u00f6ckner regiert offenbar das Motto: Wissenschaft, die politisch nicht passt, wird passend gemacht\u201c, sagte Luise Molling von foodwatch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Studie zu verschiedenen Modellen der N\u00e4hrwertkennzeichnung war vom Max-Rubner-Institut im Auftrag des Bundesern\u00e4hrungsministeriums (BMEL) erarbeitet worden, <a href=\"https:\/\/www.foodwatch.org\/fileadmin\/-DE\/Themen\/Ampel\/Dokumente\/Bewertung-ausgewaehlter-Naehrwertkennzeichnungs_VersionSep2018.pdf\" target=\"_blank\" aria-label=\"die Ergebnisse lagen dem Bundesern\u00e4hrungsministerium im Herbst 2018 vor (opens in a new tab)\" rel=\"noreferrer noopener\" class=\"rank-math-link\">die Ergebnisse lagen dem Bundesern\u00e4hrungsministerium im Herbst 2018 vor<\/a>. Ein Mitarbeiter des Ministeriums schrieb damals in einer internen E-Mail, dass das Max-Rubner-Institut die Ampel \u201elediglich wissenschaftlich bewertet\u201c und sich einer politischen Einsch\u00e4tzung enthalten habe. <a href=\"https:\/\/www.foodwatch.org\/fileadmin\/-DE\/Themen\/Ampel\/Dokumente\/2019-04_Interne_E-Mails_BMEL_geschwaerzt.pdf\" target=\"_blank\" aria-label=\"Ein interner Vermerk stellte klar: \u201eFrau Bundesministerin hat (\u2026) ausdr\u00fccklich darum gebeten, zu den vorbereitenden Arbeiten des MRI gr\u00f6\u00dfte Vertraulichkeit sicherzustellen.\u201c (opens in a new tab)\" rel=\"noreferrer noopener\" class=\"rank-math-link\">Ein interner Vermerk stellte klar: \u201eFrau Bundesministerin hat (\u2026) ausdr\u00fccklich darum gebeten, zu den vorbereitenden Arbeiten des MRI gr\u00f6\u00dfte Vertraulichkeit sicherzustellen.\u201c<\/a> Ein halbes Jahr sp\u00e4ter, im April 2019, stellte Julia Kl\u00f6ckner dann der \u00d6ffentlichkeit eine stark \u00fcberarbeitete Version der Studie vor, die keinerlei Empfehlung f\u00fcr ein konkretes Kennzeichnungsmodell enthielt. <a href=\"https:\/\/www.foodwatch.org\/fileadmin\/-DE\/Themen\/Ampel\/Dokumente\/2020_06_MRI_Chronologie.pdf\" target=\"_blank\" aria-label=\"Erst nachdem foodwatch im Sommer 2019 Klage beim Verwaltungsgericht K\u00f6ln eingereicht hatte (opens in a new tab)\" rel=\"noreferrer noopener\" class=\"rank-math-link\">Erst nachdem foodwatch im Sommer 2019 Klage beim Verwaltungsgericht K\u00f6ln eingereicht hatte<\/a>, ver\u00f6ffentlichte das Bundesern\u00e4hrungsministerium im Januar 2020 auch die Original-Studie \u2013 die sich stark von der zuerst vom Bundesern\u00e4hrungsministerium ver\u00f6ffentlichten Version unterscheidet. Sogenannte \u201eOptimum-Kriterien\u201c, bei denen der Nutri-Score nach Ansicht des Max-Rubner-Instituts besonders gut abschneidet, waren in der Bundesern\u00e4hrungsministerium-Version zum Beispiel gestrichen worden. Julia Kl\u00f6ckner hatte sich zuvor lange Zeit kritisch \u00fcber den Nutri-Score ge\u00e4u\u00dfert und hob auch bei der Vorstellung der \u00fcberarbeiteten Studie den Nutri-Score negativ hervor.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ministerin erkl\u00e4rte damals, man wolle mit Befragungen und weiteren Untersuchungen ein eigenes Modell zur N\u00e4hrwertkennzeichnung entwickeln. Gegen\u00fcber der \u00d6ffentlichkeit gab das Bundesern\u00e4hrungsministerium an, das Max-Rubner-Institut sei damit beauftragt, \u201ewissenschaftlich unabh\u00e4ngig ein eigenes Kennzeichnungssystem zu erarbeiten.\u201c Ein \u00fcber einen Informationsfreiheitsantrag an foodwatch \u00fcbermittelter Erlass des Bundesern\u00e4hrungsministeriums an das Max-Rubner-Institut vom April 2019 belegt jedoch: <a href=\"https:\/\/www.foodwatch.org\/fileadmin\/-DE\/Themen\/Ampel\/Dokumente\/2019-04-16_Erlass_BMEL_NWK_Modell_geschwaerzt.pdf\" target=\"_blank\" aria-label=\"Das Institut bekam den Auftrag, ein Modell \u201eauf Basis des BLL-Modells\u201c zu entwickeln (opens in a new tab)\" rel=\"noreferrer noopener\" class=\"rank-math-link\">Das Institut bekam den Auftrag, ein Modell \u201eauf Basis des BLL-Modells\u201c zu entwickeln<\/a>. Der Lobbyverband der Lebensmittelindustrie BLL (heute: Lebensmittelverband) hatte zuvor ein eigenes Modell zur N\u00e4hrwertkennzeichnung entwickelt, das jedoch vom Max-Rubner-Institut selbst als undifferenziert und unverst\u00e4ndlich kritisiert worden war.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.foodwatch.org\/de\/ueber-uns\/team\/luise-molling\/\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" width=\"180\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\"Foto: foodwatch.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2020\/06\/foodwatch_Luise_Molling-quer.jpg\" alt=\"\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Luise Molling ist als Campaignerin bei <a href=\"https:\/\/www.foodwatch.org\/de\/startseite\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">foodwatch Deutschland<\/a> unter anderem f\u00fcr die Recherche, Planung und Durchf\u00fchrung von Kampagnen zu den Themen \u00dcbergewichtspr\u00e4vention und Kindermarketing im Lebensmittelbereich zust\u00e4ndig.<\/td><\/tr><tr><td><\/td><td><a href=\"https:\/\/www.foodwatch.org\/de\/startseite\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2019\/09\/foodwatch-logo.jpg\" alt=\"\" width=\"150\"><\/a><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eVon wegen wissenschaftlich unabh\u00e4ngig \u2013 Frau Kl\u00f6ckner lie\u00df ihr Modell ausgerechnet auf Grundlage eines Vorschlags aus der Lebensmittellobby entwickeln. Ein skandal\u00f6ser Vorgang der zeigt, dass weder unabh\u00e4ngige Forschung noch die Interessen der Verbraucherinnen und Verbraucher, sondern die W\u00fcnsche der Industrie Ma\u00dfstab ihres politischen Handelns sind\u201c, kritisierte Luise Molling.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem sich die Mehrheit bei einer Verbraucherbefragung f\u00fcr den Nutri-Score ausgesprochen hatte, k\u00fcndigte Julia Kl\u00f6ckner im September 2019 an, in Deutschland die rechtlichen Voraussetzungen f\u00fcr die Einf\u00fchrung des Nutri-Scores zu schaffen. Aktuell liegt eine entsprechende Verordnung zur Billigung bei der EU-Kommission in Br\u00fcssel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">TV-Hinweis: Frontal21 berichtet am 23. Juni 2020 um 21 Uhr \u00fcber den Streit um die Lebensmittelkennzeichnung: <a href=\"http:\/\/www.zdf.de\/politik\/frontal-21\/frontal-21-vom-23-juni-2020-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.zdf.de\/politik\/frontal-21\/frontal-21-vom-23-juni-2020-100.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>foodwatch kritisiert Lobbyh\u00f6rigkeit und fragw\u00fcrdigen Umgang mit Wissenschaft Das Bundesern\u00e4hrungsministerium lie\u00df eine wissenschaftliche Studie umschreiben, die der Lebensmittelampel Nutri-Score ein gutes Zeugnis ausgestellt hatte, wie ein Vergleich der Original-Studie des staatlichen Max-Rubner-Instituts mit der sp\u00e4ter vom Ern\u00e4hrungsministerium ver\u00f6ffentlichten Version nahelegt. Ein eigenes Kennzeichnungsmodell, den &#8222;Wegweiser Ern\u00e4hrung&#8220;, lie\u00df Ministerin Kl\u00f6ckner auf Grundlage des Modells der Lebensmittellobby &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/streit-um-nutri-score-kloeckner-ministerium-nahm-einfluss-auf-wissenschaftliche-studie-zur-naehrwertkennzeichnung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eStreit um Nutri-Score: Kl\u00f6ckner-Ministerium nahm Einfluss auf wissenschaftliche Studie zur N\u00e4hrwertkennzeichnung\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":51,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-242","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/242","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=242"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/242\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":330,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/242\/revisions\/330"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=242"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}