{"id":296,"date":"2020-07-23T18:00:23","date_gmt":"2020-07-23T16:00:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/?page_id=296"},"modified":"2020-09-06T12:40:00","modified_gmt":"2020-09-06T10:40:00","slug":"industrielle-und-konzerndominierte-ernaehrungssysteme-von-politik-und-internationalen-abkommen-privilegiert-die-hungerzahlen-steigen-das-fuenfte-jahr-in-folge","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/industrielle-und-konzerndominierte-ernaehrungssysteme-von-politik-und-internationalen-abkommen-privilegiert-die-hungerzahlen-steigen-das-fuenfte-jahr-in-folge\/","title":{"rendered":"Industrielle und konzerndominierte Ern\u00e4hrungssysteme von Politik und internationalen Abkommen privilegiert, die Hungerzahlen steigen das f\u00fcnfte Jahr in Folge"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Laut aktuellem Weltern\u00e4hrungsbericht ist die Zahl chronisch hungernder Menschen im vergangenen Jahr um zehn Millionen angestiegen, bis Ende des Jahres 2020 wird durch COVID 19 ein weiterer Anstieg um 80 bis 130 Millionen bef\u00fcrchtet. Mehr als 20 Prozent aller Kinder unter f\u00fcnf Jahren sind in ihrem Wachstum beeintr\u00e4chtigt. In einer Stellungnahme weist die Menschenrechtsorganisation FIAN darauf hin, dass der enge Fokus auf Produktionssteigerungen weniger Agrarg\u00fcter, wie bei der industriellen Lebensmittelversorgung und im Zuge der aktuellen Corona-Ma\u00dfnahmen gef\u00f6rdert, den Hunger nicht mindert.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr>\n<img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-313\" title=\"Foto: Nata Uchava, Freiburg.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2020\/07\/NU-200723-fian-hungerzahlen.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\">\n<hr>\n&nbsp;\n\n\n\n<p><strong>(K\u00f6ln, 23. Juli 2020)<\/strong> Die Weltern\u00e4hrungsorganisation FAO hat am 13. Juli 2020 in New York ihren <a aria-label=\"aktuellen Weltern\u00e4hrungsbericht (opens in a new tab)\" rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2020\/07\/CA9692EN.pdf\" target=\"_blank\" class=\"rank-math-link\">aktuellen Weltern\u00e4hrungsbericht<\/a> (SOFI) vorgestellt. Demnach ist die Zahl chronisch hungernder Menschen im vergangenen Jahr um zehn Millionen angestiegen. Bis Ende des Jahres wird durch COVID 19 ein weiterer Anstieg um 80 bis 130 Millionen bef\u00fcrchtet. Laut FAO sind drei Milliarden Menschen zu arm, um sich gesund ern\u00e4hren zu k\u00f6nnen. 144 Millionen Kinder unter f\u00fcnf Jahren \u2013 mehr als 20 Prozent \u2013 sind in ihrem Wachstum beeintr\u00e4chtigt. Insgesamt zwei Milliarden Menschen sind von mittlerer bis schwerer Ern\u00e4hrungsunsicherheit betroffen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2020\/07\/CA9692EN.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2020\/07\/FAO_Hunger-2020-450.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-293\" width=\"320\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>In einer aktuellen Stellungnahme weist die Menschenrechtsorganisation FoodFirst Informations- und Aktions-Netzwerk (FIAN) darauf hin, dass der enge Fokus auf Produktionssteigerungen weniger Agrarg\u00fcter den Hunger nicht mindert. Auch die aktuellen Corona-Ma\u00dfnahmen f\u00f6rdern einseitig die industrielle Lebensmittelversorgung. Die Politik m\u00fcsse endlich umsteuern \u2013 weg von konzerndominierten Ern\u00e4hrungssystemen hin zu einer Politik, die die Bed\u00fcrfnisse von Landwirten und hungernden Menschen ins Zentrum stellt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEs ist eine bittere Realit\u00e4t, dass das Menschenrecht auf Nahrung von immer mehr Menschen verletzt wird, obwohl wir mehr als genug Nahrungsmittel produzieren\u201c, so Philipp Mimkes, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von FIAN Deutschland. Das Ziel, den Hunger bis 2030 zu besiegen, wird mehr und mehr unrealistisch. \u201eIn L\u00e4ndern des S\u00fcdens werden rund zwei Drittel aller Nahrungsmittel von Kleinb\u00e4uerinnen und Kleinbauern produziert. Diese werden seit Jahrzehnten in unfruchtbare und abgelegene Gebiete abgedr\u00e4ngt und einem unfairen globalen Wettbewerb ausgesetzt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der FAO-Bericht offenbart einen massiven Mangel an n\u00e4hrstoffhaltigen Nahrungsmitteln \u2013 Gem\u00fcse und Obst \u2013, vor allem in Afrika. \u201eDazu tragen Industriel\u00e4nder wie Deutschland erheblich bei, oft im Tandem mit Agrarkonzernen. Sie setzen stark auf den exportorientierten Anbau von Monokulturen wie Mais, Baumwolle oder Soja. Entwicklungshilfe wird oftmals mit der Bedingung verkn\u00fcpft, auf dieses Pferd zu setzten\u201c, so Mimkes. Agrarstrategien konzentrieren sich zunehmend auf sogenannte cash crops und vernachl\u00e4ssigen den kleinb\u00e4uerlichen Anbau traditioneller, nahrhafter Pflanzen, wie <a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/hunger-in-afrika-allianz-fuer-eine-gruene-revolution-in-afrika-agra-scheitert-an-selbstgesteckten-zielen\/\" target=\"_blank\" aria-label=\"eine aktuelle Studie \u00fcber die Agrar-Allianz AGRA in 13 afrikanischen L\u00e4ndern (opens in a new tab)\" rel=\"noreferrer noopener\" class=\"rank-math-link\">eine aktuelle Studie \u00fcber die Agrar-Allianz AGRA in 13 afrikanischen L\u00e4ndern<\/a> zeigt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir m\u00fcssen endlich begreifen, dass Hunger kein Schicksal ist! Hunger ist meist ein Resultat von Diskriminierung und Ausgrenzung\u201c, so Mimkes. Ein Mix aus nationalen Politiken und internationalen Abkommen privilegiert heute einseitig industrielle und konzerndominierte Ern\u00e4hrungssysteme: inputintensive Landwirtschaft, sehr lange Versorgungsketten, globaler Handel, Investitionsabkommen oder marktbasierte Antworten auf die Klimakrise. Auch die aktuellen Corona-Ma\u00dfnahmen f\u00f6rdern einseitig die industrielle Lebensmittelversorgung.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.fian.de\/wer-wir-sind\/fian-deutschland\/geschaeftsstelle\/\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" width=\"180\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\"Foto: FIAN.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2020\/04\/Gertrud-Falk-K.jpg\" alt=\"\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Gertrud Falk ist Referentin bei <a href=\"https:\/\/www.fian.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">FIAN<\/a>.<\/td><\/tr><tr><td><\/td><td><a href=\"https:\/\/www.fian.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2019\/03\/FIAN.png\" alt=\"\" width=\"150\"><\/a><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p>Verdeutlicht wird die Situation durch die Entwicklung in Lateinamerika. Dort ist die Zahl hungernder Menschen seit 2015 um neun Millionen auf 48 Millionen angestiegen. Parallel dazu sind Anbau und Export von Agrarprodukten \u2013 insbesondere Zuckerrohr und Soja \u2013 auf ein Rekordniveau gestiegen. \u201eMit dem engen Fokus auf Produktionssteigerungen von wenigen Agrarg\u00fctern sind wir in Sachen Hungerbek\u00e4mpfung auf dem Holzweg. Dies veranschaulicht das aus den Fugen geratene Ern\u00e4hrungssystem: eine immer geringere Zahl von Investoren und Konzernen produziert und verkauft immer mehr Agrarprodukte, die nicht f\u00fcr die Ern\u00e4hrung der Hungernden bestimmt ist\u201c, so FIAN-Referentin Gertrud Falk.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAllzu oft wurden in den letzten Jahren Markt- und Expansionsstrategien von Agrar- und Ern\u00e4hrungskonzernen als Hungerbek\u00e4mpfung etikettiert\u201c, so Gertrud Falk weiter. \u201eUnd die Staaten \u2013 sowohl die Ziell\u00e4nder als auch die Geber von Entwicklungshilfe \u2013 haben sich auf diesen Verkaufstrick eingelassen\u201c, so Falk weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein gro\u00dfes Manko des FAO-Berichts sind nach Auffassung von FIAN die fehlenden Angaben zu Hungertoten. \u201eJedes Jahr sterben Millionen Menschen an Hunger. Es ist kaum zu glauben, dass es zu einem f\u00fcr die Menschheit so zentralen Thema keine belastbaren Zahlen gibt\u201c, so Philipp Mimkes.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hintergrund zu den Hungerzahlen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Weltern\u00e4hrungsorganisation FAO ver\u00f6ffentlich j\u00e4hrlich eine Sch\u00e4tzung zur Hungersituation weltweit. Dies geschieht klassisch mit dem Indikator \u201eVerbreitung von Unterern\u00e4hrung\u201c (engl. Prevalence of Undernourishment, kurz PoU). Der Indikator bezieht sich vor allem auf die Unterschreitung einer minimalen Versorgung mit Kalorien.<\/p>\n\n\n\n<p>Die am 13. Juli 2020 ver\u00f6ffentlichte Zahlenreihe liegt mehr als 100 Millionen niedriger als jene des Berichts vom Vorjahr. Die FAO begr\u00fcndet dies mit verbesserten Daten der letzten 20 Jahre, vor allem aus China. Eine Vergleichbarkeit mit \u00e4lteren Berichten ist daher nicht m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit drei Jahren ver\u00f6ffentlicht die FAO zudem Zahlen eines zweiten Indikators. Der so genannte Food Insecurity Experience Scale (FIES) beruht im Gegensatz zur kalorienbasierten Kalkulation auf konkreten Haushaltsbefragungen und kann besser unterschiedliche Schweregrade von Hunger messen. Demnach wird zwischen leichter, mittlerer und schwerer Ern\u00e4hrungsunsicherheit unterschieden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Laut aktuellem Weltern\u00e4hrungsbericht ist die Zahl chronisch hungernder Menschen im vergangenen Jahr um zehn Millionen angestiegen, bis Ende des Jahres 2020 wird durch COVID 19 ein weiterer Anstieg um 80 bis 130 Millionen bef\u00fcrchtet. Mehr als 20 Prozent aller Kinder unter f\u00fcnf Jahren sind in ihrem Wachstum beeintr\u00e4chtigt. In einer Stellungnahme weist die Menschenrechtsorganisation FIAN &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/industrielle-und-konzerndominierte-ernaehrungssysteme-von-politik-und-internationalen-abkommen-privilegiert-die-hungerzahlen-steigen-das-fuenfte-jahr-in-folge\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eIndustrielle und konzerndominierte Ern\u00e4hrungssysteme von Politik und internationalen Abkommen privilegiert, die Hungerzahlen steigen das f\u00fcnfte Jahr in Folge\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":47,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-296","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/296","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=296"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/296\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":318,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/296\/revisions\/318"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=296"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}