{"id":309,"date":"2020-08-20T17:09:42","date_gmt":"2020-08-20T15:09:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/?page_id=309"},"modified":"2020-09-06T12:48:29","modified_gmt":"2020-09-06T10:48:29","slug":"massive-arbeitsrechtsverletzungen-auf-weinfarmen-in-suedafrika","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/massive-arbeitsrechtsverletzungen-auf-weinfarmen-in-suedafrika\/","title":{"rendered":"Massive Arbeitsrechtsverletzungen auf Weinfarmen in S\u00fcdafrika"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Gewerkschaftliche Rechte in Lieferkettengesetz gefordert<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Studie &#8222;G\u00fcnstiger Wein, bitterer Nachgeschmack&#8220; der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und der Rosa-Luxemburg-Stiftung untersucht erstmals die direkten Lieferverbindungen von s\u00fcdafrikanischen Weinfarmen nach Deutschland: Schwere Verletzungen elementarer Rechte der s\u00fcdafrikanischen Besch\u00e4ftigten sind auf der Tagesordnung. Die Weinfarmen, die auch f\u00fcr den deutschen Markt produzieren, zahlen meist prek\u00e4re L\u00f6hne und behindern den gewerkschaftlichen Zusammenschluss; das in der EU seit langem verbotene hochgef\u00e4hrliche Herbizid Paraquat wird auf mehreren Farmen unter mangelhaftem Gesundheitsschutz gespr\u00fcht. Lediglich 1,4 Prozent vom Preis, den die Kundinnen und Kunden im Discounterregal in Deutschland zahlen, erreichen die Besch\u00e4ftigten vor Ort.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr>\n<img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-313\" title=\"Foto: Nata Uchava, Freiburg.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2020\/08\/NU-200820-rosalux-Weinfarmen-in-S%C3%BCdafrika.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\">\n<hr>\n&nbsp;\n\n\n\n<p><strong>(Berlin, 20. August 2020)<\/strong> Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und die Rosa-Luxemburg-Stiftung haben heute in Berlin gemeinsam die Studie \u201eG\u00fcnstiger Wein, bitterer Nachgeschmack\u201c ver\u00f6ffentlicht. Darin werden erstmals die direkten Lieferverbindungen von s\u00fcdafrikanischen Weinfarmen nach Deutschland untersucht. Die Studie weist nach, dass dabei schwere Verletzungen elementarer Rechte der Besch\u00e4ftigten auf der Tagesordnung sind. \u201eDie Weinfarmen, die auch f\u00fcr den deutschen Markt produzieren, zahlen meist prek\u00e4re L\u00f6hne und behindern den gewerkschaftlichen Zusammenschluss. Das ist mit der sozialen Verantwortung von Unternehmen nicht vereinbar und muss mit einem Lieferkettengesetz unterbunden werden\u201c, so die Vorstandsvorsitzende der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Dagmar Enkelmann, und das f\u00fcr den Handel zust\u00e4ndige ver.di-Bundesvorstandsmitglied, Stefanie Nutzenberger, anl\u00e4sslich der Ver\u00f6ffentlichung der Studie.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.rosalux.de\/fileadmin\/rls_uploads\/pdfs\/Studien\/Gu%CC%88nstiger_Wein__bitterer_Nachgeschmack.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2020\/08\/Gu\u0308nstiger_Wein__bitterer_Nachgeschmack-T.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-305\" width=\"320\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>\u201eBereits vor Corona war die Situation der Besch\u00e4ftigten auf den Weinfarmen extrem prek\u00e4r. Mit der Corona-Krise hat sich die Arbeitssituation dramatisch zugespitzt\u201c, erl\u00e4utert Enkelmann. Dabei sei die Liste der Arbeitsrechtsverletzungen sehr lang. So werde das in der EU seit langem verbotene hochgef\u00e4hrliche Herbizid Paraquat auf mehreren Farmen unter mangelhaftem Gesundheitsschutz gespr\u00fcht. \u201eDas Trinkwasser m\u00fcssen die Besch\u00e4ftigten aus verunreinigten Kan\u00e4len sch\u00f6pfen. Besonders die Situation von Leiharbeitern ist dramatisch. Sie wurden \u00fcber Jahre ohne soziale Sicherung ausgebeutet und stehen jetzt vor dem Nichts\u201c, so Enkelmann. Das sei mit sozialer Verantwortung nicht vereinbar und m\u00fcsse mit einem Lieferkettengesetz unterbunden werden.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;\u201eDie Arbeitsrechtsverletzungen auf den untersuchten Farmen sind nur die Spitze des Eisbergs\u201c, sagt Enkelmann. Auf den Farmen, die Tankwein f\u00fcr deutsche Superm\u00e4rkte produzierten, sei der wirtschaftliche Druck besonders hoch. \u201eIn diesem Bereich zahlen deutsche Importeure pro Liter Tankwein lediglich 60 Cent. Sie setzen die Produzenten in S\u00fcdafrika dadurch unter erheblichen Preisdruck\u201c, sagt Enkelmann. Laut Studie verbleiben nur 1,4 Prozent vom Preis, den die Kundinnen und Kunden im Discounterregal in Deutschland zahlen, bei den Besch\u00e4ftigten vor Ort. 60 Prozent der Preismarge teilen sich die importierende Kellerei und der Einzelhandel in Deutschland auf. Enkelmann fordert, angemessene Preise zu zahlen: \u201eEs liegt auch in der Verantwortung der deutschen Importeure, die massive Krise vor Ort zu lindern.\u201c Der s\u00fcdafrikanische Produzentenverband geht davon aus, dass aufgrund eines vor\u00fcbergehenden und erst k\u00fcrzlich aufgehobenen Alkoholverkaufsstopps 21.000<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Besch\u00e4ftigten vor Ort zahlen den Preis f\u00fcr diese uns\u00e4gliche Billigwein-Strategie\u201c, betont die Gewerkschafterin Stefanie Nutzenberger. \u201eBesonders die Ausbeutung von Saison- und Leiharbeitern, die aus den benachbarten Staaten kommen und durch Subunternehmer angestellt werden, ist so dramatisch, dass dies mit der W\u00fcrde der Menschen nicht vereinbar ist,\u201c so Nutzenberger. Besorgniserregend sei insbesondere auch die Verfolgung von gewerkschaftlichen Aktivit\u00e4ten gegen die extreme Ausbeutung: \u201eAuf mehreren untersuchten Farmen ist die Arbeit der s\u00fcdafrikanischen Gewerkschaft CSAAWU (Commercial Stevedoring Agricultural and Allied Workers Union) massiv behindert worden, bis hin zur Bedrohung und Entlassung von Gewerkschaftsaktivistinnen\u201c, sagt das ver.di-<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.rosalux.de\/en\/profile\/es_detail\/YQSYG8P211\/dagmar-enkelmann\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" width=\"180\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\"Foto: Rosa Luxembrug Stiftung.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2020\/08\/Dagmar-Enkelmann-quer.jpg\" alt=\"\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Dr. Dagmar Enkelmann ist Vorsitzende des Vorstandes der <a href=\"https:\/\/www.rosalux.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Rosa-Luxemburg-Stiftung<\/a>.<\/td><\/tr><tr><td><\/td><td><a href=\"https:\/\/www.rosalux.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2020\/08\/RLS_Export-Logo_de.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p>Andererseits zeige die Untersuchung: \u201eWo sich Arbeiterinnen und Arbeiter unter hohem pers\u00f6nlichen Risiko gewerkschaftlich organisieren, k\u00f6nnen deutliche Verbesserungen erreicht werden.\u201c Die Schlussfolgerung sei: \u201eWir d\u00fcrfen die Debatte um Menschenrechte in Lieferketten nicht vom Recht auf gewerkschaftliche Organisierung abkoppeln. Deutsche Handelsunternehmen sind aufgefordert, hier umgehend zu handeln und den ersten Schritt zu tun, damit Kollektivvertr\u00e4ge zur Voraussetzung f\u00fcr Lieferungsvereinbarungen mit Weinproduzenten in S\u00fcdafrika gemacht werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Nutzenberger machte zudem ihre klare Erwartung an die Bundesregierung bei der Umsetzung eines Lieferkettengesetzes deutlich: \u201eGewerkschaftliche Rechte und Vereinigungsfreiheit m\u00fcssen zum festen Bestandteil eines Lieferkettengesetzes werden, das deutsche Unternehmen zu verbindlichen sozialen, \u00f6kologischen und menschenrechtlichen Standards verpflichtet. Das ist l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Studie \u201eG\u00fcnstiger Wein, bitterer Nachgeschmack\u201c wird gemeinsam von der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), der Rosa-Luxemburg-Stiftung, dem Gewerkschaftsnetzwerk TIE (transnationals information exchange) sowie Partnerorganisationen aus S\u00fcdafrika herausgegeben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.rosalux.de\/fileadmin\/rls_uploads\/pdfs\/Studien\/Gu%CC%88nstiger_Wein__bitterer_Nachgeschmack.pdf\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" title=\" \" width=\"180\" class=\"aligncenter wp-image-313\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2020\/08\/Gu\u0308nstiger_Wein__bitterer_Nachgeschmack-T.jpg\"\" alt=\"\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Die Studie &#8222;G\u00fcnstiger Wein, bitterer Nachgeschmack&#8220; steht <a href=\"https:\/\/www.rosalux.de\/fileadmin\/rls_uploads\/pdfs\/Studien\/Gu%CC%88nstiger_Wein__bitterer_Nachgeschmack.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00fcber diesen Link zum Download als PDF<\/a> bereit.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gewerkschaftliche Rechte in Lieferkettengesetz gefordert Die Studie &#8222;G\u00fcnstiger Wein, bitterer Nachgeschmack&#8220; der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und der Rosa-Luxemburg-Stiftung untersucht erstmals die direkten Lieferverbindungen von s\u00fcdafrikanischen Weinfarmen nach Deutschland: Schwere Verletzungen elementarer Rechte der s\u00fcdafrikanischen Besch\u00e4ftigten sind auf der Tagesordnung. 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