{"id":413,"date":"2020-10-27T15:54:52","date_gmt":"2020-10-27T14:54:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/?page_id=413"},"modified":"2020-10-27T15:54:53","modified_gmt":"2020-10-27T14:54:53","slug":"mehr-als-jedes-zweite-haehnchen-aus-europas-groessten-gefluegel-schlachtereien-mit-antibiotikaresistenten-erregern-belastet","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/mehr-als-jedes-zweite-haehnchen-aus-europas-groessten-gefluegel-schlachtereien-mit-antibiotikaresistenten-erregern-belastet\/","title":{"rendered":"Mehr als jedes zweite H\u00e4hnchen aus Europas gr\u00f6\u00dften Gefl\u00fcgel-Schlachtereien mit antibiotikaresistenten Erregern belastet"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Tier\u00e4rzte in der EU verbrauchen mehr Antibiotika f\u00fcr Tiere als die Humanmedizin f\u00fcr kranke Menschen. Der massive Antibiotikaeinsatz insbesondere in der industriellen Tierhaltung ist neben der Ansteckung in Krankenh\u00e4usern und nicht fachgerechter Anwendung von Antibiotika einer der Hauptgr\u00fcnde f\u00fcr die Zunahme der Antibiotika-Resistenzen, durch die in Europa j\u00e4hrlich 33.000 Menschen sterben. Im Schnitt schleppt mehr als jedes dritte H\u00e4hnchen sogar antibiotikaresistente Krankheitserreger mit Resistenzen gegen Notfall-Antibiotika (Reserveantibiotika) in die Lebensmittelkette ein; Reserveantibiotika sollten laut Weltgesundheitsorganisation WHO ausschlie\u00dflich f\u00fcr Menschen vorbehalten sein, da sie im Notfall ben\u00f6tigt werden, wenn herk\u00f6mmliche Antibiotika bereits nicht mehr wirken.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr>\n<img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-313\" title=\"Grafik: Germanwatch.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2020\/10\/Haehnchenstudie-2020-Reserveantibiotika.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\">\n<hr>\n&nbsp;\n\n\n\n<p><strong>(Berlin, 27. Oktober 2020)<\/strong> Mehr als jede zweite H\u00e4hnchenfleischprobe (im Durchschnitt 51 Prozent) aus den drei gr\u00f6\u00dften Gefl\u00fcgelkonzernen Europas ist mit Resistenzen gegen ein oder sogar gegen mehrere Antibiotika gleichzeitig belastet. Im Schnitt schleppt mehr als jedes dritte H\u00e4hnchen (35 Prozent) sogar antibiotikaresistente Krankheitserreger mit Resistenzen gegen Notfall-Antibiotika (Reserveantibiotika) in die Lebensmittelkette ein. Dies sind die alarmierenden Ergebnisse einer heute ver\u00f6ffentlichten Studie im Auftrag der Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation Germanwatch und von \u201e\u00c4rzte gegen Massentierhaltung\u201c. Der Stichprobentest umfasste 165 H\u00e4hnchenfleischproben der drei Konzerne, gekauft in Deutschland, Frankreich, Polen, den Niederlanden und Spanien.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Die h\u00f6chste Kontaminationsrate wiesen die Proben des Gefl\u00fcgelkonzerns PHW auf. Bei 59 Prozent der H\u00e4hnchenfleischproben wurden antibiotikaresistente Krankheitserreger gefunden. Damit waren die gefundenen Resistenzraten noch h\u00f6her als bei j\u00fcngsten H\u00e4hnchenfleischuntersuchungen deutscher Beh\u00f6rden, bei denen rund die H\u00e4lfte der Proben kontaminiert war. Zum Konzern PHW geh\u00f6ren unter anderem die Marken Wiesenhof und Drobimex (Polen). Jede vierte PHW-Probe schleppt MRSA in die Lebensmittelkette ein. Dabei weist jede dritte H\u00e4hnchenfleischprobe des PHW-Konzerns (Stammsitz in Deutschland) Resistenzen gegen Reserveantibiotika auf. Diese sollten laut Weltgesundheitsorganisation WHO f\u00fcr Menschen vorbehalten sein, da sie im Notfall ben\u00f6tigt werden, wenn herk\u00f6mmliche Antibiotika bereits nicht mehr wirken. Die EU-Kommission will in diesen Wochen entscheiden, ob diese Notfall-Antibiotika mit h\u00f6chster Priorit\u00e4t f\u00fcr Menschen weiter in der Massentierhaltung eingesetzt werden d\u00fcrfen.<\/li><li>H\u00e4hnchenfleisch der franz\u00f6sischen LDC-Gruppe erweist sich mit 57 Prozent kontaminierter Proben als kaum weniger belastet als PHW-Fleisch. Zur LDC-Gruppe geh\u00f6ren die Marken Le Gaulois und Maitre Coq. Der gr\u00f6\u00dfte EU-Gefl\u00fcgelkonzern LDC liefert mit einer Belastungsrate von 45 Prozent Probenanteil mit Reserveantibiotika-Resistenzen einen starken Beleg f\u00fcr die Notwendigkeit des EU-weiten Verbots dieser f\u00fcr Menschen wichtigsten Antibiotika in der industriellen Tierhaltung.<\/li><li>Bei Fleisch des Gefl\u00fcgelkonzerns Plukon (Niederlande) birgt gut jede dritte H\u00e4hnchenprobe Antibiotikaresistenzen (36 Prozent), jede vierte H\u00e4hnchenprobe auch gegen Reserveantibiotika. Plukon-Fleisch weist im vorliegenden Vergleich die h\u00f6chste Rate an ESBL-produzierenden Krankheitserregern auf, wodurch besonders erkrankte, \u00e4ltere Menschen und Kleinstkinder gef\u00e4hrdet werden k\u00f6nnen. Zum Plukon-Konzern geh\u00f6ren die Marken Stolle und Friki.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>In Europa sterben j\u00e4hrlich 33.000 Menschen, weil Antibiotika nicht mehr wirken. Tier\u00e4rzte in der EU verbrauchen mehr Antibiotika f\u00fcr Tiere als die Humanmedizin f\u00fcr kranke Menschen. Der massive Antibiotikaeinsatz insbesondere in der industriellen Tierhaltung ist neben der Ansteckung in Krankenh\u00e4usern und nicht fachgerechter Anwendung von Antibiotika einer der Hauptgr\u00fcnde f\u00fcr die Zunahme der Resistenzen. Aufgenommen werden k\u00f6nnen antibiotikaresistente Krankheitserreger zum Beispiel bei der Fleischzubereitung, wenn resistente Erreger etwa beim Fleischschneiden auf K\u00fcchenutensilien oder Rohkost gelangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Reinhild Benning, Expertin f\u00fcr Tierhaltung bei Germanwatch: \u201eDie hohen Resistenzraten \u2011 besonders gegen Reserveantibiotika \u2013 haben uns \u00fcberrascht und schockiert. Antibiotikaresistenzen sind ein enormes Gesundheitsrisiko f\u00fcr Menschen. Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie ben\u00f6tigen Covid-Patientinnen und -Patienten oft wegen bakterieller Begleiterkrankungen wirksame Antibiotika. Kontaminiertes Gefl\u00fcgelfleisch aus industrieller Massentierhaltung kann dazu beitragen, dass sogar die letzten wirksamen Antibiotika immer h\u00e4ufiger versagen. Br\u00fcssel hat der Fleischindustrie schon zu viele Extraw\u00fcrste genehmigt. Jetzt muss sie der Rettung von Menschenleben Priorit\u00e4t geben vor der industriellen Billigfleischproduktion. Notfall-Antibiotika in Tierfabriken m\u00fcssen verboten werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a href=\"https:\/\/www.germanwatch.org\/de\/users\/reinhildbenning\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\"Foto: Germanwatch.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2020\/10\/Foto-Reinhild-Benning-zugeschnitten.jpg\" alt=\"\" width=\"180\" \/><\/a><\/td><td width=\"75%\">Reinhild Benning ist Expertin f\u00fcr Tierhaltung bei <a href=\"https:\/\/www.germanwatch.org\/de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Germanwatch<\/a>.<\/td><\/tr><tr><td> <\/td><td><a href=\"https:\/\/www.germanwatch.org\/de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2019\/08\/logoGermanwatch.png\" alt=\"\" width=\"180\" \/><\/a><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p>Prof. Dr. S\u00f6ren Gatermann, Leiter der Untersuchung im Nationalen Referenzzentrum f\u00fcr gramnegative Krankenhauserreger (Bochum): \u201eDie hohe Rate an Proben mit Fluorochinolonresistenz und die Nachweise von MRSA haben \u00fcberrascht. Schlie\u00dflich sind Chinolone wichtige Antibiotika f\u00fcr die Therapie auch schwerer Infektionen beim Menschen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Imke L\u00fchrs, Vorstand von \u201e\u00c4rzte gegen Massentierhaltung\u201c: \u201eDie EU-Kommission kann und muss die von der Weltgesundheitsorganisation WHO definierten Antibiotika mit h\u00f6chster Priorit\u00e4t f\u00fcr Menschen vorbehalten. Andernfalls w\u00e4re sie mitverantwortlich, wenn noch mehr schwerkranke Patienten an Infektionen mit resistenten Keimen versterben. Wir \u00c4rzte sind auf die Reserveantibiotika in vielen Gebieten der modernen Medizin angewiesen, so in der Tumortherapie, bei Transplantationen, bei Fr\u00fchgeborenen, gro\u00dfen Operationen und schweren Unf\u00e4llen. Dass Reserveantibiotika dazu dienen, das System der industriellen Tierhaltung m\u00f6glich zu machen, ist unertr\u00e4glich. Wir brauchen wirksame Tierschutzgesetze und ein Verbot der Reserveantibiotika im Stall.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend der Antibiotikaverbrauch bei Tier\u00e4rzten in einigen EU-L\u00e4ndern wie Deutschland laut EU-Beh\u00f6rden sinkt, gehen die Resistenzraten nicht einheitlich zur\u00fcck. Laut Bundeslandwirtschaftsministerium sank der Antibiotikaverbrauch bei Masth\u00e4hnchen in Deutschland von 2014 bis 2017 ohnehin nur um gerade einmal 0,9 Prozent. Hohe Resistenzraten gelten als Indiz, dass die Tiere und damit ihre Keimflora kontinuierlich mit Antibiotika konfrontiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Germanwatch und \u201e\u00c4rzte gegen Massentierhaltung\u201c fordern von der EU-Kommission den gef\u00e4hrlichen Einsatz von Reserveantibiotika in der Tierhaltung zu verbieten. Verbraucherinnen und Verbrauchern r\u00e4t Germanwatch: Wenn sie Gefl\u00fcgelfleisch kaufen wollen, dann am besten aus \u00f6kologischer Erzeugung oder aus Hofschlachtung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zur Studie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Nationalen Referenzzentrum f\u00fcr gramnegative Krankenhauserreger (Bochum) wurden insgesamt 165 H\u00e4hnchenfleischproben untersucht. Sie stammen von den drei gr\u00f6\u00dften Gefl\u00fcgelkonzernen in der EU: Der franz\u00f6sischen LDC-Gruppe, PHW (Deutschland) und dem niederl\u00e4ndischen Plukon-Konzern. Die Proben wurden in Filialen von Lidl und Aldi in Polen, Deutschland, Frankreich und Spanien oder direkt bei den relevanten Schlachth\u00f6fen in Deutschland und den Niederlanden gekauft.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.germanwatch.org\/sites\/germanwatch.org\/files\/2020%20Studie%20%27H%C3%A4hnchenfleisch%20im%20Test%20auf%20Resistenzen%20gegen%20Reserveantibiotika%27%2C%20Germanwatch.pdf\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" title=\" \" width=\"180\" class=\"aligncenter wp-image-313\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2020\/10\/2020-Studie-Haehnchenfleisch-Reserveantibiotika-T.jpg\" alt=\"\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Die Studie &#8222;H\u00e4hnchenfleisch im Test auf Resistenzen gegen Reserveantibiotika&#8220; steht \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.germanwatch.org\/sites\/germanwatch.org\/files\/2020%20Studie%20%27H%C3%A4hnchenfleisch%20im%20Test%20auf%20Resistenzen%20gegen%20Reserveantibiotika%27%2C%20Germanwatch.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">diesen Link zum Download als PDF<\/a> bereit.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.germanwatch.org\/sites\/germanwatch.org\/files\/Deutsche%20Zusammenfassung%20H%C3%A4hnchenfleisch%20im%20Test%202020.pdf\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" title=\" \" width=\"180\" class=\"aligncenter wp-image-313\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2020\/10\/2020-Studie-Haehnchenfleisch-Reserveantibiotika-Zusammenfassung-T.jpg\" alt=\"\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Eine Zusammenfassung der Studie &#8222;H\u00e4hnchenfleisch im Test auf Resistenzen gegen Reserveantibiotika&#8220; steht \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.germanwatch.org\/sites\/germanwatch.org\/files\/Deutsche%20Zusammenfassung%20H%C3%A4hnchenfleisch%20im%20Test%202020.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">diesen Link zum Download als PDF<\/a> bereit.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.germanwatch.org\/sites\/germanwatch.org\/files\/Laborergebnisse%20und%20Auswertung%20der%20%27H%C3%A4hnchenstudie%27%2C%20Aug-Sep.%202020.pdf\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" title=\" \" width=\"180\" class=\"aligncenter wp-image-313\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2020\/10\/2020-Studie-Haehnchenfleisch-Reserveantibiotika-Laborergebnisse-und-Auswertung-T.jpg\" alt=\"\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Laborergebnisse und die Auswertung der Studie &#8222;H\u00e4hnchenfleisch im Test auf Resistenzen gegen Reserveantibiotika&#8220; stehen \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.germanwatch.org\/sites\/germanwatch.org\/files\/Laborergebnisse%20und%20Auswertung%20der%20%27H%C3%A4hnchenstudie%27%2C%20Aug-Sep.%202020.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">diesen Link zum Download als PDF<\/a> bereit.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tier\u00e4rzte in der EU verbrauchen mehr Antibiotika f\u00fcr Tiere als die Humanmedizin f\u00fcr kranke Menschen. Der massive Antibiotikaeinsatz insbesondere in der industriellen Tierhaltung ist neben der Ansteckung in Krankenh\u00e4usern und nicht fachgerechter Anwendung von Antibiotika einer der Hauptgr\u00fcnde f\u00fcr die Zunahme der Antibiotika-Resistenzen, durch die in Europa j\u00e4hrlich 33.000 Menschen sterben. 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