{"id":421,"date":"2021-01-07T14:17:16","date_gmt":"2021-01-07T13:17:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/?page_id=421"},"modified":"2021-01-07T14:18:40","modified_gmt":"2021-01-07T13:18:40","slug":"fleischatlas-2021-daten-und-fakten-zu-tieren-als-lebensmittel","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/fleischatlas-2021-daten-und-fakten-zu-tieren-als-lebensmittel\/","title":{"rendered":"Fleischatlas 2021: Daten und Fakten zu Tieren als Lebensmittel"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Seit 2010 ist in Deutschland die Tierzahl pro Betrieb bei Mastschweinen von 398 auf 653 gestiegen, auf immer weniger H\u00f6fen leben immer mehr Tiere. Niedrige Preise machen es den B\u00e4uerinnen und Bauern schwer, auf die gestiegenen Anforderungen nach mehr Umweltschutz und mehr Tierwohl zu reagieren. Die Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung und der Bund f\u00fcr Umwelt und Naturschutz Deutschland fordern von der deutschen und europ\u00e4ischen Politik einen grundlegenden Umbau der Fleischproduktion und gezielte Strategien f\u00fcr einen Verbrauchsr\u00fcckgang um mindestens die H\u00e4lfte.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>(Berlin, 6. Januar 2021)<\/strong> Die Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung und der Bund f\u00fcr Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordern von der deutschen und europ\u00e4ischen Politik einen grundlegenden Umbau der Fleischproduktion und gezielte Strategien f\u00fcr einen Verbrauchsr\u00fcckgang um mindestens die H\u00e4lfte. Der heute ver\u00f6ffentlichte \u201eFleischatlas 2021\u201c zeige, dass die weltweite Fleischproduktion ohne Kurswechsel bis 2028 um 40 Millionen auf rund 360 Millionen Tonnen im Jahr steigen k\u00f6nnte. Eine derartige Zunahme bei einem weiterhin zu hohen Pro-Kopf-Konsum in den Industriel\u00e4ndern versch\u00e4rfe die Auswirkungen der Klimakrise f\u00fcr viele Menschen weltweit, denn schon jetzt verursache die Tierhaltung 14,5 Prozent der globalen Emissionen. Zudem bef\u00f6rdere die Fleischproduktion den globalen Artenschwund massiv.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"320\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2021\/01\/Fleischatlas2021-Q.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-419\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger insbesondere der j\u00fcngeren Generationen verlangten zudem deutliche Ver\u00e4nderungen: Eine repr\u00e4sentative Umfrage im \u201eFleischatlas 2021\u201c zeigt, dass mehr als 70 Prozent der 15 bis 29-J\u00e4hrigen die Fleischproduktion in Deutschland in ihrer jetzigen Form ablehnen. Vierzig Prozent der Befragten geben an, wenig Fleisch zu essen und 13 Prozent ern\u00e4hren sich ausschlie\u00dflich vegetarisch oder vegan \u2013 doppelt so viele wie im Gesamtdurchschnitt der Bev\u00f6lkerung. Begr\u00fcndet ist die kritische Haltung nicht zuletzt durch die deutliche Ablehnung der Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie, die mehr als 70 Prozent der Befragten als absto\u00dfend empfinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Barbara Unm\u00fc\u00dfig, Vorstand der Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung, sagte: \u201eDie industrielle Fleischproduktion ist nicht nur f\u00fcr prek\u00e4re Arbeitsbedingungen verantwortlich, sondern vertreibt Menschen von ihrem Land, befeuert Waldrodungen, Pestizideins\u00e4tze und Biodiversit\u00e4tsverluste \u2013 und ist einer der wesentlichen Treiber der Klimakrise. Alleine die f\u00fcnf gr\u00f6\u00dften Fleisch- und Milchkonzerne emittieren mit 578 Millionen Tonnen so viel klimasch\u00e4dliche Gase wie der gr\u00f6\u00dfte \u00d6lmulti (Exxon) der Welt und erheblich mehr als Frankreich oder Gro\u00dfbritannien.\u201c Der Wachstumstrend in der globalen Fleischproduktion sei trotz Schweinepest im Kern ungebrochen. Immerhin ende in Deutschland als westeurop\u00e4ischem Schlusslicht wenigstens dank der Gewerkschaften nun die Zeit der Leiharbeit und Werkvertr\u00e4ge.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eTrotz Covid-Krise in den deutschen Schlachth\u00f6fen und dem von Frau Kl\u00f6ckner einberufenen Fleischgipfel im Sommer: Eine echte Fleischwende ist nicht eingeleitet. Keine Werkvertr\u00e4ge mehr sind zwar ein gutes Zeichen, ein Ende der Ausbeutung markieren sie aber nicht. Die wirtschaftlichen Interessen der milliardenschweren Fleischindustrie und die Reformverweigerung der Politik halten uns auf einem dramatischen Irrweg, der die \u00f6kologischen Grenzen des Planeten sprengt. Das sehen inzwischen auch die j\u00fcngeren Generationen so: Sie akzeptieren das Gesch\u00e4ftsmodell der Fleischindustrie nicht mehr. \u00dcber 70 Prozent sind bereit, mehr f\u00fcr Fleisch zu zahlen, wenn die Produktionsbedingungen sich grundlegend \u00e4ndern\u201c, so Unm\u00fc\u00dfig weiter. \u201eDoch viel entscheidender ist: Eine Mehrheit von \u00fcber 80 Prozent sieht vor allem die Politik in der Pflicht, endlich f\u00fcr eine bessere Tierhaltung und eine klimafreundliche Ern\u00e4hrung einzutreten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Olaf Bandt, Vorsitzender des BUND, sagte: \u201eDie Politik muss dem gesellschaftlichen Wunsch nach dem Umbau der Tierhaltung Rechnung tragen. Dies erfordert eine weitreichende politische Neuausrichtung der Agrarpolitik, aber die Agrarwende wird ohne eine Ern\u00e4hrungswende nicht zu schaffen sein. Niedrige Preise machen es den B\u00e4uerinnen und Bauern schwer, auf die gestiegenen Anforderungen nach mehr Umweltschutz und mehr Tierwohl zu reagieren. Daher sind die derzeitigen Proteste der B\u00e4uerinnen und Bauern gegen die Preispolitik des Lebensmitteleinzelhandels vollkommen richtig. Auch deshalb muss Frau Kl\u00f6ckner ihre Verantwortung wahrnehmen und die Ergebnisse des Kompetenznetzwerks Nutztierhaltung umsetzen. Denn damit w\u00fcrde eine tierschutzgerechte Tierhaltung endlich verl\u00e4ssliche finanzielle Grundlagen bekommen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Deutschland hat die Spitzenposition bei der Erzeugung von Schweinefleisch und Milch in der EU und erreicht Marktanteile von \u00fcber 20 Prozent. Bandt: \u201eRiesige Mengen werden exportiert. Diese Abh\u00e4ngigkeit vom Weltmarkt schadet der Umwelt, den Tieren und den b\u00e4uerlichen Betrieben. Auf immer weniger H\u00f6fen leben immer mehr Tiere. Wir d\u00fcrfen hier keine weiteren b\u00e4uerlichen Betriebe verlieren, wenn wir den Umbau schaffen wollen.\u201c Seit 2010 ist die Tierzahl pro Betrieb bei Mastschweinen von 398 auf 653 gestiegen. Bedenklich sei, dass die Zahlen bei Schweinen besonders in Nordrhein-Westfalen und Niedersachen gestiegen sind, dort, wo bereits \u00fcberdurchschnittlich viele Tiere gehalten werden. Damit wird die Verschmutzung des Grundwassers in diesen Regionen weiter versch\u00e4rft.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.boell.de\/de\/person\/barbara-unmuessig\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" width=\"180\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\"Foto: Bettina Keller (Heinrich Boell Stiftung).\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2021\/01\/Barbara_Unmuessig_c_Bettina_Keller-heinrich-boell-K.jpg\" alt=\"\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Barbara Unm\u00fc\u00dfig ist Vorstand der <a href=\"https:\/\/www.boell.de\/de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung<\/a>.<\/td><\/tr><tr><td><\/td><td><a href=\"https:\/\/www.boell.de\/de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2021\/01\/LogoHBS.jpg\" alt=\"\" width=\"150\"><\/a><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.boell.de\/de\/fleischatlas\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" title=\" \" width=\"180\" class=\"aligncenter wp-image-313\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2021\/01\/Fleischatlas2021-T.jpg\" alt=\"\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Der Fleischatlas 2021 steht <a href=\"https:\/\/www.boell.de\/de\/fleischatlas\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00fcber diesen Link zum Download<\/a> bereit. Der Atlas bietet auf \u00fcber 50 Seiten und in \u00fcber 80 Grafiken zahlreiche Daten und Fakten \u00fcber Fleischproduktion und -konsum in Deutschland und weltweit. Der Atlas kann f\u00fcr Unterrichtszwecke auch klassensatzweise bei der <a href=\"https:\/\/www.boell.de\/de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung<\/a> bestellt werden.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit 2010 ist in Deutschland die Tierzahl pro Betrieb bei Mastschweinen von 398 auf 653 gestiegen, auf immer weniger H\u00f6fen leben immer mehr Tiere. Niedrige Preise machen es den B\u00e4uerinnen und Bauern schwer, auf die gestiegenen Anforderungen nach mehr Umweltschutz und mehr Tierwohl zu reagieren. 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