{"id":461,"date":"2021-02-18T16:43:18","date_gmt":"2021-02-18T15:43:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/?page_id=461"},"modified":"2021-02-18T17:06:24","modified_gmt":"2021-02-18T16:06:24","slug":"unfaire-handelspraktiken-knebelliste-deutscher-supermaerkte-setzt-lieferanten-unter-druck","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/unfaire-handelspraktiken-knebelliste-deutscher-supermaerkte-setzt-lieferanten-unter-druck\/","title":{"rendered":"Unfaire Handelspraktiken: Knebelliste deutscher Superm\u00e4rkte setzt Lieferanten unter Druck"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Zulieferer m\u00fcssen dreiste Vertragskonditionen akzeptieren, den Preis zahlen am Ende die Erzeuger*innen und Plantagenarbeiter*innen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Lieferanten im deutschen Lebensmitteleinzelhandel m\u00fcssen teils absurde Konditionen akzeptieren, um ihre Produkte in deutschen Superm\u00e4rkten verkaufen zu k\u00f6nnen. Insgesamt hat Oxfam 100 Rabatt- und Konditionenforderungen zusammengetragen, die Palette reicht von Renovierungs- und Expansionsboni \u00fcber Liefermengenausfallgeb\u00fchren bis hin zu Ausgleichsrabatt und Ertragsausgleich. &#8222;Lieferanten m\u00fcssen also zahlen, wenn der Supermarkt eine Filiale renoviert, sie bezahlen Abschl\u00e4ge, wenn Ertr\u00e4ge hinter den Erwartungen des Handels zur\u00fcckbleiben, und wenn Waren nicht vor dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums verkauft sind, m\u00fcssen sie die Kosten ebenfalls mit \u00fcbernehmen&#8220;, so Oxfam-Agrarexpertin Marita Wiggerthale.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr>\n<img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-313\" title=\"Foto: Nata Uchava, Freiburg.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2021\/02\/NU-210218-oxfam.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\">\n<hr>\n&nbsp;\n\n\n\n<p><strong>(Berlin, 9. Februar 2021)<\/strong> Oxfam hat erstmals eine umf\u00e4ngliche Liste von Rabatt- und Konditionenforderungen recherchiert, die im deutschen Lebensmitteleinzelhandel eingesetzt werden. Die Lieferanten m\u00fcssen teils absurde Konditionen akzeptieren, um ihre Produkte in deutschen Superm\u00e4rkten verkaufen zu k\u00f6nnen. Oxfam fordert den Bundestag auf, den Gesetzentwurf gegen unfaire Handelspraktiken zu versch\u00e4rfen und unfaire Handelspraktiken sowie den Verkauf von Produkten zu Dumpingpreisen generell zu verbieten.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt hat Oxfam 100 Rabatt- und Konditionenforderungen zusammengetragen, 40 davon werden in der Knebelliste n\u00e4her ausgef\u00fchrt. Die Palette der in der Liste aufgef\u00fchrten unfairen Handelspraktiken reicht von Renovierungs- und Expansionsboni \u00fcber Liefermengenausfallgeb\u00fchren bis hin zu Ausgleichsrabatt und Ertragsausgleich. \u201eLieferanten m\u00fcssen also zahlen, wenn der Supermarkt eine Filiale renoviert, sie bezahlen Abschl\u00e4ge, wenn Ertr\u00e4ge hinter den Erwartungen des Handels zur\u00fcckbleiben und wenn Waren nicht vor dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums verkauft sind, m\u00fcssen sie die Kosten ebenfalls mit \u00fcbernehmen\u201c, erkl\u00e4rt Marita Wiggerthale, Agrarexpertin bei Oxfam Deutschland.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Knebelliste hat Oxfam Zulieferer deutscher Superm\u00e4rkte, Discounter, Biom\u00e4rkte und Drogerien befragt. Alle aufgef\u00fchrten Konditionen stehen so in ihren Vertr\u00e4gen. Aus Angst davor, ihre Abnehmer zu verlieren, wollen die Zulieferer anonym bleiben. Sie berichten von gro\u00dfem Druck der Superm\u00e4rkte, die Situation habe sich in den letzten zehn Jahren verschlimmert. \u201eDie Supermarktketten nutzen ihre Macht aus, um ihren Lieferanten dreiste Konditionen zu diktieren. Es darf aber nicht sein, dass Superm\u00e4rkte systematisch Kosten, die bei ihnen selbst anfallen, auf ihre Lieferanten abw\u00e4lzen und r\u00fccksichtslos die Preise dr\u00fccken\u201c, so Wiggerthale. In Deutschland dominieren die vier Supermarktketten Edeka, die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland), Rewe und Aldi den Lebensmittelhandel mit einem Marktanteil von mehr als 85 Prozent.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Den Preis f\u00fcr den Kostendruck zahlen die Erzeuger*innen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Durch die unfairen Forderungen wird die Marge, die Lieferanten erhalten, immer kleiner. Diesen Preis- und Kostendruck geben die Lieferanten entlang der Lieferkette an die Erzeuger*innen und Arbeiter*innen weiter. Die Folge: Landwirtschaftliche Familienbetriebe erhalten ruin\u00f6se Preise f\u00fcr ihre Produkte, viele werden gezwungen, ihre H\u00f6fe aufzugeben. Den Preis zahlen au\u00dferdem die Arbeiter*innen auf Bananen-, Trauben- oder Teeplantagen, die f\u00fcr Hungerl\u00f6hne ihre Gesundheit riskieren. \u201eVerkaufspreise im Laden sollten die Deckung von Produktionskosten innerhalb der Lieferkette erlauben &#8211; dazu geh\u00f6ren auch existenzsichernde Preise und L\u00f6hne\u201c, so Marita Wiggerthale.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gesetzentwurf gegen unfaire Handelspraktiken muss versch\u00e4rft werden<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Anlass f\u00fcr die Analyse der Rabatt- und Konditionenforderungen ist die Umsetzung der EU-Richtlinie 2019\/633 gegen Unfaire Handelspraktiken, die Lieferbeziehungen im Lebensmittel\u00adhandel fairer gestalten soll. Die Richtlinie muss bis zum 1. Mai 2021 in deutsches Recht \u00fcbertragen werden, der Gesetzesentwurf der Bundesregierung wird aktuell im Bundestag diskutiert. Bisher bleiben aber viele Schlupfl\u00f6cher, um die bestehenden Verbote zu umgehen. Oxfam fordert ein generelles Verbot von unfairen Handelspraktiken, parallel sollte die Verbotsliste der unfairen Praktiken regelm\u00e4\u00dfig aktualisiert werden, um auf Umgehungsverhalten der Supermarktketten zu reagieren. Dumpingpreise sollten ebenso verboten werden. Daf\u00fcr braucht es eine Ombudsstelle, bei der Zulieferer Dumpingpreise und unfaire Handelspraktiken anonym melden k\u00f6nnen, sowie eine Preisbeobachtungsstelle, die Richtwerte f\u00fcr kostendeckende und existenzsichernde Preise entwickelt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.oxfam.de\/kontakt\/marita-wiggerthale\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\"Foto: oxfam, Henning L\u00fcders.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2021\/02\/mwiggerthale-K.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Marita Wiggerthale ist Referentin f\u00fcr Weltern\u00e4hrung und globale Agrarfragen bei <a href=\"https:\/\/www.oxfam.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">OXFAM Deutschland<\/a>.<\/td><\/tr><tr><td><\/td><td><a href=\"https:\/\/www.oxfam.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2018\/09\/OXFAM.png\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.oxfam.de\/system\/files\/documents\/oxfam_2021_knebelvertrage.pdf\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" title=\" \" class=\"aligncenter wp-image-313\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2021\/02\/oxfam_2021_knebelvertrage-T.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Das Factsheet &#8222;Knebelvertr\u00e4ge im Lebensmittelhandel &#8211; Wie Supermarktketten Lieferanten unfaire Handelspraktiken und\nDumpingpreise aufzwingen&#8220; steht <a href=\"https:\/\/www.oxfam.de\/system\/files\/documents\/oxfam_2021_knebelvertrage.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00fcber diesen Link zum Download als PDF<\/a> bereit.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.oxfam.de\/system\/files\/documents\/oxfam_spanien_verbot_einkauf_unterhalb_von_produktionskosten.pdf\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" title=\" \" class=\"aligncenter wp-image-313\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2021\/02\/oxfam_spanien_verbot_einkauf_unterhalb_von_produktionskosten-T.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">In Spanien gibt es bereits ein Gesetz, dass den Einkauf von Produkten unterhalb der Produktionskosten verbietet. Mehr Informationen dazu in der Analyse von Marita Wiggerthale stehen <a href=\"https:\/\/www.oxfam.de\/system\/files\/documents\/oxfam_spanien_verbot_einkauf_unterhalb_von_produktionskosten.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00fcber diesen Link zum Download als PDF<\/a> bereit.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zulieferer m\u00fcssen dreiste Vertragskonditionen akzeptieren, den Preis zahlen am Ende die Erzeuger*innen und Plantagenarbeiter*innen Lieferanten im deutschen Lebensmitteleinzelhandel m\u00fcssen teils absurde Konditionen akzeptieren, um ihre Produkte in deutschen Superm\u00e4rkten verkaufen zu k\u00f6nnen. Insgesamt hat Oxfam 100 Rabatt- und Konditionenforderungen zusammengetragen, die Palette reicht von Renovierungs- und Expansionsboni \u00fcber Liefermengenausfallgeb\u00fchren bis hin zu Ausgleichsrabatt und Ertragsausgleich. &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/unfaire-handelspraktiken-knebelliste-deutscher-supermaerkte-setzt-lieferanten-unter-druck\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eUnfaire Handelspraktiken: Knebelliste deutscher Superm\u00e4rkte setzt Lieferanten unter Druck\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":38,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-461","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/461","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=461"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/461\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":463,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/461\/revisions\/463"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=461"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}