{"id":470,"date":"2021-04-19T17:54:21","date_gmt":"2021-04-19T15:54:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/?page_id=470"},"modified":"2021-04-19T17:54:22","modified_gmt":"2021-04-19T15:54:22","slug":"deutsche-akteure-schueren-landknappheit-in-sambia","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/deutsche-akteure-schueren-landknappheit-in-sambia\/","title":{"rendered":"Deutsche Akteure sch\u00fcren Landknappheit in Sambia"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Die Firma Amatheon Agri aus Berlin hat im Distrikt Mumbwa eine Fl\u00e4che etwa so gro\u00df wie den Bodensee aufgekauft. Dort wird jetzt vor allem Soja und Mais in riesigen Monokulturen angebaut, in Teilen zusammen mit Toyota aus Japan. Dazu die Menschenrechtsorganisation FIAN: &#8222;Mit solchen Mega-Investitionen bilden sich Strukturen, die an unsere feudalen Strukturen im Mittelalter erinnern. Geradezu makaber ist, dass die deutsche Entwicklungshilfe durch die Kreditvergabe an Agrarinvestoren auch noch Kasse macht.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr>\n<img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-313\" title=\"Foto: Nata Uchava, Freiburg.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2021\/04\/NU-210419-Landlose.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\">\n<hr>\n&nbsp;\n\n\n\n<p><strong>(K\u00f6ln, 16. April 2021)<\/strong> Anl\u00e4sslich des Tags der Landlosen am 17. April macht die Menschenrechtsorganisation FIAN auf die problematische Rolle deutscher Investoren beim Kauf riesiger Landfl\u00e4chen in Sambia aufmerksam. FIAN hat in der vergangenen Woche ein Treffen betroffener Gemeinden mit Investoren organisiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Zugang zu Land und Wasser sind die alles entscheidenden Faktoren, um sich im l\u00e4ndlichen Sambia ern\u00e4hren zu k\u00f6nnen. Das Menschenrecht auf Nahrung wird jedoch vielfach durch industrielle Megafarmen bedroht. B\u00e4uerinnen und Bauern werden von ihrem Land verdr\u00e4ngt und vertrieben. Dabei ern\u00e4hren die Nahrungsmittel, die Sie auf ihrem Land produzieren, 90 Prozent der sambischen Bev\u00f6lkerung. \u201eB\u00e4uerliche Betriebe bilden das R\u00fcckgrat des sambischen Ern\u00e4hrungssystems\u201c, betont Roman Herre, Agrarreferent von FIAN Deutschland.<\/p>\n\n\n\n<p>FIAN untersucht seit einigen Jahren mehrere riesige Landinvestition und tauscht sich regelm\u00e4\u00dfig mit der Bev\u00f6lkerung vor Ort aus. Die Ergebnisse sind erschreckend: Im Distrikt Mpongwe wurden 2018 Familien gewaltsam f\u00fcr den gr\u00f6\u00dften Landbesitzer Sambias, die Firma Zambeef, vertrieben. Im Distrikt Mkushi haben arme Familien ihr letztes St\u00fcck Land f\u00fcr den Anbau von Nahrungsmitteln verloren; dieses ging an den Investor Agrivision aus dem Steuerparadies Mauritius. Die Firma Amatheon Agri aus Berlin hat im Distrikt Mumbwa eine Fl\u00e4che etwa so gro\u00df wie den Bodensee aufgekauft. Dort wird jetzt vor allem Soja und Mais in riesigen Monokulturen angebaut, in Teilen zusammen mit Toyota aus Japan. Auch nach Europa soll exportiert werden. In den riesigen Agrarbetrieben entsteht nur eine verschwindend kleine Zahl \u2013 meist schlecht bezahlter \u2013 Arbeitspl\u00e4tze.<\/p>\n\n\n\n<p>Betroffene in Mumbwa haben FIAN berichtet, dass sie ihr Land verlassen mussten und nach Jahren immer noch nicht entsch\u00e4digt wurden. Frauen berichten, dass sie nach der Umsiedlung keine Gem\u00fcseg\u00e4rten mehr anlegen k\u00f6nnen, da es am neuen Ort schlicht keinen Bach gibt. Da auch die Weidefl\u00e4chen schrumpfen, mussten sie K\u00fche verkaufen. Damit ist neben einem Einkommensverlust auch die Ern\u00e4hrung deutlich schlechter geworden: Gem\u00fcse und Milch werden Mangelware.<\/p>\n\n\n\n<p>Mehr noch, in allen drei F\u00e4llen f\u00f6rdert die deutsche Entwicklungszusammenarbeit die Investoren. \u201eVor 20 Jahren hat sich das Entwicklungsministerium noch f\u00fcr Agrarreformen und Umverteilung von Land an arme B\u00e4uer*innen eingesetzt. Jetzt sch\u00fcrt es mit solchen F\u00f6rderungen umwelt- und klimasch\u00e4dliche Monokulturen und Landkonzentration\u201c, unterstreicht Roman Herre. \u201eMit solchen Mega-Investitionen bilden sich Strukturen, die an unsere feudalen Strukturen im Mittelalter erinnern. Geradezu makaber ist, dass die deutsche Entwicklungshilfe durch die Kreditvergabe an Agrarinvestoren auch noch Kasse macht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Investitionen wie von Amatheon, Agrivision oder Zambeef, die eine ganze Region dominieren, widersprechen grunds\u00e4tzlich einem inklusiven Entwicklungsansatz, bei dem die l\u00e4ndliche Bev\u00f6lkerung angeh\u00f6rt wird und sie die Entwicklung ihrer Gemeinden mitgestaltet. Ganz aktuell \u2013 vor einer Woche \u2013 hat FIAN ein erstes Treffen zwischen den betroffenen Gemeinden, staatlichen Stellen und dem Investor organisiert. Dort konnten Gemeindevertreter*innen und Arbeiter*innen erstmals in einem offenen Forum gegen\u00fcber dem Investor ihre Probleme zur Sprache bringen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hintergrund<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Tag der Landlosen am 17. April geht zur\u00fcck auf einen Protestmarsch von landlosen B\u00e4uer*innen in Brasilien im Jahr 1996. Der \u201cMarsch f\u00fcr die Agrarreform\u201d wurde von der Polizei brutal beendet. 19 Landarbeiter wurden von Polizisten erschossen, 81 Personen wurden verletzt. Seit diesem Massaker wird der 17. April als \u201cTag der Landlosen\u201d weltweit begangen und ist ein Tag des l\u00e4ndlichen Widerstandes.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.fian.de\/wer-wir-sind\/fian-deutschland\/geschaeftsstelle\/\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\"Foto: FIAN.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2020\/07\/RomanHerre-K.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Roman Herre ist Referent f\u00fcr Landwirtschaft, Landkonflikte, Agrarhandel bei der Menschenrechtsorganisation <a href=\"https:\/\/www.fian.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">FIAN (FoodFirst Informations- und Aktions-Netzwerk)<\/a>.<\/td><\/tr><tr><td><\/td><td><a href=\"https:\/\/www.fian.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2019\/03\/FIAN.png\" alt=\"\" width=\"150\"><\/a><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.fian.de\/fileadmin\/user_upload\/news_bilder\/2019_8\/Investmentfonds_uebernehmen_EP_web.pdf\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" title=\" \" class=\"aligncenter wp-image-313\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2021\/04\/Investmentfonds_uebernehmen_EP_web-T.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Das Papier &#8222;Investmentfonds \u00fcbernehmen Entwicklungspolitik&#8220; von Roman Herre steht <a href=\"https:\/\/www.fian.de\/fileadmin\/user_upload\/news_bilder\/2019_8\/Investmentfonds_uebernehmen_EP_web.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00fcber diesen Link zum Download als PDF<\/a> bereit.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Firma Amatheon Agri aus Berlin hat im Distrikt Mumbwa eine Fl\u00e4che etwa so gro\u00df wie den Bodensee aufgekauft. 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