{"id":644,"date":"2022-12-08T17:07:24","date_gmt":"2022-12-08T16:07:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/?page_id=644"},"modified":"2022-12-08T17:07:25","modified_gmt":"2022-12-08T16:07:25","slug":"deutschland-exportiert-mehr-in-der-eu-verbotene-pestizide-in-form-reiner-wirkstoffe-als-in-fertigen-produkten-pestizidexportverbot-muss-wirkstoffe-einbeziehen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/deutschland-exportiert-mehr-in-der-eu-verbotene-pestizide-in-form-reiner-wirkstoffe-als-in-fertigen-produkten-pestizidexportverbot-muss-wirkstoffe-einbeziehen\/","title":{"rendered":"Deutschland exportiert mehr in der EU verbotene Pestizide in Form reiner Wirkstoffe als in fertigen Pestizidprodukten: Exportverbot f\u00fcr Pestizide muss Wirkstoffe einbeziehen!"},"content":{"rendered":"\n<p><em>In den Jahren 2020 und 2021 wurden 8.260 Tonnen beziehungsweise 8.499 Tonnen in der EU verbotene Pestizidwirkstoffe in fertigen Pestizidprodukten aus Deutschland exportiert. Gleichzeitig wurde 2020 eine Menge von 20.298 Tonnen und 2021 sogar 37.525 Tonnen verbotene Pestizide als reine Wirkstoffe exportiert. Die Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung, das INKOTA-netzwerk, das Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN Germany) und die Rosa-Luxemburg-Stiftung sehen die dringende Notwendigkeit, die dabei ausgenutzte Gesetzesl\u00fccke so umgehend wie m\u00f6glich mit einer Reform des Pflanzenschutzgesetzes zu schlie\u00dfen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"413\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2022\/12\/221207-NU-rosa-luxemburg.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-640\" title=\"Foto: Nata Uchava, Freiburg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>(Berlin, 7. Dezember 2022)<\/strong> In den vergangenen zwei Jahren hat die Exportmenge von in der EU verbotenen, reinen Pestizidwirkstoffen aus Deutschland die Exportmenge von verbotenen Wirkstoffen, die in Pestizidprodukten enthalten sind, um das 2,5- und das 4,5-Fache \u00fcberstiegen. Das zeigt eine heute ver\u00f6ffentlichte Studie der Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung, des INKOTA-netzwerk, des Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN Germany) und der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Der Export von reinen Wirkstoffen w\u00fcrde laut Ank\u00fcndigung des Bundesministeriums f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft vom September 2022 zu einem Exportverbot von gesundheitssch\u00e4dlichen Pestiziden nicht erfasst werden. Die an der Analyse beteiligten Organisationen sehen die dringende Notwendigkeit, diese L\u00fccke so umgehend wie m\u00f6glich mit einer Reform des Pflanzenschutzgesetzes zu schlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>In den Jahren 2020 und 2021 wurden 8.260 Tonnen beziehungsweise 8.499 Tonnen verbotene Pestizidwirkstoffe in fertigen Produkten aus Deutschland exportiert. Gleichzeitig wurde 2020 eine Menge von 20.298 Tonnen und 2021 sogar 37.525 Tonnen verbotene Pestizide als reine Wirkstoffe exportiert. \u201eUnsere Analyse zeigt, dass die Menge der verbotenen reinen Wirkstoffexporte die Exportmenge f\u00fcr formulierte Pestizidwirkstoffe aus Deutschland in den letzten zwei Jahren um das rund 2,5- und das 4,5-Fache \u00fcberstiegen hat. Das ist enorm und hat unsere Vermutungen sogar \u00fcbertroffen\u201c, sagt Lena Luig, Referentin f\u00fcr Internationale Agrarpolitik bei der Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung.<\/p>\n\n\n\n<p>Es handelt sich dabei um Wirkstoffe, die in der EU nicht genehmigt sind, weil sie entweder explizit gesundheits- oder umweltsch\u00e4dlich sind oder weil den f\u00fcr die Genehmigung zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden keine ausreichenden Informationen zu deren Risikobewertung vorlagen. \u201eExportschlager\u201c unter den exportierten Wirkstoffen in formulierten Produkten waren das Herbizid Cyanamid und das Fungizid Propineb. Cyanamid gilt als krebserregend und fruchtbarkeitssch\u00e4digend und Propineb als hormonsch\u00e4digend und fruchtbarkeitssch\u00e4digend. Beim Export von reinen Wirkstoffen f\u00fchrt Glufosinat die Liste an. \u201eEs ist verantwortungslos, dass im Jahr 2021 die gigantische Menge von 11.000 Tonnen Glufosinat-Wirkstoff aus Deutschland exportiert wurde, obwohl dieser als wahrscheinlich reproduktionstoxisch beim Menschen eingestuft ist und in der EU schon vor vier Jahren seine Genehmigung verloren hat\u201c, sagt Peter Clausing, Toxikologe bei PAN Germany. \u201eDeutsche Unternehmen profitieren enorm vom Handel mit gef\u00e4hrlichen Pestizidwirkstoffen, vor allem in ihrer Reinform\u201c, so Clausing.<\/p>\n\n\n\n<p>Im September 2022 hatte das Landwirtschaftsministerium angek\u00fcndigt, einen Vorschlag f\u00fcr ein Exportverbot f\u00fcr bestimmte gesundheitssch\u00e4dliche Pestizide zu erarbeiten. Daf\u00fcr sollte bis Ende 2022 ein Verordnungsentwurf vorgelegt werden. Per Verordnung kann aber der Export reiner Pestizidwirkstoffe nicht rechtssicher reguliert werden. \u201eDas ist eine gef\u00e4hrliche L\u00fccke. Damit die Doppelstandards im internationalen Handel mit Pestiziden beendet werden, fordern wir die Bundesregierung auf dringend nachzubessern. Dies w\u00fcrde am umfassendsten und rechtssichersten \u00fcber eine Reform des Pflanzenschutzgesetzes sichergestellt werden\u201c, sagt Jan Urhahn, Programmleiter f\u00fcr Ern\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Auf diese M\u00f6glichkeit hatten die an der Analyse beteiligten Organisationen bereits in einem im September ver\u00f6ffentlichten Rechtsgutachten hingewiesen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.rosalux.de\/fileadmin\/rls_uploads\/pdfs\/Studien\/Studie_Pestizidwirkstoffe_Exporte_A4_20221206.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"599\" height=\"846\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2022\/12\/Studie_Pestizidwirkstoffe_Exporte_A4_20221206-T.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-641\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Die Studie &#8222;Export von hochgef\u00e4hrlichen Pestizidwirkstoffen aus Deutschland&#8220; steht <a href=\"https:\/\/www.rosalux.de\/fileadmin\/rls_uploads\/pdfs\/Studien\/Studie_Pestizidwirkstoffe_Exporte_A4_20221206.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00fcber diesen Link zum Download als PDF<\/a> bereit.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den Jahren 2020 und 2021 wurden 8.260 Tonnen beziehungsweise 8.499 Tonnen in der EU verbotene Pestizidwirkstoffe in fertigen Pestizidprodukten aus Deutschland exportiert. 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