{"id":657,"date":"2023-01-31T16:39:53","date_gmt":"2023-01-31T15:39:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/?page_id=657"},"modified":"2023-01-31T16:40:37","modified_gmt":"2023-01-31T15:40:37","slug":"verbaende-buendnis-geht-ursachen-fuer-zu-hohen-antibiotikaeinsatz-in-der-industriellen-tierhaltung-an","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/verbaende-buendnis-geht-ursachen-fuer-zu-hohen-antibiotikaeinsatz-in-der-industriellen-tierhaltung-an\/","title":{"rendered":"Verb\u00e4nde-B\u00fcndnis geht Ursachen f\u00fcr zu hohen Antibiotikaeinsatz in der industriellen Tierhaltung an"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Entgegen der EU-Tierarzneimittelverordnung setzen noch immer 80 bis 85 Prozent der deutschen H\u00e4hnchenm\u00e4stereien standardm\u00e4\u00dfig Antibiotika ein, die bei Verbraucher*innen zu Resistenzen gegen Antibiotika f\u00fchren k\u00f6nnen \u2013 laut Weltgesundheitsorganisation eine der gr\u00f6\u00dften Menschheitsbedrohungen. Germanwatch, Deutsche Umwelthilfe sowie 21 weitere Verb\u00e4nde aus Human- und Veterin\u00e4rmedizin sowie Umwelt- und Tierschutz schlagen konkrete Ma\u00dfnahmen vor, um Antibiotikamissbrauch im Stall zu beenden und Resistenzbildung erfolgreich zu bek\u00e4mpfen. Sie fordern unter anderem eine Verbesserung des Tierschutzes in Zucht und Haltung sowie ein sofortiges Verbot von Reserveantibiotika, zumindest f\u00fcr die vielverbrauchende Gruppenbehandlung von Tieren, da Reserveantibiotika f\u00fcr Menschen bei Resistenzen gegen Standard-Antibiotika oft das letzte wirksame Mittel sind.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"413\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2023\/01\/230131-germanwatch.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-652\" title=\"Foto: Nata Uchava, Freiburg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>(Berlin, 26. Januar 2023)<\/strong> Seit einem Jahr ist die neue Tierarzneimittelverordnung der EU nun in Kraft. Im Widerspruch zum EU-Recht setzen noch immer 80 bis 85 Prozent der deutschen H\u00e4hnchenm\u00e4stereien standardm\u00e4\u00dfig Antibiotika ein. Das ist ein gro\u00dfes Risiko, denn Resistenzen gegen Antibiotika sind schon heute laut Weltgesundheitsorganisation eine der gr\u00f6\u00dften Menschheitsbedrohungen. Die Ausbildung und Verbreitung dieser Resistenzen wird unter anderem durch die industrielle Tierhaltung beschleunigt. Mindestens 1,3 Millionen Todesf\u00e4lle weltweit h\u00e4tten ohne solche Resistenzen allein in 2019 verhindert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute haben die Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation Germanwatch und die Deutsche Umwelthilfe einen F\u00fcnf-Hebel-Plan zur Antibiotikareduktion in der Tierhaltung an Bundeslandwirtschaftsminister Cem \u00d6zdemir und Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sowie weitere zentrale Akteure aus Politik, Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Veterin\u00e4rmedizin versendet mit der Bitte um Stellungnahme. Die Organisationen schlagen in dem gemeinsamen Papier f\u00fcnf Hebel vor, um Antibiotikamissbrauch im Stall zu beenden und Resistenzbildung erfolgreich zu bek\u00e4mpfen. Anders als die meisten fr\u00fcheren Ma\u00dfnahmen reichen diese Hebel weiter, da sie die systemischen Hauptursachen zu hohen Antibiotikaeinsatzes identifizieren und beheben k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>F\u00fcnf Hebel sollen helfen, Antibiotikaeinsatz bis 2030 zu halbieren<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Papier wird bereits von 21 weiteren Verb\u00e4nden aus Human- und Veterin\u00e4rmedizin sowie Umwelt- und Tierschutz unterst\u00fctzt. Die Unterzeichnenden sind der \u00dcberzeugung, dass das im Tierarzneimittelgesetz festgesetzte Ziel, den Antibiotikaverbrauch bis 2030 zu halbieren, nur erreicht werden kann, wenn diese f\u00fcnf politischen Hebel bewegt werden. Sie umfassen ein weitgehendes Verbot von Reserveantibiotika, eine Verbesserung des Tierschutzes in Zucht und Haltung, eine zielgenaue Entwicklung und Umsetzung von Antibiotikaresistenz- und Tiergesundheits-Strategien sowie eine verbesserte \u00dcberwachung des Antibiotikaeinsatzes und der Risiken auch des grenz\u00fcberschreitenden Handels.<\/p>\n\n\n\n<p>Christoph Bals, Politischer Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Germanwatch: \u201eDie bisherigen politischen und rechtlichen Ma\u00dfnahmen haben in Deutschland nur zeitweilig zu einer ersten Reduktion des Antibiotikaverbrauchs in der Tierhaltung gef\u00fchrt. Sie sind l\u00e4ngst an ihre Grenzen gekommen. Es muss endlich an der Hauptursache angesetzt werden: Die industrielle Tierhaltung produziert inakzeptable Risiken f\u00fcr Mensch und Tier, f\u00fcr die Gesundheit, das Klima, das Wasser. Die Hochleistungszucht von Tieren gilt es ebenso zu begrenzen wie die Anzahl der gehaltenen Tiere zu reduzieren. Wir fordern zudem ein sofortiges Verbot von Reserveantibiotika, zumindest f\u00fcr die vielverbrauchende Gruppenbehandlung von Tieren. Reserveantibiotika sind f\u00fcr Menschen bei Resistenzen gegen Standard-Antibiotika oft das letzte wirksame Mittel. Ihre Wirksamkeit muss besonders gesch\u00fctzt werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sascha M\u00fcller-Kraenner, Bundesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Deutschen Umwelthilfe, erg\u00e4nzt: \u201eWenn 85 Prozent der H\u00e4hnchenbetriebe in Deutschland Antibiotika ben\u00f6tigen, dann sind sehr viele Tiere in der industriellen Tierhaltung offensichtlich schlimm krank. Das EU-Tierarzneimittelrecht verbietet es, schlechte Haltungsbedingungen mit dem Einsatz von Antibiotika zu kompensieren. Daher muss das Bundeslandwirtschaftsministerium die relevanten Gesetze, die derzeit noch krankmachende Zucht und Haltung erlauben, umfassend verbessern und so die Hebel umlegen zugunsten ges\u00fcnderer Tiere. Die im Koalitionsvertrag angek\u00fcndigte Tiergesundheitsstrategie muss die Hebel f\u00fcr eine stabile Tiergesundheit benennen, anpacken und umlegen. Notwendig ist parallel dazu, bei der aktuellen Ausarbeitung der Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie, der DART 2030, klare Reduktionsschritte f\u00fcr die Antibiotikahalbierung bis 2030 festzulegen, um die fortschreitende Ausbildung und Verbreitung von antibiotikaresistenten Erregern schnellstm\u00f6glich zu bremsen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Deutschland z\u00e4hlt zu den hochverbrauchenden L\u00e4ndern<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Beim Einsatz von Antibiotika in der landwirtschaftlichen Tierhaltung liegt Deutschland mit 73,3 mg je kg Tiergewicht (mg\/PCU) im europ\u00e4ischen Vergleich deutlich vor L\u00e4ndern wie Frankreich (51,7 mg\/PCU), Niederlande (47,6 mg\/PCU) oder D\u00e4nemark (33,4 mg\/PCU). Ein durchschnittliches Masthuhn wurde in 2021 im Vergleich zu 2017 an f\u00fcnf zus\u00e4tzlichen Tagen antibiotisch behandelt, das entspricht einem Anstieg um 28 Prozent.<\/p>\n\n\n\n<p>Das aktuelle Zoonosen-Monitoring des Bundesamts f\u00fcr Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) best\u00e4tigt zudem, dass insbesondere bei Masth\u00e4hnchen seit Jahren keine wesentlichen Fortschritte bez\u00fcglich des Auftretens von Antibiotikaresistenzen erzielt worden sind. Das BVL als zust\u00e4ndige Beh\u00f6rde fordert \u00fcberdies seit Jahren mehr Engagement f\u00fcr die Reduktion von Reserveantibiotika bei Tieren, weil diese Wirkstoffe f\u00fcr Menschen von h\u00f6chster Bedeutung sind.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.germanwatch.org\/de\/user\/christophbals\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"200\" height=\"320\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2023\/01\/Christoph-Bals-K.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-656\" title=\"Foto: germanwatch\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><a href=\"https:\/\/www.germanwatch.org\/de\/user\/christophbals\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Christoph Bals<\/a> ist Politischer Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von <a href=\"https:\/\/www.germanwatch.org\/de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Germanwatch<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.germanwatch.org\/de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"200\" height=\"73\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2019\/08\/logoGermanwatch.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-145\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.germanwatch.org\/sites\/default\/files\/germanwatch_bekaempfung_von_antibiotikaresistenzen_aus_der_tierhaltung_01_2023.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"599\" height=\"846\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2023\/01\/germanwatch_bekaempfung_von_antibiotikaresistenzen_aus_der_tierhaltung_01_2023-T.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-653\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Der F\u00fcnf-Hebel-Plan zur Antibiotikareduktion in der Tierhaltung steht <a href=\"https:\/\/www.germanwatch.org\/sites\/default\/files\/germanwatch_bekaempfung_von_antibiotikaresistenzen_aus_der_tierhaltung_01_2023.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00fcber diesen Link zum Download als PDF<\/a> bereit.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Entgegen der EU-Tierarzneimittelverordnung setzen noch immer 80 bis 85 Prozent der deutschen H\u00e4hnchenm\u00e4stereien standardm\u00e4\u00dfig Antibiotika ein, die bei Verbraucher*innen zu Resistenzen gegen Antibiotika f\u00fchren k\u00f6nnen \u2013 laut Weltgesundheitsorganisation eine der gr\u00f6\u00dften Menschheitsbedrohungen. 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