{"id":86,"date":"2019-03-21T15:10:06","date_gmt":"2019-03-21T14:10:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/?page_id=86"},"modified":"2020-09-06T14:22:51","modified_gmt":"2020-09-06T12:22:51","slug":"wachsender-einsatz-privater-gelder-nicht-geeignet-hunger-und-armut-strukturell-zu-bekaempfen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wachsender-einsatz-privater-gelder-nicht-geeignet-hunger-und-armut-strukturell-zu-bekaempfen\/","title":{"rendered":"Wachsender Einsatz privater Gelder nicht geeignet, Hunger und Armut strukturell zu bek\u00e4mpfen"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Die Studie &#8222;Agrarkonzerne und Finanzindustrie: Die neuen Lieblinge der Entwicklungszusammenarbeit?&#8220; widerspricht der Aussage, wonach nur mit Investitionen des Privatsektors die nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals &#8211; SDGs) erreicht werden k\u00f6nnen. Durch Kooperation mit Agrarkonzernen werde die Landwirtschaft \u2013 vor allem auf dem afrikanischen Kontinent \u2013 zu marktf\u00f6rmigen und inputintensiven Systemen umstrukturiert. Entsprechende Initiativen setzten vor allem auf den Einsatz von chemischen D\u00fcngemitteln und Hybridsaatgut; damit dienten sie in erster Linie den Expansionsbestrebungen gro\u00dfer Konzerne, die gro\u00dfe Masse afrikanischer Kleinbauern und -b\u00e4uerinnen gerieten in immer st\u00e4rkere Abh\u00e4ngigkeiten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>(Berlin\/K\u00f6ln, 12. M\u00e4rz 2019)<\/strong> FIAN und INKOTA ver\u00f6ffentlichen heute eine Studie zur immer engeren Verquickung von staatlicher Entwicklungszusammenarbeit mit Finanzinvestoren und Agrarkonzernen. Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass der wachsende Einsatz privater Gelder nicht geeignet ist, um Hunger und Armut strukturell zu bek\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.fian.de\/fileadmin\/user_upload\/bilder_allgemein\/Themen\/Finanzialisierung_EZ\/Agrarkonzerne_Finanzindustrie.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2019\/03\/Agrarkonzerne_Finanzindustrie-T.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-84\" width=\"320\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Die Autoren der Studie \u201eAgrarkonzerne und Finanzindustrie:\nDie neuen Lieblinge der Entwicklungszusammenarbeit?\u201c widersprechen der Aussage,\nwonach nur mit Investitionen des Privatsektors die nachhaltigen\nEntwicklungsziele (Sustainable Development Goals \u2011 SDGs) erreicht werden\nk\u00f6nnen. Sie kritisieren, dass das Entwicklungsministerium mit seinem\nSchwerpunkt auf Privatinvestitionen die eigentlichen Zielgruppen \u2013\nmarginalisierte Bev\u00f6lkerungsgruppen \u2013 aus dem Blick verliere. Da es meist keine\nInformationen \u00fcber die finalen Empf\u00e4ngerInnen der Gelder gebe, seien konkrete\nmenschenrechtliche Wirkungen in der Regel unbekannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Roman Herre, Agrarreferent von FIAN Deutschland und Ko-Autor\nder Studie: \u201eIm Gep\u00e4ck der nachhaltigen Entwicklungsziele war die Botschaft\nenthalten, dass zu ihrer Umsetzung gewaltige 2,5 Billionen Dollar pro Jahr\nfehlen \u2013 und nur privates Geld dieses Loch stopfen k\u00f6nne. Diese Botschaft wird\nnicht hinterfragt. Sie f\u00fchrte zur Neuausrichtung der Entwicklungszusammenarbeit\nund hat damit m\u00f6glicherweise mehr Wirkkraft entfaltet als die Entwicklungsziele\nselbst.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ein konkreter Aspekt, der von den Autoren kritisch\nbetrachtet wird, ist die zunehmende Kooperation mit Agrarkonzernen, mit der die\nLandwirtschaft \u2013 vor allem auf dem afrikanischen Kontinent \u2013 zu marktf\u00f6rmigen\nund inputintensiven Systemen umstrukturiert werden soll. Diese Kooperation\nwerde im Rahmen einer Vielzahl von Initiativen realisiert, darunter die Allianz\nf\u00fcr eine Gr\u00fcne Revolution in Afrika (AGRA) oder die Neue Allianz f\u00fcr\nErn\u00e4hrungssicherung der G7-Staaten. Lena Michelsen, Agrarreferentin bei der\nEntwicklungsorganisation INKOTA kommentiert: \u201eInitiativen wie AGRA setzen vor\nallem auf den Einsatz von chemischen D\u00fcngemitteln und Hybridsaatgut und dienen\ndamit in erster Linie den Expansionsbestrebungen gro\u00dfer Konzerne wie Yara und\nBayer. Kleinbauern und -b\u00e4uerinnen geraten in immer st\u00e4rkere Abh\u00e4ngigkeiten,\nund auch die Umwelt leidet unter dem l\u00e4ngst gescheiterten Modell der Gr\u00fcnen\nRevolution. Die von der Bundesregierung zugesagte F\u00f6rderung in H\u00f6he von zehn\nMillionen Euro ist eine v\u00f6llige Fehlinvestition.\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.fian.de\/wer-wir-sind\/fian-deutschland\/geschaeftsstelle\/\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" width=\"180\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\"Foto: FIAN.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2020\/07\/RomanHerre-K.jpg\" alt=\"\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Roman Herre ist Referent f\u00fcr Landwirtschaft, Landkonflikte, Agrarhandel bei der Menschenrechtsorganisation <a href=\"https:\/\/www.fian.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">FIAN (FoodFirst Informations- und Aktions-Netzwerk)<\/a>.<\/td><\/tr><tr><td><\/td><td><a href=\"https:\/\/www.fian.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2019\/03\/FIAN.png\" alt=\"\" width=\"150\"><\/a><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p>Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Intransparenz der Finanzinstitutionen. Allein die DEG, Tochter der staatlichen Entwicklungsbank KfW, hat mehr als die H\u00e4lfte ihrer 7,2 Milliarden Euro Entwicklungsgelder an Finanzinstitute vergeben. Auch haben sich Kredite und Beteiligungen der DEG an Unternehmen in Finanzoasen \u2013 darunter den Kaimaninseln oder Mauritius \u2013 innerhalb von zehn Jahren verf\u00fcnffacht. Zur Legitimierung solcher Konstrukte werden oft fragw\u00fcrdige Kennzahlen und indirekte Wirkungen herangezogen. So erkl\u00e4rt die DEG in ihrem j\u00fcngsten Jahresabschluss, dass \u201eDEG-Kunden rund 1,5 Millionen Menschen besch\u00e4ftigen\u201c. Roman Herre kritisiert: \u201eAus entwicklungspolitischer und menschenrechtlicher Perspektive m\u00fcsste untersucht werden, ob durch solche Finanzierungen auch Arbeitspl\u00e4tze abgebaut wurden. Dies ist besonders bei Agrarfinanzierungen im globalen S\u00fcden ein bedeutender Aspekt: Die dortige kleinb\u00e4uerliche Landwirtschaft besch\u00e4ftigt je nach Region 70 bis 80 Prozent der Bev\u00f6lkerung. Werden Menschen hieraus verdr\u00e4ngt \u2013 wie besonders bei gro\u00dffl\u00e4chigen Agrarinvestitionen \u2013 dann verlieren sie oftmals ihre Lebensgrundlagen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"http:\/\/www.fian.de\/fileadmin\/user_upload\/bilder_allgemein\/Themen\/Finanzialisierung_EZ\/Agrarkonzerne_Finanzindustrie.pdf\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" title=\" \" width=\"180\" class=\"aligncenter wp-image-313\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2019\/03\/Agrarkonzerne_Finanzindustrie-T.jpg\" alt=\"\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Die Studie &#8222;Agrarkonzerne und Finanzindustrie: Die neuen Lieblinge der Entwicklungszusammenarbeit?&#8220; steht <a href=\"http:\/\/www.fian.de\/fileadmin\/user_upload\/bilder_allgemein\/Themen\/Finanzialisierung_EZ\/Agrarkonzerne_Finanzindustrie.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00fcber diesen Link zum Download als PDF<\/a> bereit.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Studie &#8222;Agrarkonzerne und Finanzindustrie: Die neuen Lieblinge der Entwicklungszusammenarbeit?&#8220; widerspricht der Aussage, wonach nur mit Investitionen des Privatsektors die nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals &#8211; SDGs) erreicht werden k\u00f6nnen. 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