{"id":860,"date":"2026-07-21T19:15:35","date_gmt":"2026-07-21T17:15:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/?page_id=860"},"modified":"2026-07-21T19:15:36","modified_gmt":"2026-07-21T17:15:36","slug":"welternaehrungslage-bleibt-kritisch-politik-muss-widerstandsfaehige-oekologische-und-sozial-gerechte-ernaehrungssysteme-foerdern","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/welternaehrungslage-bleibt-kritisch-politik-muss-widerstandsfaehige-oekologische-und-sozial-gerechte-ernaehrungssysteme-foerdern\/","title":{"rendered":"Weltern\u00e4hrungslage bleibt kritisch: &#8222;Politik muss widerstandsf\u00e4hige, \u00f6kologische und sozial gerechte Ern\u00e4hrungssysteme f\u00f6rdern!&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2026\/07\/260721-NU-Welternaehrung-Grafik-1024x683.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-855\" title=\"Foto: Nata Uchava\/ChatGPT\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>(K\u00f6ln\/Aachen\/Berlin, 21. Juli 2026)<\/strong> Die Weltern\u00e4hrungsorganisation (Food and Agriculture Organization, FAO) hat heute ihren Jahresbericht zur Weltern\u00e4hrungslage ver\u00f6ffentlicht (State of Food Security and Nutrition in the World, SOFI). Demnach lag die Zahl chronisch hungernder Menschen im vergangenen Jahr bei 645 Millionen. Fast ein Drittel der Weltbev\u00f6lkerung \u2013 2,69 Milliarden Menschen \u2013 konnte sich keine gesunde Ern\u00e4hrung leisten. F\u00fcr 2030, dem Zieljahr der Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen, wird eine halbe Milliarde chronisch Hungernder prognostiziert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Menschenrechtsorganisation FIAN (FoodFirst Informations- und Aktions-Netzwerk Deutschland) prangert die anhaltend hohen Zahlen an. Philipp Mimkes, FIAN-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer: \u201eNicht hungern zu m\u00fcssen ist ein Menschenrecht. In Zeiten guter Ernten und voller Getreidespeicher markiert jeder einzelne hungernde Mensch ein politisches Versagen und einen Bruch des V\u00f6lkerrechts. Hunger ist das Ergebnis von Rechtlosigkeit, Enteignungen, Armut oder Gewalt \u2013 und nur in den seltensten F\u00e4llen die Folge eines Mangels an Lebensmitteln.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">FIAN kritisiert, dass sich die Agrarsysteme immer weiter von ihrer eigentlichen Aufgabe entfernen, die Menschen zu ern\u00e4hren. So sind die Anbaufl\u00e4chen wichtiger Grundnahrungsmittel wie Hirse, Roggen oder Kartoffeln in 60 Jahren industrieller Agrarpolitik um 45 Millionen Hektar zur\u00fcckgegangen. Hingegen sind die Anbaufl\u00e4chen f\u00fcr industrielle Agrarrohstoffe wie Palm\u00f6l, Zuckerrohr, Soja oder Raps um 300 Millionen Hektar angewachsen \u2013 etwa die dreifache Ackerfl\u00e4che der EU.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das diesj\u00e4hrige Schwerpunktthema des SOFI-Berichts sind die Kosten f\u00fcr eine gesunde Ern\u00e4hrung mit Lebensmitteln wie Obst und Gem\u00fcse. Die FAO stellt fest, dass diese Kosten in den vergangenen vier Jahren um ein Viertel gestiegen sind. Gleichzeitig entst\u00fcnden 75 Prozent der Kosten f\u00fcr Nahrungsmittel erst nach der landwirtschaftlichen Produktion.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der Vorstellung des Schwerpunktthemas in der vergangenen Woche in New York fehlte ein Verweis auf das Menschenrecht auf Nahrung. Stattdessen forderte der FAO-Chef\u00f6konom, die Energiepreise zu senken. Das sei viel zu kurz gedacht, findet Mimkes: \u201eIm Kontext wiederkehrender Krisen und des Klimawandels ben\u00f6tigen wir eine Abkehr von energieintensiven Anbausystemen und krisenanf\u00e4lligen Lieferketten, anstatt \u00f6ffentliche Gelder f\u00fcr die Subventionierung von Energie zu verbrennen!\u201c. Mimkes weiter: \u201eDie Gretchenfrage \u2013 wer von den hohen Preisen profitiert \u2013 wird nicht gestellt. Wichtig w\u00e4re eine kritische Analyse der monopolartigen Stellung von Supermarktketten und Getreideh\u00e4ndlern sowie der Finanzspekulation an den Agrarb\u00f6rsen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Das Ern\u00e4hrungsthema betrifft nicht allein den globalen S\u00fcden<\/h1>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Relevant sei das Thema nicht nur f\u00fcr den Globalen S\u00fcden, kommentiert Jan Dreier, FIAN-Referent f\u00fcr das Recht auf Nahrung in Deutschland: \u201eAuch hierzulande m\u00fcssen Millionen Menschen auf frische Lebensmittel verzichten. In jedem zweiten Haushalt, der Grundsicherung bezieht, werden nicht alle Menschen t\u00e4glich satt\u201c. Besonders stark betroffen sind Familien mit Kindern. Damit versto\u00dfe die Bundesregierung gegen das Recht auf eine gesunde und nachhaltig produzierte Ern\u00e4hrung, so Dreier.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">FIAN fordert, dass das Recht auf Nahrung handlungsleitend f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Hungers wird \u2013 weltweit und in Deutschland. Stattdessen greife die FAO weitgehend auf veraltete L\u00f6sungserz\u00e4hlungen zur\u00fcck. Damit wird erneut vers\u00e4umt, die vorhandenen Ans\u00e4tze f\u00fcr die dringend notwendige Transformation der Ern\u00e4hrungssysteme voranzubringen. Die FAO pr\u00e4sentiert damit weitgehend alten Wein in alten Schl\u00e4uchen.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Fortschritt m\u00f6glich trotz globaler Herausforderungen<\/h1>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu den Ergebnissen des Weltern\u00e4hrungsberichts 2026 \u00e4u\u00dfert sich auch Lutz Depenbusch, Misereor-Experte f\u00fcr Ern\u00e4hrung:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDass die Zahl der Hungernden das dritte Jahr in Folge leicht zur\u00fcckgegangen ist, ist eine gute Nachricht. Angesichts der multiplen Krisen ist besonders die Entwicklung in Afrika positiv. Die Zahlen zeigen, dass trotz globaler Herausforderungen Fortschritt m\u00f6glich ist. Und doch sind die nur schleppenden Verbesserungen Ausdruck verspielter Chancen. Noch ist das Ausma\u00df des Hungers gr\u00f6\u00dfer als vor der COVID-Pandemie, und bei der jetzigen Geschwindigkeit werden auch im Jahr 2030 noch mehr als 500 Millionen Menschen Hunger leiden. Auch die Mangelern\u00e4hrung bei Kindern geht nur extrem langsam zur\u00fcck. Wenn politischer Wille und gemeinsame Anstrengungen Hand in Hand gehen, sind deutlich schnellere Fortschritte m\u00f6glich \u2013 das hat die Vergangenheit gezeigt. Doch stattdessen erleben wir eine zunehmend egoistische Weltpolitik, etwa durch den von den USA ausgehenden Handelsstreit und K\u00fcrzungen bei der Entwicklungshilfe. Diese politischen Dynamiken bremsen Fortschritte im Kampf gegen den Hunger aus. Nun drohen die Auswirkungen des andauernden Krieges am Persischen Golf mit einer ungew\u00f6hnlich starken Auspr\u00e4gung des Wetterph\u00e4nomens El Ni\u00f1o zusammenzufallen und die weltweite Ern\u00e4hrungslage zu verschlechtern. Dies lie\u00dfe sich verhindern, wenn die Weltgemeinschaft und damit auch die deutsche Bundesregierung Hunger und Armut nicht mehr l\u00e4nger als Nischenthemen f\u00fcr politisch bessere Zeiten behandeln und das vermeidbare Sterben hinnehmen w\u00fcrden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.fian.de\/wer-wir-sind\/fian-deutschland-geschaeftsstelle\/\" target=\"_blank\" rel=\" noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"828\" height=\"828\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2026\/07\/Philipp-Mimkes-FIAN-K.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-856\" title=\"Foto: FIAN\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Philipp Mimkes ist Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von <a href=\"https:\/\/www.fian.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">FIAN<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.fian.de\/\" target=\"_blank\" rel=\" noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2019\/03\/FIAN.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-83\" style=\"width:185px;height:auto\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/openknowledge.fao.org\/server\/api\/core\/bitstreams\/22b14846-edb1-4ec9-9bb3-28e0c6e0cb7f\/content\" target=\"_blank\" rel=\" noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"595\" height=\"842\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/agrar\/wp-content\/uploads\/sites\/15\/2026\/07\/State-of-Food-Security-and-Nutrition-in-the-World-2026.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-857\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Bericht &#8222;The State of Food Security and Nutrition in the World 2026&#8220; steht <a href=\"https:\/\/openknowledge.fao.org\/server\/api\/core\/bitstreams\/22b14846-edb1-4ec9-9bb3-28e0c6e0cb7f\/content\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00fcber diesen Link als PDF-Datei<\/a> bereit.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(K\u00f6ln\/Aachen\/Berlin, 21. 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