{"id":183,"date":"2019-04-01T16:22:19","date_gmt":"2019-04-01T14:22:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/?page_id=183"},"modified":"2020-09-09T19:33:08","modified_gmt":"2020-09-09T17:33:08","slug":"dem-islam-einen-fairen-platz-in-der-gesellschaft-anbieten","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/dem-islam-einen-fairen-platz-in-der-gesellschaft-anbieten\/","title":{"rendered":"&#8222;Dem Islam einen fairen Platz in der Gesellschaft anbieten!&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>\u201cDie bis heute geltenden Regelungen der Weimarer Verfassung von 1919 \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von Staat und Religion versetzen uns auch zuk\u00fcnftig in die Lage, flexibel mit der ver\u00e4nderten Situation umzugehen\u201d, so der M\u00fcnsteraner Rechtswissenschaftler Hinnerk Wi\u00dfmann. Es handele sich um ein dezidiert modernes Modell: Danach habe der Staat zu allen Religions- und allen Weltanschauungsgemeinschaften denselben Abstand zu wahren, gleichzeitig erkenne er die Bedeutung von Religion an und f\u00f6rdere sie. Die Rechtspraxis sei gefordert, dem Islam, an den 1919 noch niemand gedacht habe, einen fairen Platz in der Gesellschaft anzubieten; nicht-religi\u00f6se Menschen sollten nicht \u201creligi\u00f6s \u00fcberw\u00e4ltigt\u201d werden.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>(M\u00fcnster, 26. M\u00e4rz 2019)<\/strong> Auch 100 Jahre nach Verabschiedung des deutschen Religionsverfassungsrechts halten Rechtswissenschaftler es f\u00fcr neue Herausforderungen wie die Integration des Islams ger\u00fcstet. \u201eObwohl wir 2019 eine viel gr\u00f6\u00dfere religi\u00f6se Vielfalt in Deutschland erleben: Die bis heute geltenden Regelungen der Weimarer Verfassung von 1919 \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von Staat und Religion versetzen uns auch zuk\u00fcnftig in die Lage, flexibel mit der ver\u00e4nderten Situation umzugehen\u201c, sagt der M\u00fcnsteraner Rechtswissenschaftler Hinnerk Wi\u00dfmann. \u201eDas deutsche Religionsverfassungsrecht zeichnen besonders zwei Punkte aus: Die Neutralit\u00e4t des Staates \u2013 es gibt seit 1919 keine Staatskirche mehr \u2013 und ein weitgehendes Verst\u00e4ndnis von Religionsfreiheit. Es handelt sich um ein dezidiert modernes Modell: Danach hat der Staat zu allen Religions- und allen Weltanschauungsgemeinschaften denselben Abstand zu wahren, gleichzeitig erkennt er die Bedeutung von Religion an und f\u00f6rdert sie.\u201c Auf dieser Grundlage k\u00f6nnten Rechtsprechung und Politik in der Praxis Regelungen f\u00fcr aktuelle Streitfragen wie das kirchliche Arbeitsrecht, Religionsunterricht an Schulen und Feiertage finden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSo wie das Religionsverfassungsrecht in der\nfr\u00fchen-Bundesrepublik Bedingungen f\u00fcr eine Ann\u00e4herung von Katholiken und\nProtestanten schuf, ist die Rechtspraxis jetzt gefordert, dem Islam, an den\n1919 noch niemand gedacht hat, einen fairen Platz in der Gesellschaft\nanzubieten\u201c, so Hinnerk Wi\u00dfmann. Er veranstaltet gemeinsam mit den\nRechtswissenschaftlern Oliver Lepsius und Fabian Wittreck die Ringvorlesung \u201eBedingungen\nder religi\u00f6sen Moderne. 100 Jahre Religionsverfassungsrecht in Deutschland\u201c des\nExzellenzclusters \u201eReligion und Politik\u201c an der Universit\u00e4t M\u00fcnster. \u201eWir\nwerfen einen interdisziplin\u00e4r und international informierten Blick in den\nrechtlichen Instrumentenkasten: Was funktioniert und was nicht, was sind\nvergangene und zuk\u00fcnftige Herausforderungen im Verh\u00e4ltnis von Staat und Religion,\nwas k\u00f6nnen L\u00f6sungen sein?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Atheisten nicht\nreligi\u00f6s \u00fcberw\u00e4ltigen \u2013 Muslime nicht \u201everkirchlichen\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nicht-religi\u00f6se Menschen in Deutschland sollten nach\nEinsch\u00e4tzung von Hinnerk Wi\u00dfmann nicht \u201ereligi\u00f6s \u00fcberw\u00e4ltigt\u201c werden. Ein\nBeispiel f\u00fcr diese Gefahr bestehe etwa in Nordrhein-Westfalen, wo es in einem\nknappen F\u00fcnftel der Kommunen ausschlie\u00dflich katholische Bekenntnisschulen gebe.\n\u201eEine solche Situation ist sicherlich kein Zukunftsmodell. Es braucht f\u00fcr Menschen\naller \u00dcberzeugungen ein auf Gleichberechtigung gebautes Angebot \u2013 denn der\nStaat ist nach den Worten des Bundesverfassungsgerichts die \u201aHeimstatt aller\nB\u00fcrger\u2018.\u201c In Hamburg teste man zurzeit das Modell \u201eReligionsunterricht f\u00fcr\nalle\u201c, einen religions\u00fcbergreifenden Unterricht. Professor Wi\u00dfmann, der dar\u00fcber\nk\u00fcrzlich das Buch \u201eReligionsunterricht f\u00fcr alle? Zum Beitrag des\nReligionsverfassungsrechts f\u00fcr die pluralistische Gesellschaft\u201c ver\u00f6ffentlicht\nhat, erl\u00e4utert: \u201eDas Modell ist hochumstritten. Entsprechende Anstrengungen\nsind aber notwendig: In vielen Regionen Deutschlands kommen nicht mehr genug\nSch\u00fcler f\u00fcr einen konfessionellen Religionsunterricht zusammen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Auch den Interessen der Muslime gilt es laut Hinnerk Wi\u00dfmann\ngerecht zu werden: \u201eDer Islam darf nicht gedr\u00e4ngt werden, sich zu\n\u201averkirchlichen\u2018. Unsere Verfassung garantiert Religionsfreiheit in\nVerschiedenheit.\u201c Die Diskussion um die Verleihung des K\u00f6rperschaftsstatus an\nmuslimische Gemeinschaften h\u00e4lt der Verfassungsrechtler f\u00fcr eine weitgehend unn\u00f6tige\nStellvertreterdiskussion. \u201eDer Staat muss eine Zusammenarbeit mit islamischen\nGruppen unabh\u00e4ngig davon organisieren.\u201c Bei den christlichen Kirchen sei das\nkirchliche Arbeitsrecht ein wichtiges Thema. Wie es sich in den n\u00e4chsten Jahren\nentwickelt, h\u00e4nge stark von der Integration des europ\u00e4ischen Rechts in der EU\nab. \u201eDer EuGH in Luxemburg ist von der franz\u00f6sischen Tradition gepr\u00e4gt und hat\nwenig Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die deutsche Regelung. Der Europ\u00e4ische Gerichtshof f\u00fcr\nMenschenrechte in Stra\u00dfburg ist dagegen tendenziell gro\u00dfz\u00fcgig gegen\u00fcber\nrechtlichen Eigenarten der Mitgliedsstaaten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eBedingungen der\nreligi\u00f6sen Moderne. 100 Jahre Religionsverfassungsrecht in Deutschland\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Ringvorlesung \u201eBedingungen der religi\u00f6sen Moderne. 100 Jahre Religionsverfassungsrecht in Deutschland\u201c des Exzellenzclusters \u201eReligion und Politik\u201c der Universit\u00e4t M\u00fcnster verbindet verfassungsrechtliche, historische, theologische und sozialwissenschaftliche Perspektiven. Anl\u00e4sslich des Verfassungsjubil\u00e4en 1919 und 1949 untersuchen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Entwicklung des Religionsverfassungsrecht in Deutschland von der Weimarer Reichsverfassung 1919 bis heute und beleuchten die Situation in anderen L\u00e4ndern wie etwa Frankreich, \u00d6sterreich oder USA.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.jura.uni-muenster.de\/de\/apps\/personenliste\/prof-dr-hinnerk-wissmann\/\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" width=\"180\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\"Foto: WWU M\u00fcnster\/ Peter Grewer.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/wp-content\/uploads\/sites\/18\/2019\/04\/Hinnerk-Wi\u00dfmann-WWU.jpg\" alt=\"\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Prof. Dr. Hinnerk Wi\u00dfmann ist Mitglied des <a href=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/Religion-und-Politik\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Exzellenzclusters Religion und Politik der Universit\u00e4t M\u00fcnster<\/a>.<\/td><\/tr><tr><td><\/td><td><a href=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/Religion-und-Politik\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/wp-content\/uploads\/sites\/18\/2019\/04\/logoExcellenzcluster.png\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201cDie bis heute geltenden Regelungen der Weimarer Verfassung von 1919 \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von Staat und Religion versetzen uns auch zuk\u00fcnftig in die Lage, flexibel mit der ver\u00e4nderten Situation umzugehen\u201d, so der M\u00fcnsteraner Rechtswissenschaftler Hinnerk Wi\u00dfmann. 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