{"id":202,"date":"2019-04-18T15:37:42","date_gmt":"2019-04-18T13:37:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/?page_id=202"},"modified":"2020-09-09T19:30:59","modified_gmt":"2020-09-09T17:30:59","slug":"rangliste-der-pressefreiheit-2019","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/rangliste-der-pressefreiheit-2019\/","title":{"rendered":"Rangliste der Pressefreiheit 2019: Hetze gegen Medienschaffende f\u00fchrt zu Angst und Gewalt"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Die systematische Hetze gegen Journalistinnen und Journalisten hat dazu gef\u00fchrt, dass Medienschaffende zunehmend in einem Klima der Angst arbeiten. Die Rangliste der Pressefreiheit 2019 vergleicht die Situation f\u00fcr Journalistinnen, Journalisten und Medien in 180 Staaten und Territorien. Ein so medienfeindliches Klima wie 2018 in Chemnitz herrschte aus Sicht von Reporter ohne Grenzen seit der Hochphase der Pegida-Bewegung im Jahr 2015 nicht mehr; problematisch seien zudem einige neuere Gesetze wie das Netzwerkdurchsetzungsgesetz gegen Hassbotschaften im Internet und das BND-Gesetz.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr>\n<img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-313\" title=\"Grafik: Reporter ohne Grenzen.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/wp-content\/uploads\/sites\/18\/2019\/04\/Weltkarte_Vorderseite_2019_WEB-1024x731.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\">\n<hr>\n&nbsp;\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>(Berlin, 17. April 2019)<\/strong> Die systematische Hetze gegen Journalistinnen und Journalisten hat dazu gef\u00fchrt, dass Medienschaffende zunehmend in einem Klima der Angst arbeiten \u2013 vor allem in L\u00e4ndern, in denen sie sich bisher im weltweiten Vergleich eher sicher f\u00fchlen konnten. Zu den Regionen, in denen sich die Lage am st\u00e4rksten verschlechtert hat, geh\u00f6rt Europa. Auch die USA sind auf der Rangliste nach unten gerutscht. Deutschland ist um zwei Pl\u00e4tze nach oben auf Rang 13 ger\u00fcckt, was jedoch vor allem daran liegt, dass die Pressefreiheit in anderen L\u00e4ndern st\u00e4rker abnahm. Die Zahl der t\u00e4tlichen Angriffe gegen Journalistinnen und Journalisten ist in Deutschland 2018 gestiegen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"https:\/\/www.reporter-ohne-grenzen.de\/fileadmin\/Redaktion\/Presse\/Downloads\/Ranglisten\/Rangliste_2019\/Rangliste_der_Pressefreiheit_2019.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"846\" height=\"599\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/wp-content\/uploads\/sites\/18\/2019\/04\/Rangliste_der_Pressefreiheit_2019-T.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-196\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eAuch in Europa m\u00fcnden gezielte Diffamierungen und aggressive, zum Teil hetzerische Kampagnen populistischer Politikerinnen und Politiker gegen Medien in reale Gewalt\u201c, sagte Reporter ohne Grenzen-Vorstandssprecherin Katja Gloger. \u201eSo etwa im EU-Beitrittskandidaten Serbien und in Tschechien. Wer Journalistinnen und Journalisten pauschal zu S\u00fcndenb\u00f6cken f\u00fcr gesellschaftliche Missst\u00e4nde macht, bereitet den Boden f\u00fcr \u00dcbergriffe, Attentate und sogar Morde.\u201c<\/p>\n\n\n<p>\n<!--StartFragment--><\/p>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>180 L\u00e4nder\nuntersucht, Deutschland auf Platz 13<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Die Rangliste der Pressefreiheit 2019 (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www.reporter-ohne-grenzen.de\/fileadmin\/Redaktion\/Presse\/Downloads\/Ranglisten\/Rangliste_2019\/Rangliste_der_Pressefreiheit_2019.pdf\" target=\"_blank\">Die Rangliste der Pressefreiheit 2019<\/a> vergleicht die Situation f\u00fcr Journalistinnen, Journalisten und Medien in 180 Staaten und Territorien. Untersucht wurde das Kalenderjahr 2018. Grundlagen der Rangliste sind <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"ein Fragebogen zu verschiedenen Aspekten journalistischer Arbeit (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www.reporter-ohne-grenzen.de\/fileadmin\/Redaktion\/Presse\/Downloads\/Ranglisten\/Rangliste_2019\/Fragebogen_Rangliste_der_Pressefreiheit_2019_-_Reporter_ohne_Grenzen.pdf\" target=\"_blank\">ein Fragebogen zu verschiedenen Aspekten journalistischer Arbeit<\/a> sowie die von Reporter ohne Grenzen ermittelten Zahlen von \u00dcbergriffen, Gewalttaten und Haftstrafen gegen Medienschaffende. <a href=\"https:\/\/www.reporter-ohne-grenzen.de\/fileadmin\/Redaktion\/Presse\/Downloads\/Ranglisten\/Rangliste_2019\/Methode_Rangliste_2019.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Daraus ergeben sich f\u00fcr jedes Land Punktwerte, die im Verh\u00e4ltnis zu den Werten der \u00fcbrigen L\u00e4nder die Platzierung in der Rangliste bestimmen. \u00dcber die Entwicklung der Situation in einem Land gibt demnach eher ein Vergleich der Punktwerte verschiedener Jahre Auskunft als die Bewegung auf der Rangliste. (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">Daraus ergeben sich f\u00fcr jedes Land Punktwerte, die im Verh\u00e4ltnis zu den Werten der \u00fcbrigen L\u00e4nder die Platzierung in der Rangliste bestimmen. \u00dcber die Entwicklung der Situation in einem Land gibt demnach eher ein Vergleich der Punktwerte verschiedener Jahre Auskunft als die Bewegung auf der Rangliste.<\/a> So kann es vorkommen, dass ein Land in der Rangliste einen gro\u00dfen Sprung gemacht hat, sich die Situation tats\u00e4chlich (ablesbar an der Punktzahl) aber nur geringf\u00fcgig ver\u00e4ndert hat. Abh\u00e4ngig vom Abschneiden anderer L\u00e4nder kann ein Land in der Rangliste im Einzelfall auch aufr\u00fccken, obwohl sich seine Punktzahl verschlechtert hat und umgekehrt.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.reporter-ohne-grenzen.de\/fileadmin\/Redaktion\/Presse\/Downloads\/Ranglisten\/Rangliste_2019\/190417_Nahaufnahme2019_FINAL.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/wp-content\/uploads\/sites\/18\/2019\/04\/190417_Nahaufnahme2019_FINAL-T.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-199\" width=\"320\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">DEUTSCHLAND ist auf der Rangliste um zwei Pl\u00e4tze vom 15. auf\nden 13. Rang ger\u00fcckt. Dies liegt jedoch vor allem daran, dass sich die\nSituation in anderen L\u00e4ndern verschlechtert hat. Die Zahl der t\u00e4tlichen\nAngriffe gegen Journalistinnen und Journalisten in Deutschland ist 2018 sogar\ngestiegen: Reporter ohne Grenzen z\u00e4hlte mindestens 22 F\u00e4lle, 2017 waren es 16.\nZu Gewalt kam es insbesondere am Rande rechtspopulistischer Veranstaltungen und\nKundgebungen. Bei Demonstrationen in Chemnitz im Sommer 2018 schlugen\nProtestierende filmenden Journalistinnen und Journalisten wiederholt gegen das\nHandy oder die Kamera oder griffen sie mit Vorw\u00fcrfen wie \u201eL\u00fcgenpresse\u201c verbal\nan. Ein so medienfeindliches Klima wie in Chemnitz herrschte aus Sicht von\nReporter ohne Grenzen seit der Hochphase der Pegida-Bewegung im Jahr 2015 nicht\nmehr. Problematisch sind zudem einige neuere Gesetze wie das\nNetzwerkdurchsetzungsgesetz gegen Hassbotschaften im Internet und das\nBND-Gesetz, das die \u00dcberwachung ausl\u00e4ndischer Journalistinnen und Journalisten\nim Ausland durch den Bundesnachrichtendienst erlaubt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Populistische\nRegierungen sch\u00fcren Hass auf Medien<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hass gegen Journalistinnen und Journalisten wird besonders\nin L\u00e4ndern mit nationalistisch-populistischen Regierungen h\u00e4ufig von ranghohen\nPolitikern gesch\u00fcrt. In SERBIEN (Rang 90, -14), wo Pr\u00e4sident Aleksandar Vucic\nkritische Journalistinnen und Journalisten als \u201eL\u00fcgner\u201c oder \u201eausl\u00e4ndische\nSpione\u201c diffamiert und regierungstreue Medien gezielte Schmierkampagnen gegen\nKolleginnen und Kollegen verbreiten, hat 2018 die Gewalt besonders gegen\ndiejenigen zugenommen, die \u00fcber Korruption berichten. Im Dezember entkamen der\nInvestigativ-Reporter Milan Jovanovic und seine Frau nur knapp einem Anschlag,\nals ihr Haus in Brand gesteckt wurde. Wenige Tage sp\u00e4ter wurde Jovanovic, der\n\u00fcber Korruption in der lokalen Verwaltung recherchiert, erneut angegriffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der SLOWAKEI (35, -8), wo der ehemalige Regierungschef\nRobert Fico Medienschaffende nach Kritik an seiner Regierung \u00f6ffentlich als\n\u201edreckige antislowakische Huren\u201c beschimpfte, wurden im Februar 2018 der\nInvestigativ-Reporter Jan Kuciak und seine Verlobte erschossen. Die Tat ist\nbisher nicht vollst\u00e4ndig aufgekl\u00e4rt, obwohl inzwischen vier Tatverd\u00e4chtige und\nein Gesch\u00e4ftsmann als mutma\u00dflicher Auftraggeber in Untersuchungshaft sitzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In TSCHECHIEN (40, -6) griffen Sicherheitsleute von\nPr\u00e4sident Milos Zeman Journalisten an, als diese \u00fcber dessen Wiederwahl\nberichteten. Zeman, bekannt f\u00fcr geschmacklose Verbalangriffe auf\nMedienschaffende, f\u00fchrt diese unbeirrt fort: Nachdem er 2017 \u00f6ffentlich dazu\naufgerufen hatte, Reporterinnen und Reporter zu \u201eliquidieren\u201c, und die Attrappe\neiner Kalaschnikow mit der Aufschrift \u201eF\u00fcr Journalisten\u201c in Fernsehkameras\nhielt, bot er im Herbst 2018 in Anspielung auf die Ermordung des\nsaudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi in Istanbul an, einen Empfang in\nder saudi-arabischen Botschaft zu organisieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In \u00d6STERREICH (16, -5) nahmen medienfeindliche Rhetorik und\nDrohungen gegen Medienschaffende stark zu, seit Rechtspopulisten an der\nRegierung beteiligt sind. H\u00e4ufig wurden Journalistinnen und Journalisten, die\nkritisch \u00fcber die Regierung berichteten, als \u201eLinksextreme\u201c gebrandmarkt, die\ndas Land destabilisieren wollten. Im Februar bezeichnete Vizekanzler Heinz-Christian\nStrache den leitenden Moderator des \u00f6ffentlich-rechtlichen Fernsehens ORF Armin\nWolf als L\u00fcgner und entschuldigte sich daf\u00fcr erst, nachdem er durch einen\nau\u00dfergerichtlichen Vergleich dazu gezwungen wurde. Im September warnte das\nFP\u00d6-gef\u00fchrte Innenministerium die Polizei in einer internen Mail vor bestimmten\nMedien und empfahl, die Zusammenarbeit mit diesen Zeitungen \u201eauf das n\u00f6tigste\n(rechtlich vorgesehene) Ma\u00df zu beschr\u00e4nken\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den USA (48, -3) zeigt die Hetze Wirkung, mit der\nPr\u00e4sident Donald Trump kritische Medien seit seinem Amtsantritt \u00fcberzieht. Nie\nzuvor erhielten Journalistinnen und Journalisten \u2013 von Trump als \u201eVolksfeinde\u201c\ndiffamiert \u2013 so viele Mord- und Bombendrohungen wie 2018. Immer mehr\nMedienschaffende nehmen den Schutz privater Sicherheitsfirmen in Anspruch,\nunter ihnen ein beim Wei\u00dfen Haus akkreditierter Korrespondent, der mit dem Tod\nbedroht worden war. Wie real die Gefahr ist, zeigte Ende Juni das Attentat auf\ndie Capital Gazette in Annapolis bei Washington: Ein Bewaffneter drang in die\nRedaktion der Lokalzeitung ein und erschoss f\u00fcnf Menschen. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.reporter-ohne-grenzen.de\/ueber-uns\/vorstand\/katja-gloger\/\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" width=\"180\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\"Foto: Reporter ohne Grenzen, \u00a9Hans-J\u00fcrgen Burkard.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/wp-content\/uploads\/sites\/18\/2018\/11\/Katja_Gloger.jpg\" alt=\"\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Katja Gloger ist Vorstandssprecherin von <a href=\"https:\/\/www.reporter-ohne-grenzen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Reporter ohne Grenzen<\/a>.<\/td><\/tr><tr><td><\/td><td><a href=\"https:\/\/www.reporter-ohne-grenzen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/wp-content\/uploads\/sites\/18\/2018\/07\/ROGLogo.png\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Aufsteiger und\nAbsteiger<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die gr\u00f6\u00dften Aufsteiger der Rangliste liegen in\nSubsahara-Afrika: In \u00c4THIOPIEN (110, +40) und GAMBIA (92, + 30) wurden nach\nRegierungswechseln Reformen eingeleitet und inhaftierte Medienschaffende\nfreigelassen. In TUNESIEN (72, +25) sank die Zahl der \u00dcbergriffe auf\nJournalistinnen und Journalisten deutlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">St\u00e4rkste Absteiger sind die ZENTRALAFRIKANISCHE REPUBLIK\n(145, -33), wo im Sommer drei russische Journalisten get\u00f6tet wurden, und\nTANSANIA (118, -25), wo sich die Lage nach dem Amtsantritt eines neuen\nPr\u00e4sidenten kontinuierlich verschlechterte. In NICARAGUA (114, -24) ging die\nRegierung bei Protesten mit gro\u00dfer H\u00e4rte gegen Medienschaffende vor. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Spitzenreiter und\nSchlusslichter<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An der Spitze der Rangliste steht zum dritten Mal in Folge\nNORWEGEN. Den zweiten Rang nimmt FINNLAND ein, das sich im Jahr nach dem\nSkandal um die redaktionelle Unabh\u00e4ngigkeit des \u00f6ffentlichen Rundfunks YLE um\nzwei Pl\u00e4tze verbesserte. SCHWEDEN rutschte wegen einer Reihe von\nOnline-Drohungen gegen Journalistinnen und Journalisten um einen Rang auf Platz\ndrei. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am unteren Ende der Rangliste stehen wie in den Vorjahren\nDiktaturen, die keinerlei unabh\u00e4ngige Berichterstattung zulassen: TURKMENISTAN\n(180), NORDKOREA (179) und ERITREA (178) haben lediglich untereinander die\nPl\u00e4tze getauscht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nord- und S\u00fcdamerika<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von allen Weltregionen hat sich die Situation auf dem\namerikanischen Doppelkontinent am st\u00e4rksten verschlechtert. Versch\u00e4rft hat sich\ndie Lage der Pressefreiheit unter anderem in den USA (siehe oben), Nicaragua,\nVenezuela und Brasilien. NICARAGUA fiel um 24 Pl\u00e4tze auf Rang 114 \u2013 so weit wie\nkein anderes Land in der Region. W\u00e4hrend landesweiter Proteste seit April 2018\nging die Regierung von Pr\u00e4sident Daniel Ortega mit gro\u00dfer H\u00e4rte gegen\nMedienschaffende vor. Sie wurden als Regimegegner behandelt und in vielen\nF\u00e4llen k\u00f6rperlich angegriffen. In VENEZUELA (148, -5) wurden 2018 so viele\nJournalistinnen und Journalisten willk\u00fcrlich festgenommen wie nie zuvor,\ndarunter auch einige ausl\u00e4ndische. Viele venezolanische Medienschaffende\nverlie\u00dfen das Land. In BRASILIEN (105, -3) war der Wahlkampf des neuen\nPr\u00e4sidenten Jair Bolsonaro von Hassreden gegen Medien und von Desinformation\ngepr\u00e4gt. MEXIKO (144, +3) ist nach wie vor das Land mit den meisten\nJournalistenmorden weltweit au\u00dferhalb von Kriegsregionen, doch seit Amtsantritt\ndes neuen Pr\u00e4sidenten Andres Manuel Lopez Obrador hat sich das Verh\u00e4ltnis von\nMedien und Politik etwas entspannt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Europ\u00e4ische Union und\nBalkan<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die zweitst\u00e4rkste Verschlechterung hatte die Region EU und\nBalkan zu verzeichnen. Zwar ist Europa noch immer die Weltregion, in der\nMedienschaffende am freiesten und sichersten arbeiten k\u00f6nnen. Doch auch hier\nwurden im vergangenen Jahr Medienschaffende t\u00e4tlich angegriffen oder sogar\nermordet, mangelt es Beh\u00f6rden am Willen, solche Verbrechen aufzukl\u00e4ren. In\nMONTENEGRO (104, -1) brauchten die Beh\u00f6rden nach den Sch\u00fcssen auf die\nInvestigativjournalistin Olivera Lakic neun Monate, um Verd\u00e4chtige\nfestzunehmen, vollst\u00e4ndig aufgekl\u00e4rt ist der Angriff nach wie vor nicht. In\nMALTA (77, -12) ist der Mord an Daphne Caruana Galicia ebenfalls nicht\naufgekl\u00e4rt, internationale Ermittlungen lehnen die Beh\u00f6rden ab. Premierminister\nJoseph Muscat hat eine Anklage wegen Verleumdung gegen Galicia auch eineinhalb\nJahre nach dem Tod der Journalistin noch nicht zur\u00fcckgezogen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In FRANKREICH (32, +1) wurden bei der Berichterstattung \u00fcber\ndie Proteste der \u201eGelbwesten\u201c mehrfach Medienschaffende angegriffen, zahlreiche\nTV-Teams wagten sich nur noch in Begleitung von Sicherheitsleuten zu den\nDemonstrationen. Der linke Politiker und ehemalige Pr\u00e4sidentschaftskandidat\nJean-Luc Melenchon beschimpfte Medienschaffende als \u201eIdioten\u201c und als \u201eL\u00fcgner\nund Betr\u00fcger\u201c. In UNGARN (87, -14) hat sich mit dem Verkauf von Hir TV im\nAugust 2018 die Konzentration der reichweitenst\u00e4rksten Rundfunkmedien in den\nH\u00e4nden regierungsnaher Oligarchen verst\u00e4rkt. Auch die regionale Presse ist\nvollst\u00e4ndig im Besitz Orban-naher Unternehmer. Schlusslicht in der EU bleibt\nBULGARIEN (111, \u00b10), wo Politik, Gesch\u00e4ftswelt und Medien eng verflochten sind\nund sich die Regierung \u00fcber staatliche Zusch\u00fcsse, finanziert vor allem aus\nEU-Mitteln, loyale Berichterstattung erkauft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Naher Osten und\nNordafrika<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">SYRIEN (174, +3) bleibt f\u00fcr Journalistinnen und Journalisten\neines der gef\u00e4hrlichsten L\u00e4nder der Welt. Gefahr droht ihnen dort weiterhin vom\nAssad-Regime und von diversen bewaffneten Gruppen, auch wenn im vergangenen\nJahr nicht mehr ganz so viele Medienschaffende get\u00f6tet wurden wie im Vorjahr.\nKaum besser ist die Lage im JEMEN (168, -1), wo neben den Luftangriffen der\nPro-Regierungs-Truppen auch eine Gefangennahme durch die Huthi-Rebellen t\u00f6dlich\nenden kann. Auch in LIBYEN (162, \u00b10) schrecken die zahlreichen Milizen nicht\nvor Gewalt gegen Medienschaffende zur\u00fcck und m\u00fcssen keine Bestrafung f\u00fcrchten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ermordung des saudi-arabischen Exil-Journalisten Jamal\nKhashoggi in Istanbul hat ein Schlaglicht auf die gnadenlose Verfolgung\nkritischer Medieschaffender geworfen. In SAUDI-ARABIEN selbst (172, -3) drohen\nunliebsamen Journalistinnen und Journalisten willk\u00fcrliche Verhaftung und lange\nGef\u00e4ngnisstrafen \u2013 ebenso wie im IRAN (170, -6) oder in \u00c4GYPTEN (163, -2). Die\nVEREINIGTEN ARABISCHEN EMIRATE (133, -5) gehen mit umfassender\nInternet\u00fcberwachung und drakonischen Haftstrafen selbst gegen kleinste Kritik\netwa in den sozialen Medien vor.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der einzige Lichtblick in der Region ist die Entwicklung in\nTUNESIEN (72, +25), das auch acht Jahre nach dem Sturz des alten Regimes um\nReformen seiner Mediengesetze ringt. Zuletzt ist dort die Zahl der \u00dcbergriffe\nauf Journalistinnen und Journalisten stark gesunken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Afrika s\u00fcdlich der\nSahara<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine enorme Verbesserung verzeichnet \u00c4THIOPIEN (Rang 110,\n+40). Nach einem Regierungswechsel im April 2018 entlie\u00df der neue Pr\u00e4sident\nAbiy Ahmed Ali alle inhaftierten Medienschaffenden aus dem Gef\u00e4ngnis und gab\nmehr als 200 Medien und Webseiten frei, die bis dahin blockiert waren.\n\u00c4hnliches gilt f\u00fcr GAMBIA. Auch dort wurden nach der Pr\u00e4sidentenwahl 2017\nReformen erlassen, die f\u00fcr mehr Medienpluralit\u00e4t gesorgt haben. Nachdem sich\ndas Land bereits im Vorjahr um 21 Pl\u00e4tze verbesserte, r\u00fcckte es diesmal um weitere\n30 Pl\u00e4tze nach oben (auf Rang 92). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allerdings wirken sich Regierungswechsel nicht per se\npositiv auf die Pressefreiheit aus: In TANSANIA (118, -25) verschlechterte sich\ndie Lage der Pressefreiheit seit dem Amtsantritt von Pr\u00e4sident John Magufuli\n(genannt \u201eBulldozer\u201c) kontinuierlich. Drastische Einschr\u00e4nkungen erlebten auch\nMedienschaffende in MAURETANIEN (94, -22), seitdem der Abfall vom Glauben und\nBlasphemie unter Todesstrafe gestellt wurden. Das gef\u00e4hrlichste Land in Afrika\nf\u00fcr einheimische Journalistinnen und Journalisten bleibt SOMALIA (164, +4), wo\n2018 drei Medienschaffende im Zuge ihrer Arbeit ums Leben kamen. In der\nZENTRALAFRIKANISCHEN REPUBLIK wurden drei russische Journalisten get\u00f6tet. Das\nLand verschlechterte sich aufgrund dessen um 33 R\u00e4nge auf Platz 145.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Asien \u2011 Pazifik<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Malaysia und die Malediven geh\u00f6ren zu den gr\u00f6\u00dften\nAufsteigern weltweit. Beide L\u00e4nder sind Beispiele daf\u00fcr, wie schnell sich ein\nWechsel der politischen F\u00fchrung positiv auf die Pressefreiheit auswirken kann.\nIn MALAYSIA (123, +22) ist seit dem ersten demokratischen Machtwechsel in der\nGeschichte des Landes erstmals \u00f6ffentliche Kritik an der Regierung m\u00f6glich,\neinst verbotene Medien d\u00fcrfen wieder publizieren. Der erst im September\ngew\u00e4hlte neue Pr\u00e4sident der MALEDIVEN (98, +22) hatte vor seiner Wahl mehr\nPressefreiheit versprochen, zwei Monate sp\u00e4ter hob das Parlament das\ndrakonische Verleumdungsgesetz auf. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">China und Vietnam, die beide schon auf den untersten Pl\u00e4tzen\nrangierten, sind noch mal jeweils um einen Platz gefallen. In CHINA (177, &#8211; 1)\nsitzen rund 60 Medienschaffende wegen ihrer Arbeit in Haft, mehr als in jedem\nanderen Land auf der Welt. Seit dem Amtsantritt von Parteichef Xi Jinping im\nJahr 2012 geht die chinesische F\u00fchrung mit neuer H\u00e4rte gegen Kritiker vor. Auch\ndie Kontrolle des Internets wurde noch einmal massiv versch\u00e4rft. In VIETNAM\n(176, -1) sind mindestens 30 Medienschaffende wegen ihrer Arbeit inhaftiert,\nder Gro\u00dfteil davon B\u00fcrgerjournalistinnen und B\u00fcrgerjournalisten. Mit Vorw\u00fcrfen\nwie \u201ePropaganda gegen den Staat\u201c oder \u201eAktivit\u00e4ten, die den Sturz der Regierung\nherbeif\u00fchren sollen\u201c werden sie in Prozessen hinter verschlossenen T\u00fcren zu\nlangen Haftstrafen verurteilt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit mindestens 16 Get\u00f6teten war AFGHANISTAN (121, -3) 2018\ndas gef\u00e4hrlichste Land f\u00fcr Journalistinnen und Journalisten weltweit. Allein\nbei einem Doppelanschlag in Kabul Ende April 2018 wurden neun Medienschaffende\nget\u00f6tet. In MYANMAR (138, -1) wurden die beiden Reuters-Journalisten Wa Lone\nund Kyaw Soe Oo in einer Justiz-Farce zu sieben Jahren Haft verurteilt, weil\nsie gegen ein Gesetz zu Staatsgeheimnissen aus dem Jahr 1923 versto\u00dfen haben\nsollen. Der tats\u00e4chliche Grund f\u00fcr die Festnahme im Dezember 2017 sind ihre\nmutigen Recherchen: Die Journalisten hatten \u00fcber ein Massaker der Armee an Rohingya-Zivilisten\nim Dorf Inn Din nahe der Grenze zu Bangladesch recherchiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Osteuropa und\nZentralasien<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In RUSSLAND (149, -1) schr\u00e4nken neue Gesetze die Freiheit im\nInternet weiter ein und setzen zunehmend auch internationale Plattformen unter\nDruck. Beim Versuch, den Messengerdienst Telegram zu blockieren, sperrte die\nMedienaufsicht im Fr\u00fchjahr 2018 bis zu 20 Millionen IP-Adressen. In der UKRAINE\n(102, -1) werden besonders investigative Journalistinnen und Journalisten\nbeschattet oder durch Gewalt an ihrer Arbeit gehindert. Der Krieg im Osten des\nLandes wirkt sich negativ auf die Pressefreiheit aus, immer wieder wird\nReporterinnen und Reportern aus dem Ausland die Einreise verweigert. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der T\u00dcRKEI (157, \u00b10) sitzen von den mehr als 100\ninhaftierten Journalistinnen und Journalisten nach ROG-Informationen mindestens\n30 wegen ihrer Arbeit im Gef\u00e4ngnis. Im M\u00e4rz 2018 brachte die Regierung die\ngr\u00f6\u00dfte Mediengruppe des Landes unter ihre Kontrolle. Zudem ist die T\u00fcrkei das\neinzige Land weltweit, in dem eine Journalistin wegen der Ver\u00f6ffentlichung der\nPanama Papers strafrechtlich verfolgt wurde. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Verbessert hat sich die Situation in ARMENIEN (61, +19), wo\nder Staat nach der \u201eSamtenen Revolution\u201c weniger Einfluss auf den \u00f6ffentlichen\nRundfunk nimmt, sowie in KIRGISTAN (83, +15), wo Politiker horrende\nStrafforderungen gegen kritische Medienschaffende zur\u00fcckzogen. In USBEKISTAN\n(160, +5) wurden s\u00e4mtliche Journalisten freigelassen, die unter dem 2016\ngestorbenen Diktator Islam Karimow im Gef\u00e4ngnis sa\u00dfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die systematische Hetze gegen Journalistinnen und Journalisten hat dazu gef\u00fchrt, dass Medienschaffende zunehmend in einem Klima der Angst arbeiten. 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