{"id":641,"date":"2021-03-17T15:44:24","date_gmt":"2021-03-17T14:44:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/?page_id=641"},"modified":"2021-03-17T15:44:25","modified_gmt":"2021-03-17T14:44:25","slug":"gesellschaftlicher-zusammenhalt-in-der-corona-pandemie-religion-spielt-eine-ambivalente-rolle","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/gesellschaftlicher-zusammenhalt-in-der-corona-pandemie-religion-spielt-eine-ambivalente-rolle\/","title":{"rendered":"Gesellschaftlicher Zusammenhalt in der Corona-Pandemie: Religion spielt eine ambivalente Rolle."},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Wer seine eigene Religion als einzig akzeptable erachtet, vertraut Mitmenschen und \u00f6ffentlichen Institutionen in der Corona-Zeit weniger als andere, zeigt weniger Solidarit\u00e4t, h\u00e4lt sich weniger an Gesetze und engagiert sich weniger politisch. Die \u00dcberzeugung, die eigene Religion sei dann noch im Recht, wenn sie im Widerspruch zur Wissenschaft steht, ist hinderlich f\u00fcr den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Menschen ohne exklusivistisch-abgrenzendes Glaubensverst\u00e4ndnis hingegen, die h\u00e4ufiger an Gottesdiensten teilnehmen, vertrauen ihren Mitmenschen st\u00e4rker als andere, verhalten sich im Alltag solidarischer und engagieren sich st\u00e4rker sozial.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr>\n<img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-313\" title=\"Foto: Nata Uchava, Freiburg.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/wp-content\/uploads\/sites\/18\/2021\/03\/NU-210317-exzellenzcluster.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\">\n<hr>\n&nbsp;\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>(M\u00fcnster, 11. M\u00e4rz 2021)<\/strong> Trotz Corona-Pandemie und Kontaktbeschr\u00e4nkungen zeigen die Menschen in Deutschland nach einer Umfrage des Exzellenzclusters \u201eReligion und Politik\u201c der Uni M\u00fcnster weiter Bereitschaft zu Solidarit\u00e4t und Zusammenhalt. In der nicht-repr\u00e4sentativen Online-Befragung geben 63 Prozent der von Juli 2020 bis Januar 2021 gut 2.300 Befragten an, mehr Solidarit\u00e4t und Hilfsbereitschaft in ihrem Pandemiealltag zu zeigen. Auch f\u00fchlen sich 45 Prozent trotz der physischen Kontaktbeschr\u00e4nkungen st\u00e4rker mit ihren Mitmenschen verbunden und nur 17 Prozent schw\u00e4cher, wie die Politikwissenschaftlerin Carolin Hillenbrand vom Exzellenzcluster im neuen <a href=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/Religion-und-Politik\/podcastundvideo\/Corona_und_Zusammenhalt.html\" target=\"_blank\" aria-label=\"Forschungspodcast \u201eReligion und Politik\u201c (opens in a new tab)\" rel=\"noreferrer noopener\" class=\"rank-math-link\">Forschungspodcast \u201eReligion und Politik\u201c<\/a> erl\u00e4utert. Die Umfrage ergab weiter, dass das soziale Vertrauen in die Mitmenschen w\u00e4hrend der Coronazeit bei den meisten Befragten nicht gesunken ist, sondern gleichblieb. Das Vertrauen in \u00f6ffentliche Institutionen stieg zugleich bei 42 Prozent der Befragten an. Hillenbrand: \u201eTrotz Corona-Pandemie und Kontaktbeschr\u00e4nkungen halten die Menschen st\u00e4rker zusammen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei spielt die Religiosit\u00e4t eine wichtige Rolle, wie Hillenbrand im Podcast zum Themenjahr \u201eZugeh\u00f6rigkeit und Abgrenzung\u201c des Exzellenzclusters darlegt. \u201eWir sehen signifikante Zusammenh\u00e4nge zwischen Religion und den Dimensionen des gesellschaftlichen Zusammenhalts wie Vertrauen, Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl und Verantwortungsbereitschaft\u201c, so die Forscherin. Die Rolle der Religion sei ambivalent. Menschen, die h\u00e4ufiger an Gottesdiensten teilnehmen, vertrauen der Umfrage zufolge ihren Mitmenschen st\u00e4rker als andere, verhalten sich im Alltag solidarischer und engagieren sich st\u00e4rker sozial. Anders sehe es f\u00fcr Menschen mit exklusivistisch-abgrenzendem Glaubensverst\u00e4ndnis aus. \u201eWer seine eigene Religion als einzig akzeptable erachtet, vertraut Mitmenschen und \u00f6ffentlichen Institutionen in der Corona-Zeit weniger als andere. Au\u00dferdem zeigt diese Gruppe weniger Solidarit\u00e4t, sie h\u00e4lt sich weniger an Gesetze und engagiert sich weniger politisch.\u201c Hinderlich f\u00fcr den Zusammenhalt sei auch die \u00dcberzeugung, die eigene Religion sei dann noch im Recht, wenn sie im Widerspruch zur Wissenschaft stehe. \u201eDas geht mit geringerem Institutionenvertrauen, schw\u00e4cherem sozialen und nationalstaatlichen Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl sowie geringerer Regelbeachtung einher.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Corona und Verschw\u00f6rungstheorien<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch der Zusammenhang von Religiosit\u00e4t und Verschw\u00f6rungstheorien wurde in der Umfrage abgefragt. Die Teilnehmenden konnten Stellung beziehen zu unterschiedlichen Deutungen der Pandemie wie zu der Aussage: \u201eHinter der Corona-Pandemie stecken b\u00f6se, verborgene M\u00e4chte.\u201c Diesem Satz stimmen knapp zehn Prozent der Befragten zu. \u201eUnter ihnen sind vor allem Menschen mit formal niedrigerem Bildungsniveau. Alter und Geschlecht spielen keine Rolle, wohl aber die Einordnung in das politische Parteienspektrum\u201c, sagt die Politikwissenschaftlerin. \u201eMenschen, die sich weiter rechts einordneten, vermuten st\u00e4rker, dass hinter der Corona-Pandemie b\u00f6se, verborgene M\u00e4chte stecken.\u201c Auch bef\u00e4nden sich unter ihnen vermehrt Gl\u00e4ubige, deren Gottesbild von Strafe, Schuld und Angst gepr\u00e4gt sei und die die Coronapandemie als Strafe Gottes deuteten. \u201eAuf der anderen Seite gehen die religi\u00f6se Praxis wie der Gottesdienstbesuch oder das Engagement in einer Religionsgemeinschaft mit einer geringeren Verschw\u00f6rungsmentalit\u00e4t einher.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Corona und Religion<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die <a href=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/imperia\/md\/content\/religion_und_politik\/aktuelles\/2021\/factsheet.pdf\" target=\"_blank\" aria-label=\"Online-Befragung, deren Ergebnisse hier einsehbar sind, (opens in a new tab)\" rel=\"noreferrer noopener\" class=\"rank-math-link\">Online-Befragung, deren Ergebnisse hier einsehbar sind,<\/a> zeigt auch, wie sich die Pandemie auf den Glauben der Menschen auswirkt:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>57 Prozent der Befragten geben an, ihr Glaube sei in der Coronazeit unver\u00e4ndert geblieben.<\/li><li>Ein Drittel gibt an, er habe sich verst\u00e4rkt,<\/li><li>bei knapp 11 Prozent wurde der Glaube schw\u00e4cher.<\/li><li>Mehr als die H\u00e4lfte der Befragten sagt, der Glaube gebe in der Corona-Zeit Trost, Hoffnung und Kraft. Darunter sind vor allem diejenigen, die sich als religi\u00f6s bezeichnen, mehr beten und an Gottesdiensten teilnehmen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Coronapandemie verst\u00e4rkt also insbesondere die Religiosit\u00e4t von Gl\u00e4ubigen. Der Glaube von Menschen, die keiner Religionsgemeinschaft angeh\u00f6ren, schw\u00e4cht sich hingegen eher ab. \u201eEine tiefe, pers\u00f6nliche Gottesbeziehung scheint also auch in Krisenzeiten wie der Corona-Pandemie zu tragen und Halt zu geben\u201c, sagt die Forscherin. \u201eDas betrifft ein zentrales religi\u00f6ses Bezugsproblem, n\u00e4mlich die Frage, wie Menschen mit Kontingenz, Unsicherheit und ungewissen Situationen umgehen. Religion erf\u00fcllt in der Coronazeit ihre \u2013 mit der Religionssoziologie gesprochen \u2013 genuine Aufgabe der Kontingenzbew\u00e4ltigung.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Politikwissenschaftlerin erhebt die Daten im Rahmen ihrer Forschungsarbeiten an der Graduiertenschule des Exzellenzclusters \u201eReligion und Politik\u201c der Uni M\u00fcnster. Die Untersuchung ist in Kooperation mit einer internationalen Forschungsgruppe unter Federf\u00fchrung der Antonianum-Universit\u00e4t in Rom entstanden. Aus Deutschland beteiligt ist auch das \u201eForschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt\u201c (FGZ) an der Uni Leipzig. Die Forschergruppe untersucht den Einfluss der Coronapandemie auf soziale, politische und religi\u00f6se Einstellungen und Verhaltensweisen der Menschen in mehreren L\u00e4ndern. Die Wissenschaftlerin erl\u00e4utert die Ergebnisse und ihr Vorgehen bei der Auswertung in der ersten Folge des Forschungspodcasts \u201eReligion und Politik\u201c des Exzellenzclusters.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u201eReligion und Politik\u201c der WWU M\u00fcnster<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/Religion-und-Politik\/podcastundvideo\/Corona_und_Zusammenhalt.html\" target=\"_blank\" aria-label=\"Der Forschungspodcast \u201eReligion und Politik\u201c (opens in a new tab)\" rel=\"noreferrer noopener\" class=\"rank-math-link\">Der Forschungspodcast \u201eReligion und Politik\u201c<\/a> aus dem <a href=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/Religion-und-Politik\/\" target=\"_blank\" aria-label=\"gleichnamigen Exzellenzcluster der Uni M\u00fcnster (opens in a new tab)\" rel=\"noreferrer noopener\" class=\"rank-math-link\">gleichnamigen Exzellenzcluster der Uni M\u00fcnster<\/a> ist abrufbar unter Spotify, Deezer und Apple Podcasts sowie auf der Website www.religion-und-politik.de. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler berichten in ihren Podcastfolgen pers\u00f6nlich, aktuell und anschaulich aus ihrer Arbeit in der interdisziplin\u00e4ren Religionsforschung. Der Podcast begleitet auch das laufende Themenjahr \u201eZugeh\u00f6rigkeit und Abgrenzung\u201c des Exzellenzclusters. Die Forschenden aus gut 20 F\u00e4chern der Geistes- und Sozialwissenschaften decken mit ihren Folgen eine gro\u00dfe Bandbreite an Themen, F\u00e4chern und Epochen ab. An Fallbeispielen von der Antike bis heute er\u00f6rtern sie, wie Zugeh\u00f6rigkeiten zu politischen, kulturellen und religi\u00f6sen Gruppen und Identit\u00e4ten entstehen, wie sie Konflikte provozieren und Ausgleich zustande kommen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Exzellenzcluster \u201eReligion und Politik\u201c der WWU M\u00fcnster untersucht seit 2007 das komplexe Verh\u00e4ltnis von Religion und Politik quer durch die Epochen und Kulturen. Die 140 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 20 geistes- und sozialwissenschaftlichen F\u00e4chern und 10 L\u00e4ndern befassen sich in der F\u00f6rderphase von 2019 bis 2025 besonders mit \u201eDynamiken von Tradition und Innovation\u201c. In epochen\u00fcbergreifenden Untersuchungen von der Antike bis heute analysieren sie Faktoren, die Religion zum Motor politischen und gesellschaftlichen Wandels machen. Das Augenmerk gilt vor allem dem Paradox, dass Religionen ihr Innovationspotential regelm\u00e4\u00dfig im R\u00fcckgriff auf ihre Traditionen entwickeln. Die Forschenden konzentrieren sich auf die monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam und ihre polytheistischen Vorl\u00e4ufer. Im Zentrum des Interesses stehen Europa und der Mittelmeerraum sowie deren Verflechtungen mit Vorderasien, Afrika, Nord- und Lateinamerika. Der Forschungsverbund ist der bundesweit gr\u00f6\u00dfte dieser Art und unter den Exzellenzclustern in Deutschland einer der \u00e4ltesten und der einzige zum Thema Religion. Das F\u00f6rdervolumen von 2019 bis 2025 liegt bei 31 Millionen Euro.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/Religion-und-Politik\/personen\/graduiertenschule\/doktorandinnen\/hillenbrand.shtml\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" width=\"180\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\"Foto: Sandra R\u00f6seler.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/wp-content\/uploads\/sites\/18\/2021\/03\/Carolin-Hillenbrand-Foto-Sandra-Roeseler-wwu.jpg\" alt=\"\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Carolin Hillenbrand, M.A. forscht am <a href=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/Religion-und-Politik\/aktuelles\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Exzellenzcluster &#8222;Religion und Politik&#8220; der WWU M\u00fcnster<\/a>.<\/td><\/tr><tr><td><\/td><td><a href=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/Religion-und-Politik\/aktuelles\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/wp-content\/uploads\/sites\/18\/2019\/04\/logoExcellenzcluster.png\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer seine eigene Religion als einzig akzeptable erachtet, vertraut Mitmenschen und \u00f6ffentlichen Institutionen in der Corona-Zeit weniger als andere, zeigt weniger Solidarit\u00e4t, h\u00e4lt sich weniger an Gesetze und engagiert sich weniger politisch. 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