{"id":776,"date":"2022-08-18T15:07:47","date_gmt":"2022-08-18T13:07:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/?page_id=776"},"modified":"2022-08-18T15:08:30","modified_gmt":"2022-08-18T13:08:30","slug":"der-angriff-auf-salman-rushdie-zeigt-dass-gesellschaften-zwischen-religion-kunst-und-wissenschaft-differenzieren-muessen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/der-angriff-auf-salman-rushdie-zeigt-dass-gesellschaften-zwischen-religion-kunst-und-wissenschaft-differenzieren-muessen\/","title":{"rendered":"Der Angriff auf Salman Rushdie zeigt, dass Gesellschaften zwischen Religion, Kunst und Wissenschaft differenzieren m\u00fcssen"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Es ist eine gesellschaftliche Errungenschaft, dass literarische und auch wissenschaftliche Texte nicht als religi\u00f6se Texte gelesen und beurteilt werden. W\u00e4hrend Religion, Politik und Literatur im &#8222;globalen Norden&#8220; weitgehend differenzierte Systeme darstellen, mobilisieren &#8222;Die satanischen Verse&#8220; seit 1989 einen Protest, der die Systemdifferenzierung von Politik, Religion und Kunst nicht anerkennt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"413\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/wp-content\/uploads\/sites\/18\/2022\/08\/NU-220818-muenster.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-773\" title=\"Foto: Nata Uchava, Freiburg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>(M\u00fcnster, 16. August 2022)<\/strong> Der lebensbedrohliche Angriff auf den britischen Autor Salman Rushdie zeigt f\u00fcr die Literaturwissenschaftlerin Martina Wagner-Egelhaaf, wie gef\u00e4hrlich es ist, wenn Gesellschaften nicht zwischen Religion und Literatur differenzieren. \u201eEs ist eine unerl\u00e4ssliche gesellschaftliche Errungenschaft, dass literarische und auch wissenschaftliche Texte nicht als religi\u00f6se Texte gelesen und beurteilt werden\u201c, so die Wissenschaftlerin vom Exzellenzcluster \u201eReligion und Politik\u201c der Uni M\u00fcnster. Sie hat am Forschungsverbund das Verh\u00e4ltnis von Autor, Werk und Welt auch am Beispiel von Salman Rushdie erforscht und befasst sich aktuell mit Hass in der Literatur und Hass, der durch Literatur entsteht.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie \u201aSatanischen Verse\u2018 sind ein hochkomplexes literarisches Werk, das in keiner Weise \u2013 wie bis heute noch von Rushdies Feinden behauptet wird \u2013 eine platte Beleidigung von Religion oder Hetze gegen Muslime darstellt\u201c, sagt die Literaturwissenschaftlerin. Man m\u00fcsse den postmodernen Roman von 1988 in seiner Vielstimmigkeit, Widerspr\u00fcchlichkeit und Ironie w\u00fcrdigen. Klar sei aber auch: \u201eWenn religi\u00f6se Fanatiker unterst\u00fctzt durch den iranischen Staat gegen ein literarisches Werk hetzen, als anst\u00f6\u00dfig empfundene Passagen kontextlos zusammenstellen und bis heute eine Drohkulisse mobilisieren, sind Literatur, Literaturwissenschaft und -kritik machtlos.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Differenzierung von Politik, Religion und Kunst<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In der Literatur w\u00fcrden nat\u00fcrlich auch politische und religi\u00f6se Themen verhandelt, sie m\u00fcsse Kritik, durchaus auch in provozierender Weise, \u00fcben d\u00fcrfen, so Wagner-Egelhaaf. \u201eW\u00e4hrend aber Religion, Politik und Literatur im \u201aglobalen Norden\u2018 weitgehend differenzierte Systeme darstellen, mobilisieren \u201aDie satanischen Verse\u2018 seit 1989 einen Protest, der die Systemdifferenzierung von Politik, Religion und Kunst nicht anerkennt.\u201c Der Skandal um die Ver\u00f6ffentlichung sei zu einem Politikum geworden in einer Zeit, als man an vielen Universit\u00e4ten bei der Interpretation von Texten dem Autor und seinen Intentionen nur noch geringe Bedeutung zuma\u00df. Auch durch die Reaktionen auf die \u201eSatanischen Verse\u201c habe man in Europa in den 1990er Jahren wieder vermehrt \u00fcber die wiederkehrende Macht von Religion diskutiert. \u201eDie Diskurse \u00fcber die \u201aR\u00fcckkehr der Religion beziehungsweise der G\u00f6tter\u2018 fallen zusammen mit der Rede von der R\u00fcckkehr der Bedeutung des Autors.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Fall Salman Rushdie zeige, dass das sich das Wechselverh\u00e4ltnis von Autor und Text auch umkehren k\u00f6nne, und wie Literatur auf ihre Autoren zur\u00fcckwirke: \u201eEs ist erschreckend, dass nach vielen Jahren einer vermeintlichen Entspannung und Normalisierung von Salman Rushdies Alltag im Skandal der Fatwa ein neues Kapitel aufgeschlagen wurde.\u201c<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/Religion-und-Politik\/personen\/antragsteller\/wagner-egelhaaf.shtml\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"708\" height=\"648\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/wp-content\/uploads\/sites\/18\/2022\/08\/Martina-Wagner-Egelhaaf-Foto-von-Hilla-Suedhaus-K.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-774\" title=\"Foto: Hilla S\u00fcdhaus\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Die Literaturwissenschaftlerin <a href=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/Religion-und-Politik\/personen\/antragsteller\/wagner-egelhaaf.shtml\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Prof. Dr. Martina Wagner-Egelhaaf<\/a> ist &#8222;Principal Investigator&#8220; im <a href=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/Religion-und-Politik\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Exzellenzcluster &#8222;Religion &amp; Politik&#8220;<\/a> der Westf\u00e4lischen Wilhelms-Universit\u00e4t M\u00fcnster.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/Religion-und-Politik\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/wp-content\/uploads\/sites\/18\/2019\/04\/logoExcellenzcluster.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-182\" width=\"185\" height=\"37\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p><strong>Der Exzellenzcluster \u201eReligion und Politik\u201c der WWU M\u00fcnster<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der <a href=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/Religion-und-Politik\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Exzellenzcluster \u201eReligion und Politik. Dynamiken von Tradition und Innovation\u201c<\/a> der Universit\u00e4t M\u00fcnster untersucht seit 2007 das komplexe Verh\u00e4ltnis von Religion und Politik quer durch die Epochen und Kulturen. Die 140 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 20 geistes- und sozialwissenschaftlichen F\u00e4chern und 10 L\u00e4ndern befassen sich in der F\u00f6rderphase von 2019 bis 2025 besonders mit \u201eDynamiken von Tradition und Innovation\u201c. In epochen\u00fcbergreifenden Untersuchungen von der Antike bis heute analysieren sie Faktoren, die Religion zum Motor politischen und gesellschaftlichen Wandels machen. Das Augenmerk gilt vor allem dem Paradox, dass Religionen ihr Innovationspotential regelm\u00e4\u00dfig im R\u00fcckgriff auf ihre Traditionen entwickeln. Im Zentrum des Interesses stehen Europa und der Mittelmeerraum sowie deren Verflechtungen mit Vorderasien, Afrika, Nord- und Lateinamerika. Der Forschungsverbund ist der bundesweit gr\u00f6\u00dfte dieser Art und unter den Exzellenzclustern in Deutschland einer der \u00e4ltesten und der einzige zum Thema Religion. Das F\u00f6rdervolumen von 2019 bis 2025 liegt bei 31 Millionen Euro.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist eine gesellschaftliche Errungenschaft, dass literarische und auch wissenschaftliche Texte nicht als religi\u00f6se Texte gelesen und beurteilt werden. W\u00e4hrend Religion, Politik und Literatur im &#8222;globalen Norden&#8220; weitgehend differenzierte Systeme darstellen, mobilisieren &#8222;Die satanischen Verse&#8220; seit 1989 einen Protest, der die Systemdifferenzierung von Politik, Religion und Kunst nicht anerkennt. (M\u00fcnster, 16. 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