{"id":793,"date":"2022-10-24T16:03:58","date_gmt":"2022-10-24T14:03:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/?page_id=793"},"modified":"2022-10-24T16:03:59","modified_gmt":"2022-10-24T14:03:59","slug":"religioese-vielfalt-folgt-wiederkehrenden-mustern","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/religioese-vielfalt-folgt-wiederkehrenden-mustern\/","title":{"rendered":"Religi\u00f6se Vielfalt folgt wiederkehrenden Mustern"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Der Religionswissenschaftler und Theologe Perry Schmidt-Leukel legt einen neuen Vergleich der Weltreligionen Christentum und Buddhismus vor und kommt zu dem Schluss: \u201eDie Betrachtung der internen Vielfalt beider Religionen widerlegt Klischees von absoluter Verschiedenheit.\u201c Die Besch\u00e4ftigung mit einer anderen Tradition biete die Chance, Vergessenes der eigenen Religion wiederzuentdecken. In der anderen Religion begegne einem immer auch das Andere aus der eigenen Tradition; damit werde religi\u00f6ses Blockdenken \u00fcberwunden und wechselseitiges Lernen erm\u00f6glicht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"413\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/wp-content\/uploads\/sites\/18\/2022\/10\/NU-221024-Schmidt-Leukel.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-790\" title=\"Foto: Nata Uchava, Freiburg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>(M\u00fcnster, 13. Oktober 2022)<\/strong> Buddhismus und Christentum sind sich laut Forschungen des Religionswissenschaftlers und Theologen Prof. Dr. Perry Schmidt-Leukel deutlich \u00e4hnlicher als h\u00e4ufig angenommen, aber anders als gedacht. \u201eNat\u00fcrlich gibt es viele Unterschiede, doch die Religionen gleichen sich in ihrer inneren Vielfalt. Die jahrhundertealten Klischees von ihrer absoluten Fremdheit erweisen sich als unhaltbar\u201c, betont der Forscher. \u201eBeim Blick auf ihre interne Vielfalt zeigt sich, dass in beiden Religionen \u00e4hnliche Unterschiede im Verh\u00e4ltnis zur Welt, im Verst\u00e4ndnis letzter Wirklichkeit, in der Einsch\u00e4tzung von Unheil und Heil und der Rolle der Heilsmittler aufzufinden sind.\u201c Zu diesem Ergebnis kommt der Forscher vom Exzellenzcluster \u201eReligion und Politik\u201c der Uni M\u00fcnster in seinem k\u00fcrzlich im G\u00fctersloher Verlagshaus erschienenen Buch \u201eDas himmlische Geflecht. Buddhismus und Christentum \u2013 ein anderer Vergleich\u201c. \u201eIch wende mich gegen klischeehafte Gegen\u00fcberstellungen, die den Vergleich bis heute pr\u00e4gen, etwa: Christen glauben an einen personalen Gott, Buddhisten kennen nur ein unpers\u00f6nliches Nichts. Der Buddhismus ist eine Lehre zur Selbsterl\u00f6sung, das Christentum vertraut auf Gottes Gnade.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Schmidt-Leukel sind Religionen keine homogenen Einheiten: \u201eDas Christentum ist nicht immer weltzugewandt und Buddhisten versuchen nicht immer, die Welt zu \u00fcberwinden. Die Geschichte dieser Traditionen ist so vielstimmig, dass wir beide Positionen in beiden Religionen finden.\u201c So gebe es etwa im Christentum nicht nur personale, sondern auch nicht-personale Vorstellungen von letzter Wirklichkeit und umgekehrt im Buddhismus nicht nur nicht-personale Vorstellungen von letzter Wirklichkeit, sondern auch personale. Auch die zentralen Heilsmittler Buddha und Christus w\u00fcrden in beiden Religionen sowohl als erleuchtete Lehrer als auch als inkarnierte Erl\u00f6ser verstanden. \u201eDie Besch\u00e4ftigung mit einer anderen Tradition bietet die Chance, Vergessenes der eigenen Religion wiederzuentdecken. In der anderen Religion begegnet einem immer auch das Andere aus der eigenen Tradition. Damit wird religi\u00f6ses Blockdenken \u00fcberwunden und wechselseitiges Lernen erm\u00f6glicht.\u201c Das christliche Gebet sei etwa durch buddhistische Meditationspraktiken belebt und bereichert worden. Weltzugewandte Str\u00f6mungen im Christentum h\u00e4tten wiederum zur Wiederbelebung eines sozial engagierten Buddhismus gef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Eigene im Fremden wiederentdecken<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In seinem Buch zeigt Schmidt-Leukel die interne Vielfalt beider Religionen auf und analysiert daf\u00fcr Glaubensvorstellungen aus Buddhismus und Christentum der vergangenen mehr als zweitausend Jahre. Er weist nach, wie sich \u2013 bei allen Unterschieden \u2013 beide Traditionen in ihrer Vielfalt \u00e4hneln. In diesen sich wiederholenden Mustern zeige sich eine fraktale Struktur religi\u00f6ser Vielfalt. \u201eDie Spannungen, die wir in der einen Tradition sehen, spiegeln sich auch wider in der anderen Tradition. Etwa der erbitterte Streit zwischen Protestantismus und Katholizismus dar\u00fcber, welche Rolle die g\u00f6ttliche Gnade und welche Rolle die eigenen Taten bei der Erl\u00f6sung spielen: Wir finden diese Debatten sehr \u00e4hnlich auch in buddhistischen Str\u00f6mungen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dass in verschiedenen Religionen immer wieder \u00e4hnliche Unterschiede auftreten, l\u00e4sst sich nach Schmidt-Leukel zum Teil dadurch erkl\u00e4ren, dass diese Unterschiede einander komplement\u00e4r erg\u00e4nzen. \u201eWenn wir die fraktale Struktur religi\u00f6ser Vielfalt erkennen, dann wird sichtbar, dass Religionen einander nie v\u00f6llig fremd sind. Ich sehe sie als konkrete Ausformungen in einem Netzwerk der Wahrheit \u2013 als eine Art \u201ahimmlisches Geflecht\u2018, um eine gel\u00e4ufige buddhistische Metapher zu verwenden.\u201c Fraktale Muster seien aber auch f\u00fcr Nicht-Gl\u00e4ubige erkennbar: \u201eWer die Existenz einer Raum und Zeit \u00fcberschreitenden letzten Wirklichkeit verneint, kann diese religi\u00f6sen Strukturmuster trotzdem erkennen und wird sie dann als wiederkehrende Formen menschlicher Illusion und Selbstt\u00e4uschung deuten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Erste Reaktionen auf das Buch betrachten Schmidt-Leukels Ansatz als einen Durchbruch. So schreibt John May, australischer Experte f\u00fcr interreligi\u00f6sen Dialog: \u201eW\u00e4hrend in der Vergangenheit Religionswissenschaftler und Theologen angesichts einer L\u00f6sung der scheinbar unl\u00f6sbaren Gegens\u00e4tze religi\u00f6ser Lehren im Dunkeln tappten, bringt Schmidt-Leukels Aneignung der fraktalen Theorie alles auf eine Weise in den Fokus, wie man es bisher nicht gesehen hat.\u201c<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/EvTheol\/personen\/schmidt-leukel.shtml\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1010\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/wp-content\/uploads\/sites\/18\/2020\/02\/Prof.-Dr.-Perry-Schmidt-Leukel-T-1010x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-365\" title=\"Foto: WWU M\u00fcnster.\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><a href=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/EvTheol\/personen\/schmidt-leukel.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Perry Schmidt-Leukel ist Professor f\u00fcr Religionswissenschaft und interkulturelle Theologie<\/a>\u00a0an der Westf\u00e4lischen Wilhelms-Universit\u00e4t M\u00fcnster.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.penguinrandomhouse.de\/Buch\/Das-himmlische-Geflecht\/Perry-Schmidt-Leukel\/Guetersloher-Verlagshaus\/e590014.rhd\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"675\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/wp-content\/uploads\/sites\/18\/2022\/10\/Schmidt-Leukel-Das-himmlische-Geflecht-675x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-791\"\/><\/a><figcaption>Das himmlische Geflecht von Perry Schmidt-Leukel<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><a href=\"https:\/\/www.penguinrandomhouse.de\/Buch\/Das-himmlische-Geflecht\/Perry-Schmidt-Leukel\/Guetersloher-Verlagshaus\/e590014.rhd\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Perry Schmidt-Leukel, \u201eDas himmlische Geflecht. Buddhismus und Christentum \u2013 ein anderer Vergleich\u201c, G\u00fctersloh, 26.00 Euro.<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Religionswissenschaftler und Theologe Perry Schmidt-Leukel legt einen neuen Vergleich der Weltreligionen Christentum und Buddhismus vor und kommt zu dem Schluss: \u201eDie Betrachtung der internen Vielfalt beider Religionen widerlegt Klischees von absoluter Verschiedenheit.\u201c Die Besch\u00e4ftigung mit einer anderen Tradition biete die Chance, Vergessenes der eigenen Religion wiederzuentdecken. 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