{"id":97,"date":"2018-11-07T16:04:22","date_gmt":"2018-11-07T15:04:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/?page_id=97"},"modified":"2020-09-09T19:42:57","modified_gmt":"2020-09-09T17:42:57","slug":"flucht-ins-autoritaere-studie-zu-rechtsextremen-einstellungen-in-deutschland","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/flucht-ins-autoritaere-studie-zu-rechtsextremen-einstellungen-in-deutschland\/","title":{"rendered":"\u201eFlucht ins Autorit\u00e4re\u201c: Studie zu rechtsextremen Einstellungen in Deutschland"},"content":{"rendered":"<p><em>Die Abwertung von Asylbewerberinnen und Asylbewerbern hat 2018 zugenommen, so ein zentrales Ergebnis der aktuellen \u201cLeipziger Autoritarismus-Studie\u201d. 79,1 Prozent der Befragten lehnen Gro\u00dfz\u00fcgigkeit bei der Pr\u00fcfung von Asylantr\u00e4gen ab. 61,5 Prozent k\u00f6nnen oder wollen nicht an die Berechtigung von Asylantr\u00e4gen glauben. Asylbewerberinnen und Asylbewerber werden ebenso wie Sinti und Roma und schlie\u00dflich Muslima und Muslime als kulturelle, sicherheitspolitische oder \u00f6konomische Bedrohung imaginiert; au\u00dferdem fungieren diese Gruppen als Blitzableiter, durch den \u2013 eigene und aus anderen Ursachen erwachsene \u2013 Aggressionen kanalisiert werden.<\/em><\/p>\n<p><strong>(Berlin, 7. November 2018)<\/strong> In Berlin wurde heute die <a href=\"https:\/\/www.boell.de\/leipziger-autoritarismus-studie\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201eLeipziger Autoritarismus-Studie\u201c<\/a> der Universit\u00e4t Leipzig von Dr. Oliver Decker und Prof. Dr. Elmar Br\u00e4hler (Hauptautor und Herausgeber) pr\u00e4sentiert. Die Studie wurde in Kooperation mit der Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung und der Otto Brenner Stiftung erstellt. In der seit 2002 laufenden repr\u00e4sentativen Befragung wird die Verbreitung von rechtsextremen Einstellungen ebenso untersucht, wie die Zufriedenheit mit demokratischen Institutionen und Werten. Die aktuelle, neunte Studie legt zudem einen besonderen Schwerpunkt auf die Untersuchung autorit\u00e4rer Einstellungsmuster.<\/p>\n<p>Seit 2002 dokumentieren die Autoren im Zweijahresrhythmus Diktaturbef\u00fcrwortung, Chauvinismus, Ausl\u00e4nderfeindlichkeit, Antisemitismus, Sozialdarwinismus und NS-Verharmlosung als Bestandteile des rechtsextremen Einstellungsmusters. 2018 untersuchten sie zum neunten Mal in einer repr\u00e4sentativen Erhebung die rechtsextremen und politischen Einstellungen der deutschen Bev\u00f6lkerung. Insgesamt wurden 2.516 Menschen in ihren Haushalten im gesamten Bundesgebiet von geschulten Interviewerinnen und Interviewern befragt. 2.416 Frageb\u00f6gen gingen in die Auswertung ein.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.boell.de\/leipziger-autoritarismus-studie\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-98\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/wp-content\/uploads\/sites\/18\/2018\/11\/Leipziger-Autoritarismus-Studie-2018-210x300.png\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"458\"><\/a>Die Abwertung von Asylbewerberinnen und Asylbewerbern hat 2018 zugenommen, so ein zentrales Ergebnis der Studie. 79,1 Prozent der Befragten lehnen Gro\u00dfz\u00fcgigkeit bei der Pr\u00fcfung von Asylantr\u00e4gen ab. 61,5 Prozent der Befragten k\u00f6nnen oder wollen nicht an die Berechtigung von Asylantr\u00e4gen glauben und schlie\u00dfen sich der Ansicht an: \u201eDie meisten Asylbewerber bef\u00fcrchten nicht wirklich, in ihrem Heimatland verfolgt zu werden.\u201c<\/p>\n<p>Die Vorbehalte gegen Asylbewerberinnen und Asylbewerber sind am st\u00e4rksten, gefolgt von denen gegen Sinti und Roma und schlie\u00dflich Muslima und Muslimen, die auch noch die Meinung der H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung gegen sich haben. Im Hintergrund stehe einerseits, so die AutorInnen der Studie, dass die abgewerteten Gruppen als kulturelle, sicherheitspolitische oder \u00f6konomische Bedrohung imaginiert w\u00fcrden; andererseits die Gelegenheit, diese Gruppen als Blitzableiter fungieren zu lassen, durch den \u2013 eigene und aus anderen Ursachen erwachsene \u2013 Aggressionen kanalisiert w\u00fcrden.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Abwertungsbereitschaft gegen\u00fcber Migrantinnen und Migranten von vielen Befragten nur latent ge\u00e4u\u00dfert w\u00fcrde (ein Drittel antwortete mit \u201eteils\/teils\u201c), breche sie sich gegen\u00fcber den konkreten, als schw\u00e4cher imaginierten Gruppen offen Bahn. Zu diesen eindeutigen Befunden habe methodisch sicherlich auch die gew\u00e4hlte vierstufige Skalierung beigetragen, die zur Positionierung zwinge, so die AutorInnen.<\/p>\n<p>\u201eEs bleibt eine gro\u00dfe gesellschaftliche Aufgabe, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit aufzuzeigen und zu \u00e4chten \u2013 besonders in Zeiten eines erstarkenden Rechtspopulismus\u201c, so Jupp Legrand, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Otto-Brenner-Stiftung, und Peter Siller, Leiter der Inlandsabteilung der Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung.<\/p>\n<p>Peter Siller und Jupp Legrand heben zudem einen weiteren Aspekt der \u201eAutoritarismus-Studie\u201c hervor: \u201eDie neuen Zahlen verdeutlichen, dass antisemitische Einstellungen nach wie vor weit verbreitet sind. Es zeigt sich eine sehr hohe Zustimmung zu den Aussagen, die den sekund\u00e4ren Antisemitismus messen. Dieses Ergebnis best\u00e4tigt die Vermutung, dass das antisemitische Ressentiment zwar von einer sozialen Norm verh\u00fcllt wird, aber in der deutschen Gesellschaft tief verwurzelt bleibt. Ein nur notd\u00fcrftig \u00fcberdeckter Antisemitismus dient als N\u00e4hrboden und als Rechtfertigung f\u00fcr verbale und immer h\u00e4ufiger auch k\u00f6rperliche antisemitische \u00dcbergriffe.\u201c<\/p>\n<p>Die Wissenschaftler der Universit\u00e4t Leipzig zeigen in ihrer Untersuchung dar\u00fcber hinaus, dass die Unterschiede in den Einstellungen zwischen ost- und westdeutschen Bundesl\u00e4ndern deutlicher ausfallen, als zwischen nord- und s\u00fcddeutschen. Die Studie legt zudem erstmals ein besonderes Augenmerk auf den Personenkreis von 20 bis 40 Prozent der Befragten, die die Fragen nach autorit\u00e4ren oder menschenfeindlichen Einstellungen mit \u201eteils-teils\u201c beantworten. \u201eGerade hier m\u00fcssen Aufkl\u00e4rung und Bildung f\u00fcr Menschenw\u00fcrde und Demokratie ansetzen\u201c \u2013 so Peter Siller und Jupp Legrand.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-table\">\n<table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.boell.de\/de\/person\/peter-siller\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\"Urheber\/in: Stephan R\u00f6hl. Dieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/wp-content\/uploads\/sites\/18\/2018\/11\/Peter-Siller-300x200.png\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td>\n<td width=\"75%\">Peter Siller leitet die Abteilung Politische Bildung Inland der <a href=\"https:\/\/www.boell.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung<\/a>.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"https:\/\/www.boell.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/wp-content\/uploads\/sites\/18\/2018\/11\/LogoHBS-300x148.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Abwertung von Asylbewerberinnen und Asylbewerbern hat 2018 zugenommen, so ein zentrales Ergebnis der aktuellen \u201cLeipziger Autoritarismus-Studie\u201d. 79,1 Prozent der Befragten lehnen Gro\u00dfz\u00fcgigkeit bei der Pr\u00fcfung von Asylantr\u00e4gen ab. 61,5 Prozent k\u00f6nnen oder wollen nicht an die Berechtigung von Asylantr\u00e4gen glauben. 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