{"id":994,"date":"2024-10-17T19:02:14","date_gmt":"2024-10-17T17:02:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/?page_id=994"},"modified":"2024-10-17T19:20:15","modified_gmt":"2024-10-17T17:20:15","slug":"bildungspolitik-endlich-aufgewacht","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/bildungspolitik-endlich-aufgewacht\/","title":{"rendered":"Bildungspolitik \u2013 endlich aufgewacht?"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Bildungsforscher des Ifo-Instituts haben das unmissverst\u00e4ndliche Fazit gezogen, wonach es kein Bundesland gibt, &#8222;das auch nur ann\u00e4hernd gleiche Bildungschancen f\u00fcr alle Kinder erzielt&#8220; beziehungsweise &#8222;dass die Ungleichheit der Bildungschancen (in allen Bundesl\u00e4ndern) sehr stark ausgepr\u00e4gt ist&#8220;. Neben der sozialen Herkunft der Kinder nennen die Forscher als zweite entscheidende Ursache f\u00fcr diese Realit\u00e4t die fr\u00fche Selektion auf ungleiche weiterf\u00fchrende Schulen. Aktuelle Entwicklungen in einigen Bundesl\u00e4ndern zeigen restaurative Tendenzen; es findet eine Zur\u00fcck-in-die f\u00fcnziger-Jahre-Debatte statt, die den ohnehin bestehenden Selektionsdruck auf die Kinder und ihre Lehrenden weiter versch\u00e4rfen wird.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Ein Essay von Frieder Bechberger-Derscheidt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"413\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/wp-content\/uploads\/sites\/18\/2024\/10\/241017-NU-frieder.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-992\" title=\"Foto: Nata Uchava, Freiburg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>Dass sich Schule und Bildung in Krisenmodus befinden, ist fast eine Platit\u00fcde, der von kaum jemandem, der die Lage beobachtet oder mitten im Get\u00fcmmel sich befindet, widersprochen wird. Es ist eine Krise auf allen Ebenen, bei den Kommunen, die ihre Schulen unterhalten m\u00fcssen, ebenso bei den Bundesl\u00e4ndern, die f\u00fcrs Personal und die inhaltliche, curriculare Ausrichtung und Steuerung verantwortlich sind und die Anforderung der Eleven festlegen. Sie m\u00fcssen sich zudem mit den Erwartungen wie auch der Kritik der vielf\u00e4ltigen und disparaten Interessenvertretungen stellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es scheint jedoch, als habe die Politik verstanden, dass die Krise nicht mehr nur verwaltet werden kann. Grundlegende Ma\u00dfnahmen sind n\u00f6tig, endlich m\u00fcssen L\u00f6sungen gefunden werden, die die Ursachen der Misere bek\u00e4mpfen und nicht nur ihre Symptome. L\u00f6sungen m\u00fcssen her, die breite Zustimmung erfahren, indem sie endlich l\u00e4ngj\u00e4hrige Forderungen aus den Bildungseinrichtungen selbst wie aus der Gesellschaft erf\u00fcllen sollen. Die Meldung, dass sich Bund und L\u00e4nder auf ein sogenanntes \u201eStartchancenprogramm\u201c f\u00fcr zehn Jahre geeinigt haben und daf\u00fcr 20 Milliarden Euro bereitstellen, l\u00e4sst wegen der vermeintlich hohen Summe aufhorchen wie wegen der Tatsache, dass sich Bund und L\u00e4nder darauf einigen konnten und die Finanzierung gemeinsam stemmen wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zehn Prozent der Schulen, rund 4.000, sollen in dieses Programm aufgenommen werden. Bemerkenswert auch die Schwerpunktsetzung auf die Grundschulen, die 60 Prozent der Mittel erhalten sollen. Insbesondere sollen Schulen \u201ein herausfordernder Lage\u201c unterst\u00fctzt werden. Denn inzwischen streitet kein Bildungspolitiker mehr ab, <a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/breg-de\/bundesregierung\/gesetzesvorhaben\/startchancen-programm-2225074\" target=\"_blank\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/breg-de\/bundesregierung\/gesetzesvorhaben\/startchancen-programm-2225074\" rel=\"noreferrer noopener\">dass \u201edie Bildungserfolge der Kinder und Jugendlichen in Deutschland [&#8230;] noch immer zu stark von der sozialen Herkunft der Eltern abh\u00e4ngig (sind)<\/a>\u201c (Pressemitteilung der Bundesregierung vom 1. August 2024).<\/p>\n\n\n\n<p>Wir wissen: Der Weg zu dieser Erkenntnis war lang, emp\u00f6rend lang. Endlich zuzugeben, dass es das Schulsystem nicht schafft, die soziale Selektion auszugleichen, mindest aber abzuschw\u00e4chen, war sicher, insbesondere f\u00fcr die Gralsh\u00fcter des gegeliederten Schulsystem, nicht leicht. Insofern ist diese aktuelle Entscheidung trotz des ersten erfreulichen Blicks erheblich zu relativieren und l\u00e4sst die vollmundige Selbstbelobigung der Bundesbildungsministerin, das Startchancenprogramm <a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/breg-de\/bundesregierung\/gesetzesvorhaben\/startchancen-programm-2225074\" target=\"_blank\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/breg-de\/bundesregierung\/gesetzesvorhaben\/startchancen-programm-2225074\" rel=\"noreferrer noopener\">sei \u201edamit das gr\u00f6\u00dfte und langfristige Bildungsprogramm in der Geschichte der Bundesrepublik\u201c<\/a> (a.a.O.), in einem merkw\u00fcrdigen Licht erscheinen. Denn das Ziel, ein gerechtes Bildungswesen zu schaffen, bleibt trotz dieses gut gemeinten Programms ein ferner Traum.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u201eFrankfurter Rundschau\u201c hat in ihrem <a href=\"https:\/\/www.fr.de\/meinung\/kommentare\/alle-schulen-brauchen-startchancen-93219850.html\" target=\"_blank\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.fr.de\/meinung\/kommentare\/alle-schulen-brauchen-startchancen-93219850.html\" rel=\"noreferrer noopener\">Kommentar dazu vom 2. August 2024<\/a> mit der schlichten Frage und Feststellung, \u201eund was ist mit den \u00fcbrigen 90 Prozent der Schulen, die leer ausgehen? Das ganze Schulsystem braucht einen Gamechanger\u201c, Schw\u00e4che und Defizit des Programms offen gelegt. In Rheinland-Pfalz sollen 200 Schulen (von rund 1.500) in das Programm aufgenommen werden, mal sehen, wie viel es letztlich werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem l\u00e4rmenden Selbstlob f\u00fcr diese Ma\u00dfnahme k\u00f6nnen wir leider wieder mal nicht ausweichen. Der Sprecher der Landesgruppe Rheinland-Pfalz im Bundestag, der parlamentarsiche Staatssekret\u00e4r Thomas Hitschler aus der S\u00fcdpfalz, l\u00e4sst uns wissen, dass er das Starchancenprogramm als \u201eMeilenstein f\u00fcr das sozialdemokratische Versprechen f\u00fcr mehr Bildungsgerechtigkeit\u201c ansieht. Dieser Hang, sich selbst auf die Schulter zu klopfen und dies mit unrealistischen Versprechungen zu verbinden, scheint zum unverzichtbaren und nervigen Repertoir gerade sozialdemokratischer Bildungspolitiker zu geh\u00f6ren. Denn auch sein Parteigenosse und bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Sven Teuber, deutet das Ergebnis der im Fr\u00fchjahr ver\u00f6ffentlichten <a href=\"https:\/\/www.ifo.de\/publikationen\/2024\/aufsatz-zeitschrift\/ungleiche-bildungschancen-ein-blick-die-bundeslaender\" target=\"_blank\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.ifo.de\/publikationen\/2024\/aufsatz-zeitschrift\/ungleiche-bildungschancen-ein-blick-die-bundeslaender\" rel=\"noreferrer noopener\">Studie des Ifo-Instituts \u201eUngleiche Bildungschancen: Ein Blick in die Bundesl\u00e4nder\u201c<\/a> als besonders gutes Ergebnis f\u00fcr den Stand der Bildungsgerechtigkeit in Rheinland-Pfalz. Wir seien die \u201eBesten im Westen\u201c, t\u00f6nt er, weil es laut dieser Studie hier etwas weniger ungerecht zugehe als in den Nachbarbundesl\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei haben die Bildungsforscher des Ifo-Instituts ein unmissverst\u00e4ndliches Fazit gezogen, das auch ein Bildungspolitiker verstehen m\u00fcsste, wonach es kein Bundesland gebe, \u201edas auch nur ann\u00e4hernd gleiche Bildungschancen f\u00fcr alle Kinder erzielt\u201c beziehungsweise \u201edass die Ungleichheit der Bildungschancen (in allen Bundesl\u00e4ndern) sehr stark ausgepr\u00e4gt ist\u201c. Die Forscher nennen auch, neben der sozialen Herkunft der Kinder, die zweite entscheidende Ursache f\u00fcr diese verfassungswidrige Realit\u00e4t, n\u00e4mlich die fr\u00fche Selektion auf ungleiche weiterf\u00fchrende Schulen. Ebenso wie bei ihrem Befund reden sie auch hier nicht um den hei\u00dfen Brei, sondern formulieren klar und verst\u00e4ndlich, dass \u201eSchulsysteme, in denen die Kinder erst sp\u00e4ter auf weiterf\u00fchrende Schulen aufgeteilt werden, systematisch eine h\u00f6here Chancengleichheit aufweisen\u201c \u2011 offensichtlich leicht zu \u00fcbersehende Mahnungen und L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge, wenn man vom Selbstlob halb blind ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist nicht nur im Sinne politischer Zielsetzungen schwer zu verkraften; denn seit Jahrzehnten weigert sich die Bildungspolitik auf allen Ebenen, die verfassungsgem\u00e4\u00df richtigen Schl\u00fcsse aus all diesen Erkenntnissen zu ziehen und die immer wieder gleichlautenden Empfehlungen der Bildungswissenschaft umzusetzen. Stattdessen werden Pflaster verteilt wie das \u201eStartchancenprogramm\u201c, mit dem sicher einzelnen Schulen geholfen werden kann, das aber strukturell alles beim bestehenden Alten bel\u00e4sst, sodass dann die kleinsten Verbesserungen als \u00fcberw\u00e4ltigende Fortschritte gefeiert werden m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch nicht nur ein solcher Befund macht besorgt, sondern aktuelle Entwicklungen in einigen Bundesl\u00e4ndern zeigen restaurative Tendenzen, von denen wir gehofft hatten, sie w\u00e4ren l\u00e4ngst \u00fcberwunden. Dort findet eine Zur\u00fcck-in-die f\u00fcnziger-Jahre-Debatte statt, die den ohnehin bestehenden Selektionsdruck auf die Kinder und ihre Lehrenden weiter versch\u00e4rfen wird. An der empfindlichsten Stelle des Bildungssystems, dem viel zu fr\u00fchen \u00dcbergang von der Grundschule auf die weiterf\u00fchrenden Schulen, werden wieder mal die Schrauben angezogen. Im Grunde soll dort die elterliche Entscheidung \u00fcber die Schullaufbahn ihrer Kinder, die ja \u00fcberall in eine breite und grundlegende Beratung eingebettet war, nun wieder abgeschafft werden. Alle wissen, dass es sich bei diesem \u00dcbergang \u201eum einen selektiven Eingriff in die Schullaufbahn von zehnj\u00e4hrigen Kindern handelt, der in dieser Form und mit diesen Konsequenzen, n\u00e4mlich einer nur schwer korrigierbaren Vorfestlegung in deren gesamten Bildungsverlauf, vergleichbar in einem anderen Land kaum zu finden ist\u201c (<a href=\"https:\/\/www.beltz.de\/fachmedien\/erziehungswissenschaft\/produkte\/details\/38090-ungleichheit-in-der-gesellschaft-und-ungleichheit-in-der-schule.html\" target=\"_blank\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.beltz.de\/fachmedien\/erziehungswissenschaft\/produkte\/details\/38090-ungleichheit-in-der-gesellschaft-und-ungleichheit-in-der-schule.html\" rel=\"noreferrer noopener\">Eiko J\u00fcrgens , Susanne Miller (Hg.): Ungleichheit in der Gesellschaft und Ungleichheit in der Schule, 2013<\/a>, S. 12).<\/p>\n\n\n\n<p>Wir wissen ebenso, wie fragil und unzuverl\u00e4ssig die Grundschulempfehlung ist, gleichg\u00fcltig wie sie letztlich ausgestaltet wird. Die Empfehlung w\u00e4re dann nicht zu kritisieren, wenn sie prognosesicher w\u00e4re und wenn sie keine Auswirkung auf die soziale Gruppierung von Sch\u00fcler*innen h\u00e4tte. Beiden Anforderung gen\u00fcgt die Empfehlung aber nicht, wie empirisch seit Jahrzehnten belegt ist. Beiden Anforderungen kann sie per se nicht gen\u00fcgen, da niemand die zuk\u00fcnftige Entwicklung von Kindern vorhersagen kann. Oder wie der weltbekannte Bildunsgforscher John Hattie ironisch unter enderem diese Ma\u00dfnahme im deutschen Schulsystem eiordnete: <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/panorama\/interview-paedagogik-star-john-hattie-eltern-muessen-die-liebe-zum-lernen-wecken-id70622496.html\" target=\"_blank\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/panorama\/interview-paedagogik-star-john-hattie-eltern-muessen-die-liebe-zum-lernen-wecken-id70622496.html\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201eIch bin \u00fcbrigens auch erstaunt dar\u00fcber, dass das deutsche System zu wissen glaubt, was ein elf- oder zw\u00f6lfj\u00e4hriger Sch\u00fcler im Alter von 30 Jahren k\u00f6nnen wird, und ihn entsprechend einer Schulart zuteilt\u201c und dann sehr ernsthaft erg\u00e4nzt, er sei best\u00fcrzt dar\u00fcber, \u201ewie unglaublich viel Erfolg verloren geht, in dem man Kindern einen Stempel verpasst\u201c (Augsburger Allgemeine vom 6. Mai 2024)<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Als kleine Linderung dieser Misere wurde in Rheinland-Pfalz die elterliche Expertise in diese Entscheidung endlich&nbsp; miteinbezogen und die verbindliche Grundschulempfehlung 1992 aufgehoben. Auf die Empfehlung wurde zwar nicht verzichtet, aber sie wurde dadurch entsch\u00e4rft und demokratisiert. Die Eltern sollten das letzte Wort haben. Das damalige Bildungsministerium st\u00fctzte sich bei dieser Entscheidung unter anderem auch auf die von Prof. Lothar Krecker 1991 vorgelegte Untersuchung \u201ePrognose und Abschluss. Schullaufbahnen an der Integrierten Gesamtschule Kaiserslautern\u201c, Mainz 1991). Diese Studie untersuchte die Schullaufbahnen der ersten acht Gesamtschuljahrg\u00e4nge (1.821 Sch\u00fcler*innen) und verglich sie mit der Grundschulempfehlung, damals noch Grundschulgutachten genannt. Krecker schreibt in seinem Resumee: \u201eDie Analyse der durchschnittlichen Schullaufbahnen der ersten acht Eingangsjahrg\u00e4nge der Integrierten Gesamtschule Kaiserslautern hat eindrucksvoll best\u00e4tigt, dass eine fr\u00fche Festlegung der Sch\u00fclerkarriere wie zum Beispiel durch das (verbindliche) Grundschulgutachten die Bildungschancen und damit die potentiell erreichbaren Abschlussniveaus in nicht zu rechtfertigender Weise einschr\u00e4nkt. Die Offenheit der Gesamtschule zeigt, und das mehr oder weniger konstant \u00fcber die verschiedenen Sch\u00fclerjahrg\u00e4nge, dass jede zweite Grundschulprognose \u201enur f\u00fcr die Hauptschule geeignet\u201c und die entsprechende Grundschuldurchschnittsnote mindestens in einen Realschulabschluss m\u00fcnden kann\u201c (S. 64), viele schafften sogar das Abitur. Das m\u00f6glichst lange Offenhalten des Schulabschlusses \u2013 auch das zeigte diese Studie \u2013 reduzierte zudem die Bedeutung der sozialen Herkunft der Sch\u00fcler*innen. Wir k\u00f6nnten uns all dies, all die Studien, Verrenkungen und Fehlurteile am Ende der Grundschule ersparen, wenn Kinder, wie in den meisten anderen L\u00e4ndern, l\u00e4nger gemeinsam miteinander lernen d\u00fcrften!<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz dieser Erkenntnisse \u2013 und das war ja bereits damals nicht die erste Studie zu dieser Thematik \u2013 malten die Konservativen und ihre Verb\u00e4nde den Untergang des Bildungssystems an die Wand. Wir wissen, dass diese Bef\u00fcrchtungen nicht eingetreten sind. Dennoch werden sie nicht m\u00fcde, dieses Steuerungsinstrument wieder zu versch\u00e4rfen und wollen, so in Baden-W\u00fcrttemberg, wie oben geschildert, die Verbindlichkeit der Grundschulempfehlung wieder einf\u00fchren, in Nordrhein-Westfalen haben sie es bereits durchgesetzt. Haupts\u00e4chlich wird dieser Schritt zur\u00fcck damit begr\u00fcndet, dass zu viele Jugendliche Abitur machten, wo doch \u201eDeutschland Fachkr\u00e4fte (braucht), nicht nur Akademiker\u201c. <a href=\"https:\/\/www.rheinpfalz.de\/rheinpfalz-am-sonntag_artikel,-bildungsempfehlung-wenn-eltern-nicht-mehr-das-letzte-wort-haben-_arid,5661915.html\" target=\"_blank\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.rheinpfalz.de\/rheinpfalz-am-sonntag_artikel,-bildungsempfehlung-wenn-eltern-nicht-mehr-das-letzte-wort-haben-_arid,5661915.html\" rel=\"noreferrer noopener\">Es sei \u201eZeit, die Sch\u00fcler besser zu verteilen\u201c, schreibt Antje Hanisch dazu in einem Kommentar in der \u201eRheinpfalz am Sonntag, vom 22. Juni 2024<\/a> h\u00f6chst zustimmend zu den Pl\u00e4nen im Nachbarland. Es spiegelt sich auch hier der restaurative Kurs wieder, den auch die vermeintlich seri\u00f6se Presse anheizt, der nicht erst jetzt bundesweit die bildungspolitische Diskussion bestimmt und das verfassungsgem\u00e4\u00dfe Ziel, Bildungsgerechtigkeit anzustreben, bewusst in Frage stellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu geh\u00f6rt auch das Trommelfeuer der Kr\u00e4fte, die Inklusion, soweit sie denn \u00fcberhaupt in unserem Bildungssystem realsiert wird, r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen und das F\u00f6rderschulsystem mit allen Mitteln aufrechtzuerhalten. Dass in diesen Tenor nun auch der rheinland-pf\u00e4lzische Landeselternbeirat mit seiner gedankenlosen Petition gegen die neue \u201eSchulordnung f\u00fcr den inklusiven Unterricht\u201c einstimmt, belegt nur, wie weit dieser Bildungs-Rollback ins Innerste des Bildungssystems eingedrungen ist. Die vornehmste Aufgabe der Elternvertretung sollte doch sein, sich f\u00fcr Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit aller Kinder einzusetzen und sich nicht, wie in diesem Falle, der Umsetzung der UN-Behindertenkonvention entgegegen zu stellen. Geschah es aus Gedankenschw\u00e4che, die Interessen aller Sch\u00fcler*innenaus aufs Spiel zu setzen oder aus dem Gef\u00fchl heraus, sich der aggressiven und populistischen Ablehung des inklusiven Unterrichts, wie zum Beispiel von der AfD, aber auch von Teilen der CDU gefordert, anzuschlie\u00dfen? Wer gut bei mentalen Kr\u00e4ften ist, kann im Porgramm der AfD nachlesen, was das gesamte Bildungssystem zu erwarten hat, sollte diese Partei in irgendeiner Landesregierung entsprechenden Einfluss erlangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir alle, die wir eine menschenw\u00fcrdige Schule wollen, eine Schule, die wirklich alle Kinder auf ihrem Bildungsweg f\u00f6rdert und auf Ausgrenzung verzichtet, haben in den letzten Jahren offensichtlich nicht entschieden genug gegen diesen Rollback gek\u00e4mpft, diese r\u00fcckw\u00e4rtsgewandten Tendenzen nicht ernst genug genommen, zu wenig widersprochen, zu selten die Schl\u00e4frigkeit und Mutlosigkeit der demokratischen Parteien angeprangert und Fehlentwicklungen hingenommen, vielleicht gegrummelt, gemault, letztlich aber stillgehalten. Konservative und Reaktion\u00e4re sind laut und wenig zur\u00fcckhaltend, die Gesellschaft mit ihren Forderungen zu konfrontieren. Ich bin sicher, die GEW und der gr\u00f6\u00dfere Teil der Zivilgesellschaft hat bessere Zielsetzungen als die ausgrenzenden und egoistischen Kr\u00e4fte der Konservativen und Rechten. Wir d\u00fcrfen und m\u00fcssen sie selbstbewusster vortragen, hartn\u00e4ckiger und auch konfrontativer, um den Lernprozess der demokratischen Kr\u00e4fte vielleicht doch noch ansto\u00dfen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"861\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/wp-content\/uploads\/sites\/18\/2021\/04\/Frieder-Bechberger-klein-861x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-650\" title=\"Foto: privat\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Frieder Bechberger-Derscheidt ist Ehrenvorsitzender der Unabh\u00e4ngigen rheinland-pf\u00e4lzischen Initiative <a href=\"https:\/\/eine-schule-fuer-alle-rlp.de\/?id=69\" target=\"_blank\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/eine-schule-fuer-alle-rlp.de\/?id=69\" rel=\"noreferrer noopener\">&#8222;EINE Schule f\u00fcr ALLE \u2013 l\u00e4nger gemeinsam lernen e.V.&#8220;<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/eine-schule-fuer-alle-rlp.de\/?id=69\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"439\" height=\"466\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/wp-content\/uploads\/sites\/18\/2024\/02\/Logo-Eine-Schule.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-939\" style=\"width:258px;height:auto\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bildungsforscher des Ifo-Instituts haben das unmissverst\u00e4ndliche Fazit gezogen, wonach es kein Bundesland gibt, &#8222;das auch nur ann\u00e4hernd gleiche Biuldungschancen f\u00fcr alle Kinder erzielt&#8220; beziehungsweise &#8222;dass die Ungleichheit der Bildungschancen (in allen Bundesl\u00e4ndern) sehr stark ausgepr\u00e4gt ist&#8220;. Nneben der sozialen Herkunft der Kinder nennen die Forscher als zweite entscheidende Ursache f\u00fcr diese Realit\u00e4t die fr\u00fche Selektion auf ungleiche weiterf\u00fchrende Schulen. Aktuelle Entwicklungen in einigen Bundesl\u00e4ndern zeigen restaurative Tendenzen; es findet eine Zur\u00fcck-in-die f\u00fcnziger-Jahre-Debatte statt, die den ohnehin bestehenden Selektionsdruck auf die Kinder und ihre Lehrenden weiter versch\u00e4rfen wird.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":4,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-994","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/994","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=994"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/994\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":998,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/994\/revisions\/998"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/buerger\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=994"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}