{"id":168,"date":"2019-06-18T13:30:33","date_gmt":"2019-06-18T11:30:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/?page_id=168"},"modified":"2020-09-05T18:09:05","modified_gmt":"2020-09-05T16:09:05","slug":"migrationsatlas-2019-vorgestellt-menschen-in-bewegung-bringen-chancen-und-vorteile","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/migrationsatlas-2019-vorgestellt-menschen-in-bewegung-bringen-chancen-und-vorteile\/","title":{"rendered":"Migrationsatlas 2019 vorgestellt: Menschen in Bewegung bringen Chancen und Vorteile"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Der Mythos, dass alle Fl\u00fcchtenden nach Europa wollen, bedarf einer Korrektur: 85 Prozent aller Fl\u00fcchtenden werden von L\u00e4ndern des S\u00fcdens aufgenommen. W\u00e4hrend in Deutschland im Jahr 2018 auf je tausend Einwohner*innen 11,6 gefl\u00fcchtete Menschen kamen, waren es im viel \u00e4rmeren Libanon mit 146 Menschen mehr als das Zehnfache. Anl\u00e4sslich des Weltfl\u00fcchtlingstages am 20. Juni ver\u00f6ffentlicht die Rosa-Luxemburg-Stiftung ihren aktuellen &#8222;Atlas der Migration&#8220; mit Beitr\u00e4gen zu 20 Einzelthemen und umfangreichem Grafik- und Kartenmaterial zu Menschen in Bewegung weltweit, um den Blick auf Migration sowie ihre Akteure zu ver\u00e4ndern und zu einer Versachlichung der Debatte beizutragen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>(Berlin, 18. Juni 2019)<\/strong> Anl\u00e4sslich des Weltfl\u00fcchtlingstages am 20. Juni ver\u00f6ffentlicht die Rosa-Luxemburg-Stiftung am Dienstag, den 18. Juni 2019 ihren aktuellen \u00abAtlas der Migration\u00bb. Auf 50 Seiten finden sich Beitr\u00e4ge zu 20 Einzelthemen und umfangreiches Grafik- und Kartenmaterial zu Menschen in Bewegung weltweit.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-content\/uploads\/sites\/14\/2019\/06\/atlasdermigration2019-17.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-content\/uploads\/sites\/14\/2019\/06\/atlasdermigration2019-17.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-167\" width=\"600\" srcset=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-content\/uploads\/sites\/14\/2019\/06\/atlasdermigration2019-17.jpg 480w, https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-content\/uploads\/sites\/14\/2019\/06\/atlasdermigration2019-17-300x198.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Debatte um Migration erhitzt zwar die Gem\u00fcter, im\nglobalen Ma\u00dfstab betrachtet liegt der Anteil internationaler Migrant*innen aber\nlediglich bei etwa drei Prozent. Auch der Mythos, dass alle Fl\u00fcchtenden nach\nEuropa wollen, bedarf einer Korrektur: Schutz wird \u00fcberwiegend bei den Nachbarn\ngesucht. 85 Prozent aller Fl\u00fcchtlinge werden von L\u00e4ndern des S\u00fcdens\naufgenommen. Nicht die USA oder Deutschland, sondern T\u00fcrkei, Pakistan und\nUganda sind die L\u00e4nder mit den meisten aufgenommenen Gefl\u00fcchteten. W\u00e4hrend in\nDeutschland im Jahr 2018 auf je tausend Einwohner*innen 11,6 gefl\u00fcchtete\nMenschen kamen, waren es im viel \u00e4rmeren Libanon mit 146 Menschen mehr als das Zehnfache.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der vorliegende Atlas soll den Blick auf Migration sowie\nihre Akteure ver\u00e4ndern und zu einer Versachlichung der Debatte beitragen. Die Karten\nund Grafiken zeigen, dass Migration, gleichwohl sie in allen Teilen der Welt\nstattfindet, weder ein Bedrohungspotenzial f\u00fcr die Gesellschaften der\nZiell\u00e4nder noch f\u00fcr jene der Herkunftsl\u00e4nder birgt. Vielmehr ergeben sich\nChancen und Vorteile.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das \u00abBrain Drain\u00bb-Argument, nach dem Gefl\u00fcchtete in ihren\nHeimaten dringend f\u00fcr den Aufbau vor Ort gebraucht werden, klingt zun\u00e4chst\nplausibel. Ein Blick auf die Zahlen und Fakten zeigt: Unter anderem die\nR\u00fcck\u00fcberweisungen von Migrant*innen an ihre Familien in den Heimatl\u00e4ndern\nbedeuten eine gro\u00dfe Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Menschen und Strukturen in den\nHerkunftsl\u00e4ndern. Der Nutzen der dauerhaften oder zeitlich begrenzten\nAuswanderung ist damit oftmals h\u00f6her als die bef\u00fcrchteten Verluste und\nNachteile. Je h\u00f6her der Anteil der R\u00fcck\u00fcberweisungen an der Wirtschaftsleistung\neines Landes, umso mehr helfen sie bei der Bek\u00e4mpfung der Armut. Steigen in\nbestimmten F\u00e4llen die R\u00fcck\u00fcberweisungen um nur ein Zehntel an, schrumpft die\nArmutsl\u00fccke um 3,5 Prozent.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Migrationsabwehr, Vorverlagerung der Grenzen oder die\nEinstellung der Seenotrettung verhindern Migration nicht, sondern machen sie\nnur teurer und viel gef\u00e4hrlicher \u2013 sowohl f\u00fcr Migrant*innen, als auch f\u00fcr\nFl\u00fcchtende. Statt h\u00f6herer Mauern braucht es offene Fluchtwege nach Europa.\nDaf\u00fcr engagieren sich nicht nur tausende Aktivist*innen in der Fl\u00fcchtlingssolidarit\u00e4t,\nbei #unteilbar oder der Seebr\u00fccke. Erst in der vergangenen Woche gr\u00fcndeten\nB\u00fcrgermeister*innen und Stadtregierungen im Berliner Rathaus ein B\u00fcndnis\n\u00abSicherer H\u00e4fen\u00bb. 60 deutsche St\u00e4dte haben sich zu diesem B\u00fcndnis\nzusammengeschlossen und treten f\u00fcr eine humanit\u00e4re Fl\u00fcchtlingspolitik und die\nAufnahme von aus Seenot Geretteten ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Situation auf dem\nMittelmeer<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Gefahr an den Grenzen sind auch rechtliche Bestimmungen\nwie das deutsche Aufenthaltsgesetz verantwortlich. Dessen Paragraph 63 besagt,\ndass ein Bef\u00f6rderungsunternehmen Ausl\u00e4nder*innen nur in das Bundesgebiet\nbringen darf, wenn sie im Besitz eines erforderlichen Passes und eines\nAufenthaltstitels sind. \u00c4hnliche Bestimmungen gibt es in allen EU-Staaten.\nBus-, F\u00e4hr- und Fluggesellschaften kontrollieren deshalb P\u00e4sse und Visa, bevor\nsie Menschen an Bord lassen. T\u00e4ten sie dies nicht, m\u00fcssten sie Strafen bezahlen\nund k\u00f6nnten ihre Lizenz verlieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fl\u00fcchtlinge k\u00f6nnen deshalb weder F\u00e4hren noch Flugzeuge\nbenutzen, um das Mittelmeer zu \u00fcberqueren. Statt f\u00fcr 35 Euro die zw\u00f6lfst\u00fcndige\n\u00dcberfahrt auf der F\u00e4hre von Tunis ins italienische Palermo zu buchen, m\u00fcssen\nsie in Libyen auf Schlauchboote steigen und daf\u00fcr bis zu vierstellige\nEurobetr\u00e4ge an Schlepper*innen zahlen. 2018 ertranken mehr als f\u00fcnf Prozent\naller Menschen, die eine solche Fahrt \u00fcber das zentrale Mittelmeer wagten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf Betreiben der EU wurde 2014 nach einem Jahr Italiens\nRettungsmission \u201eMare Nostrum\u201c im Mittelmeer eingestellt. Gruppen aus der\neurop\u00e4ischen Zivilgesellschaft bauten daraufhin eine Flotte privater\nSeenotrettungsschiffe auf, die in den Folgejahren Zehntausende Menschen\nretteten und vor allem nach Italien brachten. Doch weil die EU und ihre\nMitgliedsstaaten sich weiterhin weigerten, Italien einen Teil der Fl\u00fcchtlinge\nabzunehmen, gingen zun\u00e4chst die italienische Justiz und sp\u00e4ter auch die\nRegierung von Malta gegen die Seenotretter*innen vor. Sie wurden angeklagt,\nihre Schiffe gr\u00f6\u00dftenteils lahmgelegt und es wurden ihnen die Zulassungen\nentzogen. 2019 waren kaum noch Retter*innen vor Ort.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So w\u00e4chst die Dunkelziffer der Toten, denn viele Ungl\u00fccke\nwerden nicht mehr dokumentiert. Zudem hat die Kriminalisierung der privaten\nSeenotretter*innen die kommerzielle Schifffahrt verunsichert. Auch Frachter sind\nverpflichtet, Ungl\u00fccksstellen anzusteuern und Menschen in Not zu retten. Doch\nwiederholt wurden F\u00e4lle bekannt, in denen Handelsschiffe andere Routen nahmen, um\ndieser Verpflichtung nicht nachkommen zu m\u00fcssen. Die Kapit\u00e4n*innen f\u00fcrchten,\nmit den Schiffbr\u00fcchigen an Bord keinen europ\u00e4ischen Hafen mehr ansteuern zu\nd\u00fcrfen oder im Hafen festgesetzt zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Deutschland braucht Einwanderung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr das Jahr 2030 gibt es einen prognostizierten Arbeitskr\u00e4ftemangel von 435.000 Arbeitnehmer*innen. Das von Rechtspopulist*innen gern bem\u00fchte Argument, Migrant*innen w\u00fcrden Arbeitspl\u00e4tze wegnehmen und Lohndumping vorantreiben, ist falsch. Ein Zusammenhang zwischen hoher Einwanderung und hoher Arbeitslosigkeit oder sinkenden L\u00f6hnen ist statistisch nicht bewiesen. Vielmehr tr\u00e4gt Migration in die Sozialsysteme zu deren Erhalt bei: Nicht nur f\u00fcr gesetzliche Krankenkassen ist die Zuwanderung entlastend und stabilisierend. Es kommen vor allem junge Menschen, die tendenziell geringere Gesundheitsausgaben verursachen. Im Regelfall gilt: Ankommende werden zu Beitragszahler*innen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.rosalux.de\/publikation\/id\/40425\/\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\" \" width=\"180\" class=\"aligncenter wp-image-313\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-content\/uploads\/sites\/14\/2019\/06\/atlasdermigration2019-T.jpg\" alt=\"\" width=\"180\" height=\"254\" \/><\" alt=\"\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Der Migrationsatlas 2019 steht \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.rosalux.de\/publikation\/id\/40425\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">diesen Link zum Download als PDF<\/a> bereit.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Mythos, dass alle Fl\u00fcchtenden nach Europa wollen, bedarf einer Korrektur: 85 Prozent aller Fl\u00fcchtenden werden von L\u00e4ndern des S\u00fcdens aufgenommen. 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