{"id":218,"date":"2019-10-10T16:24:51","date_gmt":"2019-10-10T14:24:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/?page_id=218"},"modified":"2020-09-05T17:50:13","modified_gmt":"2020-09-05T15:50:13","slug":"schwarzer-tee-weisse-weste-wie-deutsche-unternehmen-von-ausbeutung-auf-teeplantagen-profitieren","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/schwarzer-tee-weisse-weste-wie-deutsche-unternehmen-von-ausbeutung-auf-teeplantagen-profitieren\/","title":{"rendered":"Schwarzer Tee, wei\u00dfe Weste? Wie deutsche Unternehmen von Ausbeutung auf Teeplantagen profitieren."},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Bei einer Packung Markenschwarztee f\u00fcr drei Euro gehen nur circa vier Cent an die Menschen, die den Tee gepfl\u00fcckt haben; Arbeiter*innen sind beim Pfl\u00fccken giftigen Pestiziden ausgesetzt, gegen die sie oft keine oder nur mangelnde Schutzkleidung erhalten. Zertifizierungen l\u00f6sen die Probleme nicht. Nur mit einem Lieferkettengesetz k\u00f6nnen sich Unternehmen ihrer menschenrechtlichen Verantwortung nicht mehr entziehen und Sch\u00e4den an Mensch und Umwelt nicht l\u00e4nger in Kauf nehmen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr>\n<img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-313\" title=\"Foto: OXFAM.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-content\/uploads\/sites\/14\/2019\/10\/11The-Salary-slip_Copyright-Roanna-Rahman_Oxfam-India-1024.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\">\n<hr>\n&nbsp;\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>(Berlin, 10. Oktober 2019)<\/strong> Arbeiter*innen auf indischen Teeplantagen leiden unter Hungerl\u00f6hnen und katastrophalen Arbeitsbedingungen. Davon profitieren deutsche Superm\u00e4rkte und Teeunternehmen, die gut 86 Prozent des Verbraucherpreises f\u00fcr Tee bekommen, w\u00e4hrend nur 1,4 Prozent f\u00fcr die Arbeiter*innen in Indien \u00fcbrigbleibt. Das zeigt die neue Oxfam-Studie \u201eSchwarzer Tee, wei\u00dfe Weste\u201c. Oxfam und die Initiative Lieferkettengesetz, fordern von der Bundesregierung ein Gesetz, das deutsche Unternehmen zur Verantwortung zieht, die Menschenrechtsverletzungen in ihren Lieferketten in Kauf nehmen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-content\/uploads\/sites\/14\/2019\/10\/Oxfam-Teestudie_Schwarzer-Tee-Wei\u00dfe-Weste.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-content\/uploads\/sites\/14\/2019\/10\/Oxfam-Teestudie_Schwarzer-Tee-Wei\u00dfe-Weste-T.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-211\" width=\"320\" srcset=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-content\/uploads\/sites\/14\/2019\/10\/Oxfam-Teestudie_Schwarzer-Tee-Wei\u00dfe-Weste-T.jpg 599w, https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-content\/uploads\/sites\/14\/2019\/10\/Oxfam-Teestudie_Schwarzer-Tee-Wei\u00dfe-Weste-T-212x300.jpg 212w\" sizes=\"(max-width: 599px) 100vw, 599px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Studie wurden 510 Arbeiter*innen auf 50 Plantagen in\nAssam befragt. Die Ergebnisse sind erschreckend: 56 Prozent der Befragten haben\nnicht ausreichend zu essen, mehr als ein Viertel nimmt pro Tag weniger als\n1.800 Kilokalorien zu sich und leidet damit Hunger. Auf der anderen Seite der\nLieferkette profitieren deutsche Teeunternehmen wie die Ostfriesische\nTeegesellschaft (OTG) und Teekanne sowie die deutschen Superm\u00e4rkte wie Aldi,\nEdeka, Lidl und Rewe, \u00fcber die in Deutschland 50 Prozent allen Tees verkauft\nwird: \u201eBei einer Packung Markenschwarztee f\u00fcr drei Euro gehen nur circa vier\nCent an die Menschen, die den Tee gepfl\u00fcckt haben. Dass so eine Produktion zu\nmenschenw\u00fcrdigen Arbeits- und Lebensbedingungen nicht m\u00f6glich ist, liegt auf\nder Hand\u201c, sagt Dr. Barbara Sennholz-Weinhardt, Oxfam-Expertin f\u00fcr Wirtschaft\nund Globalisierung und Autorin der Studie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">45 Prozent der befragten Arbeiter*innen leiden unter\nKrankheiten wie Gelbsucht, Cholera und Typhus, da sie verunreinigtes Wasser\ntrinken m\u00fcssen. Auf der Mehrheit der untersuchten Plantagen gibt es keine\n\u00c4rzt*innen und zu wenig medizinisches Fachpersonal. Die Arbeiter*innen sind\nbeim Pfl\u00fccken giftigen Pestiziden ausgesetzt, gegen die sie oft keine oder nur\nmangelnde Schutzkleidung erhalten. 51 Prozent der Befragten klagen \u00fcber\nAugenreizungen, Atemwegserkrankungen und allergische Reaktionen, die durch\nPestizide verursacht werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Zertifizierungen\nwirken nicht, Konsument*innen tappen im Dunkeln<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Herkunft und Produktionsbedingungen lassen sich von\nKonsument*innen in Deutschland nicht nachvollziehen. Keines der untersuchten\nUnternehmen ver\u00f6ffentlicht seine Lieferkette oder einen ausreichenden\nsystematischen Ansatz zu Menschenrechten in ihren Lieferketten. Stattdessen\nsetzen die deutschen Teeunternehmen und Superm\u00e4rkte auf Zertifizierungen, etwa\ndurch die Organisation UTZ\/Rainforest Alliance. Oxfams Recherchen zeigen\njedoch, dass dieser Ansatz nicht wirkt: Viele der nachgewiesenen\nRechtsverletzungen ereigneten sich auch auf zertifizierten Plantagen.\n\u201eUnternehmen und Zertifizierungsfirmen kennen die Probleme schon lange und\nl\u00f6sen sie nicht. Abwarten und Tee trinken ist aber keine Option, wenn man wei\u00df,\ndass Menschen f\u00fcr unseren Tee hungern m\u00fcssen\u201c, so Sennholz-Weinhardt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.oxfam.de\/blog\/autor_innen\/barbara-sennholz-weinhardt\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" width=\"180\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\"Foto: oxfam.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-content\/uploads\/sites\/14\/2019\/10\/barbara-sennholz-weinhardt.jpg\" alt=\"\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Dr. Barbara Sennholz-Weinhardt ist Referentin f\u00fcr Wirtschaft und Globalisierung bei <a href=\"https:\/\/www.oxfam.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">oxfam Deutschland<\/a>.<\/td><\/tr><tr><td><\/td><td><a href=\"https:\/\/www.oxfam.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-content\/uploads\/sites\/14\/2018\/05\/OXFAM.png\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Mit\nLieferkettengesetz das Problem an der Wurzel packen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Oxfam fordert von Supermarktketten und Teeunternehmen, daf\u00fcr zu sorgen, dass ihre Lieferanten die Menschenrechte einhalten. Tee aus Assam ist jedoch nur eines von zahlreichen Beispielen. Viele deutsche Unternehmen sorgen nicht ausreichend daf\u00fcr, dass in ihren Lieferketten Menschenrechte und Umweltstandards eingehalten werden. Oxfam ist deshalb Teil der \u201eInitiative Lieferkettengesetz\u201c, in der sich 64 Umwelt- und Entwicklungsorganisationen, Gewerkschaften und kirchliche Organisationen zusammengeschlossen haben. \u201eWir fordern von der Bundesregierung ein Lieferkettengesetz. Nur so k\u00f6nnen sich Unternehmen ihrer menschenrechtlichen Verantwortung nicht mehr entziehen und Sch\u00e4den an Mensch und Umwelt nicht l\u00e4nger in Kauf nehmen\u201c, so Johanna Kusch, Sprecherin der Initiative Lieferkettengesetz.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-content\/uploads\/sites\/14\/2019\/10\/Oxfam-Teestudie_Schwarzer-Tee-Wei\u00dfe-Weste.pdf\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" title=\" \" width=\"180\" class=\"aligncenter wp-image-313\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-content\/uploads\/sites\/14\/2019\/10\/Oxfam-Teestudie_Schwarzer-Tee-Wei\u00dfe-Weste-T.jpg\" alt=\"\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Die Studie &#8222;Schwarzer Tee, weisse Weste&#8220; steht <a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-content\/uploads\/sites\/14\/2019\/10\/Oxfam-Teestudie_Schwarzer-Tee-Wei\u00dfe-Weste.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00fcber diesen Link zum Download als PDF-Datei<\/a> zur Verf\u00fcgung.\n\n<a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-content\/uploads\/sites\/14\/2019\/10\/Zusammenfassung-Teestudie.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Hier<\/a> steht eine kurze Zusammenfassung der Studie zur Verf\u00fcgung.\n\nWas ein Lieferkettengesetz konkret f\u00fcr die Arbeiter*innen in Assam bringen k\u00f6nnte, ist <a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-content\/uploads\/sites\/14\/2019\/10\/Juristische-Einsch\u00e4tzung-Lieferkettengesetz.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a> erkl\u00e4rt.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei einer Packung Markenschwarztee f\u00fcr drei Euro gehen nur circa vier Cent an die Menschen, die den Tee gepfl\u00fcckt haben; Arbeiter*innen sind beim Pfl\u00fccken giftigen Pestiziden ausgesetzt, gegen die sie oft keine oder nur mangelnde Schutzkleidung erhalten. 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