{"id":292,"date":"2020-06-05T14:01:30","date_gmt":"2020-06-05T12:01:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/?page_id=292"},"modified":"2020-09-05T16:03:57","modified_gmt":"2020-09-05T14:03:57","slug":"corona-in-brasilien-konzentration-auf-wirtschaftsinteressen-gefaehrdet-indigene-voelker-und-ihren-lebensraum","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/corona-in-brasilien-konzentration-auf-wirtschaftsinteressen-gefaehrdet-indigene-voelker-und-ihren-lebensraum\/","title":{"rendered":"Corona in Brasilien: Konzentration auf Wirtschaftsinteressen gef\u00e4hrdet indigene V\u00f6lker und ihren Lebensraum"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>In Brasilien zeigt sich gerade, wie gef\u00e4hrlich eine rein auf wirtschaftliche Interessen ausgerichtete Politik f\u00fcr die schw\u00e4chsten Teile der Bev\u00f6lkerung und f\u00fcr globale Gemeininteressen wie den Klimaschutz ist. Die Corona-Pandemie k\u00f6nnte die indigenen V\u00f6lker in ihrer Existenz bedrohen. Seit Pr\u00e4sident Bolsonaro zivilgesellschaftliches Engagement systematisch bek\u00e4mpft, werden die in der Verfassung verbrieften Rechte der Indigenen kaum noch beachtet, und die Regierung \u00fcbergeht ihre Anliegen ebenso systematisch wie den Klimaschutz, um den Amazonas maximal wirtschaftlich auszubeuten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr>\n<img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-313\" title=\"Grafik: Nata Uchava, Michael Wildberger.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-content\/uploads\/sites\/14\/2020\/06\/NU-200605-Brot.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\">\n<hr>\n&nbsp;\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>(Berlin, Juni 2020)<\/strong> Brot f\u00fcr die Welt und seine lokalen Partner bef\u00fcrchten verheerende Folgen der Corona-Pandemie f\u00fcr die indigenen V\u00f6lker in den brasilianischen Amazonas-Gebieten. Die Indigenen leben in entlegenen Gebieten ohne ausreichende medizinische Infrastruktur, ihr Immunsystem ist zudem anf\u00e4lliger f\u00fcr eingeschleppte Krankheiten. Die h\u00e4ufig weit entfernten Krankenh\u00e4user in Manaus, der Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas, sind aufgrund der hohen Zahl an Intensiv-Patienten und weniger Intensivbetten vollkommen \u00fcberlastet. \u201eDie Corona-Pandemie k\u00f6nnte die indigenen V\u00f6lker in ihrer Existenz bedrohen. Seit Pr\u00e4sident Bolsonaro zivilgesellschaftliches Engagement systematisch bek\u00e4mpft, werden die in der Verfassung verbrieften Rechte der Indigenen kaum noch beachtet. Die Regierung \u00fcbergeht ihre Anliegen ebenso systematisch wie den Klimaschutz, um den Amazonas maximal wirtschaftlich auszubeuten\u201c, sagt Cornelia F\u00fcllkrug-Weitzel, Pr\u00e4sidentin von Brot f\u00fcr die Welt. \u201eIn Brasilien zeigt sich gerade, wie gef\u00e4hrlich eine rein auf wirtschaftliche Interessen ausgerichtete Politik f\u00fcr die schw\u00e4chsten Teile der Bev\u00f6lkerung und f\u00fcr globale Gemeininteressen wie den Klimaschutz ist.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht nur das Leben der Indigenen, auch ihr Lebensraum \u2013 der Amazonas \u2013 ist akut bedroht. So hat die Abholzung des Regenwaldes im Schatten der Pandemie den h\u00f6chsten Stand seit elf Jahren erreicht. Indigene haben bislang als \u201eAufpasser\u201c agiert und illegale Abholzungen an die Beh\u00f6rden gemeldet. Da sie sich aus Angst vor einer Infektion weiter in den Wald zur\u00fcckgezogen haben, k\u00f6nnen sie dieser Aufgabe nicht mehr nachgehen. \u00dcberdies hat auch die nationale Umweltschutzbeh\u00f6rde ihre Bem\u00fchungen zum Schutz des Regenwaldes sp\u00fcrbar zur\u00fcckgefahren. \u201eSeit dem Amtsantritt Pr\u00e4sident Bolsonaros hat sich vieles zum Schlechten entwickelt \u2013 etwa die Rechte der Indigenen, der Umweltschutz und die Freiheit der Zivilgesellschaft. Nun wittern Bolsonaro und seine Minister die Chance, Corona als Beschleuniger zu nutzen und unumkehrbare Fakten zu schaffen\u201c, so F\u00fcllkrug-Weitzel. \u201eDadurch werden die Bem\u00fchungen um eine nachhaltige Entwicklung Brasiliens aktuell um Jahrzehnte zur\u00fcckgeworfen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Brot f\u00fcr die Welt setzt sich seit vielen Jahren mit verschiedenen lokalen Partnerorganisationen f\u00fcr die Rechte indigener V\u00f6lker und den Schutz des Amazonas-Regenwaldes ein. Cibele Kuss, Leiterin der Lutherischen Stiftung f\u00fcr Diakonie (Funda\u00e7\u00e3o Luterana de Diaconia \u2013 FLD), sagt: \u201eDas Virus dringt immer weiter in bisher gesch\u00fctzte Gebiete des Amazonas vor. Dadurch steigt zum einen die Ansteckungsgefahr f\u00fcr Indigene, zum anderen drohen neue Konflikte um Land auszubrechen.\u201c Einen Grund f\u00fcr die Verharmlosung des Virus durch die Regierung sieht Kuss auch in der starken Rechten im Land: \u201eDie Regierung ist mit der evangelikalen Rechten verbunden, misstraut deshalb der Wissenschaft und spielt die Gef\u00e4hrlichkeit und Todesrate im Zusammenhang mit Covid-19 herunter.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Brasilien ist derzeit einer der Hotspots der Corona-Pandemie. Aktuell haben sich bereits mehr als 510.000 Menschen mit dem Virus infiziert, schon mehr als 29.000 sind an Covid-19 verstorben. Experten gehen davon aus, dass die Dunkelziffer noch deutlich h\u00f6her liegt. Dar\u00fcber hinaus sind die sozialen Konsequenzen der Pandemie gravierend. Die Armut in Brasilien steigt sprunghaft, sodass aktuell 25 Prozent der brasilianischen Bev\u00f6lkerung unter der Armutsgrenze leben (52 Millionen Menschen). Pr\u00e4sident Bolsonaro ist seit Beginn der Pandemie immer wieder damit aufgefallen, das Virus und seine Folgen zu verharmlosen. Er sprach sich wiederholt daf\u00fcr aus, die brasilianische Wirtschaft nicht bremsen zu wollen, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.brot-fuer-die-welt.de\/ueber-uns\/\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" width=\"180\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\"Foto: Brot f\u00fcr die Welt.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-content\/uploads\/sites\/14\/2018\/08\/CorneliaFW2018Augustquer.jpg\" alt=\"\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Cornelia F\u00fcllkrug-Weitzel ist Pr\u00e4sidentin des evangelischen Hilfswerks <a href=\"https:\/\/www.brot-fuer-die-welt.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Brot f\u00fcr die Welt<\/a>.<\/td><\/tr><tr><td><\/td><td><a href=\"https:\/\/www.diakonie-katastrophenhilfe.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-content\/uploads\/sites\/14\/2018\/05\/BrotFuerDieWeltLogo.gif\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der Blick \u00fcber Brasilien hinaus<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Cornelia F\u00fcllkrug-Weitzel erinnert daran, dass die Hotspots der Corona-Pandemie derzeit in L\u00e4ndern S\u00fcdamerikas liegen. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit darf den Unterst\u00fctzungsbedarf f\u00fcr L\u00e4nder und Menschen in Lateinamerika und Asien nicht vernachl\u00e4ssigen. Und vor allen Dingen braucht es unseren langen Atem und nachhaltige Hilfe, denn die sozialen und wirtschaftlichen Probleme, die die Pandemie ausl\u00f6st, sind weder kurzfristig mit einer Einmal-Finanzspritze zu l\u00f6sen, noch sind sie eben erst entstanden, sondern sie verst\u00e4rken strukturelle Probleme, die auch strukturelle und l\u00e4ngerfristige Antworten ben\u00f6tigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So begr\u00fc\u00dfenswert die zus\u00e4tzlichen drei Milliarden Euro f\u00fcr Entwicklungszusammenarbeit und Humanit\u00e4re Hilfe aus dem Konjunkturpaket der Bundesregierung sind, es werden noch gr\u00f6\u00dfere und nicht nur finanzielle Anstrengungen n\u00f6tig sein, um zu verhindern, dass die internationale Gemeinschaft im Kampf gegen extreme Armut und Hunger durch die Corona-Pandemie und ihre Folgen um Jahrzehnte zur\u00fcckgeworfen wird. Dazu m\u00fcssen auch umfangreiche Entschuldungsinitiativen geh\u00f6ren, f\u00fcr die sich die Bundesregierung auf internationaler Ebene stark machen sollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und alles, was jetzt zur Ankurbelung der Wirtschaft sowohl in den Industrienationen als auch in den Entwicklungsl\u00e4ndern eingesetzt wird, sollte einen Nachhaltigkeitscheck durchlaufen, klimavertr\u00e4glich sein und auf die Erreichung der 17 Ziele f\u00fcr eine globale nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) der Agenda 2030 einzahlen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diesen Kriterien werden nicht alle Punkte des Konjunkturpakets der Bundesregierung gerecht. Aber es ist st\u00e4rker auf Zukunftsf\u00e4higkeit und Nachhaltigkeit ausgerichtet als Konjunkturprogramme vergangener Zeiten \u2013 und dass es nach langen Verhandlungen auch den globalen S\u00fcden ber\u00fccksichtigt, ist beachtlich.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Brasilien zeigt sich gerade, wie gef\u00e4hrlich eine rein auf wirtschaftliche Interessen ausgerichtete Politik f\u00fcr die schw\u00e4chsten Teile der Bev\u00f6lkerung und f\u00fcr globale Gemeininteressen wie den Klimaschutz ist. Die Corona-Pandemie k\u00f6nnte die indigenen V\u00f6lker in ihrer Existenz bedrohen. Seit Pr\u00e4sident Bolsonaro zivilgesellschaftliches Engagement systematisch bek\u00e4mpft, werden die in der Verfassung verbrieften Rechte der Indigenen kaum <a href='https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/corona-in-brasilien-konzentration-auf-wirtschaftsinteressen-gefaehrdet-indigene-voelker-und-ihren-lebensraum\/' class='excerpt-more'>[&#8230;]<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":22,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-292","page","type-page","status-publish","hentry","post-seq-1","post-parity-odd","meta-position-left-pullout","fix"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/292","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=292"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/292\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":336,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/292\/revisions\/336"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=292"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}