{"id":459,"date":"2021-03-30T18:35:25","date_gmt":"2021-03-30T16:35:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/?page_id=459"},"modified":"2021-03-30T18:35:26","modified_gmt":"2021-03-30T16:35:26","slug":"schluss-mit-der-schoenfaerberei-im-kakaosektor-zertifizierter-kakao-darf-nicht-per-se-als-nachhaltig-bezeichnet-werden","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/schluss-mit-der-schoenfaerberei-im-kakaosektor-zertifizierter-kakao-darf-nicht-per-se-als-nachhaltig-bezeichnet-werden\/","title":{"rendered":"Schluss mit der Sch\u00f6nf\u00e4rberei im Kakaosektor: Zertifizierter Kakao darf nicht per se als nachhaltig bezeichnet werden!"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Seit mehr als 20 Jahren wird \u00fcber die weit verbreitete Kinderarbeit im Kakaosektor Westafrikas berichtet, von wo rund 90 Prozent des in Deutschland verbrauchten Kakaos stammt. Die Kinderarbeit ist ein Symptom der Armut des gr\u00f6\u00dften Teils der Kakao anbauenden Familien. Der Bundesverband der Deutschen S\u00fc\u00dfwarenindustrie sollte endlich funktionierende Strategien entwickeln, wie den B\u00e4uerinnen und Bauern mehr Geld zum \u00dcberleben zukommt: Der Milliardenmarkt Schokolade gibt es her, einige Cent pro Tafel Schokolade mehr in den Kakao zu investieren als es derzeit der Fall ist.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr>\n<img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-313\" title=\"Foto: Nata Uchava, Freiburg.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-content\/uploads\/sites\/14\/2021\/03\/NU-210330-Schokolade.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\">\n<hr>\n&nbsp;\n\n\n\n<p><strong>(Bonn, 29. M\u00e4rz 2021)<\/strong> Mehr als 1,5 Millionen Kinder arbeiten alleine in Ghana und in der C\u00f4te d\u2019Ivoire im Kakaoanbau. Das wurde zuletzt durch eine gro\u00dfe Studie des NORC\/Universit\u00e4t Chicago im Oktober 2020 best\u00e4tigt. Die Tatsache der weit verbreiteten Kinderarbeit h\u00e4lt Akteure wie den Bundesverband der Deutschen S\u00fc\u00dfwarenindustrie aber nicht davon ab, weiter \u00f6ffentlich zu behaupten, dass 77 Prozent der deutschen Kakaoimporte im Jahr 2020 zertifiziert und damit nachhaltig erzeugt worden seien.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim momentanen Kakaopreis kann selbst zertifizierter Kakao aber in aller Regel nicht nachhaltig sein. S\u00dcDWIND fordert den Verband daher auf, diese Sch\u00f6nf\u00e4rberei einzustellen und Verbraucher*innen nicht l\u00e4nger in die Irre zu f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit mehr als 20 Jahren wird \u00fcber die weit verbreitete Kinderarbeit im Kakaosektor Westafrikas berichtet, von wo rund 90 Prozent des in Deutschland verbrauchten Kakaos stammt. Die Kinderarbeit ist ein Symptom der Armut des gr\u00f6\u00dften Teils der Kakao anbauenden Familien. Diese haben oft keine andere Wahl, als ihre Kinder beispielsweise auf der Plantage arbeiten zu lassen. Ein L\u00f6sungsansatz, der f\u00fcr die Kakaoindustrie bisher mit geringen Mehrkosten verbunden war, ist der Einkauf zertifizierten Kakaos. Der Anteil ist nach Aussagen der Industrie, die sich jedoch nicht \u00fcberpr\u00fcfen lassen, auf 77 Prozent des deutschen Marktes gestiegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Friedel H\u00fctz-Adams, Kakaoexperte bei S\u00dcDWIND, wehrt sich gegen die Aussage, dass zertifizierter Kakao viele Probleme im Kakaoanbau gel\u00f6st habe: \u201eNicht nur die beiden wichtigen Zertifizierungsorganisationen Fairtrade und Rainforest Alliance r\u00e4umen ein, dass alleine mit dem Einkauf zertifizierter Kakaobohnen keine Nachhaltigkeit in der Kakaobranche erzielt wird. Auch f\u00fchrende Kakaounternehmen stimmen dieser Einsch\u00e4tzung zu.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Wissen h\u00e4lt den BDSI jedoch nicht davon ab, der \u00d6ffentlichkeit zu suggerieren, dass der Gro\u00dfteil des eingekauften Kakaos nachhaltig produziert worden sei. \u201eMehr noch: Der BDSI behauptet, dass Unternehmen damit ihrer menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht nachk\u00e4men und wehrt sich gegen eine gesetzliche Verpflichtung von Unternehmen durch den Gesetzgeber in Deutschland, Menschenrechte in der Lieferkette einzuhalten\u201c, so H\u00fctz-Adams.<\/p>\n\n\n\n<p>Um endlich zu einer nachhaltigen Kakaoproduktion zu kommen, braucht es mehr als Zertifizierungen. Die kakaoanbauenden Familien brauchen mehr Unterst\u00fctzung durch die Regierung ihrer Heimatl\u00e4nder, um Agrarmethoden zu verbessern und Kosten senken zu k\u00f6nnen. An erster Stelle, und das ist offensichtlich, braucht es aber eine Strategie gegen den \u00fcber Jahrzehnte inflationsbereinigt immer weiter gesunkenen Kakaopreis. Dieser ist eine wichtige Ursache der Armut und damit auch der Kinderarbeit.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDer Bundesverband der Deutschen S\u00fc\u00dfwarenindustrie sollte endlich funktionierende Strategien entwickeln, wie den B\u00e4uerinnen und Bauern mehr Geld zum \u00dcberleben zukommt. Der Milliardenmarkt Schokolade gibt es her, einige Cent pro Tafel Schokolade mehr in den Kakao zu investieren als es derzeit der Fall ist. Statt Sch\u00f6nf\u00e4rberei zu betreiben, sollte nach 20 Jahren Diskutieren endlich gehandelt werden\u201c, fasst Friedel H\u00fctz-Adams zusammen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.suedwind-institut.de\/team.html\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" width=\"180\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\"Foto: S\u00dcDWIND.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-content\/uploads\/sites\/14\/2021\/03\/Friedel-Huetz-Adams-2671be4a.jpg\" alt=\"\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Friedel H\u00fctz-Adams ist Kakaoexperte bei <a href=\"https:\/\/www.suedwind-institut.de\/verein.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">S\u00dcDWIND<\/a>.<\/td><\/tr><tr><td><\/td><td><a href=\"https:\/\/www.suedwind-institut.de\/verein.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-content\/uploads\/sites\/14\/2018\/05\/S\u00fcdwind.png\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.suedwind-institut.de\/files\/Suedwind\/Publikationen\/2020\/2020%20Cocoa%20Barometer.pdf\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" title=\" \" class=\"aligncenter wp-image-313\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-content\/uploads\/sites\/14\/2021\/03\/2020-Cocoa-Barometer-1.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Der Bericht &#8222;cocoa barometer 2020&#8220; steht <a href=\"https:\/\/www.suedwind-institut.de\/files\/Suedwind\/Publikationen\/2020\/2020%20Cocoa%20Barometer.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00fcber diesen Link zum Download als PDF<\/a> bereit.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit mehr als 20 Jahren wird \u00fcber die weit verbreitete Kinderarbeit im Kakaosektor Westafrikas berichtet, von wo rund 90 Prozent des in Deutschland verbrauchten Kakaos stammt. Die Kinderarbeit ist ein Symptom der Armut des gr\u00f6\u00dften Teils der Kakao anbauenden Familien. 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