{"id":509,"date":"2021-09-15T17:44:01","date_gmt":"2021-09-15T15:44:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/?page_id=509"},"modified":"2021-09-15T17:44:38","modified_gmt":"2021-09-15T15:44:38","slug":"hunger-und-fehlernaehrung-sind-ergebnis-von-politikversagen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/hunger-und-fehlernaehrung-sind-ergebnis-von-politikversagen\/","title":{"rendered":"Hunger und Fehlern\u00e4hrung sind Ergebnis von Politikversagen"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Weltweit hungern 768 Millionen Menschen, im Vergleich zum Jahr 2017 ist die Zahl der hungernden Menschen damit um 24,8 Prozent gestiegen. Die zeitlich immer schneller aufeinanderfolgenden politischen, \u00f6konomischen und \u00f6kologischen Krisen weltweit schw\u00e4chen die Widerstandsf\u00e4higkeit armer Menschen \u2013 so hat die Covid19 Krise von 2019 auf 2020 fast 100 Millionen Menschen mehr in Armut und Hunger getrieben. Das Menschenrecht auf gesunde und vielf\u00e4ltige Nahrung muss f\u00fcr alle Menschen auf der Welt gelten \u2013 und eine klimafreundliche Landwirtschaft und gesunde Ern\u00e4hrung m\u00fcssen Hand in Hand gehen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr>\n<img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-313\" title=\"Grafik: Nata Uchava, Michael Wildberger.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-content\/uploads\/sites\/14\/2021\/09\/NU-210915-hunger.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\">\n<hr>\n&nbsp;\n\n\n\n<p><strong>(Berlin, 15. September 2021)<\/strong> Die Weltgemeinschaft scheitert im Kampf gegen Hunger, Mangelern\u00e4hrung und Fehlern\u00e4hrung. Das zeigt das von der Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung und dem TMG ThinkTank for Sustainability heute ver\u00f6ffentlichte Factsheet \u201eArmut Macht Hunger\u201c. Weltweit hungern 768 Millionen Menschen, rund zehn Prozent der Weltbev\u00f6lkerung. Im Vergleich zum Jahr 2017 ist die Zahl der hungernden Menschen damit um 24,8 Prozent gestiegen. Laut der Publikation sind Hunger und Mangelern\u00e4hrung eine Folge von Armut und Ungleichheit:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Weltweit leben etwa 1,8 Milliarden Menschen in Armut und m\u00fcssen mit weniger als 3,20 US-Dollar am Tag auskommen,<\/li><li>knapp 700 Millionen Menschen leben in extremer Armut und haben weniger als 1,90 US-Dollar t\u00e4glich zur Verf\u00fcgung.<\/li><li>Eine rein n\u00e4hrstofforientierte Ern\u00e4hrung koste im globalen Durchschnitt bereits 2.33 US-Dollar,<\/li><li>eine ausgewogene und gesunde Ern\u00e4hrung mindestens 3,75 US-Dollar \u2013 und sei damit f\u00fcr viele Menschen unerschwinglich.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Barbara Unm\u00fc\u00dfig, Vorstand der Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung, sagt: \u201eHunger und Mangelern\u00e4hrung sind das Resultat gesellschaftlicher Exklusion und Ungerechtigkeit, mangelnder politischer Verantwortung und unzureichendem politischen Handeln. Fehlende Kaufkraft, fehlender Zugang zu Land und Kriege sind zentrale Ursachen f\u00fcr Hunger. Die zeitlich immer schneller aufeinanderfolgenden politischen, \u00f6konomischen und \u00f6kologischen Krisen weltweit schw\u00e4chen die Widerstandsf\u00e4higkeit armer Menschen. So hat die Covid19 Krise von 2019 auf 2020 fast 100 Millionen Menschen mehr in Armut und Hunger getrieben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUm dem entgegen zu wirken m\u00fcssen arme Menschen darin unterst\u00fctzt werden, auf Krisen reagieren zu k\u00f6nnen. Das beinhaltet, dass unsere Ern\u00e4hrungssysteme \u2013 von Produktion \u00fcber Vermarktung und Konsum \u2013 neu gedacht werden.\u201c, so Unm\u00fc\u00dfig weiter. \u201eSoziale Sicherheit, sicherer Zugang zu Land und an die Klimakrise angepasste landwirtschaftliche Produktion und Beratung sind zentrale Elemente einer strukturellen L\u00f6sung. Als Antwort auf Hunger und Ungerechtigkeit den Fokus auf Produktivit\u00e4tssteigerungen in der landwirtschaftlichen Produktion zu legen greift absolut zu kurz.\u201c, so Unm\u00fc\u00dfig.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr 2020 seien fast alle L\u00e4nder, in denen eine Hungersnot herrschte, von gewaltsamen Konflikten betroffen. Die Zahl der Menschen, die aufgrund von Konflikten und Gewalt vertrieben wurden, habe sich seit 2010 fast verdoppelt und erreiche Ende 2019 einen Rekordwert von 79,5 Millionen Menschen. Zugleich spitzten sich \u00f6kologische Krisen zu: Die H\u00e4ufigkeit und Intensit\u00e4t von Naturkatastrophen habe sich seit 1960 weltweit verzehnfacht \u2013 mehr als eine Milliarde Menschen lebe in L\u00e4ndern, deren \u00f6ffentliche Strukturen nicht mit den zu erwartenden \u00f6kologischen Krisen bis 2050 umgehen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Alexander M\u00fcller, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von TMG \u2013 Think Tank for Sustainability, sagte: \u201eHunger, Fehlern\u00e4hrung und Umweltzerst\u00f6rung sind keine Randerscheinungen unseres Ern\u00e4hrungssystems. Ohne internationale Vereinbarungen wird die gigantische doppelte Herausforderung, zuk\u00fcnftig 10 Milliarden Menschen zu ern\u00e4hren und gleichzeitig die nat\u00fcrlichen Ressourcen Erde zu sch\u00fctzen, nicht bew\u00e4ltigt werden k\u00f6nnen. Die Vereinten Nationen wurden gegr\u00fcndet, um Probleme anzugehen, die einzelne Staaten alleine nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen. Es ist zu bef\u00fcrchten, dass der anstehende UN-Gipfel zu Ern\u00e4hrungssystemen genau an dieser Stelle versagt. Es gibt nicht einmal den Versuch, sich auf eine Vereinbarung der Mitgliedsstaaten zur Transformation des Ern\u00e4hrungssystems zu einigen. So wird Hunger als extremste Ausdrucksform von gesellschaftlicher Ausgrenzung, von Ungerechtigkeit und von Machtungleichgewichten weiterbestehen. Dies geschieht in einer Zeit, in der durch den Krieg in Afghanistan neue humanit\u00e4re Katastrophen auf der Tagesordnung stehen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Auch in Deutschland gebe es einen Zusammenhang zwischen Armut und Fehlern\u00e4hrung. Armutshaushalten fehlt h\u00e4ufig das Geld f\u00fcr eine ausgewogene, gesunde Ern\u00e4hrung. Im Vergleich zum Jahr 2018 nutzten im Jahr 2019 10% mehr Menschen in Deutschland Tafeln, die Nahrungsmittel umsonst oder zu einem geringen Preis vergeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Barbara Unm\u00fc\u00dfig: \u201eIn den Industriel\u00e4ndern brauchen wir eine neue und faire Sozialpolitik, die nicht die billigsten, kalorienlastigen Lebensmitteln mit viel zu viel Zucker, Salz und Kohlehydraten zugrundelegt, sondern die notwendigen Mittel f\u00fcr eine vielf\u00e4ltigere und gesunde Ern\u00e4hrung bereitstellt. Das Menschenrecht auf gesunde und vielf\u00e4ltige Nahrung muss f\u00fcr alle Menschen auf der Welt gelten \u2013 und es muss endlich durchgesetzt werden. Eine klimafreundliche Landwirtschaft und gesunde Ern\u00e4hrung m\u00fcssen Hand in Hand gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Weltern\u00e4hrungsgipfel, der die Transformation der Ern\u00e4hrungssysteme so grunds\u00e4tzlich denkt, w\u00e4re ein Erfolg. Dabei sind jetzt vor allem Deutschland und die EU gefordert: Wir m\u00fcssen unsere Gemeinsame Agrarpolitik, unsere Handelspolitik und unsere Entwicklungspolitik auf den Pr\u00fcfstand stellen und damit die Glaubw\u00fcrdigkeit in den Verhandlungen st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.boell.de\/de\/person\/barbara-unmuessig\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\"Foto: Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-content\/uploads\/sites\/14\/2021\/09\/Barbara_Unmuessig_c_Bettina_Keller-heinrich-boell-K.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Barbara Unm\u00fc\u00dfig ist im Vorstand der <a href=\"https:\/\/www.boell.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung<\/a>.<\/td><\/tr><tr><td><\/td><td><a href=\"https:\/\/www.boell.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-content\/uploads\/sites\/14\/2018\/10\/LogoHBS.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a href=\"https:\/\/www.boell.de\/sites\/default\/files\/2021-09\/factsheet_hunger_2021_web_20210906.pdf?dimension1=ds_hunger21\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-content\/uploads\/sites\/14\/2021\/09\/factsheet_hunger_2021_web_20210906-1.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Das Factsheet &#8222;Armut Macht Hunger&#8220; steht <a href=\"https:\/\/www.boell.de\/sites\/default\/files\/2021-09\/factsheet_hunger_2021_web_20210906.pdf?dimension1=ds_hunger21\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00fcber diesen Link zum Download als PDF<\/a> bereit.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weltweit hungern 768 Millionen Menschen, im Vergleich zum Jahr 2017 ist die Zahl der hungernden Menschen damit um 24,8 Prozent gestiegen. Die zeitlich immer schneller aufeinanderfolgenden politischen, \u00f6konomischen und \u00f6kologischen Krisen weltweit schw\u00e4chen die Widerstandsf\u00e4higkeit armer Menschen \u2013 so hat die Covid19 Krise von 2019 auf 2020 fast 100 Millionen Menschen mehr in Armut und <a href='https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/hunger-und-fehlernaehrung-sind-ergebnis-von-politikversagen\/' class='excerpt-more'>[&#8230;]<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":4,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-509","page","type-page","status-publish","hentry","post-seq-1","post-parity-odd","meta-position-left-pullout","fix"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/509","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=509"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/509\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":511,"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/509\/revisions\/511"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/entwicklung\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=509"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}