{"id":1002,"date":"2022-07-07T17:09:45","date_gmt":"2022-07-07T15:09:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/?page_id=1002"},"modified":"2022-07-07T17:09:46","modified_gmt":"2022-07-07T15:09:46","slug":"ilo-konvention-169-zum-schutz-der-rechte-indigener-voelker-tritt-fuer-deutschland-in-kraft-buendnis-fordert-konkrete-massnahmen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/ilo-konvention-169-zum-schutz-der-rechte-indigener-voelker-tritt-fuer-deutschland-in-kraft-buendnis-fordert-konkrete-massnahmen\/","title":{"rendered":"ILO-Konvention 169 zum Schutz der Rechte Indigener V\u00f6lker tritt f\u00fcr Deutschland in Kraft \u2013 B\u00fcndnis fordert konkrete Ma\u00dfnahmen"},"content":{"rendered":"\n<p><em>2019 geh\u00f6rten weltweit 476 Millionen Indigene insgesamt 6.000 V\u00f6lkern an. Sie bewahren 80 Prozent der globalen Biodiversit\u00e4t, 5 Prozent der Menschen weltweit sind Indigene, gleichzeitig machen sie 15 Prozent der von Armut betroffenen Bev\u00f6lkerung aus und sind \u00fcberproportional vulnerabel durch extraktivistische T\u00e4tigkeiten internationaler Konzerne. Durch nicht-nachhaltige Entwicklungspolitiken werden ihre Lebensr\u00e4ume zerst\u00f6rt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"413\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2022\/07\/NU-220707-indigene-Voelker.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1000\" title=\"Foto: Nata Uchava, Freiburg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>(Berlin\/K\u00f6ln, 21. Juni 2022)<\/strong> Rund 6.000 Indigene V\u00f6lker existieren weltweit, und ihre verbrieften Rechte werden vielerorts verletzt. Zum Schutz der Rechte der Indigenen V\u00f6lker besteht nur ein einziges v\u00f6lkerrechtlich verbindliches internationales Abkommen, die ILO-Konvention 169. In Brasilien droht der rechtsextreme Pr\u00e4sident Jair Bolsonaro mit dem Austritt seines Landes aus der ILO-Konvention 169 und schw\u00e4cht somit die Bedeutung des Instruments. In Deutschland hingegen tritt die Ratifizierung am 23. Juni 2022 in Kraft, ein Jahr nach der Hinterlegung der Ratifizierungsurkunde bei der ILO. Mit dem Beitritt sendet Deutschland ein wichtiges Signal. Doch dem Beitritt mit gro\u00dfem Symbolgehalt m\u00fcssen nun auch konkrete Taten folgen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.ilo169.de\/die-ueblichen-verdaechtigen-argumente-die-angeblich-gegen-die-ratifizierung-der-ilo-169-sprechen-und-wie-sie-widerlegt-werden-koennen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Der ILO169-Koordinationskreis<\/a> appelliert an die deutsche Bundesregierung, noch in dieser Legislaturperiode eine ressort\u00fcbergreifende Strategie zum Schutz der Rechte Indigener V\u00f6lker zu erarbeiten und konsequent umzusetzen. Eine solche Strategie muss alle betroffenen Ministerien einbinden. \u201eAlle deutschen Projekte und Investitionen m\u00fcssen den Schutz der Biodiversit\u00e4t und der Rechte der Indigenen V\u00f6lker grundlegend garantieren. Wir sind Inhaber von Rechten, keine Objekte politischer Narrative\u201d, sagt Harol Rinc\u00f3n Ipuchima vom Dachverband der Indigenen V\u00f6lker Amazoniens.<\/p>\n\n\n\n<p>Global erleben wir eine beispiellose Eskalation geopolitischer, menschenrechtlicher sowie umwelt- und klimabedingter Konflikte und Krisen. Es tritt offen zutage, dass ein friedliches Miteinander direkt mit unserem Umgang mit nat\u00fcrlichen Ressourcen in Verbindung steht. \u201eVor diesem Hintergrund sind die Territorien Indigener V\u00f6lker und ihr traditionelles Wissen mehr denn je von herausragender Bedeutung f\u00fcr den Erhalt der biologischen und kulturellen Vielfalt und f\u00fcr das zuk\u00fcnftige Leben der Menschheit weltweit\u201c, sagt Vicky Tauli-Corpuz von Tebtebba (Indigenous Peoples\u2019 International Centre for Policy Research and Education, Philippinen).<\/p>\n\n\n\n<p>Indigene Menschenrechts- und Umweltverteidiger:innen stehen im Zentrum der zunehmenden Konflikte um die weltweite Ausbeutung von Rohstoffen. Obwohl indigene Gemeinschaften nur f\u00fcnf Prozent der Weltbev\u00f6lkerung ausmachen, trafen laut der NGO Global Witness zwischen 2015 und 2019 mehr als ein Drittel aller t\u00f6dlichen Angriffe auf Umwelt- und Menschenrechtsverteidiger:innen Angeh\u00f6rige Indigener V\u00f6lker. Das Inkrafttreten der ILO-Konvention 169 erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die deutsche und die kolumbianische Regierung \u00fcber eine Erh\u00f6hung von kolumbianischen Kohleimporten nach Deutschland verhandeln. Die zunehmende Kohlef\u00f6rderung stellt eine gro\u00dfe Bedrohung f\u00fcr die Indigenen Gemeinschaften der Wayu\u00fa dar, deren Menschenrechte seit Jahrzehnten durch die Mine El Cerrej\u00f3n verletzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bundesregierung muss jetzt nach dem Beitritt zur ILO-Konvention 169 ihre Verantwortung wahrnehmen und genau darauf achten, unter welchen Bedingungen importierte Rohstoffe abgebaut werden und sich f\u00fcr die konsequente Anwendung der ILO Konvention 169 zum Schutz der vertraglich zugesicherten Rechte Indigener V\u00f6lker einsetzen. Dazu geh\u00f6ren etwa das Recht auf Erhalt der kulturellen Identit\u00e4t, das Recht auf Beteiligung an staatlichen Entscheidungen sowie das Recht auf Land und Ressourcen. \u201eEs braucht mehr als internationale Solidarit\u00e4t, um indigene V\u00f6lker und ihre Gemeinschaften weltweit zu unterst\u00fctzen. Wir erwarten von Deutschland, dass es nach der Ratifizierung der ILO-Konvention 169 die Rechte Indigener V\u00f6lker voll respektiert und seiner Verantwortung nachkommt\u201d, sagt Hindou Oumarou Ibrahim von der Vereinigung indigener Frauen und V\u00f6lker im Tschad (AFPAT).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hintergrund<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Koordinationskreis ILO 169 in Deutschland ist ein Zusammenschluss von deutschen zivilgesellschaftlichen Organisationen, Netzwerken und Expert:innen, die sich f\u00fcr die St\u00e4rkung der Rechte Indigener V\u00f6lker, der Menschenrechte sowie den Schutz der Regenw\u00e4lder und den Klimaschutz einsetzen. 2019 geh\u00f6rten weltweit 476 Millionen Indigene insgesamt 6.000 V\u00f6lkern an. Sie bewahren 80 Prozent der globalen Biodiversit\u00e4t. 5 Prozent der Menschen weltweit sind Indigene. Gleichzeitig machen sie 15 Prozent der von Armut betroffenen Bev\u00f6lkerung aus und sind \u00fcberproportional vulnerabel durch extraktivistische T\u00e4tigkeiten internationaler Konzerne. Durch nicht-nachhaltige Entwicklungspolitiken werden ihre Lebensr\u00e4ume zerst\u00f6rt. Ihre vielf\u00e4ltigen Kosmovisionen und ihr Wissen sind Teil des immateriellen Weltkulturerbes.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2019 geh\u00f6rten weltweit 476 Millionen Indigene insgesamt 6.000 V\u00f6lkern an. Sie bewahren 80 Prozent der globalen Biodiversit\u00e4t, 5 Prozent der Menschen weltweit sind Indigene, gleichzeitig machen sie 15 Prozent der von Armut betroffenen Bev\u00f6lkerung aus und sind \u00fcberproportional vulnerabel durch extraktivistische T\u00e4tigkeiten internationaler Konzerne. Durch nicht-nachhaltige Entwicklungspolitiken werden ihre Lebensr\u00e4ume zerst\u00f6rt. (Berlin\/K\u00f6ln, 21. 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