{"id":1078,"date":"2022-10-25T18:13:59","date_gmt":"2022-10-25T16:13:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/?page_id=1078"},"modified":"2022-10-25T18:14:00","modified_gmt":"2022-10-25T16:14:00","slug":"daten-zu-menschenhandel-in-deutschland","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/daten-zu-menschenhandel-in-deutschland\/","title":{"rendered":"Daten zu Menschenhandel in Deutschland"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Zahlen zum Menschenhandel werden im j\u00e4hrlichen Bundeslagebild Menschenhandel des Bundeskriminalamtes erhoben, allerdings beziehen sie sich auf die polizeibekannten F\u00e4lle, in denen ein Ermittlungsverfahren er\u00f6ffnet und auch abgeschlossen wurde. Die Datenerhebung des Bundesweiten Koordinierungskreises gegen Menschenhandel \u2013 KOK e.V. erg\u00e4nzt diese Kriminalstatistiken durch zivilgesellschaftliche Analysen und bildet ein breiteres Spektrum ab. Die Zahlen machen deutlich: 96 Prozent der Betroffenen waren Frauen, 60 Prozent aus westafrikanischen Staaten, davon mit 44 Prozent die meisten aus Nigeria, 81 Prozent der F\u00e4lle wurden von den Fachberatungsstellen als Zwangsprostitution eingestuft.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"413\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2022\/10\/NU-221025-KOK.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1074\" title=\"Foto: Nata Uchava, Freiburg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>(Berlin, 18. Oktober 2022)<\/strong> Zum Europ\u00e4ischen Tag gegen Menschenhandel am 18. Oktober pr\u00e4sentiert der Bundesweite Koordinierungskreis gegen Menschenhandel \u2013 KOK e.V. seinen dritten Datenbericht zu Menschenhandel und Ausbeutung in Deutschland. Die Daten werden durch spezialisierte Fachberatungsstellen f\u00fcr Betroffene von Menschenhandel mit Einwilligung der Klient*innen erhoben. Die Analyse des KOK tr\u00e4gt dazu bei, bessere Erkenntnisse zu Menschenhandel in Deutschland zu erlangen und daraus wirksame Politik zum Schutz der Betroffenen und der erfolgreichen Strafverfolgung zu ziehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Blick \u00fcber das kriminalstatistische Hellfeld hinaus<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Daten der Fachberatungsstellen zeigen, dass ihre Einsch\u00e4tzung zum Vorliegen der Straftatbest\u00e4nde Menschenhandel oder Zwangsprostitution nur in sehr wenigen F\u00e4llen auch zu entsprechenden Ermittlungen f\u00fchrt. In nur 29 Prozent der erfassten F\u00e4lle wurden Ermittlungsverfahren eingeleitet. Noch geringer ist die Zahl der tats\u00e4chlich erhobenen Anklagen. \u201eDas macht deutlich, dass das Ausma\u00df von Menschenhandel und Ausbeutung in den Kriminalstatistiken nur unzureichend erfasst wird\u201c, schlussfolgert Sophia Wirsching, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin des KOK. Dar\u00fcber hinaus bietet der vorliegende Datenbericht Erkenntnisse zur sozial- und aufenthaltsrechtlichen Situation von Betroffenen von Menschenhandel in Deutschland.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zahlen aus der Praxis erg\u00e4nzen Kriminalstatistiken<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die einzig zuverl\u00e4ssigen Zahlen zu Menschenhandel werden im j\u00e4hrlichen Bundeslagebild Menschenhandel des Bundeskriminalamtes erhoben. Deren Aussagekraft ist allerdings begrenzt, da sie sich auf die polizeibekannten F\u00e4lle beziehen, in denen ein Ermittlungsverfahren er\u00f6ffnet und auch abgeschlossen wurde. Die Datenerhebung des KOK erg\u00e4nzt diese Kriminalstatistiken durch zivilgesellschaftliche Analysen und bildet ein breiteres Spektrum ab. \u201eNicht nur k\u00f6nnen diese Daten das bisher bekannte Hellfeld erweitern, sie bieten auch die M\u00f6glichkeit, die Bedarfe der Betroffenen von Menschenhandel und Ausbeutung abzubilden\u201c, erkl\u00e4rt Margarete Mure\u0219an, KOK Vorstand und Leiterin der Fachberatungsstelle IN VIA Berlin. Zum Beispiel zeigt die Erfahrung aus der Praxis, dass bei der H\u00e4lfte der Klient*innen die Aufenthaltsperspektiven unsicher sind. Dies ist aber h\u00e4ufig Voraussetzung f\u00fcr Leistungen, Arbeitszugang oder Entsch\u00e4digungsanspr\u00fcche. Das bekr\u00e4ftigt die Notwendigkeit eines Aufenthalts aus humanit\u00e4ren Gr\u00fcnden und unabh\u00e4ngig von einer Kooperation im Strafverfahren, wie es der Koalitionsvertrag der Bundesregierung auch vorsieht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Datenerhebung des KOK zu Menschenhandel und Ausbeutung in Deutschland 2021 auf einen Blick:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>19 teilnehmende Fachberatungsstellen<\/li><li>725 F\u00e4lle sind insgesamt in der Datenbank enthalten<\/li><li>612 F\u00e4lle sind zur Auswertung freigegeben<\/li><li>437 F\u00e4lle haben die Fachberatungsstellen im Jahr 2021 weiter bearbeitet<\/li><li>96 Prozent der beratenen Betroffenen waren Frauen<\/li><li>60 Prozent der Klient*innen kommen aus westafrikanischen Staaten, davon mit 44 Prozent die meisten aus Nigeria<\/li><li>73 Prozent der Klient*innen sind zwischen 22 und 29 Jahren alt<\/li><li>81 Prozent der F\u00e4lle wurden von den Fachberatungsstellen als Zwangsprostitution eingestuft<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Der Bundesweite Koordinierungskreis gegen Menschenhandel \u2013 KOK e.V. ist ein Zusammenschluss von 42 Organisationen, die sich f\u00fcr Betroffene von Menschenhandel und f\u00fcr von Gewalt betroffene Migrantinnen* einsetzen. Der KOK vernetzt die Mehrzahl aller spezialisierten Fachberatungsstellen f\u00fcr Betroffene von Menschenhandel in Deutschland sowie weitere in diesem Bereich t\u00e4tige NGOs.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Grundverst\u00e4ndnis des Bundesweiten Koordinierungskreises gegen Menschenhandel \u2013 KOK e.V. von Menschenhandel und Ausbeutung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Menschenhandel und Ausbeutung in Deutschland kommen in den verschiedensten Formen und Bereichen vor. Seit 2016 erfasst das deutsche Strafgesetzbuch (StGB) in den \u00a7\u00a7 232 ff. die Delikte Menschenhandel, Zwangsprostitution, Zwangsarbeit, Ausbeutung der Arbeitskraft, Ausbeutung unter Ausnutzung einer Freiheitsberaubung und den Organhandel. Der Begriff Menschenhandel bezeichnet im StGB dabei lediglich das Anwerben, Bef\u00f6rdern und Beherbergen einer Person mit dem Ziel der Ausbeutung (\u00a7 232 StGB). Die Ausbeutung selbst bzw. ihre verschiedenen Formen werden in den nachfolgenden Paragrafen definiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter die Zwangsarbeit beziehnungsweise Ausbeutung der Arbeitskraft fallen auch die Ausbeutung von strafbaren Handlungen und die Ausbeutung der Bettelei. Bei letzterem werden Menschen dazu gebracht oder gezwungen, betteln zu gehen und die Einnahmen zu gro\u00dfen Teilen oder vollst\u00e4ndig abzugeben. Bei der Ausbeutung strafbarer Handlungen werden Personen dazu gebracht, strafbare Handlungen zu begehen, beispielsweise Diebst\u00e4hle, EC-Karten-Betrug oder Drogenhandel. Die finanziellen Gewinne der Straftaten behalten die T\u00e4ter*innen ein. Die in der \u00d6ffentlichkeit bekannteste Form des Menschenhandels und der Ausbeutung ist die sexuelle Ausbeutung. Sie ist bereits seit 1973 strafrechtlich erfasst und wird nach wie vor in den Beratungsstellen und von der Polizei am h\u00e4ufigsten identifiziert. Seit dem Jahr 2005 ist Arbeitsausbeutung strafrechtlich erfasst. Zu diesen beiden Ausbeutungsformen ist bislang das meiste Wissen vorhanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Fachberatungsstellen beraten Betroffene verschiedener Formen des Menschenhandels und der Ausbeutung. Sie haben aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte \u2013 meist in den 1980er Jahren aus einem frauenrechtlichen und feministischen Hintergrund heraus \u2013 einen Fokus auf betroffene Frauen. Einige sind aufgrund ihrer Finanzierung und ihres Mandats auf die Beratung Betroffener von sexueller Ausbeutung beschr\u00e4nkt, viele beraten jedoch auch Frauen, die von Arbeitsausbeutung betroffen sind. Daneben beraten die Fachberatungsstellen, die im KOK e.V. zusammengeschlossen sind, auch Betroffene weiterer Ausbeutungsformen und in einigen F\u00e4llen auch m\u00e4nnliche Betroffene oder betroffene Trans*personen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.kok-gegen-menschenhandel.de\/der-kok\/der-kok-ev\/die-geschaeftsstelle\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"250\" height=\"166\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2022\/08\/Sophia-Wirsching-Foto-Hermann-Bredehorst.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1009\" title=\"Foto: Hermann Bredehorst.\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Sophia Wirsching ist Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin des <a href=\"https:\/\/www.kok-gegen-menschenhandel.de\/startseite\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Bundesweiten Koordinierungskreises gegen Menschenhandel \u2013 KOK e.V.<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.kok-gegen-menschenhandel.de\/startseite\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2022\/08\/KOK-Logo2021.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1010\" width=\"451\" height=\"39\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.kok-gegen-menschenhandel.de\/fileadmin\/user_upload\/medien\/Publikationen_KOK\/KOK-Datenbericht_2022.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"459\" height=\"680\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2022\/10\/KOK-Datenbericht_2022-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1075\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Die Datenerhebung des Bundesweiten Koordinierungskreises gegen Menschenhandel \u2013 KOK e.V. zu Menschenhandel und Ausbeutung in Deutschland steht <a href=\"https:\/\/www.kok-gegen-menschenhandel.de\/fileadmin\/user_upload\/medien\/Publikationen_KOK\/KOK-Datenbericht_2022.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00fcber diesen Link zum Download als PDF<\/a> bereit.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zahlen zum Menschenhandel werden im j\u00e4hrlichen Bundeslagebild Menschenhandel des Bundeskriminalamtes erhoben, allerdings beziehen sie sich auf die polizeibekannten F\u00e4lle, in denen ein Ermittlungsverfahren er\u00f6ffnet und auch abgeschlossen wurde. Die Datenerhebung des Bundesweiten Koordinierungskreises gegen Menschenhandel \u2013 KOK e.V. erg\u00e4nzt diese Kriminalstatistiken durch zivilgesellschaftliche Analysen und bildet ein breiteres Spektrum ab. 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