{"id":1186,"date":"2023-04-13T17:07:05","date_gmt":"2023-04-13T15:07:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/?page_id=1186"},"modified":"2025-05-13T16:03:00","modified_gmt":"2025-05-13T14:03:00","slug":"tiefseebergbau-eine-bedrohung-fuer-die-menschheit","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/tiefseebergbau-eine-bedrohung-fuer-die-menschheit\/","title":{"rendered":"Tiefseebergbau: Eine Bedrohung f\u00fcr die Menschheit"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Obwohl noch viel zu wenig \u00fcber die \u00d6kosysteme der Tiefsee bekannt ist, will die Internationale Meeresschutzbeh\u00f6rde (ISA) bis Sommer 2023 die Regularien f\u00fcr den Rohstoffabbau in der Tiefsee verabschieden. Die Weltmeere stehen bereits jetzt durch Verschmutzung, Auswirkungen der Klimakrise und \u00dcberfischung in all ihren Funktionen massiv unter Druck; f\u00fcr hunderte Millionen Menschen weltweit haben die Meere eine entscheidende soziale und \u00f6konomische Bedeutung, f\u00fcr etwa drei Milliarden Menschen ist der Ozean die prim\u00e4re Nahrungsquelle, um den eigenen Proteinbedarf zu decken. Insbesondere K\u00fcstenbewohner*innen im Pazifik w\u00fcrden durch Tiefseebergbau einem weiteren, gef\u00e4hrlichen, schmutzigen und unzureichend regulierten Bergbausektor ausgesetzt, der lokale und kulturelle Rechte verletzt und die nachhaltige Entwicklung der Inselstaaten erschwert statt sie zu f\u00f6rdern.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"413\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2023\/04\/230413-Tiefseebergbau-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1188\" title=\"Foto: Nata Uchava, Freiburg\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>(Aachen\/Berlin, 12. April 2023)<\/strong> Vor einem Treffen der Klimaschutz- und Energieminister*innen der G7-Staaten appelliert Misereor an die Bundesregierung, sich global f\u00fcr einen Stopp aller Vorbereitungen zum Tiefseebergbau und f\u00fcr ein v\u00f6lkerrechtlich verbindliches Verbot dieser Art der Rohstoff-F\u00f6rderung einzusetzen. Nach Ansicht des katholischen Werks f\u00fcr Entwicklungszusammenarbeit kann Bergbau am Meeresboden nicht ohne massive und unabsehbare Auswirkungen auf Menschen, Tier- und Pflanzenwelt, auf Weltklima und Biodiversit\u00e4t umgesetzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eTiefseebergbau im industriellen Ma\u00dfstab k\u00f6nnte eine Fl\u00e4che von mehr als 42.000 Fu\u00dfballfeldern j\u00e4hrlich zerst\u00f6ren\u201c, warnt Dr. Klaus Schilder, Experte f\u00fcr Nachhaltiges Wirtschaften und Unternehmensverantwortung bei Misereor. \u201eTiefseebergbau in unseren Meeren w\u00e4re damit das gr\u00f6\u00dfte Bergbauprojekt der Menschheitsgeschichte. Die damit verbundenen Risiken sind \u00fcberhaupt noch nicht abzusch\u00e4tzen, denn wir wissen mehr \u00fcber die Oberfl\u00e4che des Mondes als \u00fcber die artenreichen \u00d6kosysteme am Boden der Weltmeere.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Tiefseebergbau w\u00fcrde nach Ansicht des Misereor-Experten katastrophale Folgen f\u00fcr die Meere haben. Diese st\u00fcnden bereits durch Verschmutzung, Auswirkungen der Klimakrise und \u00dcberfischung in all ihren Funktionen massiv unter Druck, so der Misereor-Referent. Die Meere h\u00e4tten f\u00fcr hunderte Millionen Menschen weltweit eine entscheidende soziale und \u00f6konomische Bedeutung. F\u00fcr etwa drei Milliarden Menschen ist der Ozean die prim\u00e4re Nahrungsquelle, um den eigenen Proteinbedarf zu decken. Dar\u00fcber hinaus bestreiten laut Sch\u00e4tzungen der Weltern\u00e4hrungsorganisation (FAO) etwa 600 Millionen Menschen ihren Lebensunterhalt entweder direkt oder indirekt mittels Fischerei.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Verzicht auf Hochrisikotechnologie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Bundesregierung hat w\u00e4hrend ihrer G7-Pr\u00e4sidentschaft 2022 den G7 Ocean-Deal zum weltweiten Meeresschutz verabschiedet. Darin wird ein konsequenter Vorsorgeansatz vor Beginn des Tiefseebergbaus gefordert. \u201eAus Sicht unserer Partnerorganisationen im Pazifikraum kann das nur einen v\u00f6lligen Verzicht auf diese neue Hochrisikotechnologie bedeuten, nicht nur am Boden der Weltmeere, sondern auch in den Hoheitszonen der Anrainerstaaten\u201c, so Schilder weiter. \u201eDies sollte die Bundesregierung in der Umsetzung des G7 Ocean-Deal klarstellen, zumal sich bereits der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident Emmanuel Macron f\u00fcr einen Stopp des Tiefseebergbaus ausspricht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wir brauchen eine Rohstoffwende<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Da Tiefseebergbau die Meeres\u00f6kologie in ihrer heutigen Form unwiederbringlich zerst\u00f6ren w\u00fcrde, gehe von dieser Form der Ressourcen-Gewinnung eine Bedrohung f\u00fcr die gesamte Menschheit aus. \u201eWas wir brauchen, sind starke Regeln zum Schutz der Meere und all jener, die von und mit den Meeren leben\u201c, fordert Schilder. \u201eInsbesondere K\u00fcstenbewohner*innen im Pazifik w\u00fcrden durch Tiefseebergbau einem weiteren, gef\u00e4hrlichen, schmutzigen und unzureichend regulierten Bergbausektor ausgesetzt, der lokale und kulturelle Rechte verletzt und die nachhaltige Entwicklung der Inselstaaten erschwert statt sie zu f\u00f6rdern. Gleichzeitig bedarf es einer Kehrtwende in unserer Wirtschaftspolitik, weg von Profit- und Machtstreben hin zu nachhaltigen Systemen. Notwendig ist eine Rohstoffwende und damit ein Verzicht auf die Mineralien der Tiefsee\u201c, so der Misereor-Experte.<\/p>\n\n\n\n<p>Schilder bekr\u00e4ftigt, dass ein konsequentes Handeln der Bundesregierung jetzt erforderlich sei. \u201eAuch wenn noch viel zu wenig \u00fcber die \u00d6kosysteme der Tiefsee bekannt ist, will die Internationale Meeresschutzbeh\u00f6rde (ISA) bis Sommer dieses Jahres die Regularien f\u00fcr den Rohstoffabbau in der Tiefsee verabschieden.\u201c Hintergrund sei ein entsprechender Antrag des pazifischen Inselstaates Nauru, der gewillt ist, sehr bald mit dem Tiefseebergbau zu beginnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auch Deutschland erkundet den Boden der Tiefsee<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Bundesregierung hat sich zuletzt zwar daf\u00fcr ausgesprochen, die Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Tiefseebergbau so lange auszusetzen, bis mehr \u00fcber dessen Auswirkungen f\u00fcr die Meeres\u00f6kologie bekannt ist. Dennoch beh\u00e4lt sich Deutschland die Option auf eine Ausbeutung von Rohstoffen am Meeresboden vor: Die Bundesanstalt f\u00fcr Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hat zum Beispiel seit 2006 f\u00fcr Deutschland einen Vertrag zur Erkundung von Manganknollen mit einer Laufzeit von 15 Jahren f\u00fcr ein Gebiet mit einer Gesamtfl\u00e4che von 75.000 Quadratkilometern im \u00f6stlichen Pazifik. 2021 wurde die Lizenz verl\u00e4ngert. \u201eDeutschland muss sich von allen Pl\u00e4nen f\u00fcr Tiefseebergbau verabschieden\u201c, h\u00e4lt Schilder dem entgegen. \u201eDeshalb sollte alles getan werden, um eine Verabschiedung von Abbauregeln f\u00fcr die Rohstoff-F\u00f6rderung am Meeresboden durch die ISA in diesem Jahr zu verhindern.\u201c<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.misereor.de\/presse\/expertinnen-und-experten\/klaus-schilder-entwicklungsfinanzierung\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"762\" height=\"620\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2023\/04\/Klaus-Schilder-10x15-Copyright-Misereor-K.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1183\" title=\"Foto: Misereor\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><a href=\"https:\/\/www.misereor.de\/presse\/expertinnen-und-experten\/klaus-schilder-entwicklungsfinanzierung\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Dr. Klaus Schilder<\/a> ist Experte f\u00fcr Entwicklungsfinanzierung und Nachhaltiges Wirtschaften bei <a href=\"https:\/\/www.misereor.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Misereor<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.misereor.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2023\/04\/misereor-logo-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1180\" style=\"width:231px;height:129px\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.misereor.de\/fileadmin\/publikationen\/argumente-gegen-tiefseebergbau-2022.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"597\" height=\"844\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2023\/04\/argumente-gegen-tiefseebergbau-2022-T.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1184\" style=\"aspect-ratio:3\/4;object-fit:contain\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Die unter anderem von Misereor und Brot f\u00fcr die Welt herausgegebene Analyse &#8222;Argumente gegen Tiefseebergbau&#8220; steht <a href=\"https:\/\/www.misereor.de\/fileadmin\/publikationen\/argumente-gegen-tiefseebergbau-2022.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00fcber diesen Link zum Download als PDF<\/a> bereit.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Obwohl noch viel zu wenig \u00fcber die \u00d6kosysteme der Tiefsee bekannt ist, will die Internationale Meeresschutzbeh\u00f6rde (ISA) bis Sommer 2023 die Regularien f\u00fcr den Rohstoffabbau in der Tiefsee verabschieden. 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