{"id":156,"date":"2018-10-10T20:10:23","date_gmt":"2018-10-10T18:10:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/?page_id=156"},"modified":"2020-09-04T23:14:13","modified_gmt":"2020-09-04T21:14:13","slug":"soziale-ungleichheit-ist-folge-politischer-entscheidungen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/soziale-ungleichheit-ist-folge-politischer-entscheidungen\/","title":{"rendered":"Soziale Ungleichheit ist Folge politischer Entscheidungen"},"content":{"rendered":"<p><em>Oxfam hat gemeinsam mit dem Netzwerk &#8222;Development Finance International&#8220; im Vorfeld der Herbsttagung von IWF und Weltbank den &#8222;Commitment to Reducing Inequality Index&#8220; (CRI-Index) ver\u00f6ffentlicht. Zwar belegt Deutschland einen zweiten Platz. Doch weist der Index auf tiefgreifende M\u00e4ngel bei der Bildungsfinanzierung, der Steuerprogression, wirklicher Gleichstellung von Frauen und M\u00e4nnern sowie bei den Mindestl\u00f6hnen hin.<\/em><\/p>\n<hr>\n<img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-313\" title=\"Foto: Nata Uchava, Freiburg.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2018\/10\/NU-Soziale-Ungleichheit.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\"><p><\/p>\n<hr>\n&nbsp;<br>\n<strong>(Berlin, 9. Oktober 2018)<\/strong> Viel zu wenig Einsatz gegen soziale Ungleichheit in ihrem Land zeigen derzeit die Regierungen von Nigeria, Singapur und Indien. Sie geh\u00f6ren zu den Schlusslichtern des \u201eCommitment to Reducing Inequality Index\u201c (CRI-Index), den die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam gemeinsam mit dem Netzwerk \u201eDevelopment Finance International\u201c im Vorfeld der Herbsttagung von IWF und Weltbank ver\u00f6ffentlicht. Deutschland belegt im CRI-Index einen erfreulichen zweiten Platz. Trotz des guten Abschneidens bleiben wichtige Hindernisse beim Abbau von Ungleichheit bestehen \u2011 dies zeigen die Indikatoren:<p><\/p>\n<ul>\n<li>Bereich Sozialausgaben: Die Situation der deutschen Bildungsfinanzierung ist desastr\u00f6s. Hier belegt Deutschland im Index Platz 142 von 157 und bleibt sowohl unter dem OECD-Durchschnitt, als auch hinter eigenen Zielen des Bildungsgipfels im Jahr 2008 weit zur\u00fcck.<\/li>\n<li>Bereich Steuern: Deutschland belegt mit Blick auf Steuerprogression nur Platz 88 und liegt damit im hinteren Mittelfeld. Um Ungleichheit st\u00e4rker zu reduzieren, m\u00fcssten im Zusammenspiel aus Einkommens-, Verbraucher- und Unternehmenssteuern niedrige Einkommen st\u00e4rker entlastet und gr\u00f6\u00dfere Einkommen st\u00e4rker belastet werden.<\/li>\n<li>Bereich Rechte von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern: Das Entgelttransparenzgesetz bringt im weltweiten Vergleich Punkte, ob es jedoch eine der gr\u00f6\u00dften Lohnl\u00fccken Europas \u2011 von \u00fcber 21 Prozent zwischen M\u00e4nnern und Frauen \u2013 zu schlie\u00dfen vermag, ist angesichts der vielen rechtlichen H\u00fcrden fraglich. Zudem ist der Mindestlohn im internationalen Vergleich niedrig \u2013 was sich auch darin zeigt, dass er nach einer Studie der B\u00f6ckler-Stiftung in 19 von 20 deutschen Ballungsgebieten nicht existenzsichernd ist.<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2018\/10\/rr-commitment-reducing-inequality-index-2018-091018-en.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-154\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2018\/10\/rr-commitment-reducing-inequality-index-2018-091018-en-T.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"452\"><\/a>\u201eF\u00fcr Deutschland weist unser Index auf tiefgreifende M\u00e4ngel bei der Bildungsfinanzierung, der Steuerprogression, wirklicher Gleichstellung von Frauen und M\u00e4nnern sowie bei den Mindestl\u00f6hnen hin. Vom zweiten Platz sollte man sich deshalb nicht blenden lassen, sondern genau hinschauen, wo es auch hierzulande hapert. Unser Index zeigt konkrete Handlungsfelder gegen soziale Ungleichheit auf\u201c, so Ellen Ehmke, Analystin f\u00fcr soziale Ungleichheit bei Oxfam Deutschland.<\/p>\n<p>Der Index macht deutlich: Es sind politische Entscheidungen, die bestimmen, wie ungleich der Reichtum einer Gesellschaft verteilt ist. Oxfam fordert Regierungen aller Staaten auf, ihr Engagement gegen Ungleichheit zu verst\u00e4rken. Obwohl Deutschland im globalen Vergleich gut abschneidet, sieht die Organisation auch hierzulande Handlungsbedarf.<\/p>\n<p>Im Commitment to Reducing Inequality Index (CRII) werden 157 L\u00e4nder auf die ungleichheitsreduzierende Wirkung ihrer Sozialabgaben, ihrer Steuersysteme und ihrer Arbeitnehmer*innenrechte hin untersucht und bewertet. Diese drei Bereiche sind Schl\u00fcsselsektoren in der Bek\u00e4mpfung sozialer Ungleichheit. Der Index zeigt, dass Staaten unabh\u00e4ngig von der H\u00f6he ihres Pro-Kopf Einkommens und des gegenw\u00e4rtigen Stands der Ungleichheit die M\u00f6glichkeit haben, sich gegen Ungleichheit einzusetzen. So haben in S\u00fcdkorea, Indonesien, Georgien und Namibia Regierungen in den vergangenen Jahren viel getan, um die Schere zwischen arm und reich zu schlie\u00dfen. In L\u00e4ndern wie Brasilien und Argentinien dagegen gab es zuletzt eine Trendwende, welche die Erfolge des vergangenen Jahrzehnts bedroht.<\/p>\n<p>Ellen Ehmke erkl\u00e4rt: \u201eDer Index zeigt, dass die Bek\u00e4mpfung von Ungleichheit eine Frage des politischen Willens ist. Und in welchen L\u00e4ndern dieser Wille besonders gro\u00df oder klein ist. Es geht nicht darum, das wohlhabendste Land oder die gr\u00f6\u00dfte Volkswirtschaft zu sein, sondern darum eine Politik zu machen, die die Kluft zwischen den Reichsten und den Armen verringert.\u201c<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Singapur, <\/strong>ein Land das eines der h\u00f6chsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt aufweist, schneidet mit Blick auf Ma\u00dfnahmen gegen soziale Ungleichheit mit Platz 149 denkbar schlecht ab. Ein Ursache ist der Status des Landes als Steueroase, welcher ma\u00dfgeblich zur Umverteilung von unten nach oben beitr\u00e4gt.<\/li>\n<li><strong>Nigeria <\/strong>belegt den letzten Platz (157). Daf\u00fcr sind unter anderem niedrige Sozialausgaben, Verletzungen von Arbeitnehmer*innenrechten und unzureichende Steuereinnahmen verantwortlich. Die Platzierung spiegelt die Lebensumst\u00e4nde der Bev\u00f6lkerung: In Nigeria stirbt jedes zehnte Kind, bevor es f\u00fcnf Jahre alt ist.<\/li>\n<li><strong>S\u00fcdkorea <\/strong>dagegen hat ernstzunehmende Ma\u00dfnahmen gegen soziale Ungleichheit ergriffen: Die Mindestl\u00f6hne wurden um \u00fcber 16 Prozent angehoben, die Steuern f\u00fcr Wohlhabende erh\u00f6ht und die Sozialausgaben ausgeweitet. Damit erreicht das Land Platz 56.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.oxfam.de\/blog\/autor_innen\/ellen-ehmke\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" width=\"180\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\"Foto: iKlick Fotostudio.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2018\/10\/Ellen-Ehmke-by-iKlick-Fotostudio.jpg\" alt=\"\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Ellen Ehmke ist Analystin zum Thema Soziale Ungleichheit bei <a href=\"https:\/\/www.oxfam.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">OXFAM Deutschland<\/a>.<\/td><\/tr><tr><td><\/td><td><a href=\"https:\/\/www.oxfam.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2018\/05\/OXFAM.png\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oxfam hat gemeinsam mit dem Netzwerk &#8222;Development Finance International&#8220; im Vorfeld der Herbsttagung von IWF und Weltbank den &#8222;Commitment to Reducing Inequality Index&#8220; (CRI-Index) ver\u00f6ffentlicht. 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