{"id":1675,"date":"2026-01-21T17:33:15","date_gmt":"2026-01-21T16:33:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/?page_id=1675"},"modified":"2026-01-21T17:34:22","modified_gmt":"2026-01-21T16:34:22","slug":"eigentor-amerikaner-bezahlen-fast-vollstaendig-fuer-trumps-zoelle","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/eigentor-amerikaner-bezahlen-fast-vollstaendig-fuer-trumps-zoelle\/","title":{"rendered":"Eigentor: Amerikaner bezahlen fast vollst\u00e4ndig f\u00fcr Trumps Z\u00f6lle"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Entgegen der US-Regierungs-Rhetorik bleiben die Kosten der US-Strafz\u00f6lle nicht an Exporteuren im Ausland h\u00e4ngen, sondern treffen die amerikanische Wirtschaft selbst. Eine Studie des Kiel Institut f\u00fcr Weltwirtschaft ergab, dass Importeure und Verbraucher in den USA 96 Prozent der Zolllast tragen. Zwar brach das Handelsvolumen ein, die Exportpreise wurden jedoch nicht gesenkt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"680\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2026\/01\/260121-JZ-Kiel-Institut-1024x680.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1670\" title=\"Foto: J\u00fcrgen Zubiller, Kaiserslautern\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>(Kiel, 19. Januar 2026)<\/strong> Die US-Regierung wollte mit Z\u00f6llen ausl\u00e4ndische Unternehmen treffen \u2013 in der Praxis schadet die Politik jedoch der eigenen Wirtschaft. \u201eDie Z\u00f6lle sind ein Eigentor\u201c, sagt Julian Hinz, Forschungsdirektor am Kiel Institut und Mitautor der Studie <em>Amerikas Eigentor: Wer zahlt die Z\u00f6lle?<\/em> \u201eDie Behauptung, dass ausl\u00e4ndische Staaten diese Z\u00f6lle tragen, ist ein Mythos. Die Daten zeigen das Gegenteil: Die Amerikaner bezahlen die Rechnung.\u201c Die Z\u00f6lle wirken wie eine Konsumsteuer auf importierte Waren. Gleichzeitig sinken Vielfalt und Volumen der verf\u00fcgbaren G\u00fcter.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Forschungsteam analysierte im Rahmen der Studie \u00fcber 25 Millionen Lieferungsdatens\u00e4tze mit einem Gesamtwert von fast vier Billionen US-Dollar an US-Importen. Die Ergebnisse sind eindeutig:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die US-Zolleinnahmen stiegen 2025 um etwa 200 Milliarden US-Dollar.<\/li>\n\n\n\n<li>Ausl\u00e4ndische Exporteure absorbierten nur etwa vier Prozent der Zolllast, 96 Prozent wurden an US-K\u00e4ufer weitergegeben.<\/li>\n\n\n\n<li>Das Handelsvolumen brach ein, die Exportpreise fielen jedoch nicht.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Sinkende Importmengen<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Studie untersucht zudem die unerwarteten Zollerh\u00f6hungen gegen Brasilien und Indien im August 2025: F\u00fcr Brasilien stiegen die Z\u00f6lle auf 50 Prozent, f\u00fcr Indien von 25 auf 50 Prozent. Auch hier zeigen die Daten: Ausl\u00e4ndische Exporteure senkten ihre Preise nicht, um die zus\u00e4tzlichen Z\u00f6lle abzufedern. W\u00e4ren die Z\u00f6lle von den Exporteuren getragen worden, h\u00e4tten sich deren US-Preise im Vergleich zu anderen Absatzm\u00e4rkten deutlich reduziert \u2013 das ist jedoch nicht der Fall.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir haben indische Exporte in die USA mit Lieferungen nach Europa oder Kanada verglichen und ein klares Muster erkannt\u201c, erkl\u00e4rt Hinz. \u201eExportwert und -menge nach Amerika sanken deutlich, um bis zu 24 Prozent. Aber die St\u00fcckpreise \u2013 die Preise, die indische Exporteure verlangen \u2013 blieben unver\u00e4ndert. Sie lieferten weniger, nicht billiger.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Globale Auswirkungen<\/h2>\n\n\n\n<p>Unter dem Strich bedeuten die Studienergebnisse: In den USA sehen sich Unternehmen durch die Z\u00f6lle langfristig mit sinkenden Margen und Verbraucher mit h\u00f6heren Preisen konfrontiert. Exportierende L\u00e4nder mit Fokus auf die USA verkaufen weniger und stehen unter dem Druck, neue Exportm\u00e4rkte zu finden. \u201eDie Z\u00f6lle bringen langfristig Nachteile f\u00fcr alle\u201c, sagt Hinz.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00dcber die Studie<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Studienautor*innen nutzten t\u00e4gliche Lieferungsdaten aus Frachtbriefen von Panjiva, offizielle Statistiken des US Census Bureau und indische Zollaufzeichnungen, um den Zoll-Pass-Through mit h\u00f6chster Detailgenauigkeit nachzuverfolgen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.kielinstitut.de\/de\/expertinnen-und-experten\/julian-hinz\/\" target=\"_blank\" rel=\" noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"330\" height=\"330\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2026\/01\/Julian-Hinz-Kiel-Institut-fuer-Weltwirtschaft.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1671\" title=\"Foto: Kiel Institut f\u00fcr Weltwirtschaft\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Julian Hinz ist Professor f\u00fcr Internationale Volkswirtschaftslehre an der Universit\u00e4t Bielefeld und Leiter des Forschungszentrums Handelspolitik am <a href=\"https:\/\/www.kielinstitut.de\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Kiel Institut f\u00fcr Weltwirtschaft<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.kielinstitut.de\/de\/publikationen\/amerikas-eigentor-wer-zahlt-die-zoelle-19399\/\" target=\"_blank\" rel=\" noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"599\" height=\"846\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2026\/01\/Amerikas-Eigentor-Wer-zahlt-die-Zoelle-260121-T.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1672\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Die Studie &#8222;Amerikas Eigentor: Wer zahlt die Z\u00f6lle?&#8220; steht <a href=\"https:\/\/www.kielinstitut.de\/de\/publikationen\/amerikas-eigentor-wer-zahlt-die-zoelle-19399\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00fcber diesen Link zum Download als PDF-Datei<\/a> bereit.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Entgegen der US-Regierungs-Rhetorik bleiben die Kosten der US-Strafz\u00f6lle nicht an Exporteuren im Ausland h\u00e4ngen, sondern treffen die amerikanische Wirtschaft selbst. 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