{"id":1716,"date":"2026-06-23T15:32:55","date_gmt":"2026-06-23T13:32:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/?page_id=1716"},"modified":"2026-06-23T15:32:55","modified_gmt":"2026-06-23T13:32:55","slug":"statt-aktienrente-umlagefinanzierte-rente-konsequent-staerken","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/statt-aktienrente-umlagefinanzierte-rente-konsequent-staerken\/","title":{"rendered":"Statt Aktienrente: Umlagefinanzierte Rente konsequent st\u00e4rken"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2026\/06\/260623-NU-attac-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1714\" title=\"Foto: Nata Uchava\/ChatGPT\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>(Frankfurt am Main, 23. Juni 2026)<\/strong> Attac Deutschland lehnt die Vorschl\u00e4ge der Rentenkommission, die am heutigen Dienstag offiziell vorgestellt werden sollen, ab. Das Netzwerk fordert, die umlagefinanzierte Rente zu st\u00e4rken und konsequent alle Einkommen \u2013 auch Kapitalertr\u00e4ge \u2013 zu ihrer Finanzierung heranzuziehen. Joachim Braun, Rentenexperte von Attac, sagt:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDie umlagefinanzierte Rente hat sich bew\u00e4hrt. Es gilt, sie zu st\u00e4rken, nicht sie zu demontieren. Statt die Finanzm\u00e4rkte durch eine Aktienrente weiter aufzubl\u00e4hen, m\u00fcssen endlich alle Einkommen konsequent in die gesetzliche Rente einbezogen werden. Dazu geh\u00f6ren selbstverst\u00e4ndlich auch Kapitaleinkommen. Dahinter bleiben die Vorschl\u00e4ge der Kommission weit zur\u00fcck: Beamt*innen sollen erst irgendwann dazu, gutverdienende Freiberufler*innen wie \u00c4rzt*innen und Rechtsanw\u00e4lt*innen bleiben weiter au\u00dfen vor, und von Kapitalertr\u00e4gen spricht die Kommission nicht mal. Das ist Murks.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hintergrund<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Vorschl\u00e4ge der Kommission zur Reform der Rente beruhen laut Attac auf einer falschen Dramatisierung der Finanzlage der Deutschen Rentenversicherung. Die Finanzlage der Deutschen Rentenversicherung sei stabil, was sich daran zeige, dass der Rentenbeitragssatz seit 2007 nicht mehr erh\u00f6ht werden musste und 2018 sogar auf 18,6 Prozent gesenkt werden konnte. Seitdem blieb er stabil.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies war m\u00f6glich, da einerseits in den letzten Jahrzehnten schon erhebliche Sparleistungen bei der Rente umgesetzt wurden (zum Beispiel durch die Anhebung des Renteneintrittsalters, die Absenkung des Rentenniveaus und den Wegfall von Anrechnungszeiten). Die demographische \u201eL\u00fccke\u201c, die dadurch entsteht, dass mehr Menschen von der Arbeit in die Rente wechseln als von der Schule ins Erwerbsleben, konnte bisher durch Zuwanderung mehr als ausgeglichen werden; die Zahl der sozialversicherungspflichtig Besch\u00e4ftigten stieg in den letzten 15 Jahren st\u00e4rker als die Zahl der Altersrente Beziehenden, sodass sich das Verh\u00e4ltnis Rentenbeziehende zu Beitragszahlenden sogar etwas zugunsten der Beitragszahlenden entspannt hat.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zuwanderung schlie\u00dft demographische L\u00fccke<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den n\u00e4chsten zehn bis 15 Jahren wird die \u201edemographische L\u00fccke\u201c auf zirka 400.000 Erwerbspersonen pro Jahr gesch\u00e4tzt. Diese L\u00fccke lie\u00dfe sich mit weiterer Zuwanderung wie bisher zum gro\u00dfen Teil schlie\u00dfen; K\u00fcrzungen an der Rente w\u00fcrden somit weitgehend \u00fcberfl\u00fcssig. Auch Ma\u00dfnahmen, die aus verschiedenen Gr\u00fcnden ohnehin geboten sind, k\u00f6nnten die Finanzlage der Deutschen Rentenversicherung st\u00e4rken,<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>etwa verl\u00e4sslichere Kitas, die Eltern eine Berufst\u00e4tigkeit erleichtern w\u00fcrden,<\/li>\n\n\n\n<li>oder Ma\u00dfnahmen zur Reduzierung der abschlusslosen Schulabg\u00e4nger*innen (derzeit etwa. 60.000 pro Jahr).<\/li>\n\n\n\n<li>Auch die Eingliederung von Beamt*innen und Selbstst\u00e4ndigen in die Rentenversicherung wie in \u00d6sterreich sowie die Verbeitragung aller Einkommen wie in der Schweiz, wo nicht nur Erwerbsl\u00f6hne, sondern auch Kapitaleinkommen zu Finanzierung der Rente herangezogen werden, w\u00e4ren sinnvolle Ma\u00dfnahmen zur St\u00e4rkung der gesetzlichen Rente.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Anteil des Bundeszuschusses am Haushalt gesunken<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben der Demographie wird auch ein angeblich steigender und zunehmend \u00fcberfordernder Bundeszuschuss zur Begr\u00fcndung von Sparma\u00dfnahmen bei der Rente angef\u00fchrt. Die Faktenlage ist jedoch anders, wie Attac darlegt: Nominal steigt der Bundesbeitrag zur Rente zwar, aber der Anteil dieser Zahlungen am gesamten Bundeshaushalt ist sogar leicht gesunken. \u00c4hnlich wie bei der Krankenversicherung \u00fcbernimmt der Bund auch nicht alle versicherungsfremden Leistungen der Deutschen Rentenversicherung, sodass in Wirklichkeit die Rentenbeitragszahlenden faktisch den Bundeshaushalt entlasten, nicht belasten. Eine volle \u00dcbernahme der versicherungsfremden Leistungen durch den Bund w\u00fcrde sogar eine Absenkung des Rentenbeitrages erlauben, trotz \u201eDemographiel\u00fccke\u201c.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Lebenserwartung ist seit 2018 kaum gestiegen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Anhebung des Renteneintrittsalters sei nicht gerechtfertigt, so Attac. Die Lebenserwartung der Menschen in Deutschland ist seit 2018 kaum noch gestiegen. Die bereits erfolgte Anhebung des Renteneintrittsalters habe dazu gef\u00fchrt, dass zusammen mit der kaum noch steigenden Lebenserwartung auch die Rentenbezugsdauer zuletzt nicht mehr zunahm.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele Menschen haben im Alter nur die gesetzliche Rente. Attac Deutschland pl\u00e4diert deshalb daf\u00fcr, die bew\u00e4hrte umlagefinanzierte Rente zu st\u00e4rken. Sie sollte auch in Zukunft ein wohlstandssicherndes Niveau haben. Eine weitere Absenkung des Rentenniveaus w\u00fcrde zu steigender Altersarmut und zus\u00e4tzlicher Belastung der Sozialbudgets der Kommunen f\u00fchren. Eine weitere Absenkung des Rentenniveaus nach 2031 w\u00fcrde das Vertrauen in den Sozialstaat weiter mindern und die Demokratie schw\u00e4chen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kapitaldeckung scheitert gerade wieder einmal<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine st\u00e4rkere Kapitaldeckung sei nicht zielf\u00fchrend, so Attac. Es gebe keinen vern\u00fcnftigen Grund, die Kapitalm\u00e4rkte weiter anzuheizen. Die Riesterrente, bei der ein Kapitaldeckungsversuch privatwirtschaftlich organisiert wurde, d\u00fcrfe als gescheitert gelten. Und auch eine Kapitaldeckung \u00e4ndere nichts daran, dass es die k\u00fcnftige Generation sei, die die Auszahlungsleistung sp\u00e4ter erbringen m\u00fcsse. Die Transfers w\u00fcrden nur anderes organisiert. Dazu komme das hohe Risiko:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die Bef\u00fcrworter*innen kapitalgedeckter Renten hoffen auf hohe Renditen am Aktienmarkt, sodass sp\u00e4tere Aktienk\u00e4ufer*innen die Renten finanzieren, weil sie die angesparten und in ihrem Wert gestiegenen Aktien kaufen in der Hoffnung auf noch weiter steigende Aktienkurse.<\/li>\n\n\n\n<li>Es ist aber \u00e4u\u00dferst ungewiss, ob der Aktienboom immer so weitergeht. Die Kurssteigerungen der vergangenen drei Jahrzehnte gehen zu gro\u00dfen Teilen auf Globalisierungsgewinne zur\u00fcck, die durch die Trumpsche Zollpolitik infrage stehen, und auf Unternehmenssteuersenkungen, die ausgereizt sind.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Risiko, dass die Rechnung der Kapitaldeckung nicht aufgeht, ist nach Attac also gro\u00df. Davon zeugen gegenw\u00e4rtig die Finanzprobleme der berufsst\u00e4ndischen Versorgungswerke, die in Zeiten der fr\u00fcheren Niedrigzinsphase riskante Finanzwetten eingegangen sind, die jetzt scheitern. Das schlie\u00dft sich an die bisherigen Versuche der Kapitaldeckung an, die in den Krisen von 1923, 1929 und 1945 \u2013 also allein im vergangenen Jahrhundert dreimal \u2013 gescheitert sind.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Umlageverfahren dagegen hat sich bew\u00e4hrt<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So konnte die Integration der Menschen in den neuen Bundesl\u00e4ndern in die gesetzliche Rente ohne gr\u00f6\u00dfere Probleme erfolgen. Ein kapitalgedecktes System w\u00e4re daran gescheitert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unsere aufgesplitterterten Versorgungssysteme aus dem vorletzten Jahrhundert entsprechen nicht mehr den gegenw\u00e4rtigen Anforderungen, sagt Attac. Notwendig sei die Einbeziehung auch der Beamt*innen und Selbstst\u00e4ndigen in das System und die Beitragsleistung aus allen Einkommen \u2013 also auch aus Kapitalertr\u00e4gen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Frankfurt am Main, 23. 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