{"id":76,"date":"2018-05-23T23:26:03","date_gmt":"2018-05-23T21:26:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/?page_id=76"},"modified":"2020-09-05T00:37:12","modified_gmt":"2020-09-04T22:37:12","slug":"deutschland-zweithoechste-ungleichheit-innerhalb-eurozone","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/deutschland-zweithoechste-ungleichheit-innerhalb-eurozone\/","title":{"rendered":"Oxfam-Bericht: Deutschland weist nach Litauen die zweith\u00f6chste Ungleichheit innerhalb der Eurozone auf"},"content":{"rendered":"<p><em>Das Verm\u00f6gen des reichsten Prozents der deutschen Bev\u00f6lkerung wuchs zwischen 2016 und 2017 um 22 Prozent, das der \u00e4rmeren H\u00e4lfte um lediglich drei Prozent. Um das Jahreseinkommen eines Vorstandsvorsitzenden eines DAX-Konzerns zu verdienen, m\u00fcsste eine durchschnittliche Arbeitnehmerin\/ein durchschnittlicher Arbeitnehmer in Deutschland 157 Jahre arbeiten. Oxfam Deutschland kommentiert: &#8222;Die massive soziale Ungleichheit ist ein Krankheitssymptom unseres Wirtschaftssystems, nicht etwa ein Zeichen gesunden Wachstums. Eine reiche Minderheit nimmt massiv Einfluss auf politische Entscheidungen.&#8220;<\/em><\/p>\n<hr>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-313\" title=\"Foto: Nata Uchava, Freiburg.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2018\/05\/NU-Ungleichheit.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\"><\/p>\n<hr>\n<p><strong>(Berlin, 22. Januar 2018)<\/strong> 82 Prozent des im vergangenen Jahr erwirtschafteten Verm\u00f6gens ist in die Taschen des reichsten Prozents der Weltbev\u00f6lkerung geflossen. Das geht aus dem Bericht \u201eReward Work, not Wealth\u201c hervor, den die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam im Vorfeld des Weltwirtschaftsforums in Davos ver\u00f6ffentlicht. Die 3,7 Milliarden Menschen, die die \u00e4rmere H\u00e4lfte der Weltbev\u00f6lkerung ausmachen, haben dagegen \u00fcberhaupt nicht vom Verm\u00f6genswachstum profitiert. Oxfam fordert, die Steuervermeidung von Konzernen und Superreichen zu stoppen, faire Einkommen f\u00fcr Frauen und M\u00e4nner durchzusetzen und in Bildung und Gesundheit f\u00fcr alle zu investieren.<\/p>\n<p>Der Bericht \u201eReward Work, not Wealth\u201c illustriert, wie sich der Graben zwischen Reich und Arm weiter vertieft und wie Konzerne und Superreiche ihre Gewinne erh\u00f6hen, indem sie L\u00f6hne dr\u00fccken und Steuern vermeiden \u2013 auf Kosten normaler Arbeiter\/innen und Angestellter sowie des Allgemeinwohls:<\/p>\n<ul>\n<li>Bei der Verm\u00f6gensverteilung weist Deutschland nach Litauen die zweith\u00f6chste Ungleichheit innerhalb der Eurozone auf. Das Verm\u00f6gen des reichsten Prozents der Bev\u00f6lkerung wuchs zwischen 2016 und 2017 um 22 Prozent, das der \u00e4rmeren H\u00e4lfte hingegen um lediglich drei Prozent.<\/li>\n<li>\u00c4hnlich sieht es bei den Einkommen aus. Die verf\u00fcgbaren Einkommen der unteren 40 Prozent sind in absoluten Zahlen seit Anfang der 2000er-Jahre deutlich gesunken, w\u00e4hrend die Einkommen der oberen zehn Prozent \u00fcberdurchschnittlich zulegten. Um das Jahreseinkommen eines Vorstandsvorsitzenden eines DAX-Konzerns zu verdienen, m\u00fcsste eine durchschnittliche Arbeitnehmerin\/ein durchschnittlicher Arbeitnehmer in Deutschland 157 Jahre arbeiten.<\/li>\n<li>In Deutschland vereint das reichste Prozent knapp ein Drittel des Verm\u00f6gens auf sich, 2008 waren es noch 22 Prozent.<\/li>\n<li>Die verf\u00fcgbaren Einkommen der unteren 40 Prozent sind in absoluten Zahlen seit Anfang der 2000er-Jahre deutlich gesunken, w\u00e4hrend die Einkommen der oberen zehn Prozent \u00fcberdurchschnittlich zulegten.<\/li>\n<li>Zwischen 2016 und 2017 ist die Zahl der Milliard\u00e4re weltweit angestiegen wie nie zuvor \u2013 alle zwei Tage kam ein neuer Milliard\u00e4r hinzu. Mit 2043 Milliard\u00e4ren lag sie im Jahr 2017 auf einem Rekordhoch.<\/li>\n<li>Im letzten Jahrzehnt wuchsen die Verm\u00f6gen der Milliard\u00e4r\/innen durchschnittlich j\u00e4hrlich um 13 Prozent, die L\u00f6hne von Arbeiter\/innen und Angestellten dagegen nur um zwei Prozent.<\/li>\n<li>Das reichste Prozent der Weltbev\u00f6lkerung besitzt weiterhin mehr Verm\u00f6gen als der gesamte Rest.<\/li>\n<li>Das reichste Prozent der Bev\u00f6lkerung dr\u00fcckt sich durch Steuertricks um Steuerzahlungen von etwa 200 Milliarden US-Dollar pro Jahr.<\/li>\n<li>Entwicklungsl\u00e4ndern entgehen durch die Steuervermeidung von Konzernen und reichen Einzelpersonen mindestens 170 Milliarden US-Dollar an Steuereinnahmen pro Jahr \u2013 mehr als die gesamte weltweite Entwicklungshilfe (145 Mrd. US-Dollar \/ Jahr).<\/li>\n<\/ul>\n<p>J\u00f6rn Kalinski, Kampagnenleiter von Oxfam Deutschland, kommentiert: \u201eDie massive soziale Ungleichheit ist ein Krankheitssymptom unseres Wirtschaftssystems, nicht etwa ein Zeichen gesunden Wachstums. Eine reiche Minderheit nimmt massiv Einfluss auf politische Entscheidungen und senkt Unternehmenskosten \u2013 insbesondere L\u00f6hne und Steuern \u2013 in unverantwortlicher Weise, um die Profite der Anteilseigner zu steigern. Den Preis der Profite zahlen Milliarden von Menschen weltweit, die zu L\u00f6hnen, die nicht zum Leben reichen, schuften m\u00fcssen und keinen Zugang zum \u00f6ffentlichen Bildungs- und Gesundheitssystem erhalten.\u201c<\/p>\n<figure class=\"wp-block-table\">\n<table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.oxfam.de\/blog\/autor_innen\/joern-kalinski\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2018\/05\/FotoKalinskiK-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td>\n<td width=\"75%\">J\u00f6rn Kalinski ist Leiter Lobby- &amp; Kampagnenarbeit von <a href=\"https:\/\/www.oxfam.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">OXFAM Deutschland<\/a>.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><a href=\"https:\/\/www.oxfam.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2018\/05\/OXFAM-300x111.png\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/figure>\n<p><strong>Wollte man extreme Armut durch Wirtschaftswachstum allein abschaffen, m\u00fcsste die globale Wirtschaft um das 175-Fache anwachsen<\/strong><\/p>\n<p>Nach Messungen der Weltbank nimmt die Einkommensungleichheit global gesehen ab. Grund hierf\u00fcr ist, dass die Einkommen in Lateinamerika, China und anderen bev\u00f6lkerungsreichen asiatischen L\u00e4ndern st\u00e4rker wachsen als in den reichsten L\u00e4ndern der Welt. Insgesamt ist globale Einkommensungleichheit jedoch nach wie vor extrem hoch. Ein Vergleich auf globaler Ebene ist wichtig, weil wirtschaftliche Gewinne zum Teil erst m\u00f6glich werden durch weltumspannenden Produktions- und Handelst\u00e4tigkeiten. Extremer Reichtum und extreme Armut sind durch das globalisierte Wirtschaftssystem miteinander verbunden und m\u00fcssen daher auch gemeinsam in den Blick genommen werden.<\/p>\n<p>Das Ausma\u00df des Verm\u00f6gens der sehr kleinen Gruppe der Reichsten zu erfassen, gilt als schwierig. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr die Erfassung des sehr geringen Verm\u00f6gens der \u00c4rmsten. Verbesserungen der Datengrundlage f\u00fchren daher regelm\u00e4\u00dfig zu Ver\u00e4nderungen fr\u00fcherer Einsch\u00e4tzungen hinsichtlich der Verm\u00f6gensungleichheit auf der Welt. Oxfam betont, grunds\u00e4tzlich mit den jeweils besten verf\u00fcgbaren Daten zu arbeiten. F\u00fcr die Analysen zu globaler Ungleichheit nutzt Oxfam die Zahlen des Weltverm\u00f6gensberichts der Schweizer Gro\u00dfbank Credit Suisse und die j\u00e4hrliche Aufstellung der Milliard\u00e4re der Welt von Forbes. Diese zeigen einen ungebrochenen Trend der wachsenden globalen Verm\u00f6genskonzentration.<\/p>\n<p>Ungleichheit tr\u00e4gt dazu bei, dass auch Menschen in der Mitte der Gesellschaft, die nicht von Armut betroffen sind, sich zunehmend vom sozialen Abstieg bedroht oder von der Gesellschaft nicht anerkannt f\u00fchlen. Als Projektionsfl\u00e4che sozialer \u00c4ngste dienen fatalerweise oftmals Zugewanderte und Gefl\u00fcchtete, obwohl sie nicht die Ursache, sondern ebenfalls Betroffene der Ungleichheitskrise sind.<\/p>\n<p>Auch aus \u00f6kologischer Sicht ist eine gerechtere Verteilung unumg\u00e4nglich. Wollte man extreme Armut durch Wirtschaftswachstum allein abschaffen \u2013 unter Beibehaltung der gegenw\u00e4rtigen Verteilung der Wohlstandsgewinne zugunsten der Spitze \u2013, so m\u00fcsste die globale Wirtschaft um das 175-Fache anwachsen. Dies ist angesichts der \u00f6kologischen Grenzen unseres Planeten schlicht unm\u00f6glich.<\/p>\n<p>Oxfam fordert die Bundesregierung auf, ihren Beitrag zum Abbau von Ungleichheit zu leisten \u2013 zwischen Arm und Reich, zwischen M\u00e4nnern und Frauen, weltweit und in Deutschland. Dazu geh\u00f6rt insbesondere:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Steuervermeidung von Konzernen und Superreichen stoppen: <\/strong>Steueroasen m\u00fcssen durch schwarze Listen und Sanktionen ausgetrocknet werden. Weltweite Mindeststeuers\u00e4tze w\u00fcrden daf\u00fcr sorgen, dass Konzerne ihren fairen Beitrag zum Gemeinwohl leisten<strong>, <\/strong>und durch \u00f6ffentliche l\u00e4nderbezogene Berichterstattung \u00fcber Gewinne und darauf gezahlte Steuern w\u00fcrde der Prozess transparent und nachvollziehbar.<\/li>\n<li><strong>Faire Einkommen und gleiche Chancen f\u00fcr Frauen und M\u00e4nner durchsetzen:<\/strong> Die Bundesregierung muss Unternehmen gesetzlich verpflichten, entlang ihrer gesamten Lieferkette f\u00fcr faire Einkommen und L\u00f6hne zu sorgen, Arbeits- und Menschenrechte einzuhalten und gegen Diskriminierung vorzugehen. Sie muss strukturelle Barrieren, die der gleichberechtigten \u00f6konomischen Teilhabe von Frauen im Wege stehen, wie etwa das Ehegattensplitting in Deutschland, und die Belastung durch unbezahlte Pflege- und Sorgearbeit abbauen.<\/li>\n<li><strong>In Bildung und Gesundheit f\u00fcr alle investieren:<\/strong> Schul- und Arztbesuch d\u00fcrfen kein Luxus und keine Frage des pers\u00f6nlichen Wohlstands sein. Die Bundesregierung muss \u2013 in Deutschland selbst und als wesentlicher Bestandteil der Entwicklungszusammenarbeit \u2013 den Auf- und Ausbau hochwertiger und geb\u00fchrenfreier \u00f6ffentlicher Systeme f\u00fcr Bildung und Gesundheitsversorgung f\u00f6rdern.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Noch einmal J\u00f6rn Kalinski: \u201eDas derzeitige Wirtschaftssystem fu\u00dft auf der konsequenten Ausbeutung von Frauen. Weltweit ist zu beobachten, dass Frauen geringer bezahlt werden als M\u00e4nner und \u00fcberproportional h\u00e4ufig in schlecht bezahlten Berufen und in unsicheren Arbeitsverh\u00e4ltnissen vertreten sind. Sie leisten unbezahlte Pflege- und Sorgearbeit im Umfang von sch\u00e4tzungsweise zehn Billionen US-Dollar j\u00e4hrlich.\u201c<\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2018\/05\/Preis-der-Profite_web.pdf\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" title=\" \" width=\"180\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\"Foto: Sven Giegold.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2018\/05\/Preis-der-Profite-T-212x300.jpg\" alt=\"\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Eine Zusammenfassung des Berichts &#8222;Reward Work, not Wealth&#8220; in deutscher Sprache l\u00e4sst sich <a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2018\/05\/Preis-der-Profite_web.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00fcber diesen Link<\/a> als PDF laden.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2018\/05\/Reward-Work-not-Wealth.pdf\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" title=\" \" width=\"180\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\"Foto: Sven Giegold.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2018\/05\/Reward-Work-not-Wealth-T-212x300.jpg\" alt=\"\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Der komplette Bericht &#8222;Reward Work, not Wealth&#8220; in englischer Sprache l\u00e4sst sich <a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2018\/05\/Reward-Work-not-Wealth.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00fcber diesen Link<\/a> als PDF laden.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Verm\u00f6gen des reichsten Prozents der deutschen Bev\u00f6lkerung wuchs zwischen 2016 und 2017 um 22 Prozent, das der \u00e4rmeren H\u00e4lfte um lediglich drei Prozent. Um das Jahreseinkommen eines Vorstandsvorsitzenden eines DAX-Konzerns zu verdienen, m\u00fcsste eine durchschnittliche Arbeitnehmerin\/ein durchschnittlicher Arbeitnehmer in Deutschland 157 Jahre arbeiten. 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