{"id":836,"date":"2021-05-19T13:40:33","date_gmt":"2021-05-19T11:40:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/?page_id=836"},"modified":"2021-05-19T13:40:34","modified_gmt":"2021-05-19T11:40:34","slug":"union-busting-privater-gesundheits-und-pflegekonzerne-und-gewerkschaftliche-gegenwehr","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/union-busting-privater-gesundheits-und-pflegekonzerne-und-gewerkschaftliche-gegenwehr\/","title":{"rendered":"Union-Busting privater Gesundheits- und Pflegekonzerne und gewerkschaftliche Gegenwehr"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Der Einfluss von branchenfremden Finanzinvestoren versch\u00e4rft den Widerspruch zwischen dem Interesse an einem bedarfsgerechten Gesundheitssystem von Besch\u00e4ftigten, Patient*innen sowie Pflegebed\u00fcrftigen und den Zust\u00e4nden im Pflege- und Gesundheitssektor weiter. Ein neuer Trend besteht in der steigenden Zahl von \u00dcbernahmen von Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen durch Private-Equity-Gesellschaften, wie eine Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung deutlich macht. Private Klinikketten und Pflegekonzerne betrachten gewerkschaftliche Mitbestimmung, Tarifvertr\u00e4ge, gute L\u00f6hne und Arbeitsbedingungen als Wettbewerbsnachteil, was in vielen F\u00e4llen Tarifflucht und Lohndumping zur Folge hat.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr>\n<img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-313\" title=\"Foto: Nata Uchava, Freiburg.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2021\/04\/NU-210408-ippnw.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\">\n<hr>\n&nbsp;\n\n\n\n<p><strong>(Berlin, 3. M\u00e4rz 2021)<\/strong> Gesundheit wird zunehmend zur Ware und insbesondere \u00e4ltere, chronisch kranke und einkommensschwache Menschen bleiben, wie die Corona-Krise noch einmal gezeigt hat, auf der Strecke. Diese Prozesse sind bei Weitem nichts Neues, doch die kapitalistische Landnahme im Pflege- und Gesundheitssektor nimmt neue Formen an. Der Einfluss von branchenfremden Finanzinvestoren in diesen Privatkonzernen versch\u00e4rft den Widerspruch zwischen dem Interesse an einem bedarfsgerechten Gesundheitssystem von Besch\u00e4ftigten, Patient*innen sowie Pflegebed\u00fcrftigen und den Zust\u00e4nden im Pflege- und Gesundheitssektor weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Studie \u201eUnsere Gesundheit, ihr Profit? Fallstudien zu Union-Busting privater Gesundheits- und Pflegekonzerne und gewerkschaftlicher Gegenwehr\u201c der Rosa-Luxemburg-Stiftung (verfasst von Lucy Redler) macht deutlich, dass multinationale Konzerne unter anderem verst\u00e4rkt auf Fusionen und \u00dcbernahmen (Marktkonzentration), eine Ausweitung des Angebots (Diversifizierung) und internationale Expansion setzen, um Gewinne zu maximieren. Ein neuer Trend besteht in der steigenden Zahl von \u00dcbernahmen von Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen durch Private-Equity-Gesellschaften, die ein in der Studie zitierter Experte als \u00abSpeerspitze des Finanzmarktkapitalismus\u00bb bezeichnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Private Klinikketten und Pflegekonzerne betrachten gewerkschaftliche Mitbestimmung, Tarifvertr\u00e4ge, gute L\u00f6hne und Arbeitsbedingungen als Wettbewerbsnachteil, was in vielen F\u00e4llen Tarifflucht und Lohndumping zur Folge hat. Die Besch\u00e4ftigten sind (wie im gesamten Gesundheits- und Pflegebereich) mehrheitlich weiblich, darunter viele Migrant*innen, etliche arbeiten Teilzeit und der gewerkschaftliche Organisationsgrad ist oftmals niedrig. Wie schon vor der der Corona-Krise sichtbar war, f\u00fchrt der Personalmangel zu Stress unter Besch\u00e4ftigten sowie gesundheitlichen Problemen und Komplikationen f\u00fcr Patient*innen und Bewohner*innen von Pflegeheimen. Die Fluktuation unter den Besch\u00e4ftigten ist aufgrund der harten Arbeitsbedingungen und unzureichenden Wertsch\u00e4tzung hoch. Mangelnde Transparenz der Konzernstrukturen und Zust\u00e4ndigkeiten erschwert zus\u00e4tzlich die Durchsetzung kollektiver Tarifvertr\u00e4ge und Standards.<\/p>\n\n\n\n<p>Die von Konzernvertreter*innen und Politiker*innen oftmals als Ziel ausgegebene Aufwertung von Pflegeund Gesundheitsarbeit bleibt weiterhin aus. Wie die Studie belegt, sind Strategien zur Gewerkschaftsvermeidung oder sogar Union-Busting (Gewerkschaftsbek\u00e4mpfung) in diesen Unternehmen keine Ausnahme, sondern oftmals Teil des Gesch\u00e4ftsmodells. Wie weit die Konzerne dabei gehen k\u00f6nnen, h\u00e4ngt von der St\u00e4rke der Gewerkschaften vor Ort, gesetzlichen Rahmenbedingungen und den Gesch\u00e4ftsstrategien der Konzerne ab. Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass es kein Zufall ist, dass von Private-Equity-Gesellschaften dominierte Unternehmen oftmals auf Union-Busting setzen, nicht zuletzt deswegen, weil diese fr\u00fcher oder sp\u00e4ter das Unternehmen profittr\u00e4chtig weiterverkaufen wollen. Aber auch internationale b\u00f6rsennotierte Aktiengesellschaften im Gesundheitsund Pflegesektor arbeiten mit Einsch\u00fcchterungen von Gewerkschaftsaktiven, drohen mit Entlassungen, bestechen oder \u00fcberwachen in manchen F\u00e4llen sogar ihre Besch\u00e4ftigten. Das Ziel ist, betriebliche Interessenvertretungen und Gewerkschaften in ihren Konzernen zu vermeiden oder die Wirksamkeit tarifvertraglicher Vereinbarungen zu begrenzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies wirkt sich nicht nur auf die Besch\u00e4ftigten in den jeweiligen Firmen aus, sondern auch auf die Arbeitsbedingungen und L\u00f6hne im \u00f6ffentlichen Dienst. Aufgrund h\u00f6herer Tarifbindung haben deutsche, italienische oder belgische Gewerkschaften gegen\u00fcber ihren Kolleg*innen in Zentral- und Osteuropa, den USA oder in L\u00e4ndern im globalen S\u00fcden in der Regel eine bessere Ausgangslage. In L\u00e4ndern wie Polen oder im globalen S\u00fcden stellt die Ankunft solcher Unternehmen die oftmals jungen Gewerkschaften, die schon mit der Aush\u00f6hlung von Arbeitnehmerrechten zu k\u00e4mpfen haben, vor Herausforderungen, die mit eigenen Ressourcen und Mitteln h\u00e4ufig nicht zu bew\u00e4ltigen sind.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a href=\"https:\/\/www.rosalux.de\/publikation\/id\/43759\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2021\/05\/Studien_2-21_Unsere_Gesundheit_Web-T.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Die Studie &#8222;Unsere Gesundheit, ihr Profit? 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