{"id":845,"date":"2021-06-10T16:31:26","date_gmt":"2021-06-10T14:31:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/?page_id=845"},"modified":"2021-06-10T16:31:27","modified_gmt":"2021-06-10T14:31:27","slug":"fossile-vermoegenswerte-von-banken-koennten-zu-neuen-subprimes-werden","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/fossile-vermoegenswerte-von-banken-koennten-zu-neuen-subprimes-werden\/","title":{"rendered":"Fossile Verm\u00f6genswerte von Banken k\u00f6nnten zu neuen &#8222;Subprimes&#8220; werden"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Eine Recherche der Organisationen Rousseau Institute, Friends of the Earth France und Reclaim Finance zeigt, dass elf f\u00fchrende europ\u00e4ische Banken 532 Milliarden Euro in fossilen Verm\u00f6genswerten angeh\u00e4uft haben &#8211; dies entspricht 95 Prozent ihres Eigenkapitals. Sollten fossile Verm\u00f6gensanteile im Falle einer schnellen Energiewende erheblich an Wert verlieren, bes\u00e4\u00dfen einige der untersuchten Banken laut der Studie nicht genug Eigenkapital, um ihre Verluste abzudecken, w\u00e4hrend das Eigenkapital anderer sogar beinahe ausgesch\u00f6pft w\u00fcrde. Jeglicher deutliche Wertverlust w\u00fcrde die Finanzkraft der elf untersuchten Banken enorm schw\u00e4chen, so dass sie keine Kapazit\u00e4t mehr h\u00e4tten, die Energiewende zu finanzieren.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr>\n<img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-313\" title=\"Foto: Nata Uchava, Freiburg.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2021\/06\/NU-210610-urgewald.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\">\n<hr>\n&nbsp;\n\n\n\n<p><strong>(Berlin\/ Paris, 10. Juni 2021)<\/strong> Eine Recherche der Organisationen Rousseau Institute, Friends of the Earth France und Reclaim Finance zeigt, dass f\u00fchrende europ\u00e4ische Banken 532 Milliarden Euro in fossilen Verm\u00f6genswerten angeh\u00e4uft haben. Dies entspricht 95 Prozent ihres Eigenkapitals. Pl\u00f6tzliche Wertverluste der fossilen Anlagen k\u00f6nnen f\u00fcr die Banken ernsthafte Probleme verursachen, so die Studie, die von der deutschen Umweltorganisation urgewald mitgezeichnet wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Situation verhindere den Umbau hin zu einer klimafreundlichen Wirtschaft und k\u00f6nne eine Finanzkrise mit drastischen wirtschaftlichen und sozialen Folgen ausl\u00f6sen, warnen die VerfasserInnen. Es seien staatliche, Finanzaufsicht- und Zentralbank-Interventionen n\u00f6tig, um dieses Problem anzugehen. Die Organisationen schlagen Regulierungsma\u00dfnahmen vor und sprechen sich f\u00fcr die Gr\u00fcndung einer europ\u00e4ischen \u201efossilen Bank\u201c aus, um konsequent den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen zu steuern.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Studie beleuchtet die Bilanzen der elf gr\u00f6\u00dften Banken in der Eurozone. Die Bilanzen aller Banken wurden auf \u201cGroup-Level\u201d untersucht, mit Ausnahme von Cr\u00e9dit Agricole SA, deren Finanzdaten von 2019 von besserer Qualit\u00e4t sind, als die der Cr\u00e9dit Agricole Group. Das Ergebnis: Die Banken haben insgesamt 532 Milliarden Euro Verm\u00f6genswerte in Kohle, \u00d6l und Gas angeh\u00e4uft. Dieser Bestand entspricht im Durchschnitt 95 Prozent des gesamten Eigenkapitals der Banken, die Spanne reicht von 68 Prozent bei Santander bis 131 Prozent bei Cr\u00e9dit Agricole.<\/p>\n\n\n\n<p>Fossile Verm\u00f6genswerte wurden definiert als alle Finanzstr\u00f6me, die \u00fcber Kredite oder Investitionen mit der Exploration, dem Abbau oder Vertrieb von Kohle-, \u00d6l-, oder Gas-Ressourcen dienen, sowie der Stromgewinnung daraus. Werte, die indirekt mit fossilen Energietr\u00e4gern verbunden sind, wie zum Beispiel der Verkehrssektor, wurden nicht mit einbezogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Paul Schreiber, Campaigner bei Reclaim Finance und Mitverfasser der Studie, sagt: \u201cWenn wir die globale Erw\u00e4rmung auf 1,5 Grad begrenzen wollen, m\u00fcssen 84 Prozent der fossilen Reserven im Boden bleiben\u201c und zitiert damit eine Analyse der Carbon Tracker Initiative basierend auf Arbeit des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC). Weiter erinnert Schreiber: \u201eNichtsdestotrotz unterst\u00fctzen europ\u00e4ische Banken Firmen, die neue Kohleminen, fossile Kraftwerke und Bohrvorhaben entwickeln, obwohl daraus gestrandete Verm\u00f6genswerte werden. Damit ignorieren sie sowohl die eskalierende Klimakatastrophe, als auch das drohende Finanzchaos. Sie verstecken sich hinter der Entwicklung sogenannter \u201anachhaltiger\u2018 Finanzprodukte, die leicht dem Greenwashing dienen k\u00f6nnen. Damit senken sie weder die Emissionen, noch das finanzielle Risiko aus fossilen Energien. Stringente finanzielle Regulierung ist ein Muss \u2013 sowohl um die Energiewende herbeizuf\u00fchren, als auch um Klimarisiken zu kontrollieren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Sollten fossile Verm\u00f6gensanteile im Falle einer schnellen Energiewende \u2011 \u00e4hnlich wie 2008 bei den \u201eSubprimes\u201c \u2013 80 Prozent ihres Wertes verlieren, bes\u00e4\u00dfen Cr\u00e9dit Agricole und Soci\u00e9t\u00e9 G\u00e9n\u00e9rale laut der Studie nicht genug Eigenkapital, um ihre Verluste abzudecken, w\u00e4hrend das Eigenkapital der Deutschen Bank und der Commerzbank beinahe ausgesch\u00f6pft w\u00fcrde. Jeglicher deutliche Wertverlust w\u00fcrde die Finanzkraft der elf untersuchten Banken enorm schw\u00e4chen, so dass sie keine Kapazit\u00e4t mehr h\u00e4tten, die Energiewende zu finanzieren. Dass fossile Verm\u00f6genswerte nur die Spitze des Eisbergs bei Klimarisiken darstellen, macht die Lage noch ernster.<\/p>\n\n\n\n<p>Die AutorInnen betonen, dass der Wertverlust vermutlich \u00fcber mehrere Jahre verteilt zu beobachten w\u00e4re, jedoch der Kluft zwischen den derzeitigen fossilen Produktionspl\u00e4nen und dem verbleibenden Kohlenstoffbudget entsprechen w\u00fcrde. Sektoren wie Luftfahrt, Autoindustrie und Petrochemie sind stark von fossilen Brennstoffen abh\u00e4ngig und werden ebenfalls schnell transformiert werden m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Lorette Philippot, Campaignerin bei Friends of the Earth France und Co-Autorin der Studie, kommentiert die Situation wie folgt: \u201cAuf dem Papier haben BNP Paribas, Soci\u00e9t\u00e9 G\u00e9n\u00e9rale, Cr\u00e9dit Agricole und BPCE mitunter die fortschrittlichsten Ausschlusskriterien f\u00fcr Fossile. Dennoch halten die vier Banken fossile Verm\u00f6gensanteile im Wert von insgesamt 260 Milliarden Euro. Dies entspricht 106 Prozent ihres Eigenkapitals. Das zeigt, dass freiwillige Selbstverpflichtungen bei weitem nicht gen\u00fcgen, um angemessen auf die sich zuspitzende Klimakrise zu reagieren. Es braucht verpflichtende Regulierung f\u00fcr den Finanzsektor, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens einzuhalten und eine potenzielle Finanzkrise mit dramatischen Folgen abzuwenden. Die franz\u00f6sische Regierung kann sich nicht l\u00e4nger als Vorreiterin in Sachen \u201agr\u00fcner Finanzierung\u2018 pr\u00e4sentieren, wenn sie sich nur auf den guten Willen der Banken verl\u00e4sst.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die AutorInnen der Studie rufen Zentralbanken, Finanzregulatoren, Regierungen und Gesetzgeber dazu auf, strengere Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, um der Finanzierung fossiler Brennstoffe ein Ende zu bereiten und bestehende fossile Verm\u00f6genswerte nachhaltig zu verwalten. Als konkrete Ma\u00dfnahmen schlagen die AutorInnen vor, monet\u00e4re Vorg\u00e4nge an das Pariser Klimaabkommen zu kn\u00fcpfen, die Finanzierung fossiler Brennstoffe auszuschlie\u00dfen und die Finanzregulierung anzupassen. Derzeit beziehen EZB-Kaufprogramme keine Klimarisiken mit ein, weshalb Unternehmen mit hohler Kohlenstoffintensit\u00e4t, inklusive fossiler Firmen, unterst\u00fctzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Um mit den vorhandenen fossilen Verm\u00f6genswerten umzugehen, wird in der Studie die Gr\u00fcndung einer europ\u00e4ischen \u201efossilen Bank\u201c vorgeschlagen. Mit Unterst\u00fctzung der Europ\u00e4ischen Zentralbank (EZB), w\u00fcrde diese neue Bank unter strikten Bedingungen \u2013 inklusive einer starken Wertminderung f\u00fcr fossile Wertanlagen \u2013 einen Gro\u00dfteil der fossilen Anlagen von den Banken zur\u00fcckkaufen, um sie im Einklang mit dem Pariser Klimaabkommen abzuwickeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Kathrin Petz, Finanzcampaignerin bei urgewald, kommentiert: \u201eWenn aus Klimaschutzgr\u00fcnden Kohle- und Gaskraftwerke, Pipelines oder \u00d6lfelder vor der Zeit stillgelegt werden, verlieren diese und die Unternehmen hinter ihnen massiv an Wert. Falls dieser Wertverlust 80 Prozent betr\u00e4gt, w\u00e4ren die Reserven von sowohl Deutscher Bank als auch Commerzbank fast verbraucht. Das Verh\u00e4ltnis von fossilen Anlagen zu Eigenkapitalquote betr\u00e4gt bei der Commerzbank 117 Prozent, sie hat also mehr fossile Anlagen als Eigenkapital. Das ist gef\u00e4hrlich und behindert die Transformation. Auf dieses Risiko m\u00fcssen die Banken aber genauso die Finanzaufsicht dringend reagieren. H\u00f6chste Zeit die B\u00fccher endlich von fossilen Anlagen zu bereinigen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die franz\u00f6sischen Organisationen Rousseau Institute (Institut Rousseau), Friends of the Earth France (Les Amis de la Terre France) und Reclaim Finance haben die Studie verfasst. Unterzeichnet wurde sie zudem von Re:Common (Italien), BankTrack (Niederlande), Veblen Institute (Frankreich), 350.org (Int), Oil Change International (USA), Notre Affaire A Tous (Frankreich), Positive Money (EU), Climate Safe Lending (USA), Leave It In the Ground &#8211; LINGO (Int), Agir Pour Le Climat (Frankreich), Rainforest Action Network (USA), urgewald (GER).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/urgewald.org\/team\/kathrin-petz\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\"Foto: urgewald.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2021\/06\/Kathrin-Petz-urgewald-klein.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Kathrin Petz verantwortet Kohle-, R\u00fcstungs- und Bankenkampagnen bei <a href=\"https:\/\/urgewald.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">urgewald<\/a>.<\/td><\/tr><tr><td><\/td><td><a href=\"https:\/\/urgewald.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2018\/07\/urgewaldLogo.jpg\" alt=\"\" width=\"150\"><\/a><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a href=\"https:\/\/reclaimfinance.org\/site\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Report-Fossil-Assets-the-new-subprimes.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2021\/06\/Report-Fossil-Assets-the-new-subprimes-T.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Die Studie &#8222;Fossil assets: the new subprimes?&#8220; steht <a href=\"https:\/\/reclaimfinance.org\/site\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Report-Fossil-Assets-the-new-subprimes.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00fcber diesen Link zum Download als PDF<\/a> bereit.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a href=\"https:\/\/reclaimfinance.org\/site\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/FAQ-Fossil-Assets-report-EN.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2021\/06\/FAQ-Fossil-Assets-report-EN-T.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">FAG zur Studie stehen <a href=\"https:\/\/reclaimfinance.org\/site\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/FAQ-Fossil-Assets-report-EN.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00fcber diesen Link zum Download als PDF<\/a> bereit.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Recherche der Organisationen Rousseau Institute, Friends of the Earth France und Reclaim Finance zeigt, dass elf f\u00fchrende europ\u00e4ische Banken 532 Milliarden Euro in fossilen Verm\u00f6genswerten angeh\u00e4uft haben &#8211; dies entspricht 95 Prozent ihres Eigenkapitals. 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