{"id":852,"date":"2021-06-23T16:34:54","date_gmt":"2021-06-23T14:34:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/?page_id=852"},"modified":"2021-06-23T16:34:55","modified_gmt":"2021-06-23T14:34:55","slug":"corona-boom-supermaerkte-machen-kasse-arbeiterinnen-zahlen-den-preis","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/corona-boom-supermaerkte-machen-kasse-arbeiterinnen-zahlen-den-preis\/","title":{"rendered":"Corona-Boom: Superm\u00e4rkte machen Kasse, Arbeiter*innen zahlen den Preis"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Im Corona-Jahr 2020 wurden Superm\u00e4rkte zu Krisengewinnern. Der Umsatzboom spiegelt sich auch bei den Verm\u00f6gen der Eigent\u00fcmerinnen wider: Das Verm\u00f6gen der Haupteigent\u00fcmerinnen von Aldi S\u00fcd wuchs von knapp 18 auf fast 25 Milliarden Euro, das Verm\u00f6gen des Eigent\u00fcmers der Schwarz-Gruppe, zu der Kaufland und Lidl geh\u00f6ren, wuchs um mehr als 30 Prozent. Neue Oxfam-Berechnungen f\u00fcr Kaffee aus Brasilien, Tee aus Indien und Wein aus S\u00fcdafrika zeigen, dass Arbeiterinnen immer weniger vom Preis bekommen, den Konsumentinnen im Supermarkt bezahlen; allein die Pandemiegewinne der Eigent\u00fcmer von Aldi S\u00fcd h\u00e4tten ausgereicht, um rund vier Millionen Besch\u00e4ftigten im brasilianischen Kaffee-Sektor existenzsichernde L\u00f6hne zu zahlen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr>\n<img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-313\" title=\"Foto: Nata Uchava, Freiburg.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2021\/06\/NU-210623-Corona-Gewinner-Verlierer.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\">\n<hr>\n&nbsp;\n\n\n\n<p><strong>(Berlin, 22. Juni 2021)<\/strong> Deutsche Superm\u00e4rkte erlebten im Corona-Jahr 2020 einen Umsatzboom, das Verm\u00f6gen ihrer Eigent\u00fcmer*innen wuchs um bis zu 30 Prozent. Die Arbeiter*innen in den globalen Lieferketten schuften trotzdem zu Hungerl\u00f6hnen, sind kaum gesch\u00fctzt oder haben ihre Arbeit ganz verloren. Das zeigt der neue Oxfam-Bericht \u201ePandemie-Profiteure und Virus-Verlierer*innen\u201c. Recherchen in vier L\u00e4ndern belegen Ausbeutung und schockierende F\u00e4lle von moderner Sklavenarbeit. Zudem erhalten Arbeiter*innen immer weniger vom Erl\u00f6s der von ihnen geernteten Produkte. Oxfam fordert, dass die Rekordums\u00e4tze der Superm\u00e4rkte bei den Menschen ankommen m\u00fcssen, die unser Essen herstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Corona-Jahr 2020 wurden Superm\u00e4rkte zu Krisengewinnern. Laut Oxfams Recherchen stiegen die Ums\u00e4tze von Discountern wie Lidl und Aldi um knapp neun Prozent, bei klassischen Superm\u00e4rkten wie Rewe und EDEKA um knapp 17 Prozent. Der Umsatzboom spiegelt sich auch bei den Verm\u00f6gen der Eigent\u00fcmer*innen wider. Das Verm\u00f6gen von Beate Heister und Karl Albrecht Junior, den Haupteigent\u00fcmer*innen von Aldi S\u00fcd, wuchs von knapp 18 auf fast 25 Milliarden Euro. Das Verm\u00f6gen von Dieter Schwarz, dem Eigent\u00fcmer der Schwarz-Gruppe, zu der Kaufland und Lidl geh\u00f6ren, wuchs um mehr als 30 Prozent.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eW\u00e4hrend die Supermarktketten Kasse machten, k\u00e4mpfen die Arbeiter*innen, die unser Essen herstellen, um ihre Existenz\u201c, sagt Tim Zahn, Oxfam Experte f\u00fcr Wirtschaft und Menschenrechte. Oxfam-Recherchen in Brasilien, Indien, S\u00fcdafrika und Thailand ergaben, dass viele Arbeiter*innen ihre Arbeitspl\u00e4tze verloren haben. Wenn sie weiterarbeiten konnten, sind sie bei ihrer Arbeit kaum gegen Corona gesch\u00fctzt. Die Pandemie verst\u00e4rkt dar\u00fcber hinaus die Benachteiligung von Frauen, die durch die Pandemie \u00fcberdurchschnittlich h\u00e4ufig ihre Jobs verloren haben und zus\u00e4tzliche Care-Arbeit leisten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Profite entlang der Lieferkette extrem ungleich verteilt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Neue Oxfam-Berechnungen f\u00fcr Kaffee aus Brasilien, Tee aus Indien und Wein aus S\u00fcdafrika zeigen, dass Arbeiter*innen immer weniger vom Preis bekommen, den Konsument*innen im Supermarkt bezahlen, w\u00e4hrend die Superm\u00e4rkte den gr\u00f6\u00dften Anteil f\u00fcr sich behalten. Arbeiter*innen auf Traubenplantagen in S\u00fcdafrika und auf Teeplantagen im indischen Bundesstaat Assam erhalten nur ein Prozent des Verkaufspreises. So verdienen Teepfl\u00fccker*innen im indischen Bundesstaat Assam t\u00e4glich gerade einmal 1,91 Euro. Im Kaffeesektor im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais betr\u00e4gt die L\u00fccke zwischen gezahlten L\u00f6hnen und existenzsichernden L\u00f6hnen 40 Prozent. \u201eDabei w\u00e4re Geld genug da\u201c, so Tim Zahn. \u201eAllein die Pandemiegewinne der Eigent\u00fcmer von Aldi S\u00fcd h\u00e4tten ausgereicht, um rund vier Millionen Besch\u00e4ftigten im brasilianischen Kaffee-Sektor existenzsichernde L\u00f6hne zu zahlen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>F\u00e4lle von \u201emoderner Sklavenarbeit\u201c in Lieferketten deutscher Superm\u00e4rkte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auf Kaffeeplantagen in Brasilien hat Oxfam besonders drastische F\u00e4lle gefunden. Hier stehen einige Plantagenbesitzer*innen wegen \u201emoderner Sklaverei\u201c auf der offiziellen \u201eLista suja\u201c (\u00fcbersetzt: schmutzige Liste) der Regierung. Arbeiter*innen, mit denen Oxfam gesprochen hat, berichten von Unterk\u00fcnften ohne flie\u00dfendes Wasser, extremer k\u00f6rperlicher Arbeit und fehlendem Schutz gegen giftige Pestizide oder das Coronavirus. Von ihren niedrigen L\u00f6hnen k\u00f6nnen die Arbeiter*innen kaum leben, zudem m\u00fcssen sie Ausr\u00fcstung und Schutzkleidung selbst kaufen, wof\u00fcr sie sich oft bei den Plantagenbesitzern verschulden. Obwohl die Plantagen auf der schmutzigen Liste stehen, hat Oxfam Belege f\u00fcr Verbindungen zu deutschen Supermarktketten.<\/p>\n\n\n\n<p>Oxfam fordert, dass Arbeiter*innen in den globalen Lieferketten ausreichend gegen Corona gesch\u00fctzt sind, kostenlose Schutzbekleidung erhalten und im Falle einer COVID-19-Erkrankung weiterhin Lohn bekommen. Au\u00dferdem m\u00fcssen die Supermarktketten ihr Gesch\u00e4ftsmodell ver\u00e4ndern, so dass die Besch\u00e4ftigten in den globalen Lieferketten von ihrer Arbeit leben k\u00f6nnen und ihre Rechte geachtet werden. Das k\u00fcrzlich verabschiedete Lieferkettengesetz ist ein erster Schritt, doch nur eine Minimall\u00f6sung. Die Bundesregierung muss dieses nachsch\u00e4rfen und sich f\u00fcr eine weitreichendere Regelung in der EU einsetzen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.oxfam.de\/kontakt\/tim-zahn\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\"Foto: oxfam.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2021\/06\/Tim-Zahn-T.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Tim Zahn ist \nReferent globale Lieferketten, Menschenrechte und Migration bei <a href=\"https:\/\/www.oxfam.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">oxfam<\/a>.<\/td><\/tr><tr><td><\/td><td><a href=\"https:\/\/www.oxfam.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2018\/05\/OXFAM.png\" alt=\"\" width=\"150\"><\/a><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2021\/06\/Oxfam-Bericht_Pandemie-Profiteure-und-Virus-Verlierer_innen_Juni-2021.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2021\/06\/Oxfam-Bericht_Pandemie-Profiteure-und-Virus-Verlierer_innen_Juni-2021-T.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Der OXFAM-Bericht &#8222;Pandemie-Profiteure und Virus-Verlierer*innen&#8220; steht <a href=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2021\/06\/Oxfam-Bericht_Pandemie-Profiteure-und-Virus-Verlierer_innen_Juni-2021.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00fcber diesen Link zum Download als PDF<\/a> bereit.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Corona-Jahr 2020 wurden Superm\u00e4rkte zu Krisengewinnern. Der Umsatzboom spiegelt sich auch bei den Verm\u00f6gen der Eigent\u00fcmerinnen wider: Das Verm\u00f6gen der Haupteigent\u00fcmerinnen von Aldi S\u00fcd wuchs von knapp 18 auf fast 25 Milliarden Euro, das Verm\u00f6gen des Eigent\u00fcmers der Schwarz-Gruppe, zu der Kaufland und Lidl geh\u00f6ren, wuchs um mehr als 30 Prozent. 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