{"id":867,"date":"2021-10-25T16:46:34","date_gmt":"2021-10-25T14:46:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/?page_id=867"},"modified":"2021-10-25T17:39:26","modified_gmt":"2021-10-25T15:39:26","slug":"steuerliche-ungleichheit-kultivieren-der-socfin-bericht","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/steuerliche-ungleichheit-kultivieren-der-socfin-bericht\/","title":{"rendered":"Steuerliche Ungleichheit kultivieren: Der Socfin-Bericht"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Der Luxemburger Agrarkonzern Socfin sch\u00f6pft Gewinne aus der Rohstoffproduktion in den Herstellungsl\u00e4ndern ab und verschiebt sie in den Schweizer Tiefsteuerkanton Freiburg. Diese Steuervermeidung geht Hand in Hand mit Profitmaximierung zu Lasten der Bev\u00f6lkerung in den betroffenen Regionen in Afrika und Asien. Ein Bericht von Brot f\u00fcr alle und Alliance Sud aus der Schweiz sowie dem deutschen Netzwerk Steuergerechtigkeit, in dem sich auch Attac engagiert, zeigt erstmals auf, wie diese Praxis genau funktioniert.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr>\n<img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-313\" title=\"Grafik: Nata Uchava, Michael Wildberger.\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2021\/10\/NU-211025-Scofin.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\">\n<hr>\n&nbsp;\n\n\n\n<p><strong>(Frankfurt am Main, 22. Oktober 2021)<\/strong> Ein neuer Bericht von Brot f\u00fcr alle und der Alliance Sud aus der Schweiz sowie dem deutschen Netzwerk f\u00fcr Steuergerechtigkeit \u00fcber die Steuerstrategie des Agrarkonzerns Socfin deckt auf, wie multinationale Unternehmen Gewinne aus L\u00e4ndern in Afrika und Asien, in denen sie Rohstoffe produzieren, in Steuerparadiese wie die Schweiz verschieben k\u00f6nnen. Die Strategien m\u00f6gen den OECD-Regeln entsprechen. Doch eine solche Steuervermeidung ist gleichbedeutend mit der Absch\u00f6pfung von Gewinnen auf Kosten der Menschen in den Produktionsl\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Socfin-Gruppe ist ein agroindustrielles Unternehmen mit Sitz in Luxemburg, das auf fast 400.000 Hektar Konzessionsfl\u00e4che in Afrika und Asien Kautschuk und Palm\u00f6l produziert und damit handelt. Im Zeitraum 2014 bis 2020 erwirtschaftete die Socfin-Gruppe j\u00e4hrlich durchschnittlich 41 Millionen Euro Gewinn. Im Jahr 2010 siedelte Socfin die Leitung der Konzerngruppe und mehrere Tochtergesellschaften in der Schweiz an. Diese Tochtergesellschaften in der Steueroase Schweiz erwirtschaften Millionengewinne.<\/p>\n\n\n\n<p>Der neue Bericht deckt m\u00f6gliche Wege der Gewinnverschiebung auf, indem er die Finanzberichte von Socfin analysiert. Die Gewinne sind dort am h\u00f6chsten, wo die Steuern am niedrigsten sind. In den afrikanischen L\u00e4ndern, in denen Socfin t\u00e4tig ist, schwanken die K\u00f6rperschaftssteuern zwischen 25 und 33 Prozent, und die Gewinne von Socfin pro Mitarbeiter*in liegen bei nur 1.642 Euro. In der Schweiz, wo der Steuersatz weniger als 14 Prozent betr\u00e4gt, liegen die Gewinne pro Mitarbeiter*in bei 116.000 Euro.<\/p>\n\n\n\n<p>Weltweit werden j\u00e4hrlich etwa 80 Milliarden Euro an Gewinnen aus Entwicklungsl\u00e4ndern in Niedrigsteuerl\u00e4nder wie die Schweiz verschoben. Gewinnverschiebung und Steuervermeidung sind zwar nicht unbedingt illegal, wirken aber den Bem\u00fchungen um globale Gerechtigkeit entgegen und schr\u00e4nken den steuerlichen Spielraum von Staaten zur Erf\u00fcllung ihrer Menschenrechtsverpflichtungen ein. Laut Paul Larry George, dem Vorsitzenden der Alliance for Rural Democracy in Liberia, wo Socfin t\u00e4tig ist, \u201eist es wichtig zu wissen, dass Liberia nicht den maximalen Nutzen aus der F\u00f6rderung seiner nat\u00fcrlichen Ressourcen zieht. Steuervermeidung ist Teil des Problems und tr\u00e4gt dazu bei, dass das Land arm bleibt, vor allem dort, wo die Unternehmensstrukturen haupts\u00e4chlich darauf ausgerichtet sind, von g\u00fcnstigen Steuerregelungen in anderen L\u00e4ndern zu profitieren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>In den drei L\u00e4ndern, in denen Socfin t\u00e4tig ist und die in dem Bericht untersucht werden \u2013 Liberia, Sierra Leone und Kambodscha \u2013 senken die Plantagenmanager*innen offensichtlich die Kosten, wo immer es m\u00f6glich ist: Sie zahlen nur sehr wenig f\u00fcr das Land, das sie pachten, f\u00fcr die B\u00e4ume, die sie f\u00e4llen, f\u00fcr die Arbeiter*innen, die sie einstellen, f\u00fcr die Ma\u00dfnahmen zur sozialen Verantwortung der Unternehmen, die sie versprechen. Ein gro\u00dfer Teil der auf diese Weise erwirtschafteten Gewinne landet in der Schweiz, wie die Studie zeigt. Umso dringlicher ist es, dass Socfin auf die Forderungen der lokalen Gemeinschaften eingeht, etwa umstrittenes Land zur\u00fcckzugeben, die Umwelt zu respektieren, sicherzustellen, dass allen Arbeiter*innen auf den Plantagen existenzsichernde L\u00f6hne gezahlt werden, und alle Rechtsverletzungen zu beenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Steuergesetze auf der ganzen Welt erm\u00f6glichen es Unternehmen, Gewinne dorthin zu verlagern, wo die Steuern am niedrigsten sind. Die Schweiz muss ihre besonderen Steuervorschriften \u00e4ndern, die f\u00fcr multinationale Unternehmen wie Socfin einen Anreiz zur Gewinnverlagerung darstellen. Au\u00dferdem sollten alle Regierungen zu einem System \u00fcbergehen, bei dem die Gewinne in den L\u00e4ndern besteuert werden, in denen die Arbeitnehmer*innen sie erwirtschaften.<\/p>\n\n\n\n<p>In einer internationalen Erkl\u00e4rung fordern mehr als 25 Organisationen aus Afrika, Asien und Europa, darunter Attac, ihre Regierungen auf, dieser Steuervermeidung einen Riegel vorzuschieben und Gewinne in den L\u00e4ndern zu besteuern, in denen die Arbeitnehmer*innen sie erwirtschaften. Die Unterzeichner*innen sind:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Alliance for Rural Democracy, Liberia<\/li><li>Alliance Sud, Schweiz<\/li><li>Association Fran\u00e7aise d\u2019Amiti\u00e9 et de Solidarit\u00e9 avec les Peuples d\u2019Afrique (AFASPA), Frankreich<\/li><li>Attac Deutschland, Deutschland<\/li><li>Brot f\u00fcr alle, Schweiz<\/li><li>Community Forest Watch, Nigeria<\/li><li>Creatives for Justice, Schweiz<\/li><li>FIAN Belgium, Belgien<\/li><li>GRAIN<\/li><li>Green Advocates International, Liberia<\/li><li>Green Scenery, Sierra Leone<\/li><li>Jeunes Volontaires pour l\u2019Environnement (JVE), Elfenbeink\u00fcste<\/li><li>JUSTICITIZ, Liberia<\/li><li>Malen Land Owners and Users Association (Maloa), Sierra Leone<\/li><li>Milieudefensie, Niederlande<\/li><li>Natural Resource Women\u2019s Plattform, Liberia<\/li><li>Netzwerk Steuergerechtigkeit, Deutschland<\/li><li>Rainforest Rescue, Deutschland<\/li><li>ReAct Transnational, Frankreich<\/li><li>R\u00e9seau des Acteurs du D\u00e9veloppement Durable (RADD), Kamerun<\/li><li>Sierra Leone Network on the Right to Food (Silnorf), Sierra Leone<\/li><li>SOS Faim, Luxemburg<\/li><li>Synergie Nationale des Paysans et Riverains du Cameroun (Synaparcam), Kamerun<\/li><li>The Bunong Indigenous People Association (Bipa), Kambodscha<\/li><li>Union des Villages D\u00e9guerpir (UVD), Elfenbeink\u00fcste<\/li><li>Youth Volunteers for Environment, Ghana.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><img decoding=\"async\" title=\" width=\"180\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\"Foto: Von KarlMH - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=17119169. aligncenter wp-image-43\" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2018\/05\/Karl-Martin_HentschelS-241x300.jpg\" alt=\"\"><\/td><td width=\"75%\">Karl-Martin Hentschel vertritt im Netzwerk Steuergerechtigkeit <a href=\"http:\/\/www.attac.de\/startseite\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Attac<\/a>.<\/td><\/tr><tr><td><\/td><td><a href=\"http:\/\/www.attac.de\/startseite\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2018\/05\/Attac-Logo_rgb.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-subtle-light-gray-background-color has-background\"><tbody><tr><td width=\"25%\"><a href=\"https:\/\/brotfueralle.ch\/content\/uploads\/2021\/05\/socfin_21_zusammenfassung.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-313\" title=\" \" src=\"https:\/\/www.sinn-schaffen.de\/finanz\/wp-content\/uploads\/sites\/13\/2021\/10\/socfin_21_zusammenfassung-T.jpg\" alt=\"\" width=\"180\"><\/a><\/td><td width=\"75%\">Eine Zusammenfassung des Berichts &#8222;Steueroptimierung auf Kosten der \u00c4rmsten&#8220; steht <a href=\"https:\/\/brotfueralle.ch\/content\/uploads\/2021\/05\/socfin_21_zusammenfassung.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00fcber diesen Link zum Download als PDF<\/a> bereit.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Luxemburger Agrarkonzern Socfin sch\u00f6pft Gewinne aus der Rohstoffproduktion in den Herstellungsl\u00e4ndern ab und verschiebt sie in den Schweizer Tiefsteuerkanton Freiburg. 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